Pyga heißt die neue Marke von Patrick Morewood und nach einigen vielversprechenden Prototypen [Link zum Artikel des ersten Prototypens] haben wir mit dem Pyga OneTwenty650 das erste Testrad des südafrikanischen Herstellers mit bei den 24h von Finale Ligure gehabt. Trotz des reduzierten Federwegs soll das Rad nicht nur auf XC-lastigen Strecken Spaß machen, sondern auch auf dem Weg ins Tal und in der Luft mit einer spaßorientierten Geometrie für Fahrvergnügen sorgen. Wie sich das 120mm Bike mit 650b-Laufrädern im Renn- und Traileinsatz geschlagen hat, erfahrt ihr hier.


# Trailbike im Fahrbericht: Das Pyga OneTwenty650

Im Stand

Technische Daten

Hersteller: Pyga Industries
Modell: OneTwenty650
Modelljahr: 2013
Kategorie: Mountainbike, vollgefedert
Laufradgröße: 650b / 27,5“
Hinterbau: Eingelenker mit mehrgelenkiger Abstützung, Dämpfer schwimmend gelagert
Material: Aluminium
Federweg: 120mm
Dämpfer: Rock Shox Monarch RT3
Steuerrohr: konisch, 1,5” – 1 ⅛”, ZS44/IS52
Hinterachse: 12x142mm Steckachse (X–12)
Umwerferaufnahme: High Direct Mount
Innenlager: BB92 Press-Fit
Sattelstützendurchmesser: 30,9mm
Scheibenbremsaufnahme: PM160
Details: Zugführung für Variosattelstützen; schwimmend aufgehängter Dämpfer; ausgelegt für 130–140mm Gabelfederweg

Gewicht: ca. 3.100g (inkl. Dämpfer und Steckachse, Herstellerangabe)
Größen: S, M, L, XL
Farbe: Lava Orange
Preis: 1950€ UVP (Rahmenset inkl. Dämpfer, Hinterachse)


# Pyga Industries OneTwenty650 Rahmen


# Pyga OneTwenty650 – Details

Geometrie


# Pyga OneTwenty650 2013 Geometrie

Die Geometrie des 650b-Bikes mit einem relativ steilen Lenkwinkel (69°) und steilem Sitzwinkel (74,5°) soll dem Bike erstklassige Uphill-Eigenschaften bei guter Kontrolle bergab ermöglichen. Dabei helfen neben den 430mm langen Kettenstreben auch die größeren 650b Laufräder und das um 20mm gegenüber den Radachsen abgesenkte Innenlager. Alle Geometrieangaben beziehen sich auf die Verwendung einer 130mm Gabel an der Front, eine 140mm Gabel kann jedoch auch montiert werden.


# Das Pyga OneTwenty650 im Review

Hintergrund & Details

Pyga ist bislang in Deutschland noch relativ unbekannt, doch mit Eaven Cycles existiert ein Vertrieb für die südafrikanische Marke. Das OneTwenty650 wurde von Patrick Morewood designed und wird in Kleinserie in Taiwan gefertigt. Schon beim Auspacken aus dem Versandkarton wird klar, dass dieses Rad mit viel Liebe zum Detail gestaltet worden ist. So erinnert zwar der eingelenkige Hinterbau mit mehrgelenkiger Abstützung und schwimmend aufgehängtem Dämpfer optisch stark an von Trek bekannte Designs, doch die Umsetzung mit massiv gefrästem Umlenkhebel, eigenwillig tief angesetztem Oberrohr und weit darüber hinaus reichendem Sitzrohr und nicht zu Letzt der edlen, aufgenieteten Plakette auf dem Steuerrohr zeigt, dass dieses Rad mit einem Auge auch für kleine Details gestaltet worden ist und dabei nicht auf maximalen Leichtbau ausgelegt worden ist, sondern mit einer ausgewogenen Geometrie bergauf und bergab Spaß machen soll. So sollen große Lager für Steifigkeit am Hinterbau sorgen. Hinzu kommt, dass der Rahmen auch robust genug für den ein oder anderen Abstecher ins grobe Gelände sein soll – eine Eigenschaft, die wir im Test direkt überprüft haben.


