Tipp: du kannst mit der Tastatur blättern
Martin in der Mitte, Gerhard rechts und ich bin der dämlich grinsende Typ links
Martin in der Mitte, Gerhard rechts und ich bin der dämlich grinsende Typ links - wir drei werden in den kommenden Wochen lachen, leiden, schwitzen und fluchen – und in allen Belangen unseren Horizont erweitern
Ja, die Menschen hier sind etwas anders gekleidet ...
Ja, die Menschen hier sind etwas anders gekleidet ...
"Hello, how are you?"
"Hello, how are you?"
Egal wo wir hinkommen, sorgen unsere Bikes für Aufläufe
Egal wo wir hinkommen, sorgen unsere Bikes für Aufläufe - doch noch nie habe ich so gastfreundliche Menschen getroffen
Wildfremde laden uns zum Teetrinken ein
Wildfremde laden uns zum Teetrinken ein
Daheim habe ich mich länger nicht mehr bewusst mit Religion beschäftigt
Daheim habe ich mich länger nicht mehr bewusst mit Religion beschäftigt - hier ist der Islam Staatsreligion und der Glaube ist allgegenwärtig
Ishaq ist unser Guide
Ishaq ist unser Guide - der Original-Balti ist extrem zäh, verfügt über einen stark Ironie-lastigen Humor und hat dank eines halben Schafs nie kalte Ohren.
Nur mal so zur Info: Das hier ist das Karakorum
Nur mal so zur Info: Das hier ist das Karakorum - sieht nicht ganz nach Flowtrails aus.
Die Tour können wir laut Ishaq schaffen, wenn Allah uns gnädig sei.
Die Tour können wir laut Ishaq schaffen, wenn Allah uns gnädig sei. - Wir nutzen auf jeden Fall die Zeit, um uns in Skardu umzusehen und alle für uns so neuen Eindrücke soweit wie möglich aufzusaugen.
Pick-Up beladen …
Pick-Up beladen …
… und los geht's in die richtigen Berge!
… und los geht's in die richtigen Berge!
Ajub ist einer der Porter
Ajub ist einer der Porter - und nebenbei einer der fittesten und liebenswürdigsten Menschen, denen ich je begegnet bin.
Selbst die sprachliche Barriere ist da kein Hinderungsgrund, Freundschaften zu knüpfen.
Selbst die sprachliche Barriere ist da kein Hinderungsgrund, Freundschaften zu knüpfen.
Fahrtechnik-Freitag in Pakistan
Fahrtechnik-Freitag in Pakistan - spätestens beim gemeinsamen Training schmilzt alles Eis.
Während Gerhard für die männliche Jugend von Hushe eine kleine Show fährt, liege ich im Zelt und fühle mich so gar nicht wohl
Während Gerhard für die männliche Jugend von Hushe eine kleine Show fährt, liege ich im Zelt und fühle mich so gar nicht wohl - leider bleibt aufgrund des aus unserer Sicht durchaus seltsamen Frauenbildes den Mädchen dieser Spaß verwehrt.
Unsere Route von Hushey über den Gondogoro La auf den Baltoro Gletscher
Unsere Route von Hushey über den Gondogoro La auf den Baltoro Gletscher - wir laufen – ist ja klar – natürlich die deutlich schwerere Richtung.
Die erste Etappe ist sehr entspannt und fast komplett fahrbar
Die erste Etappe ist sehr entspannt und fast komplett fahrbar - gut für meinen verdorbenen Magen.
Die Brücken sind nicht immer besonders vertrauenserweckend.
Die Brücken sind nicht immer besonders vertrauenserweckend.
Die Wege sind – noch – fast wie fürs Mountainbiken gemacht.
Die Wege sind – noch – fast wie fürs Mountainbiken gemacht.
Am Ende der ersten Etappe jedoch machen wir uns schon mal mit der nun folgenden Fortbewegungsart vertraut.
Am Ende der ersten Etappe jedoch machen wir uns schon mal mit der nun folgenden Fortbewegungsart vertraut. - Noch ahnen wir natürlich nicht, wie viel wir letztendlich tragen werden …
Dies ist sicherlich einer der eindrucksvollsten Schlafplätze, an dem ich jemals sein durfte.
Dies ist sicherlich einer der eindrucksvollsten Schlafplätze, an dem ich jemals sein durfte.
Ich würde dieses Zelt dort wirklich nicht gegen ein 5-Sterne Hotel tauschen.
Ich würde dieses Zelt dort wirklich nicht gegen ein 5-Sterne Hotel tauschen.
Innehalten.
Innehalten.
Das Gute beim Akklimatisieren ist, dass man die freie Zeit zum Biken nutzen kann.
Das Gute beim Akklimatisieren ist, dass man die freie Zeit zum Biken nutzen kann.
Und man mag es kaum glauben, aber wir finden in dieser unglaublichen Landschaft richtige Wege …
Und man mag es kaum glauben, aber wir finden in dieser unglaublichen Landschaft richtige Wege …
… und können es zusammen stauben lassen.
… und können es zusammen stauben lassen.
7.000 Meter hohe Berge im Hintergrund und ein feiner Trail
7.000 Meter hohe Berge im Hintergrund und ein feiner Trail - besser geht nur schwer!
Der erste Schritt (oder Schnitt) zum Chicken Handi
Der erste Schritt (oder Schnitt) zum Chicken Handi - frischer geht nicht.
Müde und erschöpft? Dann einfach weiterlaufen
Müde und erschöpft? Dann einfach weiterlaufen - so Ishaqs Ratschlag.
Immerhin kann er uns als erfahrener Guide eine tip top Landkarte zeichnen, anhand der er mit uns die Tage plant.
Immerhin kann er uns als erfahrener Guide eine tip top Landkarte zeichnen, anhand der er mit uns die Tage plant.
Immer höher geht es hinauf
Immer höher geht es hinauf - Mashabrum im Hintergrund juckt es allerdings nicht wirklich.
Hatte ich mich vorhin noch über Brücken beschwert, wäre Gerhard hier jetzt sehr froh um eine
Hatte ich mich vorhin noch über Brücken beschwert, wäre Gerhard hier jetzt sehr froh um eine - Ishaq übrigens stellt sich da nicht so an wie wir verweichelten Europäer und schwebt quasi drüber.
Ja, die Landschaft hat was!
Ja, die Landschaft hat was!
Die massiven Gletscher haben das Gebirge geformt
Die massiven Gletscher haben das Gebirge geformt - und zwar in Dimensionen, welche die der Alpen um ein Vielfaches übertreffen!
Gletschertische sorgen für surreale Anblicke.
Gletschertische sorgen für surreale Anblicke.
Leila Peak begrüßt uns am Ende der langen Etappe.
Leila Peak begrüßt uns am Ende der langen Etappe.
Hatte ich schon erwähnt, dass wir immer recht schicke Zeltplätze hatten?
Hatte ich schon erwähnt, dass wir immer recht schicke Zeltplätze hatten?
Leila Peak
Leila Peak - dieses Bild ist übrigens nicht gestellt. Dieser Berg ist tatsächlich so schön, dass man einfach nur da sitzen und gucken kann.

