Am Wochenende findet das letzte große Highlight der diesjährigen Enduro World Series-Saison statt: Im Rahmen der Trophy of Nations treffen sich die schnellsten Fahrerinnen und Fahrer der Welt, um im Nationen-Wettbewerb das eigene Land zu repräsentieren. Wir werfen einen Blick auf die Trophy of Nations und bringen euch das deutsche Team näher!

Mit dem achten Rennen des Jahres ist vor rund einer Woche im französischen Loudenvielle die Enduro World Series 2022 zu Ende gegangen – und sowohl Jesse Melamed bei den Männern als auch Isabeau Courdurier bei den Frauen konnten jeweils die Führung in der Gesamtwertung verteidigen. Damit sind die Französin und der Kanadier beide zum zweiten Mal in der Karriere EWS-Champions geworden. Doch damit ist die Saison für die Enduristen noch nicht vorbei, denn zum Abschluss des Jahres steht noch ein absolutes Highlight an: Die Trophy of Nations in Finale Ligure.

Bei der Trophy of Nations gehen die besten Enduro-Fahrer*innen jedes Landes an den Start, um im Team-Format die schnellste Nation zu küren
# Bei der Trophy of Nations gehen die besten Enduro-Fahrer*innen jedes Landes an den Start, um im Team-Format die schnellste Nation zu küren - an diesem Wochenende findet der Abschluss der Enduro-Saison 2022 statt. Foto: Boris Beyer

Was ist die Trophy of Nations?

Bei der Trophy of Nations handelt es sich um einen Team-Wettbewerb, dessen Ergebnisse nicht in die Wertung der Enduro World Series einfließen. Stattdessen handelt es sich um ein eigenständiges Event – die Zusammensetzung der Teams basiert allerdings auf der aktuellen Rangliste der EWS. In 3er-Teams treten jeweils die schnellsten Männer, Frauen und Nachwuchs-Fahrer*innen eines Landes gegen die anderen Nationen an. Im gewohnten Format der Enduro World Series werden dabei auf Bergab-Stages die Zeiten gewertet – mit dem Unterschied, dass bei der Trophy of Nations alle Zeiten des jeweiligen Teams aufaddiert werden.

Die letzte Trophy of Nations fand 2019 statt
# Die letzte Trophy of Nations fand 2019 statt - und schon damals hat Team Germany ordentlich Stimmung gemacht. In diesem Jahr geht das deutsche Team wieder mit einer starken Besetzung und einem guten Zusammenhalt an den Start. Foto: Boris Beyer

Die Nation, die in der jeweiligen Kategorie in der Addition die schnellste Zeit des Tages hat, gewinnt die Trophy of Nations – und ist somit das schnellste National-Team der Enduro World Series. Neben Wertungen der Männer, Frauen, Junioren und Juniorinnen werden im Rahmen der Trophy of Nations außerdem noch Rennen in weiteren Kategorien ausgetragen. So gibt es beispielsweise am Vortag der Pro-Trophy noch ein zusätzliches Rennen, an dem beispielsweise Mechaniker oder Industrie-Vertreter antreten können. So soll denjenigen, die in die Abläufe der EWS involviert, aber selbst keine Rennfahrer sind, die Chance geboten werden, in einem semi-lockeren Wettbewerb in Teams anzutreten und im Rahmen einer Trail-Party einen ordentlichen Saison-Abschluss zu feiern.

Austragungsort der Trophy of Nations ist Finale Ligure. Die steinigen Trails an der ligurischen Küste gelten als absolute Enduro-Klassiker
# Austragungsort der Trophy of Nations ist Finale Ligure. Die steinigen Trails an der ligurischen Küste gelten als absolute Enduro-Klassiker - auch im Rahmen diverser Test-Camps haben wir die Strecken schon unter die Stollen genommen. Wieso unser Arne trotz formidabler Körperhaltung nicht nominiert wurde? Gute Frage!

Der Austragungsort der diesjährigen Trophy of Nations ist ein absoluter Klassiker im Enduro-Zirkus: Auf den anspruchsvollen wie pittoresken Trails rund um Finale Ligure werden die schnellsten National-Teams des Enduro-Sports ermittelt. Im kleinen Ort in Ligurien fand auch vor drei Jahren letztmals eine Trophy of Nations statt. Damals konnten sich bei den Männern Team USA vor Schweden und Kanada durchsetzen, während bei den Frauen das Trio aus Großbritannien am schnellsten unterwegs war. Einen detaillierten Zeitplan der diesjährigen Trophy of Nations findet ihr hier.

