California Ride - Von San Francisco nach Los Angeles

Ich bin vor etlichen Jahren die Strecke bei einem roundtripp durch Kalifornien mit dem Auto gefahren. Wir sind abends auch immer vor ans Meer und hatten den Sonnenuntergang genossen. Ganz beeindruckt waren wir damals von den vielen Pelikanen, die wir am Meer beobachten konnten. Wenn ich deine Bilder sehe, bekomme ich fernweh. Wir hatten in den Nationalparks gezeltet, saßen abends am Lagerfeuer und etliche Wanderungen unternommen. Die Natur und Vielfalt ist in den USA schon bemerkenswert und auf jeden Fall eine Reise wert!
Dir eine gute Weiterreise und vielen Dank für die Updates!
 
Hoffentlich kommt mein heutiger Etappenbeitrag noch rechtzeitig für den Morgenkaffee ☕

Kaffee schon getrunken - ist aber auch besser so, sonst hätte ich in Anbetracht Deiner tollen Bilder die Tasse direkt wieder vollgesabbert.

Danke für's mitnehmen! Ich gucke täglich, ob's bei Dir was neues gibt. :daumen:
 
San Simeon, oder? Fand ich sehr beeindruckend damals, wenn auch (im September) total viel los. Deine Straßen sehen ja richtig leer aus, klasse!
Ja. das war kurz vor San Simeon. Die meisten Straßen sind erfreulich wenig befahren. Sicher der Zeit im Jahr und - im Falle des PCH - der Sperrung zu verdanken.
 
Californiens Küste ist einfach ein Traum ... leider auch scho wieder 12 Jahre her .....
Santa Barbara
 

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Etappe 8: Moss Bay → Santa Maria

Motiviert ging es direkt vom Start weg in den ersten Anstieg. Kaum richtig warmgefahren, wechselte der Untergrund bereits von Asphalt auf Erde. Bergab hieß das: defensiv fahren. Mit vollem Gepäck fühlt sich jede Linie gleich deutlich endgültiger an.





Nach dem ersten Abschnitt folgte wieder Straße – und zwar eine dieser angenehm leeren Straßen, die man in Kalifornien landeinwärts öfter findet. Kaum Verkehr, viel Weite. Genau der richtige Ort, um wieder in einen Rhythmus zu kommen.





An einem der Anstiege dann ein unerwartetes Überholmanöver von hinten. Ein älterer Fahrer auf dem E-Bike zog vorbei, entschuldigte sich lachend für sein „Senior-Bike“. Sympathischer Moment – kurze Worte, dann ging jeder seines Weges weiter.





Über Pismo Beach führte die Route weiter Richtung San Luis Obispo. Eine ausgesprochen fahrradfreundliche Stadt: Radwege überall, gute Führung, entspanntes Fahren. Nach den ruhigeren Abschnitten zuvor fast schon ein kleiner Kulturschock – aber ein positiver.







Rund 20 Kilometer vor dem Ziel wurde es noch einmal gravelig. Leider mit sehr losem Sand. Fahrtechnisch war hier nicht mehr viel zu machen – man war eher Passagier als Fahrer. Kräfte sparen, laufen lassen, hoffen, dass nichts passiert.





Die letzten zehn Kilometer zogen sich. Die Luft war raus, das rechte Knie meldete sich deutlich. Kein Drama, aber ein klarer Hinweis, dass der Tag lang genug gewesen war. Umso größer die Erleichterung bei der Ankunft.



Das Hotel war rustikal, vielleicht ein bisschen aus der Zeit gefallen – aber sauber, geräumig und überraschend weihnachtlich geschmückt. Genau richtig für diesen Moment.









Distanz: 78,1 km
Höhenmeter: 743 hm

 
Ich bekomme bei diesen Berichten richtige Lust auf Sommer und darauf, mit dem Rad durchs Land zu fahren. Bei mir ist eher Kontinentaleuropa, und umso schöner finde ich es, Berichte von anderen Kontinenten zu lesen, wo ich selbst vermutlich nie radeln werde.
 
Ein echtes Highlight am Wegesrand: Seeelefanten (ganz sicher!). Riesig, träge, völlig unbeeindruckt vom vorbeifahrenden Radfahrer. Einer dieser Momente, bei denen man automatisch langsamer wird.