Radeln in Pakistan? Jetzt magst du dich vielleicht fragen, ob das denn nötig sei. Also warum man so etwas tut. Mei, gefährlich ist das doch – und unnötig sowieso. In den Alpen kann man doch viel besser Radfahren. Und außerdem gibts da nicht mal Kaiserschmarren. Berechtigte Einwände. Eindeutig. Und dennoch: Wir sind trotzdem nach Pakistan. Mit unseren Mountainbikes. Davon wird dir nun im Folgenden berichtet.

Kurzinfo Pakistan

Pakistan liegt geografisch gesehen zwischen Indien und Afghanistan und grenzt im Norden an China an. Das Land hat zudem eine bewegte Geschichte: Schon immer folgte hier ein Eroberungszug auf den nächsten, was für eine Durchmischung der Ethnien und einen regen Wechsel der Glaubensrichtungen sorgte. Ab 1858 geriet Pakistan dann zusammen mit dem heutigen Indien unter die Kolonialmacht England – Britisch-Indien war geboren und hatte ein paar Jahrzehnte Bestand.

Zumindest bis 1947, als nach dem Irrsinn des Zweiten Weltkrieges die bisherige Weltordnung arg durcheinander geraten war und infolgedessen viele Kolonien früher oder später ihre Unabhängigkeit wieder erhielten oder sich diese erkämpften. So auch Pakistan und Indien, die nach einem recht abrupten Rückzug Englands quasi über Nacht als zwei unabhängige Staaten dastanden. Indien als überwiegend hinduistischer Staat, Pakistan als muslimischer.

Pakistani in Skardu
# Pakistani in Skardu

Diese Trennung ging wahrlich nicht besonders friedlich vonstatten – metzelten sich denn nach dem Abzug der Engländer die Angehörigen der verschiedenen Religionsgemeinschaften gegenseitig nur so dahin. Fluchtbewegungen ungezählter Menschen quer über den Kontinent waren die Folge, um in das jeweilige Gebiet ihres Glaubens zu gelangen. Dieser Konflikt ist in das kollektive Gedächtnis der Menschen eingegangen und zieht sich bis heute in die Länge. Mehrere Kriege zwischen Pakistan und Indien waren die Folge. Im Sommer 2019, unserer Reisezeit, hatte sich die Lage insbesondere in der Kaschmir-Region wieder stark zugespitzt.

Diese Sache mit den Vorurteilen …

Was ein Standard-Westeuropäer wie ich heute von Pakistan mitbekommt? Terror, Taliban, Islamismus und Kaschmirkonflikt. Quasi sau gefährlich. Liest man doch ständig in der Zeitung. Jetzt würde ich mich zwar als recht weltoffenen Menschen bezeichnen, dennoch bin natürlich auch ich ein Kind meiner Umwelt und gerade durch die Medien stark geprägt. Besonders eingebrannt hat sich mir das Vorkommnis, als in meiner Zeit als Lehrer in einer Vorbereitungsklasse für Flüchtlingskinder ein Afghane ständig auf einen kleinen Pakistani einschlug. Auf die Frage, warum er das mache, kam nur die Antwort, dass alle Pakistani Taliban sein.

So hüpfen mir als allererstes nicht gerade besonders positive Bilder durch die Denkzentrale, als eines schönen Abends das Telefon klingelt und Gerhard mich fragt, ob ich nicht zufällig Bock hätte, drei Wochen in Pakistan zu biken. Kurzes Stutzen, und auch wenn eine Google-Recherche auf die Schnelle gar nicht so Lust auf das Land macht: Nach Rücksprache mit der Freundin ist klar – ich bin dabei!

Hello, how are you?

Kurzer Zeitsprung von neun Monaten und guten 5.000 Kilometern: August 2019, ich stehe als gefühlt einziger blonder Mensch plötzlich tatsächlich in Islamabad. Wenig später treffe ich nach etwas Herumirren auch meine beiden Mitstreiter: Gerhard Czerner, den Kopf hinter unserer Mission, und Martin Bissig, der uns mit Kamera und seinem professionellen Auge begleiten wird.