# Das Pyga OneTwenty650 Testrad in individuellem Aufbau von Importeur Eaven Cycles


# Selten: Detailverliebt und bis ins Detail sauber verarbeitet!


# Auffällig: tief angesetztes Oberrohr und großes Gusset zum Sitzrohr

Neben den feinen Details bietet der OneTwenty650 Rahmen die gängigen Standards, die das Rad einfach im Aufbau gestalten: Ob konisches Steuerrohr, X-12 Steckachse am Hinterbau und eine Zugführung für Variosattelstützen – die wichtigen Details stimmen und erlauben einen an die eigenen Bedürfnisse angepassten Aufbau des Rahmens. In unserem Fall hat der Vertrieb von Pyga in Deutschland – Eaven Cycles – das Rad individuell aufgebaut und auf unseren Wunsch zumindest teilweise auf das 24h Rennen in Finale Ligure optimiert. Schließlich soll das Rad mit 120mm Federweg trotz robustem Aufbau noch leicht und spritzig genug sein, um im Renneinsatz auf einer technisch anspruchsvollen Strecke mitzuhalten.


# Ein Trek? Nein – das Pyga OneTwenty650 hat zwar ebenfalls einen schwimmend gelagerten Dämpfer, am Ausfallende zeigt sich jedoch, dass es sich hier um einen Eingelenker mit mehrgelenkiger Dämpferanlenkung handelt.


# X-12 Steckachse, in der Kettenstrebe verlegte Zughülle und große Lager – schöne Detaillösungen am Hinterbau.


# Schwimmend gelagerter Dämpfer, BB92 Press-Fit Innenlager und eine seltene Rotor Kurbel


# Auffälliger, feiner Lack für unser Testbike: Lava Orange

An unserem Testrad finden sich daher leichte und haltbare Syntace Komponenten (Laufradsatz, Vorbau, Lenker und Sattelstütze), eine SR Suntour Epicon (Prototyp, Modelljahr 2014) und ein Sram XX 2×10-fach Antrieb kombiniert mit der kürzlich getesteten Rotor 3D+ MTB Double Kurbel. Die vollständige Ausstattungsliste ließt sich wie folgt:

Ausstattung

Rahmen: Pyga OneTwenty650
Gabel: SR Suntour Epicon 2014
Dämpfer: Rock Shox Monarch RT3
Laufradsatz: Syntace W30
Reifen: Schwalbe Racing Ralph
Bremsen: Hope
Kurbel und Innenlager: Rotor 3D+ MTB double, Q-Ring Kettenblätter (2-fach)
Umwerfer: Shimano XT high direct mount
Schaltwerk: Sram XX, 10-fach
Schalthebel: Sram XX
Lenker: Syntace Vector Carbon (740mm)
Vorbau: Syntace Megaforce 2 (70mm)
Sattelstütze: Syntace P6 Carbon Hi-Flex
Sattel: Fizik Tundra
Sattelklemme: Hope


# Feine Ausstattung: Syntace Lenker, Vorbau, Sattelstütze und Laufradsatz; dazu Hope Bremsen


# Eine Zugführung für Variosattelstützen ist vorhanden. Eine Option für eine interne Ansteuerung bietet der Rahmen jedoch nicht.

Ein besonderes Augenmerk hat man bei Pyga auf die Zugverlegung am OneTwenty650 gelegt. Sie soll möglichst sauber und einfach gelöst sein, weshalb die Züge grundsätzlich außerhalb des Rahmens verlegt werden. Für den Schaltzug zum Schaltwerk hat man sich jedoch für eine in der Kettenstrebe integrierte Lösung entschieden, die bei der Montage etwas Aufmerksamkeit erfordert, danach aber sorglos funktionieren sollte. An unserem Testrad haben wir auf Grund der Rotor Kurbel mit ihren ovalen Kettenblättern an der Zughülle leichte Schäden festgestellt, weshalb wir für einen temporären Umbau im Rennen den Zug auf die Kettenstrebe verlegt haben. Diese Lösung funktioniert einwandfrei.


# Angepasste Zugführung auf statt in der Kettenstrebe – die ovalen Kettenblätter hatten die Zughülle beschädigt.

Anmerkung zur Ausstattung: Das Pyga OneTwenty650 ist in dieser Ausstattung nicht in Serie erhältlich, sondern ein Individualaufbau.

Auf dem Trail

Klettereigenschaften

Wer am Ende des Tages abfahren will, der muss sich seine Höhenmeter zuerst erkämpfen. Im Falle des Pyga OneTwenty650 kommt hier nicht nur die Forstpiste in Frage, sondern auch steiler, technischer Uphill. Mit 120mm Federweg und leichtem Aufbau ist dieses Rad wie geschaffen für ausgedehnte Touren oder 24h Rennen wie in Finale Ligure. Bereits in den letzten Jahren haben wir in diesem Setup Fahrräder einem Extremtest unterzogen und dieses Jahr hat auch das OneTwenty650 die Rennrunde in La Manie zu spüren bekommen.