Die Favoriten der Trophy of Nations

Die letzte Trophy of Nations liegt also drei Jahre zurück – eine ganz schön lange Zeit für Mountainbike-Verhältnisse. Doch auch 2022 dürfte das britische Frauen-Team wieder um den Sieg mitfahren. Harriet Harnden, Bex Barona und Ella Conolly sind in der abgelaufenen Saison auf den Plätzen 3, 4 und 5 gelandet – gute Voraussetzungen also für ein starkes Abschneiden bei der Trophy of Nations. Doch auch die Französinnen muss man auf dem Zettel haben, schließlich hat Isabeau Courdurier vor Morgan Charre die Gesamtwertung gewonnen. Auch Melanie Pugin (7. in dieser Saison) zählt zu den stärksten Fahrerinnen. Ein spannendes Duell ist also vorprogrammiert, während das Rennen um Rang 3 offen scheint.

Nicht nur aufgrund der grandiosen Frisur blicken viele Enduristen neidisch auf Jesse Melamed
# Nicht nur aufgrund der grandiosen Frisur blicken viele Enduristen neidisch auf Jesse Melamed - der Kanadier war in diesem Jahr der schnellste Enduro-Fahrer des Planeten. Auch dank ihm ist das kanadische Team favorisiert.

Auch beim Rennen der Männer dürfte sich ein spannender Kampf um den Sieg bei der Trophy of Nations entwickeln. Team USA ist mit Richie Rude als Kapitän zwar noch immer stark besetzt, dürfte in der Breite aber nicht mit den Top-Teams mithalten können. Nimmt man die Gesamtwertung der abgelaufenen EWS-Saison als Grundlage, dann gehen die Teams aus Neuseeland und Kanada wohl als Favoriten ins Rennen. Team Kanada besteht aus dem Gesamtsieger Jesse Melamed, seinem Teamkollegen Remi Gauvin (Platz 11) und Rhys Verner (Platz 7), während sich Neuseeland aus Ed Masters (5), Cole Lucas (12) und Matt Walker (10) zusammensetzt. Wie es sich für ein ordentliches Fahrrad-Rennen gehört, sollte man natürlich auch die Franzosen auf dem Schirm haben.

Ich freue mich mega auf die Trophy of Nations in diesem Jahr! Bei der ersten Ausgabe vor 3 Jahren war die Stimmung super. Es ist einfach etwas Besonderes bei unserer Indivudual-Sportart einmal Teamplayer sein zu dürfen. Unser Frauen-Team zusammen mit Rapha und Veronika dürfte ziemlich homogen sein und ich werde einfach (nicht sehr einfach …) versuchen, an Raphas Hinterrad zu bleiben, haha. Die Streckenauswahl verspricht auf alle Fälle einen langen und genialen Tag auf dem Bike.

Ines Thoma

Für Jack Moir könnte es das letzte Enduro-Rennen für Canyon werden
# Für Jack Moir könnte es das letzte Enduro-Rennen für Canyon werden - hinter den Kulissen wird bereits an einem Abgang des Australiers zu einem jungen, talentierten Direktversender aus Deutschland spekuliert.
Isabeau Courdurier führt das französische Frauen-Team bei der Trophy of Nations an
# Isabeau Courdurier führt das französische Frauen-Team bei der Trophy of Nations an - doch insbesondere die Britinnen dürften sich als harte Konkurrenz erweisen.

Das ist das Deutsche Team

Bei der diesjährigen Trophy of Nations schickt Deutschland insgesamt drei Teams in den Kategorien Männer Elite, Frauen Elite und U21 Männer an den Start. Wir zeigen euch, welchen deutschen Fahrer*innen ihr am Wochenende die Daumen drücken solltet:

Männer Elite

Das Deutsche Team der Männer-Elite wird angeführt von Christian Textor, der nun schon auf viele Jahre EWS-Rennerfahrung zurückblickt. In diesem Jahr war der Bulls-Fahrer auf nationaler wie internationaler Ebene stark unterwegs. So konnte Texi nicht nur seinen Titel des Deutschen Enduro-Meisters verteidigen, sondern konnte in der abgelaufenen EWS-Saison bei gleich fünf Rennen in die Top 20 fahren.