Wir fallen etwas auf
# Wir fallen etwas auf - blond und bleich
Zudem haben wir für die Region hier völlig unübliche Fahrgeräte dabei
# Zudem haben wir für die Region hier völlig unübliche Fahrgeräte dabei - wir stoßen auf sehr großes Interesse und Offenheit
Martin in der Mitte, Gerhard rechts und ich bin der dämlich grinsende Typ links
# Martin in der Mitte, Gerhard rechts und ich bin der dämlich grinsende Typ links - wir drei werden in den kommenden Wochen lachen, leiden, schwitzen und fluchen – und in allen Belangen unseren Horizont erweitern
Diashow: Pakistan per Bike – Teil 1: „It’s possible, inschallah!“
Selbst die sprachliche Barriere ist da kein Hinderungsgrund, Freundschaften zu knüpfen.
Ja, die Landschaft hat was!
Immer höher geht es hinauf
… und können es zusammen stauben lassen.
Am Ende der ersten Etappe jedoch machen wir uns schon mal mit der nun folgenden Fortbewegungsart vertraut.
Diashow starten »

Interessant beim Reisen sind ja gerade die ersten Eindrücke. Hier in Pakistan, vor allem: staubig und grau. Dazu ein Haufen Männer, die mit ihren braunen, wettergegerbten Gesichtern, langen Bärten und Gewändern so aussehen, dass leider mir eingebrannte Klischees direkt bestimmte Bilder in meinem Kopf aufploppen lassen. Doch dann, siehe da: Aus den finsteren, verwitterten Gesichtern schält sich sogleich ein breites Grinsen, überall werden einem die Hände gereicht und man wird ausgefragt, woher man kommt, wohin es geht und natürlich: „Hello, how are you?“ Aus den scheinbaren Hollywood-Terrorristen werden plötzlich freundliche Menschen wie du und ich.

Ja, die Menschen hier sind etwas anders gekleidet ...
# Ja, die Menschen hier sind etwas anders gekleidet ...
"Hello, how are you?"
# "Hello, how are you?"

Als wir dann etwas später im nördlich gelegenen Skardu unsere Bikes auspacken und auf Erkundungstour aufbrechen, ist es dann mit der Zurückhaltung völlig geschehen. Wir sind die einzigen mit Mountainbikes hier – ja, mit Fahrrädern im Allgemeinen sogar. Wir sind die Attraktion schlechthin, werden fotografiert, machen tausende Selfies mit Wildfremden und werden von ebendiesen zum Tee eingeladen. Fahrrad als Türöffner, könnte man sagen.

Egal wo wir hinkommen, sorgen unsere Bikes für Aufläufe
# Egal wo wir hinkommen, sorgen unsere Bikes für Aufläufe - doch noch nie habe ich so gastfreundliche Menschen getroffen
Wildfremde laden uns zum Teetrinken ein
# Wildfremde laden uns zum Teetrinken ein

Wir sind seit einem Tag hier, schon hat sich das bisherige Bild im Kopf umgeformt und so sind Pakistan und Islam nun schon ganz anders konnotiert.

Daheim habe ich mich länger nicht mehr bewusst mit Religion beschäftigt
# Daheim habe ich mich länger nicht mehr bewusst mit Religion beschäftigt - hier ist der Islam Staatsreligion und der Glaube ist allgegenwärtig

Einziger Wermutstropfen: Unser Hotel ist aus unserer Kehrwoche-verwöhnten Perspektive wahrlich keine Perle der Sauberkeit. Direkt über einer Dieselzapfsäule gelegen, sieht man schon nach kurzer Zeit im Zimmer Sterne und bevor man sich ins Bett legt, muss man gebrauchte Taschentücher daraus entfernen. Zudem kracht mir auf dem Klo im wahrsten Sinne die Schüssel unterm Hintern weg. Bei Martin dient eine Plastikflasche als Türklinke und in seinem Bett ist mehr Getier als im gesamten Stadtwald Freiburgs. Naja, egal, ab morgen geht es in die Berge – endlich raus.

Possible, inschallah!

Mit Ishaq haben wir dafür einen originalen Balti als Guide zur Seite. Mit seinen bald 60 Jahren (so genau weiß er sein Alter nicht) sieht er aus, wie man ihn sich vorstellt. Wenn er nicht gerade auf Expedition ist, jagt er im Gebirge Steinböcke oder baut an seinem Haus. Er redet ein lustiges Englisch und ist schnell mit unserem etwas kindischen und Ironie-lastigen Humor vertraut – besser noch: Er scheint genau über diesen ebenfalls zu verfügen.

Ishaq von opossumMehr Mountainbike-Videos

Ishaq ist unser Guide
# Ishaq ist unser Guide - der Original-Balti ist extrem zäh, verfügt über einen stark Ironie-lastigen Humor und hat dank eines halben Schafs nie kalte Ohren.

Jetzt musst du wissen, dass bisher noch gar nicht so viele Mountainbiker im Karakorum unterwegs waren. Was bei Gerhard letztendlich zu einem mehr als zweijährigen Planungsprozess führte. Seine Anfragen an Adventure Tours Pakistan (ATP), immerhin eine der renommiertesten Agenturen für Trekking und Expeditionen im Land, sorgten für einige Befremdung und recht großes Unverständnis. Was wollt ihr da machen? Mit einem Bicycle?

Nur mal so zur Info: Das hier ist das Karakorum
# Nur mal so zur Info: Das hier ist das Karakorum - sieht nicht ganz nach Flowtrails aus.

Auch der Austausch mit westlichen Bergsteigerkollegen, die schon vor Ort waren, war nicht so richtig besonders hilfreich. Von „Alles einfach da, ist voll die Autobahn“ bis hin zu „Wir mussten uns komplett vom Pass abseilen“ ist alles dabei. Selbst in Skardu sind wir also noch keinen Deut schlauer, was die Machbarkeit unseres Planes angeht.

Ein Rumäne im Hotel zeigt sich selbstbewusst und meint, mindestens 80 % der Tour seien für ihn easy fahrbar. Er ist kein Mountainbiker, so viel sei noch gesagt. Ein Pakistani wiederum erzählt, dass er gerade bis zu Hüfte eingeschneit gewesen sei – Todesurteil für jegliches Radfahren. Diametraler könnten die Angaben folglich nicht sein.