# Bergauf klettert das Pyga OneTwenty650 leichtfüßig, ist jedoch von der Spritzigkeit her nicht mit einem reinrassigen XC-Race-Bike zu vergleichen.

Vom Setup her ist das OneTwenty650 mit steilem Sitzwinkel und tiefer Front sowie straffem Hinterbau gut gerüstet für steile Anstiege, bei denen es gilt, ein steigendes Vorderrad zu kontrollieren und Traktion am Hinterrad zu generieren. So geht es mit viel Druck auf den Pedalen auch steile Rampen problemlos hinauf, wobei die 650b großen Laufräder ihren Teil dazu beitragen, dass das Hinterrad erst spät den Grip verliert.


# Druck machen in der Ebene – check.

Zusammen mit dem 70mm langen Vorbau nimmt man auf dem Pyga eine zentrale, leicht nach vorn orientierte Sitzposition ein, mit der bequem auch längere Anstiege in Angriff genommen werden können. Zwar fehlt dem Rad die gestreckte Flachheit eines echten XC-Race-Bikes, doch für diesen Einsatzbereich ist das Rad ohnehin nicht ausgelegt. Das Pyga fühlt sich viel mehr in technischem Terrain wohl, in dem sich knackige Anstiege mit schnellen Abfahrten abwechseln. Hier kann der Hinterbau sehr gut Traktion erzeugen und sorgt dafür, dass auch aggressive Antritte nicht in einem nervös scharrenden Hinterrad enden, sondern für Schwung bergauf sorgen. Die Kinematik arbeitet dabei in Verbindung mit der straffen Grundabstimmung weitestgehend wippfrei, so dass wir von der Funktion, den Dämpfer über eine Plattform zu verhärten, abgesehen haben.


# Ein Manual geht immer – die Geometrie des Pyga macht Spaß!

Insgesamt macht das Pyga bergauf einen sehr ausgewogenen Eindruck, der sich relativ gut mit dem erst kürzlich getesteten Specialized Camber EVO vergleichen lässt. Diese Sorte Bikes ist kein ausgereizter Racer, sondern ein universell einsetzbares Mountainbike mit der Option auf gute Rundenzeiten bei Rennen einerseits und den nötigen Reserven für lange Touren mit ruppigen Trail-Abschnitten andererseits.


# Rock Shox Monarch Dämpfer mit Rapid Recovery – der L / M Dämpfertune am Hinterbau ist unserer Meinung nach nicht perfekt auf das Bike zugeschnitten, da die Progression etwas zu stark ist. So wird bergab der Federweg nicht voll genutzt. Bergauf stellen sich keine negativen Effekte ein.

Abfahrtseigenschaften

Wenn es bergab geht zeigt sich, dass Patrick Morewood an seinem Pyga einen gelungenen Kompromiss zwischen Up- und Downhill-Eigenschaften gefunden hat. Die Geometrie ermutigt dazu, es bergab auch in gröberem Terrain laufen zu lassen und die Position über dem Rad hilft dabei, in schnellen Kurven Druck aufzubauen. Unterstützt wird dieser Eindruck von den steifen Syntace Laufrädern und der sehr guten Traktion des Maxxis Ardent 650b Reifens. So lassen sich selbst sprunglastige Strecken mit viel Spaß fahren. In der Summe bietet das Pyga OneTwenty650 damit eine sehr gute Grundlage für ein leistungsfähiges Tourenbike.


# Schnell und flüssig bergab – kein Problem mit der ausgewogenen Geometrie und den steifen Syntace Laufrädern.


# Patrick springt sich warm – Patrick Morewood würde sich freuen ;)

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten: Nach der Test bleiben zwei Punkte negativ in Erinnerung, die beide mit der Ausstattung des Testrades zu tun haben: Da wäre zum Ersten die fehlende Variosattelstütze. Sie gehört bei einem 120mm Rad zwar nicht zwingend zur Serienausstattung, doch wird der Sattel in Kombination mit einem steilen Sitzwinkel zu einem Problem, wenn er auf der Abfahrt im Weg ist. Wer den Sattel hier bequem ganz absenken kann, der gewinnt wichtige Bewegungsfreiheit und muss nicht darauf achten, nicht hängen zu bleiben. Hier würden wir bei der Ausstattung eine vom Lenker verstellbare Sattelstütze empfehlen, da sie die verspielte Geometrie perfekt ergänzen würde und gerade auf längeren Touren Kraft spart und Sicherheit gibt.