Das Männer Elite-Team wird angeführt von Christian Textor
# Das Männer Elite-Team wird angeführt von Christian Textor - seit vielen Jahren ist Texi für Bulls unterwegs und hat 2022 mit zahlreichen Top 20-Platzierungen in der EWS seine bis dato wohl stärkste Saison in der Enduro World Series gefahren. Foto: Boris Beyer

Mit dem stärksten EWS-Ergebnis seiner Karriere im Rücken geht Torben Drach in Finale Ligure an den Start. Beim EWS-Finale in Loudenvielle ist unser Blogger vom Levelnine Gravity / Raaw-Team auf einen fantastischen 28. Platz gefahren. In der Gesamtwertung ist Torben auf einem mehr als respektablen 58. Platz gelandet, den er sich mit konstant guten Leistungen in dieser Saison hart erkämpft hat – inklusive aufsteigender Form-Kurve zum Ende des Jahres.

Torben Drach dürfte unseren Leser*innen auch aufgrund der regelmäßigen Blogs aus der Enduro World Series bekannt sein
# Torben Drach dürfte unseren Leser*innen auch aufgrund der regelmäßigen Blogs aus der Enduro World Series bekannt sein - am vergangenen Wochenende konnte Torben erstmals in die Top 30 bei einem EWS-Rennen fahren.

Komplettiert wird Team Deutschland von Max Pfeil. Nach starken Resultaten bei der EWS100 ist er seit 2021 in der Enduro World Series unterwegs. Im Vorjahr hat er die EWS-Saison auf Platz 73 beendet, in diesem Jahr hat er sich bis auf Rang 59 hochgekämpft. Der verdiente Lohn für den jungen Fahrer aus der Nähe von Stuttgart war eine Nominierung fürs deutsche Team bei der Trophy of Nations. Als Ersatz-Fahrer steht außerdem Konstantin Leonhardt zur Verfügung.

Der dritte Elite-Fahrer im deutschen Männer-Trio ist Max Pfeil
# Der dritte Elite-Fahrer im deutschen Männer-Trio ist Max Pfeil - der Schwabe hat seine zweite EWS-Saison auf einem mehr als respektablen 59. Rang beendet.

Frauen Elite

Sie ist nicht nur die amtierende deutsche Meisterin, sondern konnte bei gleich 5 EWS-Rennen in diesem Jahr in die Top 10 fahren. Die Rede ist von Raphaela Richter, die das deutsche Frauen-Team bei der Trophy of Nations anführt. In diesem Jahr fährt Raphaela fürs Ibis Enduro Team und kommt in der professionellen Team-Struktur ganz offensichtlich sehr gut zurecht. Ihr Saison-Highlight dürfte sicherlich der vierte Platz beim EWS-Rennen im US-amerikanischen Burke gewesen sein.

Besser konnte es fast nicht laufen
# Besser konnte es fast nicht laufen - Sofia Wiedenroth (rechts) hat 2022 vor allem in der E-EWS für Furore gesorgt und steht als Ersatz-Fahrerin parat.

Die wohl erfahrenste Frau im deutschen Trophy of Nations-Team ist zweifelsohne Ines Thoma. In der näheren Vergangenheit ist die Allgäuerin im Racing-Bereich kürzergetreten, da ihre Tochter auf die Welt gekommen ist. Doch noch immer ist die Canyon-Fahrerin sehr flott unterwegs. Seit Mitte diesen Jahres fährt Ines auch wieder bei einigen EWS-Rennen unterwegs. In Val di Fassa und in Petzen / Jamnica konnte sie direkt in die Top 10 fahren – und die Trails in Finale Ligure dürfte Ines Thoma bestens kennen.

2021 hat sich für Ines Thoma durch die Geburt ihrer Tochter Romy einiges geändert
# 2021 hat sich für Ines Thoma durch die Geburt ihrer Tochter Romy einiges geändert - nun hat die Canyon-Fahrerin ihr EWS-Comeback gefeiert und wird bei der Trophy of Nations für das deutsche Frauen-Team fahren.