Also fragen wir doch einfach mal unseren Guide:

„Ishaq, can we make it up to the pass with the bicycles?“
„Yes, easy. With good mindset. Possible. Inschallah.“
„Ok perfect. So its not too hard?“
„Oh yes really hard. Dangerous. Rocks falling when too woom.“
„Oha. But when what? Whom?“
„Too woom.“
„To whom? What does this mean?“
„A lot of hot. Sun shining!“
„Ahhh when it get‘s too warm. Got it. So you think we can ride on our bikes after the pass?“
“Yes, possible. Inschallah. But not easy, it’s mountain adventure. No city.”

Gut, danke fürs Gespräch. Jetzt endlich bin ich viel schlauer. Nicht.

Freilich musst du jetzt wissen, dass für einen Pakistani die richtigen Berge erst ab 8.000 Metern Höhe beginnen. Auf die 7.000er sind sie auch noch stolz. Alles darunter jedoch ist nur „nothing“. Gut für uns, denn sonst hätte wahrscheinlich unsere Agentur die Idee, auf den Gorondoro La mit dem Fahrrad zu kraxeln, als völlig schwachsinnig abgetan. So aber ist es einfach nur „possible, inschallah“ – ist ja nur ein popliger Pass, der nicht mal 7.000 Meter hoch ist.

Dennoch: Inschallah – so Gott will. Vorsichtshalber noch schnell etwas Verantwortung abschieben, sollte es doch nicht klappen. Wobei hier mit mehr Ernst zu sagen ist, dass inschallah ein übliches Anhängsel bei jeglicher Konversation in muslimischen Ländern ist. Ein Pakistani sagt nicht „see you tomorrow“, sondern eben „see you tomorrow, inschallah“. Und gerade eher streng gläubige Muslime wie Ishaq meinen dies auch wirklich so. Nicht alles liegt in unseren Händen und Allah wird uns nur gnädig sein, wenn wir uns gottgefällig verhalten.

Die Tour können wir laut Ishaq schaffen, wenn Allah uns gnädig sei.
# Die Tour können wir laut Ishaq schaffen, wenn Allah uns gnädig sei. - Wir nutzen auf jeden Fall die Zeit, um uns in Skardu umzusehen und alle für uns so neuen Eindrücke soweit wie möglich aufzusaugen.

Jetzt frage ich natürlich, wie man sich gottgefällig verhält. Das Wichtigste sei ganz klar das Beten, meint unser Guide, der übrigens der islamischen Strömung des Sufismus angehört. Also Beten. Und zwar besonders nachts, da ja Mohammed des Nachts auch nicht geschlafen, sondern gebetet habe. Püha, denke ich mir da. Ein guter Mensch müsse man zudem sein. Ok, das sollte ich hinbekommen. Und „Good mindset“ müsse man haben. Öhm, joah, haben wir glaube ich. Easy, meint Ishaq. Wir müssten uns da gar keine Sorgen machen. Wir hätten eine richtig gute Einstellung und er würde das Beten übernehmen. Hervorragend, dann kann ja quasi gar nichts mehr schiefgehen. Also vermutlich. Inschallah.

Ab ins Karakorum

Eingezwängt in einem klapprigen Pickup düsen wir tiefer ins Gebirge hinein. Wobei düsen hier eher Euphemismus. Da der Weg eher aus Schlaglöchern denn aus Straße besteht, kommen wir gar nicht so schnell voran. Nur ein Bruchteil der pakistanischen Straßen überhaupt ist asphaltiert.

Pick-Up beladen …
# Pick-Up beladen …
… und los geht's in die richtigen Berge!
# … und los geht's in die richtigen Berge!
Abgesehen von den wenigen asphaltierten Straßen ist dies hier ein eher noch entspanntes Stück.
# Abgesehen von den wenigen asphaltierten Straßen ist dies hier ein eher noch entspanntes Stück.
Unser Fahrer hatte sich etwas mit seiner  Tankfüllung verschätzt
# Unser Fahrer hatte sich etwas mit seiner Tankfüllung verschätzt - aus einem anderen Land Cruiser wird einfach schnell etwas Diesel abgesaugt und bei uns eingefüllt.

Im Bergdorf Hushe treffen wir dann auf unseren Koch samt unseren Portern (= Träger). Apropos: Für unser Vorhaben müssen extra „high-altitude porter“ engagiert werden. Diese sind erfahrene Alpinisten – oder besser gesagt Karakorumnisten – sodass sie mit bis zu 20 Kilo Gepäck unsere geplante Route laufen/klettern können.

Ohne Guide und Porter für uns keine Chance auf Erfolg.

Jetzt bin ich eigentlich eher ein Typ, dem es unangenehm ist, krassere Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Porter sind hierfür natürlich ein besonders extremes Beispiel. Da muss jetzt jemand meinen Klump durchs Gebirge schleppen, ohne so wirklich sinnvollen Grund. Gefährlich ist’s dafür. Doch selbst mir ist klar: Ohne Guide und Porter für uns keine Chance auf Erfolg – wir dürften nicht einmal in die einsame Bergregion einreisen. Wir würden zudem nirgendwo Essen auftreiben können – weil ich persönlich bin ja leider super schlecht im Bergziegen jagen.

Mit Tagesgepäck und Bikes haben wir eh selbst schon über 20 Kilo auf dem Buckel. Denn zumindest diese tragen wir selbst – Ehrensache. Zudem verdienen sich die Jungs in den Tagen für ihre Verhältnisse wirklich gutes Geld. Und letztendlich sind wir nicht nur um die schiere Tragkraft dieser verflucht zähen Jungs froh, sondern erleben mit ihnen zusammen auch ein paar der nettesten Anekdoten. Ich habe im Studium mal den Begriff „kognitive Dissonanz“ kennengelernt. Ich glaube, wertes Publikum, das hier ist gerade ein ganz gutes Beispiel dafür. Doch das weicht jetzt arg vom Thema ab. Jetzt geht es erstmal so richtig los.

