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Spaß auf "Ez Does It"
Spaß auf "Ez Does It" - Mountainbiken ist eine Religion und Whistler ihr heiliger Gral - so wirkt es auf jeden Fall immer, wenn ich meinen Jungs beim Schwärmen zuhöre.
Flowige Kurven auf dem "Ez Does It"-Trail
Flowige Kurven auf dem "Ez Does It"-Trail
Langsame Fahrer haben Vorrang
Langsame Fahrer haben Vorrang - Aggressives Verhalten wie dichtes Auffahren und Rufen werden nicht toleriert - im schlimmsten Fall bekommt man den Pass abgenommen
In Whistler ist wirklich fast jede Altersgruppe vertreten.
In Whistler ist wirklich fast jede Altersgruppe vertreten.
Familienausflug mit Schminkaktion in den Bikepark
Familienausflug mit Schminkaktion in den Bikepark
Bei den vielen Liften muss man den Überblick behalten, was offen ist
Bei den vielen Liften muss man den Überblick behalten, was offen ist
Lässige Sesselliftfahrt auf dem Weg zu den vielfältigen Strecken Whistlers
Lässige Sesselliftfahrt auf dem Weg zu den vielfältigen Strecken Whistlers

Zum ersten Mal in Kanada, zum ersten Mal in Whistler: Bärbel, die Freundin von MTB-News-Fotograf Jens Staudt, die eigentlich primär auf vierbeinigen Offroad-Gefährten und sekundär auf dem Mountainbike unterwegs ist, war zum ersten Mal in Whistler zum Biken unterwegs und erzählt nun von ihren Erfahrungen im bekanntesten Bikepark der Welt.

Ich arbeite seit Jahren in der Bikebranche, somit sind Bikes und der dazugehörende Lifestyle ein großer Teil meines Lebens. Da man nichts versteht, was man nicht selbst macht, habe ich mich dazu hinreißen lassen – mit gut über 30 – auch mal ein Bike mit etwas mehr Federweg zu besteigen und mich Berge hinunterzustürzen.

Spaß auf "Ez Does It"
# Spaß auf "Ez Does It" - Mountainbiken ist eine Religion und Whistler ihr heiliger Gral - so wirkt es auf jeden Fall immer, wenn ich meinen Jungs beim Schwärmen zuhöre.

Seither halte ich den Rekord in Überschlägen im Lift (der Bügel verfing sich zum Beispiel beim Aussteigen in meinem Vorderrad), im Absteigen bergab durch einen Sprung (oder Freiflug) über den Lenker oder völlig simplen im Bike verhedderten Umfallen im Bikepark durch Stress, weil ich aus Angst an ungünstigen Stellen anhielt, da irgendwelche Halbstarken von hinten brüllten ich solle Platz machen und haarscharf an mir vorbei bretterten. Irgendwie war das insgesamt kein so guter Start.

Meine Hometrails sind an der Albkante in Reutlingen und leider für Anfänger nicht das geeignetste Terrain – nach meiner ersten Abfahrt und unzähligen Spitzkehren später, sah ich aus wie von einem Rudel Wölfen überfallen und die Außenbänder in meinem rechten Knöchel hatten sich verabschiedet.

Also noch mal ganz entspannt von vorne. Es mussten Bikeparks und blaue Strecken her, oder wie meine Jungs sagen „Autobahnen“. Diese besagten Autobahnen brachten mich trotzdem noch einige Male wirklich den Tränen nahe und von dem Spaß, den die Jungs haben, war ich weiterhin ziemlich weit entfernt – immerhin brachten mir meine Bikeversuche wenigstens bei meinen Mädels großen Respekt ein.

Einige von ihnen, auch Freundinnen von Downhillfahrern, würden gerne mit ihren Männern in den Bikepark gehen und schickten mich bereitwillig erstmal zum Testen voraus.

Flowige Kurven auf dem "Ez Does It"-Trail
# Flowige Kurven auf dem "Ez Does It"-Trail

Nach 2 Jahren, ca. 10 Bikeparkbesuchen, unzähligen Fahrtechnikstunden und einigen Krisen mit meinem Freund („Das kannst du schon fahren.“ „Das ist gar nicht so schwierig wie es wirkt.“ „Lass doch einfach mal die Bremse offen.“) später, komme ich mittlerweile fast überall (wo es keine Sprünge oder Drops gibt) irgendwie runter. Trotzdem – Strecken, auf die ich meine „Hausfrauenrunde“ mitnehmen könnte, habe ich leider keine gefunden.

