Denkt ihr, wenn ihr Mountainbiken im Kopf habt, nicht auch immer an sonnige Tage, warmes Licht und perfekt griffige Waldböden wie in Livigno? Tja, dann solltet ihr weiter träumen. Die Realität sieht – vor allem in den Übergangsjahreszeiten und im Winter dazwischen – in der Regel weniger rosig aus. Zumal in Deutschland auch noch Sommerregenklima herrscht… Auch aus diesem Grund sind die Onza-Teamfahrer René Wildhaber, Roger Rinderknecht und Rob-J in der letzten Saison immer mit dem Prototypen eines neuen Matschreifens – genannt Greina – unterwegs gewesen, wann immer es matschig geworden ist. So wird zumindest berichtet. Der Namensgeber ist jedenfalls ein Garant für matschige Bedingungen, denn im Sommer hinterlässt der Greina Gletscher (Grisons, Schweiz) zahllose Flüsschen und Tümpel, wenn ihm die Temperaturen zusetzen. Unter genau diesen Bedingungen soll der nach ihm benannte Matschreifen punkten. Obwohl er noch ein Prototyp ist, haben wir den Onza Greina DH in 2,4″ Breite und mit feiner 120TPI Karkasse zur ersten Testfahrt bekommen. Der meist milde Winter hat sein bestes getan, einen authentischen Fahreindruck zu ermöglichen! Matsch pur war angesagt.

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Einsatzbereich
Gutes Wetter lässt sich (auch von den Chinesen) nicht kaufen und dummer Weise kann es immer auftreten. Ob Frühjahr, Sommer, Herbst oder Winter – Matsch kann es immer geben und genau hier kommt der Onza Greina ins Spiel. Sein Profil ist weniger aggressiv, als es von einem reinen Matschreifen zu erwarten sein dürfte und genau aus diesem Grund bietet sich der Reifen für eine Vielzahl von feuchten Bedingungen an, bei denen nicht ausschließlich tiefer Matsch den Boden füllt, sondern auch weniger tiefe Stellen dabei sind. Je nach Version kommt der Greina bei schlechten Bedingungen an All Mountain-/ Enduro- / Freeride- und Downhillbikes in Frage. Eventuell auch an 4x-Rädern. Für den XC-Bereich ist bislang keine Version in Aussicht, die ein entsprechend geringes Gewicht (ca. 500g…) mit sich bringen würde.

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Technische Daten
Abmessungen: 26 x 2,4″ – gemessene Karkassenbreite 58mm
Gewicht: 768,5 g (Serienangabe 700g)
Karkasse: 120TPI Kevlar
Gummimischung: FR Compound
Gummihärten: Kern 65a, Außen 55a

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[DDET Weitere Modelle]
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Die 2,25″ Modelle sind noch nicht in Produktion, weswegen ein Gewicht noch nicht feststeht.
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In der Hand
Jetzt wird’s aber Zeit für den Prototypen. Was denkt ihr so, wenn ihr einen Reifen in der Hand habt? An den gerade passierten Sturz, weil ihr euch unter eurem Rad befindet? Oder eher so in die Richtung: “f_ck, wie bekomm ich das schei$ Teil denn jetzt bitte auf die Felge?!”. Denn über einen Reifen in der Hand gibt es nicht all zu viel zu sagen, oder? Der Greina macht einen ziemlich schmalen Eindruck, die Stollen wirken markant und spitz, allerdings sind sie von der Oberfläche her gar nicht so spitz. Das sind sie nur im Vergleich zu so manch anderem Reifen. Dafür sind die Zwischenräume groß gewählt, was einer guten Selbstreinigung zu Gute kommen sollte. Die langen Stollen hingegen sollen es dem Reifen ermöglichen, tief in den Boden eindringen zu können und am Boden der Pfütze noch ein wenig Halt finden zu können. Aus diesem Grund sind die Reifen für feuchte Bedingungen immer schmaler als ihre Pendants für trockene Böden. Das Ziel lautet: Die Matschmassen teilen und wie Moses auf festem Grund durch den Trail pflügen. Eine weitere wichtige Eigenschaft, die man bereits im Stand feststellen kann, ist die Härte der Stollen. Sind sie weicher, passen sie sich besser an den Boden an und vermitteln so mehr Grip. Das funktioniert jedoch nur, wenn der Boden weich und tief ist. Ist er trocken, neigen lange Stollen bei Kraftübertragung einfach abzuknicken und oder wegzuschmieren, was für eine deutliche Performance-Verschlechterung sorgt und sich obendrein sehr unangenehm anfühlt. Die langen Stollen des Greina sind nicht so weich, wie ich zuerst gedacht hätte. Das kann einerseits daran liegen, dass sie eine noch immer relativ große Oberfläche haben, andererseits kann es jedoch auch am Aufbau des Reifens liegen, der außen eine Gummihärte von 55a aufweist und im Kern eine 65a Struktur bietet. Auf ähnliche Weise versuchen auch andere Hersteller (z.B. Schwalbe, Maxxis,…), Grip und Rollwiderstand unter einen Hut zu bekommen. Die Praxis soll zeigen, wie Onza beim neuen Greina der Kompromiss gelungen ist.