Ajub ist einer der Porter
# Ajub ist einer der Porter - und nebenbei einer der fittesten und liebenswürdigsten Menschen, denen ich je begegnet bin.
Selbst die sprachliche Barriere ist da kein Hinderungsgrund, Freundschaften zu knüpfen.
# Selbst die sprachliche Barriere ist da kein Hinderungsgrund, Freundschaften zu knüpfen.
Fahrtechnik-Freitag in Pakistan
# Fahrtechnik-Freitag in Pakistan - spätestens beim gemeinsamen Training schmilzt alles Eis.

Jetzt geht’s los – oder doch nicht

Da bist du hart motiviert, endlich loszulegen. Und dann, ehe du dich versiehst, meldet sich auf einmal der Darm. Scheiße, Hilfsausdruck. Ich habe irgendwas Schlechtes erwischt und mir völlig den Magen verdorben. Während Gerhard in Hushe eine kleine Trialshow für die begeisterten Kinder fährt, liege ich im Zelt, unterbrochen von unzähligen Gängen zum Klo. Prima. Jetzt musst du wissen: Eine Toilette in einem pakistanischen Bergdorf entspricht nicht ganz den hygienischen Ansprüchen, die man als Westeuropäer an ein Klo stellt. Und ich bin hier sicherlich nicht mal besonders penibel. Dennoch ist es irgendwann so eklig, dass ich mich noch übergeben muss. Ich könnte dir das jetzt noch genauer beschreiben, doch ich lass es lieber bleiben.

Während Gerhard für die männliche Jugend von Hushe eine kleine Show fährt, liege ich im Zelt und fühle mich so gar nicht wohl
# Während Gerhard für die männliche Jugend von Hushe eine kleine Show fährt, liege ich im Zelt und fühle mich so gar nicht wohl - leider bleibt aufgrund des aus unserer Sicht durchaus seltsamen Frauenbildes den Mädchen dieser Spaß verwehrt.

Wie dem auch sei – ich sehe mich am nächsten Tag nicht weiter aufsteigen. Die Jungs organisieren mir Cola, der Koch kocht mir ein paar einzelne Kartoffeln, Ishaq gibt mir irgendeine Bergmedizin, die super helfen soll, inschallah. Prost Mahlzeit. Ich versuche, möglichst viel zu trinken und hoffe auf spontane Wunderheilung.

Und siehe da: Nach ungezählten Klogängen in der Nacht setzt etwas Ruhe ein und ich kann endlich etwas schlafen.

Am nächsten Morgen bin ich – bis an die Zähne bewaffnet mit Klorollen – bereit für die erste wirkliche Tagesetappe. Diese gestaltet sich glücklicherweise als sehr entspannt und ist so gut wie komplett fahrbar. Zumal wir im Ziel mit 3.600 Metern Höhe noch in meiner Komfortzone unterwegs sind.

Unsere Route von Hushey über den Gondogoro La auf den Baltoro Gletscher
# Unsere Route von Hushey über den Gondogoro La auf den Baltoro Gletscher - wir laufen – ist ja klar – natürlich die deutlich schwerere Richtung.
Die erste Etappe ist sehr entspannt und fast komplett fahrbar
# Die erste Etappe ist sehr entspannt und fast komplett fahrbar - gut für meinen verdorbenen Magen.
Die Brücken sind nicht immer besonders vertrauenserweckend.
# Die Brücken sind nicht immer besonders vertrauenserweckend.
Die Wege sind – noch – fast wie fürs Mountainbiken gemacht.
# Die Wege sind – noch – fast wie fürs Mountainbiken gemacht.
Am Ende der ersten Etappe jedoch machen wir uns schon mal mit der nun folgenden Fortbewegungsart vertraut.
# Am Ende der ersten Etappe jedoch machen wir uns schon mal mit der nun folgenden Fortbewegungsart vertraut. - Noch ahnen wir natürlich nicht, wie viel wir letztendlich tragen werden …

Ich tu nicht nichts, ich akklimatisiere.

Apropos Höhe: Nach meiner Erfahrung komme ich bis 4.000 Meter ganz gut zurecht. Darüber wird es dann spannend. Höhenkopfschmerz setzt dann ein, besonders wenn man zu schnell aufgestiegen ist. Für einen Kasper wie mich, der eigentlich ständig irgendwo rumhüpfen muss, ist es nämlich besonders schwer, bewusst fünf Gänge zurückzuschalten und sich schnell wie eine Schnecke fortzubewegen. Was sein muss, muss aber sein.

In Saicho angekommen, gönnen wir uns gleich mal zwei Tage in dem schönen Camp, um tagsüber weiter aufzusteigen, aber unten zu schlafen. So gewöhnt man sich für gewöhnlich recht gut an die dünne Luft. Zumal mein Bauch sich über jede freie Minute freut, denn mein Körper ist nun mit Infekt und Akklimatisieren gleichzeitig beschäftigt. Das macht es natürlich nicht besser. Während man also so vor sich hingammelt, äh ich meine natürlich vor sich hinakklimatisiert, hat man Zeit, sich die grandiose Landschaft genauer anzuschauen. Zumal völlige Funkstille herrscht – kein WLan, nicht einmal normales Handynetz. Abgeschiedenheit pur.

Dies ist sicherlich einer der eindrucksvollsten Schlafplätze, an dem ich jemals sein durfte.
# Dies ist sicherlich einer der eindrucksvollsten Schlafplätze, an dem ich jemals sein durfte.
Ich würde dieses Zelt dort wirklich nicht gegen ein 5-Sterne Hotel tauschen.
# Ich würde dieses Zelt dort wirklich nicht gegen ein 5-Sterne Hotel tauschen.
Innehalten.
# Innehalten.

