Bei dem Thema sollte vielleicht einiges berücksichtigt werden, was die Planung erschweren dürfte:
Bombenkrater
Die Verwaltung hat bereits beim Vorgehen und
Plattmachen des Bombenkraters gezeigt, was sie von Beteiligung und Mitarbeit hält. Das Vertrauen in die Verwaltung ist spätestens seit dieser Aktion bei den Mountainbikern weitgehend bei Null.
Einseitige Sperrung der Wege für Mountainbiker auf der Westseite bei Pullach
Die Gemeinde Pullach hat lange mit absurden Argumenten (Mountainbiker würden die sensible geologische Situation gefährden und etwa einen Hangrutsch der an der Kante stehenden Häuser fördern) auf den Wegen ein Radverbot ausgesprochen. Gespräche sind alle im Sand verlaufen. Die Mountainbiker haben die Schilder weitgehend ignoriert. Zwischenzeitlich sind die Schilder weitgehend alle weg.
Die "Isartrails"
... haben eine überschaubare Dimension. Interessant ist es weitgehend zwischen Tierpark und der Brücke "Zum Brückenfischer" nahe dem Kloster Schäftlarn, N-S-Distanz ca. 15 km, O-W-Distanz ca. 2 km. Die Landschaft ist tatsächlich vielfältig und für die Einwohner in einer durchaus aktiven Stadt und deren Nachbargemeinden ein wichtiger Ort für Sport, aber auch für Erholung usw. Da die Isar in diesem Gebiet einen kleinen Graben geschaffen hat, die Übergänge vom Hochufer zur Isar dabei steil und jeweils geologisch schwierig sind, konzentriert sich das meiste Isarnah. Ein gewisser Verdrängungseffekt lässt sich über die Jahre bereits beobachten: Viele Spaziergänger bleiben oben am Hochufer, da es dort für sie häufig tatsächlich stressfreier ist. Isarnah verlaufen einige breitere Schotterwege, auf denen tatsächlich oft schnell geradelt wird, nicht nur von Mountainbiker, sondern auch von Leuten, die etwa in München arbeiten und mit dem Rad von ihren Wohnorten die Dammwege nutzen. Die Trails sind häufig für Spaziergänger uninteressant, da schmal und oft schlammig / nass, zudem Zeckenland.
ABER: Die mountainbikenden Münchner und Isaranwohner haben die Isarwege liebgewinnen, schätzen sie und nutzen sie während der Woche, tw. auch am WOE, wenn es z.B. wegen des Urlaubsverkehrs kaum ein Rauskommen Richtung Süden gibt. Die Isartrails sind perfektes Territorium für traillastiges Mountainbiken ohne viel Höhenmeter am Stück (ca. 40 HM). Eine Alternative brauchen die dort fahrenden Mountainbiker nicht, sie haben alles.
Ein Problem an der Isar ist der hohe Nutzerdruck. Durch diesen Nutzerdruck entstehen regelmäßig neue Spuren, die dann innerhalb kurzer Zeit zu regelrechten Wegen mutieren. Dies sind also nicht zwingend "illegal angelegte Mountainbikestrecken" mit spezifischen Anlagen, häufig handelt es sich auch um Abkürzungen für Fußgänger vom Parkplatz oder Bahnhof hinunter zur Isar, die dann schnell vom Trampelpfad zum Weg werden. Im Ergebnis wird die geringe Fläche also immer mehr von Pfaden durchzogen, was das Laufen und Mountainbiken interessant machen kann, jedoch eben auch die Diskussionen über ein Für und Wider Sperrung der Wege anheizt.
Ein weiteres Problem ist die Isar selber. Zwar wurde viel für den Hochwasserschutz in München getan, viele Wege verlaufen jedoch genau in den Rückzug-/ Auffangbereichen, die für die Isar angelegt sind und vom Damm, auf dem etwa der breite Hauptweg (Fuß- und Radweg) verläuft. Somit werden diese Wege alle paar Jahre überflutet, warum sich einige Wege oberhalb der Mulde ergeben haben. Die Mulde selbst sind Becken, haben also kaum Abflussmöglichkeiten, warum bei Starkregen diese Wege häufig lange nass und matschig sind, trotzdem stark genutzt werden und die Wege sich so ständig verbreitern und kaum mehr eine Chance haben, sich zu erholen.