Nach langer Suche fand ich aber dann doch meine Lieblingstrecke in Bischofsmais – Flow Country. Es gibt einen Sessellift, der mir den Stress mit dem Ankerlift erspart und die Strecke ist so flüssig angelegt, dass sie mich nie in Panik versetzt. Leider muss ich immer meinen großen Freund als Beschützer mitnehmen. Da sich diese flowige Strecke so gut fährt, dass sie nicht nur von Novizen wie mir, sondern auch von Downhillfahrern gerne (zum Ausruhen?) zwischen den krassen Abfahrten genutzt wird. Hier kommt es dann schnell zu Konflikten, weil denen steh ich mit meinem Geschleiche halt im Weg rum.

Langsame Fahrer haben Vorrang
# Langsame Fahrer haben Vorrang - Aggressives Verhalten wie dichtes Auffahren und Rufen werden nicht toleriert - im schlimmsten Fall bekommt man den Pass abgenommen

Ah ja, da war ja noch Whistler: DER Bikepark der Bikeparks, der heilige Gral aller Gravitysportler und wie jedes Jahr Austragungsort des Crankworx Festivals – und ich durfte mit.

Gut, so eine Gelegenheit sollte man sich nicht entgehen lassen – also traute ich todesmutig den Aussagen meiner bergrunterstürzenden Begleiter, dass in Whistler einiges für mich fahrbar wäre und sogar die Mütter mit ihren Kids nach der Schule dort auf den Strecken zu finden wären und stürzte mich in mein erstes wirklich großes Bike-Abenteuer.

Jetzt sehen wir mal ganz davon ab, dass besagte Kids und Mütter hier auf einem Level fahren, dass einigen Erwachsenen in Deutschland die Tränen in die Augen treiben würde – aber Whistler überrascht wirklich Jung und Alt, Anfänger und Profis mit einem riesigen Streckennetz, bei dem für alle etwas geboten ist.

In Whistler ist wirklich fast jede Altersgruppe vertreten.
# In Whistler ist wirklich fast jede Altersgruppe vertreten.

Für mich schleichend bremsenden Anfänger gab es die grünen Strecken: Hier ging es auch mal ein Stück bergauf. In die Kurven konnte ich auch mal ganz passiv rein lenken ohne mir den Staub auf der Strecke genauer anzuschauen. Die Steigung ist so angelegt, dass man ohne Dauerbremsen fahren konnte und insgesamt war die Strecke so breit, dass man auch ohne sich arg bedrängt zu fühlen überholt werden konnte.

Strecken wie „Ez Does It“ machten ihrem Namen alle Ehre und da es wirklich viele Strecken gibt, verteilten sich – sogar während dem Crankworx-Festival – die ganzen Fahrer über den kompletten Bikepark.

Familienausflug mit Schminkaktion in den Bikepark
# Familienausflug mit Schminkaktion in den Bikepark

Nach zwei Tagen wurde ich immer schneller, kam mit der Strecke immer besser zurecht und fing langsam sogar an, ein paar Bikepark-Besucher auf meiner neuen Lieblingsstrecke zu überholen. Die Strecken hatten keine unerwarteten Überraschungen für mich, die Geschwindigkeit war überschaubar und so trennte ich mich von meinen Beschützern, fuhr alleine Lift und düste die kanadischen Berge hinunter.

Besonders fiel die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Leute hier im kanadischen Bikepark auf. Im Lift konnte man die Bikes einfach in Schienen schieben, sich danach bequem in den Sessellift setzen und nach oben transportieren lassen. Oben werden die Bikes vom Liftpersonal herausgeholt und einem direkt in die Hand gegeben. Wenn ich mal in Stress geriet, wurde mir sofort geholfen. Überall stehen Schilder, auf denen darauf hingewiesen wird, auf Anfänger zu achten und auf diese Rücksicht zu nehmen.

Bei den vielen Liften muss man den Überblick behalten, was offen ist
# Bei den vielen Liften muss man den Überblick behalten, was offen ist

Nach weiteren zwei Tagen strebte ich nach Höherem, verlies meine Anfänger-Lines, begab mich eine Schwierigkeitsstufe weiter und fuhr auf den blauen Strecken.

In meinem Fall musste ich wenigstens die B-Line fahren (wenn Sie schon mal eine Strecke extra nach mir benennen). 