Man hat tatsächlich erstaunlich viel Zeit, nichts zu tun. Geil. Vor uns türmen sich Zacken auf, wie ich sie weder in den Alpen noch im Himalaya und selbst nicht im Schwarzwald vorher gesehen habe. Als ob ein kleiner Spitzbub mit seiner Feile einen jeden Gipfel noch einmal angeschliffen und dann einen Haufen Gletscher darüber geschüttet hätte. Dazu gibt’s selbst in dieser Höhe noch eine ausgeprägte Vegetation mit Blumen, Bäumen und Tujahecken. Unglaublich. Und ich kann einfach nur auf meiner Isomatte flacken und gucken. Die Sonne scheint mir dabei auf den Ranzen. Besser geht’s kaum.

Zumindest so lange nicht, bis ich wieder den nächsten Sprint zum nahegelegenen Klo-Steinhäuschen antreten muss.

Das Gute beim Akklimatisieren ist, dass man die freie Zeit zum Biken nutzen kann.
# Das Gute beim Akklimatisieren ist, dass man die freie Zeit zum Biken nutzen kann.
Und man mag es kaum glauben, aber wir finden in dieser unglaublichen Landschaft richtige Wege …
# Und man mag es kaum glauben, aber wir finden in dieser unglaublichen Landschaft richtige Wege …
… und können es zusammen stauben lassen.
# … und können es zusammen stauben lassen.
7.000 Meter hohe Berge im Hintergrund und ein feiner Trail
# 7.000 Meter hohe Berge im Hintergrund und ein feiner Trail - besser geht nur schwer!

Heut kommt auf den Tisch …

Neben dem Akklimatisieren werde ich zum ersten Mal Zeuge, wie unser Koch das Curry vorbereitet: Hühnchen geschnappt, Kopf ab, gerupft und zack hat man ein an Frische vermutlich nicht zu überbietendes Chicken Handi.

Hierzulande kauft man sein Filet ja einfach im Supermarkt. Der eigentliche Schlachtungsvorgang, also dass dort ein eben noch lebendiges Tier für dich stirbt, wird in unserer Welt ja so völlig ausgeblendet. Im Angesicht des zuckenden, ausblutenden Körpers und dem damit verbundenen Erblassen der Augen, aus denen sichtbar das Leben entweicht, wird man entweder Vegetarier oder aber man isst die nächsten Portionen mit einem völlig anderen Bewusstsein. Ich entscheide mich für Zweites und hoffe, mir eben dieses bewusste Genießen von Fleisch noch länger zu behalten. Und noch mehr darauf zu verzichten. Ahmad, der Koch, macht auf jeden Fall eine super Arbeit und zaubert aus den einfachen Zutaten enorm leckere Gerichte.

Der erste Schritt (oder Schnitt) zum Chicken Handi
# Der erste Schritt (oder Schnitt) zum Chicken Handi - frischer geht nicht.

Mountain Adventure

Einfache Zutaten? Ja, denn aufgrund unserer Tourenwahl sind wir – beziehungsweise natürlich unsere Porter – Gewichts-technisch stark beschränkt. Solange der Vorrat hält, wird es abends Hühnchen geben. Dazu kommt in den folgenden Wochen nur Reis, Curry und Kartoffeln. Andererseits wird es eben Reis, Curry und Kartoffeln geben – wir werden also nicht verhungern. Für die jeweiligen Etappen gibt es immer ein Chapati, ein gekochtes Ei und zwei Kartoffeln. Noch ist mir nicht klar, wie ich die langen Etappen mit etwas Weißbrot und ‘ner Kartoffel überstehen soll. Ishaq nennt das „Mountain Adventure“. Wenn man Hunger habe, solle man einfach weiterlaufen. Danke für den guten Ratschlag.

Müde und erschöpft? Dann einfach weiterlaufen
# Müde und erschöpft? Dann einfach weiterlaufen - so Ishaqs Ratschlag.
Immerhin kann er uns als erfahrener Guide eine tip top Landkarte zeichnen, anhand der er mit uns die Tage plant.
# Immerhin kann er uns als erfahrener Guide eine tip top Landkarte zeichnen, anhand der er mit uns die Tage plant.

Am folgenden Tag steigen wir mit 800 Höhenmetern grenzwertig viel auf, kommen dafür aber mit dem Leila Peak Base Camp an einen wunderschönen Zeltplatz. Trotz der nun über 4.300 Meter Meereshöhe geht es uns aber gut und wir können die freie Sicht auf den Masherbrum samt brachialem Gletscher genießen.

Schon mal so einen Steinklotz im Hintergrund gesehen?
# Schon mal so einen Steinklotz im Hintergrund gesehen?
Immer höher geht es hinauf
# Immer höher geht es hinauf - Mashabrum im Hintergrund juckt es allerdings nicht wirklich.
Hatte ich mich vorhin noch über Brücken beschwert, wäre Gerhard hier jetzt sehr froh um eine
# Hatte ich mich vorhin noch über Brücken beschwert, wäre Gerhard hier jetzt sehr froh um eine - Ishaq übrigens stellt sich da nicht so an wie wir verweichelten Europäer und schwebt quasi drüber.
Ja, die Landschaft hat was!
# Ja, die Landschaft hat was!
Die massiven Gletscher haben das Gebirge geformt
# Die massiven Gletscher haben das Gebirge geformt - und zwar in Dimensionen, welche die der Alpen um ein Vielfaches übertreffen!

Am Tag darauf marschieren wir direkt weiter auf über 4.600 m und laufen dabei mehrere Stunden über pures, weißes Eis. Durchaus beeindruckend. Gletschertische sorgen für surreale Anblicke, gigantische Gletscherspalten für Respekt und drohen damit, alles und jeden auf Nimmerwiedersehen zu verschlingen. Über uns thront mit dem Leila-Peak einer der wunderschönsten Berggipfel, die ich bisher bestaunen durfte. Wie eine Speerspitze rammt er sich dem Blau des Himmels entgegen und spießt die Wolken förmlich auf. Das macht sogar den einsetzenden Höhenkopfschmerz wett.