Ganz sicher? Meine Tochter war gerade ganz interessiert und beim googeln haben wir gesehen, dass die eig. so einen Rüssel haben. 😬
Ich möchte aber dazu sagen, dass wir deinen Bericht hier sehr, sehr genießen! Danke für die tollen Einblicke, Erzählungen und Fotos :)
 
Ganz sicher? Meine Tochter war gerade ganz interessiert und beim googeln haben wir gesehen, dass die eig. so einen Rüssel haben. 😬
Ich möchte aber dazu sagen, dass wir deinen Bericht hier sehr, sehr genießen! Danke für die tollen Einblicke, Erzählungen und Fotos :)
Danke fürs Feedback!
Bei den Seeelefanten bin ich mir diesmal sicher. Zu sehen auf meinem Bild sind wohl nur Weibchen. Es lagen aber auch noch ein paar Männchen mit rum. Diese waren wirklich noch mal ein ganz anderen Kaliber und hatten auf den Rüssel.

https://en.wikipedia.org/wiki/Elephant_seal
 
Etappe 9 – Santa Maria → Santa Barbara

Längste Etappe der Tour. Persönliche Königsetappe. Meilenstein erreicht.

Schon beim Start war klar: Das hier würde eine andere Hausnummer.
Nicht wegen einzelner Rampen oder spektakulärer Passagen, sondern wegen der reinen Länge (auch in Kombination mit den darin versteckten Höhenmetern).
Bis hierhin die längste Etappe der gesamten Tour – und mental eine, auf die ich lange hingearbeitet hatte.
Santa Barbara war für mich kein Zufallsziel, sondern ein klarer Meilenstein.





Der Tag begann unspektakulär – und genau das war gut so.
Letzte Einkäufe, Wasser auffüllen und mit Kaffee, Donuts und etwas Frischem Kopf und Körper mit dem notwendigen Treibstoff versorgen.





Kurz darauf verließ ich die Zivilisation (Santa Maria) und tauchte - nach dem Durchqueren einiger landwirtschaftlich betriebener Flächen - ein in eine grüne, hügelige Landschaft. Weite, kaum Verkehr, lange Linien.
Die Kilometer sammelten sich leise – ohne Drama, aber stetig. Und für die Beine ebenso stetig wahrnehmbar.



Der erste längere Anstieg. Nicht brutal, aber fordernd.
Einer von vielen Momenten an diesem Tag, an denen klar wurde: Das hier ist kein Sprint, sondern ein Ausdauerlauf auf zwei Rädern.



Vorbei an der Neverland Ranch. Kein Stopp, kein großes Innehalten – obwohl ich es eigentlich geplant hatte. Durch den versperrten direkten Weg (Private Property) war der Umweg einfach zu groß. Der Fokus lag ohnehin auf der Etappe selbst.





Zeit für eine erste richtige Pause. Kaffee, Schokobrötchen, kurz sitzen. Im schönen und sehr mondän wirkenden Los Olivos.
Und als Cannondale-Fahrer musste es natürlich das Lefty's Coffee sein. Auch wenn mein Topstone keine Lefty hat 8-)



Weiter durch offene Landschaft. Kilometer um Kilometer.
Und da war es auch schon ausgeschrieben: Santa Barbara! Galt es nur noch diesen niedlichen Bergkamm zu überwinden.



Noch einmal anhalten, bevor es ernst wird.



Die Beine waren müde, aber stabil. Der Kopf voll bei der Sache.





Der letzte große Anstieg des Tages.
Nicht steil im klassischen Sinne, aber zäh - weil lang. Genau der Punkt, an dem sich entscheidet, ob man einen langen Tag sauber zu Ende fährt. Aber Alternativen hatte ich ohnehin nicht mehr.



Oben angekommen – ein kurzer Moment des Durchatmens.
Ab hier ging es rasant und voller Fahrfreude auf einer kurvigen Straße Richtung Ziel.





Rückblickend einer der emotional stärksten Abschnitte.
Zu wissen, dass der größte Teil geschafft ist, macht mit einem etwas – körperlich wie mental.



Unten angekommen war die Lichtstimmung immer noch atemberaubend. Als wollte man mich willkommen heißen.
Santa Barbara ist und bleibt einfach eine Perle.