Und da saß ich abends im Appartment, grinste vor mich hin, hatte 6 Abfahrten hinter mir, direkt schon Muskelkater aber keinen einzigen blauen Fleck – und vor allem – es hat wirklich Spaß gemacht. In Summe muss ich jetzt sagen: Auch ich bin nun ein bisschen verliebt in das kanadischen Bikemekka. Ja ich weiß, die haben deutlich mehr Platz als wir, betreiben das alles schon sehr viel länger und haben andere Möglichkeiten – aber ein Bikepark mit so einem breiten Angebot für alle Könnerstufen und wenig Konfliktpotential, sowas fehlt bei uns in Deutschland wirklich.

Whistler hat es geschafft, dass ich fast jede (Flow-)Strecke mitfahren konnte: Die großen Sprünge waren alle umfahrbar, ich konnte mich mit meinem Fahrkönnen in der Streckenschwierigkeit steigern und das alles in einem Rahmen, der mich nie mit meinem Überlebenswillen konfrontierte.

Das Konzept ist einfach das eines Skigebietes – es muss für jeden etwas dabei sein. So würden sicher auch mehr Mädels mit zum Radfahren gehen und manche Jungs müssten sich am Wochenende nicht mehr entscheiden – Freundin oder Bike (gibt’s natürlich sicher auch anders rum). Schade, dass man dafür tausende von Meilen reisen muss.

Lässige Sesselliftfahrt auf dem Weg zu den vielfältigen Strecken Whistlers
# Lässige Sesselliftfahrt auf dem Weg zu den vielfältigen Strecken Whistlers

Also ihr lieben Streckenbauer in Deutschland, ich würde gerne öfters in solchen Bikeparks fahren – ohne Überschläge im Lift, ohne Tränen an hakeligen Stücken oder blauen Flecken – ich würde mich sehr über ein bisschen Whistler in Deutschland freuen.

  1. benutzerbild

    Hasifisch

    dabei seit 03/2010

    To-bi-bo schrieb:
    Ich habe jetzt nicht alles gelesen, muss aber sagen, dass es in Willingen, Winterberg, St. Andreasberg, Lenzerheide und Serfaus-Fiss-Ladis Strecken gibt, die komplett gerollt werden können und auch für Anfänger einen gewissen Flow bieten.. (sicherlich auch in einigen anderen Parks; nicht für Anfänger zu empfehlen sind imho Thale und Braunlage). Dass man trotzdem überholt wird, liegt wohl einfach daran, dass es hier keinen Bikepark mit >10 Strecken gibt, auf dem mehr als genug Platz für alle ist..


    Dazu kommt noch der Mottolino in Livigno, wenn es weiter weg sein darf: vom Flow Trail über Spaßtrail bis zum DH alles dabei!

    Braunlage hat das Problem, einfach unglaublich schlecht gepflegt zu sein und viele Hindernisse nach dem Prinzip "Schaff es oder brich dir was" zu haben...
  2. benutzerbild

    Kharne

    dabei seit 05/2012

    hundepulli schrieb:
    Aha, na is ja ein Ding! Demzufolge hängt die Notwendigkeit von Rücksichtnahme von der Definition der Strecke ab, auf welche man gerade unterwegs ist? Ich dachte es geht um ein rücksichtsvolles Miteinander bei unserem Lieblingshobby.


    Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Rücksicht ist mMn oberstes Gebot, egal ob im Bikepark, auf angelegtem Flowtrail, auf der Hausrunde oder aufm Klettersteig.
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  4. benutzerbild

    Uf_Ellefelle

    dabei seit 09/2013

    Da wir in D keine Spaßgesellschaft sind, müssen Bikeparks hierzulande in aller erster Linie einmal Rendite machen...so unsinnige Dinge wie Spaß - und Freizeitfaktoren zählen da eher weniger......darüberhinaus werden diese hierzulande ab einem gewißen Alter (Grenze nimmt kontinuierlich ab) von der Gesellschaft eh aufs allerhöchste missbilligt...denn Arbeit macht frei !!....und nicht mit dem Radl irgendwo unnütz rumhüpfen......dies heisst in Sachen Bikepark zu aller Erst einmal, dass der "Fun-Faktor" in den Hintergrund treten muss und das "Familien-Event" in den Vordergrund.
  5. benutzerbild

    ventizm

    dabei seit 08/2011

    Uf_Ellefelle schrieb:
    Da wir in D keine Spaßgesellschaft sind...
    ahahaha, je genau...
  6. benutzerbild

    Hasifisch

    dabei seit 03/2010

    Uf_Ellefelle schrieb:
    Da...


    Nein.

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