Gletschertische sorgen für surreale Anblicke.
# Gletschertische sorgen für surreale Anblicke.
Leila Peak begrüßt uns am Ende der langen Etappe.
# Leila Peak begrüßt uns am Ende der langen Etappe.
Hatte ich schon erwähnt, dass wir immer recht schicke Zeltplätze hatten?
# Hatte ich schon erwähnt, dass wir immer recht schicke Zeltplätze hatten?
Leila Peak
# Leila Peak - dieses Bild ist übrigens nicht gestellt. Dieser Berg ist tatsächlich so schön, dass man einfach nur da sitzen und gucken kann.

It’s passible!

Wer schon einmal auf Tour war und weiß, dass ein bestimmter Gipfel oder Pass überschritten werden muss, damit man weiter kann, kennt dieses Gefühl des irgendwie stets über einem schwelenden Ungetüms. Respekt einflößend. Ungemach bereitend. Aber auch Vorfreude und Motivation.

Als der Gondogoro La zum ersten Mal sichtbar wird, erscheint er uns mit den Rädern nicht machbar …

Und wie es weitergeht, erfahrt ihr hier in Pakistan per Bike – Teil 2! Was sagt ihr zu diesem Wahnsinnstrip?

Bilder: Martin Bissig (bissig.ch), privat
  1. benutzerbild

    Ralphritzl

    dabei seit 01/2021

    SUPER, das ihr das in Zeiten wie diesen gemacht habt. Ich war Anfang der 90ziger im Hunzaland von Pasu aus über Shimshal zum Höhenbergsteigen. Lange bevor Bergsturz, See und jetzt Straße. Ich kann nur bestätigen; eines der gastfreundlichsten Länder überhaupt; im Norden sind viele Ismaleisten, die gehen mit Frauen noch halbwegs korrekt um. Und an die Fotokritiker: je nach Licht sehen dort viele Berge so " grau bearbeitet " aus. Ich träumte damals schon am Rückweg nach dem Gipfelsieg von der Machbarkeit einer biketour. Dann krachte es rund um Peshawar und Swatvally dauernd, dann standen andere Ziele im Fokus; mit euch darf ich den Traum durch euren tollen Bericht fertig erleben. Und jeder, der mal nur annähernd unter solchen Rahmenbedingungen so was gemacht hat weiss was das für eine Challenge ist. Gratuliere; das kann euch keiner mehr nehmen. Lg Rudi / Wien
  2. benutzerbild

    zweiheimischer

    dabei seit 05/2011

    Der Unterschied zwischen den Alpen und dem Himalaya beträgt ziemlich genau 4000 Meter (Montblanc vs. Mount Everest). Anstatt sich physisch tage- oder besser wochenlang auf die Höhe anzupassen, um seinen Krempel selbst hochschleppen zu können, nimmt der Flachgebirgsbewohner im Himalaja eben Helfer, die die Höhe gewohnt sind.

    dazu etwas mehr an erklärung:

    ich war mehrmals in derart hohem regionen bergsteigen. als student, erst mit einer freundin, dann mit meiner frau als zweierteam.

    wir schleppten aus finanziellen gründen (ja, irgendwo muss man sparen, dies aber auch beim essen, wo wir auch stundenlange märsche, um die billigeste aller billigen garküchen zu finden, in kauf nahmen), aber auch aus ego-gründen (tragen lassen sollen die gstopften wappler = reiche leistungssschwache pauschalbergtouristen) und liessen uns auch nur soweit fahren, als quasi-öffis fuhren (nix mit shutteln, zu teuer).

    fazit war einerseits das ergebnis, dass wir einige ziele nicht erreichten, weil uns die vorräte ausgingen bis wir im hochlager waren, oder aber bis das schöne wetter kam. aber bei 35+kilo rucksack muss man minimieren.
    fazit 2 - wir waren in unserer 2er-blase, sprich ausser mitn hostelmenschen im tal oder mit marktverkäuferInnen oder mit busfahrern 0 kontakt. obwohl ich in südamerika ( in asien antürlich nie) durchaus verhandlungsfähige sprachkenntnisse hatte. ok, gelegentlich warfen uns in peru die kinder steine nach ;-)
    fazit 3: was war der nutzen unserer reise für land und leute?

    jahrzehnte später zb waren wir mal wieder weiter weg (ausrutscher, ich bin eher ein feind von flugreisen), zwar nur marokko, aber diesmal haben uns viecher die bikes getragen. und wir hatten echte gaudi mit den "eseltreibern", unvergessen die erbärmlichen versuche unsererseits, nur ein wort auf berber nachzusprechen, während die freunde von dort mit deutsch nachplappern keine probleme hatten...
    und nebenbei hatten drei familien in einer etwas weniger begünstigten gegend wieder ein wenig bargeld. und ja, wir bekamen frauen zu gesicht. auch alkohol, wofür wir hier im forum aber auch wieder unser fett wegbekamen ;-)

    welche ist also die moralisch bessere art, zu reisen?

    sind jetzt die dorfbewohner unsere sklaven, wenn sie dienst- und arbeitsleitungen anbieten und geld verdienen?

    was ist dann mit dem tiroler schilehrer? sklave? schneenutte??
    was mit dem unterbezahlten hotelpersonal in den edelquartieren, die eine saison in batteriehaltung leben müssen, den rest des jahres stempeln und dann freizeit haben, wenn alle anderen arbeiten?
    ist es moralisch besser, die straßen zu schigebieten nicht zu räumen (wer weiss, was gemeindearbeiter so verdienen, weiss was ich meine), weil man ja eh zu fuss auch hinkönnte?

    klar, die beste variante zu reisen, ist daheim zu bleiben und sich die landschaft vorzustellen (weil selbst für bilder muss ja jemand dort gewesen sein und .....)

    bei weitem nicht überall sind unserer werte manifestiert, auf unseren reisen haben wir sie aber immer wieder im gespräch erklärt, und ja, meist waren die gesprächspartner davon ohnehin mehr oder weniger überzeugt. nur, die dortigen verhältnisse (politisch, religionsbezogen, gesellschaftlich) ließen zwar ein stummes nicken zu, aber kein aktives tun.