Die dritte Fahrerin im deutschen Elite-Bunde ist Veronika Brüchle, die als Juniorin im Cross-Country erfolgreich war und seit 2016 vor allem auf Enduro-Trails anzutreffen ist. Seit 2021 geht die Wahl-Münchnerin für das Cube Action Team an den Start. In dieser Saison konnte Veronika mehrfach in die Top 15 in der Enduro World Series fahren und auch bei nationalen Rennen Siege einfahren. Und auch bei den Frauen steht mit Sofia Wiedenroth eine Ersatz-Fahrerin bereit.

Veronika Brüchle komplettiert das deutsche Frauen-Team
# Veronika Brüchle komplettiert das deutsche Frauen-Team - die Cube-Pilotin konnte in dieser Saison mehrere starke EWS-Ergebnisse einfahren.

U21 Männer

Zusätzlich zu den beiden Elite-Teams geht bei der Trophy of Nations in Finale Ligure ein U21 Männer-Team an den Start. Dieses besteht aus Lasse Eschler, der auf Yeti unterwegs ist und in diesem Jahr unter anderem deutscher Junioren-Meister werden konnte. Peter Fuchs ist in diesem Jahr erstmals in der Enduro World Series an den Start gegangen und konnte in drei U21-Rennen in die Top 30 fahren. Der jüngste Fahrer im deutschen U21-Bunde ist Leon Weihing – dank reichlich Erfahrung aus dem Trial-Motocross dürfte ihm laut eigener Auskunft der eher verblockte Charakter der Trails in Finale Ligure gut liegen. Als Ersatz-Fahrer ist Jonathan Heitmann nominiert worden.

Ready to race: unsere Teams für die erste Enduro-Weltmeisterschaft!
# Ready to race: unsere Teams für die erste Enduro-Weltmeisterschaft! - Foto: Boris Beyer

So könnt ihr die Trophy of Nations 2022 verfolgen

Einen Live-Stream der Trophy of Nations gibt es in bester Enduro-Tradition leider nicht. Ihr habt jedoch die Möglichkeit, auf dem Instagram-Account von MTB-News am Sonntag einen detaillierten Einblick ins Renngeschehen zu bekommen. An diesem Tag wird ein Instagram-Takeover von der German Enduro Union stattfinden, die auch auf unserem Account mit hinter die Kulissen der Trophy of Nations nehmen.

Auf unserem Instagram-Kanal nehmen wir euch am Sonntag mit an die Rennstrecke in Finale Ligure
# Auf unserem Instagram-Kanal nehmen wir euch am Sonntag mit an die Rennstrecke in Finale Ligure - dem deutschen Team bei der Trophy of Nations drücken wir dabei natürlich besonders die Daumen! Foto: Boris Beyer

Wie gefällt euch das Konzept der Trophy of Nations?

  1. benutzerbild

    krabo

    dabei seit 02/2015

    Mit fast immer meinst du welche Beispiele ?
    aaron gwin fallen gelassen nach 3 jahren obwohl signalisiert wurde es würde verlängert werden in gesprächen, auflösung YT mob trotz gültiger verträge, cam zink den NordA-vertrieb weggenommen nachdem er diesen für YT aufgebaut hatte…
  2. benutzerbild

    Maffin_

    dabei seit 02/2018

    Gleich mal rüber zu Stage 5 wandern und das Rennen anschauen.

    Was moir und YT angeht. Ich hoffe er lässt sich das fürstlich bezahlen.
    Er ist mmn nicht nur einer der schnellsten Fahrer sondern hat auch noch einen großartigen youtube kanal
  3. benutzerbild

    Deleted 283425

    dabei seit 12/2015

    cam zink den NordA-vertrieb weggenommen nachdem er diesen für YT aufgebaut hatte…
    In dem Fall wars so:
    Ein guter Fahrer ist nicht automatisch ein guter und zuverlässiger Geschäftspartner mit den selben Wachstumszielen wie die Marke.
  4. benutzerbild

    Maffin_

    dabei seit 02/2018

    Gut gelaufen für die Deutschen.
    Bei den Männen mit einem starken 4. platz knapp das Podium verpasst.
    Die Deutschen frauen haben es sogar auf rang 2 geschafft.


    Bemerkenswert finde ich ausserdem das es Alex Rudeau, den ich bis letztes wochenende nicht kannte, schonwieder weit nach vorne geschafft hat. Er war nach Jack Moir zweit schnellster Fahrer.
  5. benutzerbild

    DocB

    dabei seit 01/2010

    Verdammt, Belgien bei den Männern knapp nur Nr. 5 smilie 🇧🇪

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