Ja.
Genosse
@Dahigez kann da sicher auch noch was grundsätzliches zu beitragen.
Für den Rest, also gefühlte und erlebte Fakten, logische und unlogische Deduktion usw. ist der gesunde Menschen/Forenverstand natürlich immer eine weitere Quelle der Inspiration und Erkenntnis
M. (Studienabbrecher mit Baumschul-Diplom)
1) Ich möchte mich gegen den Eindruck erwehren, ich sei Maschinenbauer.
2) Ich verfolge die Serie nicht, sonst entsteht nur wieder das “Ein neues Bike wäre eigentlich ganz schick” Syndrom - und eigentlich bin ich mit meinem aktuellen Bike-Setup sehr zufrieden. Deshalb kann ich nur beschränkt hier zielführend beitragen.
3) Warum Rohre bei gleichem Materialeinsatz stabiler sind als Vollprofile, sollte klar sein (wer noch rätselt, schaut sich einfach die notwendige Längung verschiedener Bereiche von Rohr bzw. Vollprofil an - gilt übrigens ähnlich für andere Hohlprofile, nur nicht so universell wie beim Kreis). Auch klar ist aber, dass sich die Stabilität dabei auf die Belastung des gesamten Rohrs bezieht hinsichtlich Biegung, nicht auf die Stabilität des Rohrs hinsichtlich punktueller Belastung - bei letzterem ist es dann eher anders herum. Während also ein Rohr immer steifer wird, je dünnwandiger - aber dabei mit größerem Durchmesser - es wird (wir wollen ja den Materialeinsatz konstant halten), umso empfindlicher wird es für punktuelle Belastung.
Wenn man nun ein Rohr insgesamt belasten will, dann muss man die Kraft ja irgendwo einleiten. Wenn man einen Fahrradrahmen und dabei dann die Rohrverbindungen durch Muffen betrachtet, dann bleibt die Flächenbelastung bei steigendem Rohrdurchmesser theoretisch gleich, weil mit dem Rohrdurchmesser ja auch die Muffe wächst und damit die Fläche, die belastet wird. Das gilt aber nur theoretisch, weil dabei keine Passform mit eventuellen Toleranzen berücksichtigt wird. Es ist aber offensichtlich, dass mit steigendem Rohrdurchmesser und entsprechend größerer Fläche an den Verbindungen, die möglichst zueinander passen muss, die Toleranzen kleiner werden sollten. Für die Fertigung eines Rahmens sicherlich ein nicht zu vernachlässigender Aspekt.
Dazu dann noch eine kleine Bemerkung zu einem anderen Beitrag, der mir beim Überfliegen aufgefallen ist: Wenn die Rohre schrumpfen, dann ist ein Stülpen über ein massives Verbindungsprofil aus Metall eher keine gute Idee, weil bei einem ursprünglich formschlüssigen Überstülpen natürlich Spannungen entstehen würden, die für die Stabilität des Rohres sicherlich nicht förderlich sind (hier spielt dann wieder die Flächenbelastung eine Rolle). Du hast dann zwar eine feste Verbindung vom Metall zu einem Teil vom Rohr, aber ein stark geschwächtes Rohr am Übergang - nicht gut. Daher lieber das Rohr stecken und die Differenz mit einem Kleber ausgleichen, der im Optimalfall aufgrund seiner Eigenschaften - ein wenig Verformbarkeit/Elastizität - die Verbindung ohne große Verspannung herstellt. (Eventuell könnte man hier noch den Einfluss der Temperatur betrachten.)
Und abschließend: Die Steifigkeit von Rohren hängt vom Durchmesser ab, ovale Rohre haben unterschiedliche Durchmesser in verschiedene Richtungen und damit auch unterschiedliche Steifigkeit in verschiedene Belastungsrichtungen. Bei hochovalen Rohren ist der Unterschied beträchtlich. Bei einem Fahrrad will man Steifigkeit des Rahmens nicht in alle Richtungen gleich (wurde auf MTB News erst kürzlich im Trailbike Test wieder deutlich), wobei das je Ausrichtung des Fahrrads auch unterschiedlich sein kann, was man im Einzelnen will. Gleichzeitig ist der Rahmen im Gesamtsystem Fahrrad nur ein Aspekt hinsichtlich Steifigkeit - und wahrscheinlich auch nicht der dominierende (ob es einen dominierenden gibt, ist eine andere Frage; wenn es einen dominierenden gibt, ist das wahrscheinlich eine Schwachstelle - insgesamt kommt es wohl für ein gutes Resultat auf eine gelungene Zusammenstellung an). Dass ovale Profile grundsätzlich Sinn ergeben im Fahrradrahmen (und nicht nur beim Renner wegen Aerodynamik), ist also klar, ob es einen gewissen Mehraufwand rechtfertigt oder ob der Mehraufwand eventuell im Hinblick auf das Endprodukt nicht effektiver an anderer Stelle eingesetzt würde, ist eine höchst individuelle Frage, die jeder Hersteller für sich beantworten muss.
So, ich hoffe, das reicht erst mal als „grundsätzlicher Beitrag“.