    dazu brauchts viel mumm, den ich selbst wahrscheinlich auch nicht hätte.
  3. benutzerbild

    Eisbein

    dabei seit 01/2005

    dazu etwas mehr an erklärung:

    ich war mehrmals in derart hohem regionen bergsteigen. als student, erst mit einer freundin, dann mit meiner frau als zweierteam.

    wir schleppten aus finanziellen gründen (ja, irgendwo muss man sparen, dies aber auch beim essen, wo wir auch stundenlange märsche, um die billigeste aller billigen garküchen zu finden, in kauf nahmen), aber auch aus ego-gründen (tragen lassen sollen die gstopften wappler = reiche leistungssschwache pauschalbergtouristen) und liessen uns auch nur soweit fahren, als quasi-öffis fuhren (nix mit shutteln, zu teuer).

    fazit war einerseits das ergebnis, dass wir einige ziele nicht erreichten, weil uns die vorräte ausgingen bis wir im hochlager waren, oder aber bis das schöne wetter kam. aber bei 35+kilo rucksack muss man minimieren.
    fazit 2 - wir waren in unserer 2er-blase, sprich ausser mitn hostelmenschen im tal oder mit marktverkäuferInnen oder mit busfahrern 0 kontakt. obwohl ich in südamerika ( in asien antürlich nie) durchaus verhandlungsfähige sprachkenntnisse hatte. ok, gelegentlich warfen uns in peru die kinder steine nach ;-)
    fazit 3: was war der nutzen unserer reise für land und leute?

    jahrzehnte später zb waren wir mal wieder weiter weg (ausrutscher, ich bin eher ein feind von flugreisen), zwar nur marokko, aber diesmal haben uns viecher die bikes getragen. und wir hatten echte gaudi mit den "eseltreibern", unvergessen die erbärmlichen versuche unsererseits, nur ein wort auf berber nachzusprechen, während die freunde von dort mit deutsch nachplappern keine probleme hatten...
    und nebenbei hatten drei familien in einer etwas weniger begünstigten gegend wieder ein wenig bargeld. und ja, wir bekamen frauen zu gesicht. auch alkohol, wofür wir hier im forum aber auch wieder unser fett wegbekamen ;-)

    welche ist also die moralisch bessere art, zu reisen?

    sind jetzt die dorfbewohner unsere sklaven, wenn sie dienst- und arbeitsleitungen anbieten und geld verdienen?

    was ist dann mit dem tiroler schilehrer? sklave? schneenutte??
    was mit dem unterbezahlten hotelpersonal in den edelquartieren, die eine saison in batteriehaltung leben müssen, den rest des jahres stempeln und dann freizeit haben, wenn alle anderen arbeiten?
    ist es moralisch besser, die straßen zu schigebieten nicht zu räumen (wer weiss, was gemeindearbeiter so verdienen, weiss was ich meine), weil man ja eh zu fuss auch hinkönnte?

    klar, die beste variante zu reisen, ist daheim zu bleiben und sich die landschaft vorzustellen (weil selbst für bilder muss ja jemand dort gewesen sein und .....)

    bei weitem nicht überall sind unserer werte manifestiert, auf unseren reisen haben wir sie aber immer wieder im gespräch erklärt, und ja, meist waren die gesprächspartner davon ohnehin mehr oder weniger überzeugt. nur, die dortigen verhältnisse (politisch, religionsbezogen, gesellschaftlich) ließen zwar ein stummes nicken zu, aber kein aktives tun.

    dazu brauchts viel mumm, den ich selbst wahrscheinlich auch nicht hätte.
    Ich plädiere für schneenutte! Da bleibt einem immerhin der Schnee smilie
  4. benutzerbild

    Ralphritzl

    dabei seit 01/2021

    … ich frage mich schon in was für eine Community ich da geraten bin; hier geht's einfach darum das uns drei begeisterte an einem Abenteuer teilhaben lassen in das viele nie kommen werden. Sie geben uns Einblicke in IHR Erlebtes und die meisten von euch haben nichts anderes im Sinn als pseudopolitische Statements abzugeben. Da seid ihr eindeutig im falschen Forum. Kritisiert meinetwegen die Organisation, eine eurer Meinung nach schwache Leistung oder was immer; eben was sportliches; das hier ist eine Bikezeitung die uns so breit als möglich die Facetten des Bikens rund um den Erdball nahebringt. Aber wenn ich mir das so anhöre denke ich das da einige Teilnehmer nie über den Frankfurter Stadtwald hinaus gekommen sind.
  5. benutzerbild

    tkle

    dabei seit 02/2017

    … ich frage mich schon in was für eine Community ich da geraten bin; hier geht's einfach darum das uns drei begeisterte an einem Abenteuer teilhaben lassen in das viele nie kommen werden. Sie geben uns Einblicke in IHR Erlebtes und die meisten von euch haben nichts anderes im Sinn als pseudopolitische Statements abzugeben. Da seid ihr eindeutig im falschen Forum. Kritisiert meinetwegen die Organisation, eine eurer Meinung nach schwache Leistung oder was immer; eben was sportliches; das hier ist eine Bikezeitung die uns so breit als möglich die Facetten des Bikens rund um den Erdball nahebringt. Aber wenn ich mir das so anhöre denke ich das da einige Teilnehmer nie über den Frankfurter Stadtwald hinaus gekommen sind.
    Mit den vielschichtigen Austausch hier im Forum kommt halt nicht jeder klar. Wenn ich den Austausch nicht möchte, kaufe ich mir eine Zeitschrift oder lese die Kommentare nicht. Ich finde die Erfahrungen, Fakten und Meinungen sehr interessant, weil sie zum Nachdenken bzw Umdenken anregen und zum Glück ist auch immer was zum Lachen dabei.

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