Ein zweiter Punkt ist die Kennlinie des Hinterbaus. In Verbindung mit dem Rock Shox Monarch RT3 Dämpfer im L/M – Tune haben wir bei korrektem Sag (ca. 28%) kaum den Federweg am Hinterbau ausnutzen können. Eine grundsätzliche Progression der Federung am Hinterbau ist zwar an für sich zu begrüßen, da sie harte Durchschläge und ein Durchsacken verhindern kann, doch bei einer zu starken Progression wird der Federweg nicht mehr effizient genutzt und Traktion verschenkt. Im Falle des Pyga Hinterbaus am OneTwenty650 hätten wir uns einen weniger progressiven Dämpfer gewünscht. Mit dem verbauten Tune L/M am Rock Shox Monarch Dämpfer verliert das Rad im Downhill unnötig an Geschwindigkeit und kann das von Seiten der Geometrie vorhandene Potential nicht voll ausschöpfen. Eine Alternative wäre an dieser Stelle ein Dämpfer mit größerer Luftkammer, der eine linearere Kennlinie bieten sollte. Alternativ kann auch mit verschiedenen Dämpfer-Tunes gespielt werden.

Diese beiden Punkte wären unserer Meinung nach durch eine geeignete Ausstattung zu kompensieren und könnten dabei helfen, das Rad auf der Abfahrt noch leistungsfähiger zu machen. Ein weiterer Schwachpunkt der getesteten Ausstattung ist darüber hinaus die Rotor 3D+ MTB Kurbel, die zu vielen Kettenklemmern beim Schalten führte und dem Rahmen so einige Lackabplatzer zugefügt hat.


# Testfahrer Pascal lässt’s laufen – kein leichtes Unterfangen bei dieser Aussicht!

Fazit

Das Pyga OneTwenty650 ist nicht nur mit viel Liebe zum Detail gestaltet, sondern auch ein schnelles Rad mit gelungener Geometrie, die zum Spielen einlädt. In der gefahrenen Ausstattung ist das Rad sehr gut im XC- und Touren-Einsatz einzusetzen. Mit einer angepassten Ausstattung und dicken Reifen entwickelt sich das Rad jedoch zu einem leichten All-Mountain mit Abo auf flowige, schnelle Abfahrten. Wer ein wirklich seltenes Bike sein Eigenen nennen will, der sollte sich das Pyga dringend ansehen.

Stärken

  • optisch ansprechender Rahmen mit schönen Detaillösungen
  • verspielte Geometrie
  • gute Klettereigenschaften

Schwächen

  • Hinterbaukennlinie mit Rock Shox Monarch RT3 L/M Dämpfer zu progressiv
  • Lackabplatzer an der Kettenstrebe
  • keine Zugführung für “Stealth”-Sattelstützen

Weitere Informationen

  • Pyga Homepage – Link
  • Eaven Cycles Homepage (Pyga Vertrieb in Deutschland) – Link
  • Bilder: Tobias Stahl, Sportograf.de
  • Redaktion: Tobias Stahl | MTB-News.de 2013
  1. benutzerbild

    Flo1

    dabei seit 04/2009

    14kg is schon was...
    Fahr im Moment ein Sleek (CC-Fully) und ein Trailbanger ist kurz vor fertigstellung. Möchte wenn ich Erfahrungen mit dem Trailbanger gesammelt hab aber gerne mein Fuhrpark reduzieren. Hätte gerne ein Do it all Bike. leicht, flach und stabil

    Jaja, das ist der Traum von vielen Bikern.

    Bin mir auch sicher das ich kein 160mm Rad brauche. zu 60-70% rollt man bei uns zu den Trails und Bikepark wird sehr selten bis garnicht angesteuert. Das Rocky Mountain Thunderbolt MSL mit der Ride9 Verstellung trifft den Nagel schon recht genau!
  2. benutzerbild

    Lord Shadow

    dabei seit 06/2006

    Woher kommst du denn? Wg.Probefahrt.
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  4. benutzerbild

    Flo1

    dabei seit 04/2009

    Siegerland - und bei MoveCycles hab ich den schönen Rahmen schon gesehen
  5. benutzerbild

    Lord Shadow

    dabei seit 06/2006

    Ich vermute ihr fahrt nicht zum Biken in den Harz? Vielleicht zur Enduro DM?
  6. benutzerbild

    Flo1

    dabei seit 04/2009

    Nene das wird dieses Jahr nix mehr!
    Die Zeit is ein Ar...

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