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Auf dem Trail
Also den Reifen auf die Laufräder und die ab ins Bike. Der Weg zum Trail führt in der Regel über Forstwege oder schlimmer noch, über Asphalt. Hier kommt der Rollwiderstand eines Reifens voll zum Tragen und der Onza Greina schlägt sich in dieser Hinsicht gar nicht so schlecht. Die Stollen sind etwas breiter, als bei den extremen Matschreifen à la Maxxis Wetscream und neigen dadurch weniger zum Abknicken, was sich positiv auf die Rolleigenschaften auswirkt. Dennoch kann man auch den Greina nicht mit einem normalen Allround-Reifen vergleichen. Bergauf heißt es Zusatzwatt treten, will man mit den Kollegen mithalten. Das ändert sich jedoch, wenn es dann weg von der Straße und hin zum echten Mountainbiketerrain geht. Auf trockenen Böden tut sich der Greina schon deutlich leichter und zeigt einen kontrollierten Grenzbereich, wobei ihm auch hier noch die Trockenreifen die kurzen Stollen zeigen. Richtig gut funktioniert der Reifen jedoch in feuchten, tief griffigen Bedingungen. Hier bauen die Stollen einen tollen Kurvenhalt auf und auch im Uphill hinterlässt man zwar eine aufgewühlte Furche, kommt aber effizient und schnell voran. Das schafft Vertrauen und verhindert so manch übertriebenes Rutschen. Nah am Grenzbereich rutscht der Greina für mich sehr gut kontrollierbar, wodurch es leicht fällt, sich auch in schwierigen Bedingungen an das eigene Limit heranzuarbeiten. Sehr gut ist übrigens auch die Performance auf Schnee gewesen. Hier hat sich der Reifen gänzlich unbeeindruckt gezeigt und ist auch dann nicht wirklich ins Rutschen gekommen, wenn man ihn eigentlich dazu zwingen wollte.

Der Fahrbericht im Video

Fazit
Wenn Onza die Eigenschaften des Prototypens auf die Serienmodelle übertragen kann, wird endlich der Markt der leicht(eren) Matschreifen ausgebaut. Bislang schauen viele Fahrer in die Röhre, die einen soliden Reifen mit mittlerem Gewicht und viel Grip für die feucht matschigen Bedingungen im Frühjahr, Sommer und Herbst suchen. Oder den Schnee im Winter. Im Downhillsegment gibt es für den Onza Greina viel Konkurrenz, im Endurobusiness lauert nur noch der Maxxis Swampthing. Gute Chancen also für einen neuen Reifen, der noch akzeptabel rollt, viel Grip bietet und so manchen Förster in den Wahnsinn treiben dürfte.

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Stärken
+ gute Allroundeigenschaften bei feuchten Bedingungen
+ Dual-Compound, dadurch wenig Abknicken der Stollen feststellbar
+ gut kontrollierbarer Grenzbereich

Schwächen
– Rollwiderstand
– vorerst keine leichte / schmale Version für XC Fahrer
– nicht alle Versionen tubeless ready

Ähnliche Produkte
– Maxxis Swampthing
– Specialized Hill Billy

–> Weitere Informationen findet ihr im Internet unter onzatires.com

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Bilder und Video von Tobias Stahl
Musik: http://soundcloud.com/stylustbeats

  1. benutzerbild

    chvomh

    dabei seit 01/2011

    meiner meinung nach sind alle verallgemeinerbaren fakten niedergelegt, ueber alles andere muss und sollte sich doch der anwender selber ein bild machen.
  2. benutzerbild

    Tabletop84

    dabei seit 05/2008

    Hab mir jetzt einen Intense Intruder in einer weichen Mischung und einen Greina in der "harten" (RC55, 55/65).

    Eigentlich wollte ich Intruder vorne und Greina hinten montieren. Ist das mal abgesehen von der Gummimischung denn zielführend?
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  4. benutzerbild

    froride

    dabei seit 03/2004

    Der Intruder hat auf jeden Fall einen breiteren Funktionsbereich. Aber hinten würde ich ihn nur bergab fahren. Aufwärts brauchst du mit dem echt etwas Quark in den Beinen. Der Onza hat da ja wenigstens die harte Mischung in der Mitte. Wobei er vom Profil her auch nicht das Rollwunder ist.
  5. benutzerbild

    Thiel

    dabei seit 10/2007

    Hallo,

    weiß jemand, wie breit der greina mit der FR karkasse ausfällt ?

    [url]http://www.onzatires.com/23-0-GREINA-FR.html[/url]

    in 2.4 und mit ~700gr gibt es ihn laut website ja nicht mehr!
  6. benutzerbild

    Felger

    dabei seit 05/2007

    ich hab den Greina 26x2,4 FRC 55a auf einer Flow da und könnt nachmessen, wenns dich interessiert.

    fährt von euch wer den Reifen tubeless?

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