Die Alternativen
Da noch einigermaßen nah, und über einige Streckenabschnitte auch gut von der Isar zu erreichen, werden meist der Perlacher Forst (östlich der Isar) und Forstenrieder Park (westlich), die Panzerwiese (im Norden von München) oder etwa auch die Isar nördlich von München diskutiert. Alle diese Flächen sind weitgehend flach / eben, Höhenunterschiede mit wenigen Ausnahmen, etwa dem Muggl im Perlacher Forst (einem Schuttberg mit ca. 25 hm). Die großen Erhebungen liegen im Münchner Norden, sind allesamt künstlich, tw. Schuttberge, häufig auch Müllberge, und damit schwierig / aufwendig, im Nachgang auch für andere Nutzungen zu gestalten.
Was die Wälder rund um München haben: eine Vielzahl kilometer gerader geschotterter Wirtschaftsstraßen ("Forstautobahnen"), jedoch auch viele schmale Waldwege, die auch zum Mountainbiken einladen können. Wer also auch nahezu gänzlich ohne Höhenmeter Mountainbiken will, kann dies dort tun. Gerade für Familien und auch Abwechslungssuchende kann dies interessant sein. Für den "Hardcore-Isar-Mountainbiker" (H.I.M.) dürfte das dennoch kaum eine Alternative sein, da es tatsächlich den Anspruch der Isartrails sowohl landschaftlich als auch fahrtechnisch aktuell nicht annähernd erreicht.
Trailcenter Isar
Der Name Trailcenter verbinden wohl die meisten mit gebauten Strecken im kupierten Gelände, flüssig fahrbare Trails bergauf wie bergab. Dies ist in München nicht anwendbar und daher führt es nicht weiter, wenn man den Begriff Trailcenter in die Diskussion um München bringt.
Zielgruppe
Wer ist die Zielgruppe für die Planung? Die H.I.M sind hoffentlich zumindest interessiert, auch wenn man häufig anderes liest, in erster Linie aber dürfte das Interesse aus der Angst vor Sperrungen der Isartrails resultieren. Warum sich die H.I.M. dann ihr eigenes Grab schaufeln sollen, indem sie Alternativen begrüßen, dürfte schwierig zu erklären sein.
Freizeitradler und Familien, Einsteiger sind tw. an der Isar überfordert, da gerade am WOE die Belastung auf den Isarnahen Wegen hoch bis extrem ist und die Rücksichtnahme nicht bei allen ausgeprägt ist. Diese könnten eine Zielgruppe sein, zumindest wenn sie erreicht werden können.
Diskussionsabend
Wer kann, sollte hingehen, zuhören, darüber denken und konstruktiv mitreden.
Wichtig wird sein, dass es keine Alternative zu den Isartrails geben darf, wenn die Alternative als digitale Lösung gesehen wird. Wer also etwa die Hoffnung hat, dass mit der Umsetzung der Alternativen dann die Isartrails einseitig für die Radfahrer gesperrt werden, dem muss eine klare Absage erteilt werden.
Wer Alternativen als ergänzendes Angebot zu den Isartrails sieht, sollte sich zur Vermeidung möglicher Missverständnisse vielleicht eher einen Arbeitstitel "Mountainbiken in und um München" o.ä. geben. Eine Ergänzung im Sinne überhaupt eines Angebots für Mountainbiker könnte zielführend sein und im Ergebnis dann auch die Isartrails entlasten helfen, wenn ehrlich mit den Mountainbiker gesprochen wird, deren Bedürfnisse bei der Umsetzung berücksichtigt werden und es mehr sein wird, als einige Pumptracks oder Pistenovale.
Eines muss bei der Diskussion immer beachtet werden: die Region München und Umland hat über 1,6 Mio Einwohner, viele davon sind sportlich und nutzen in der Freizeit auch die "Natur" für ihre Aktivitäten und Erholung. Das alles kann nur miteinander gehen, dafür braucht es von jedem auch eine Toleranz und das Respektieren des anderen und dessen Rechte. Dass Verbote wenig bis nichts bringen, sieht man an vielen Beispielen, nicht nur die Situation in BaWü mit der 2M-Regel dient hier, jeder erlebt das tagtäglich, wenn er am Straßenverkehr teilnimmt. Daher kann man die LHM beglückwünschen, dass sie sich endlich diesem Thema stellt und es aufgreift. Ich bin gespannt, unter welchen Rahmenbedingungen die LHM das Thema dabei angeht...
Schau ma moi