Für mich ein echter Meilenstein dieser Reise.
Nicht das Ende – aber ein Punkt, an dem sich die Route, die Stimmung und auch der Blick nach vorne verändern. Einfach weil ein Großteil nun erfolgreich geschafft ist und ich dem Ziel (leider o_O) merklich näherkomme!
Darauf erstmal entspannt eintauchen in Pool und Hot Tub. Und nach einem kurzen Plausch mit Austin, der hier für "Electrify America" einen Ladepark für E-Autos mit aufbaut, geht's dann auch schon wieder ins Bettchen.






Distanz: ca. 106,9 km
Höhenmeter: 1.269 hm

 
Etappe 10: Santa Barbara → Thousand Oaks

Es war an der Zeit, vom schönen Santa Barbara und dem netten Best Western Abschied zu nehmen. Der letzte Kaffee im Hotel, ein kurzer Moment zum Innehalten – dann ging es wieder los. Santa Barbara war für mich ein besonderer Ort, einer von denen, die man nicht so einfach verlässt.



Diesmal eine Premiere: Die Route wurde komplett mit Bikerouter geplant. Insgesamt funktionierte das sehr gut, vor allem durch Priorisierung ruhiger Residential Areas, die einen sanften Übergang aus der Stadt ermöglichten.



Vorbei ging es am Naturkundemuseum und kurz darauf an der Mission von Santa Barbara. Noch einmal kurz langsamer werden, schauen, Eindrücke sammeln und im Kopf abspeichern.





Ich versuchte, die letzten Eindrücke von Santa Barbara regelrecht aufzusaugen. Sonne, Architektur, diese entspannte kalifornische Stimmung – all das sollte nicht einfach im Vorbeifahren verschwinden.



Kalifornien wäre nicht Kalifornien ohne skurrile Begegnungen am Straßenrand. Zwei „heiße Schlitten“ sorgten für ein kurzes Grinsen, bevor der Fokus wieder ganz auf die Strecke ging.



Die erste Pause kam überraschend früh. Die Beine fühlten sich schwer an, der Rhythmus wollte noch nicht so recht greifen. Kein Drama und nach der für mich ungewohnten Dauerbelastung (trotz zweier Ruhetage) auch irgendwie nachvollziehbar.



Dann ein Moment des Zweifelns: das Schild „Freeway Entrance“. Eigentlich genau das, was man vermeiden möchte. Als mich jedoch zwei E-Biker dort problemlos passierten, folgte ich ihnen. Es stellte sich als kurzer Abschnitt auf dem Seitenstreifen heraus – machbar und schneller vorbei als gedacht.



Die Erleichterung folgte prompt: wieder ein separater Bike Path. Genau diese Wechsel entscheiden mental darüber, ob ein Tag kippt oder stabil bleibt.



Eine Gruppe älterer Rennradler überholte mich. Die schweren Beine machten sich bemerkbar, ich ließ sie ziehen und fuhr konsequent mein eigenes Tempo.



Augen offen halten lohnt sich immer. Vögel auf einer Leitung, perfektes Licht, blauer Himmel – kleine Details, die helfen, den Kopf wieder freizubekommen.



Mit der Einfahrt nach Ventura wurde es urbaner. Mehr Verkehr, mehr Infrastruktur – aber weiterhin gut fahrbar und überraschend entspannt.



Ein interessantes Gefährt am Wegesrand: ein Hummer - wenn auch kein ganz normaler. Warum nicht. Kalifornien eben.



Riecht Ihr das auch? Ich auch nicht. Lustig aber allemal.



Kurz vor dem Ziel wurde es noch einmal richtig anstrengend. Abseits befestigter Wege ging es über steile Rampen, die einem nach so vielen Kilometern alles abverlangen.







Kein Rhythmus mehr, nur noch Wille. Diese letzten Kilometer fühlten sich deutlich länger an als sie tatsächlich waren.

Die Ankunft im Palm Garden Hotel war entsprechend erleichternd. Ruhig, angenehm und genau der richtige Ort, um diesen Tag abzuschließen.



Abendessen, Beine hoch, Kopf runterfahren. Etappe geschafft.





Distanz: 102.3 km
Höhenmeter: 695 hm

 
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