Meine Reise ins Riesengebirge
Von meinem Arbeitgeber aus dem Büro getrieben (Resturlaub aus 2009 drohte zu verfallen) machte ich mich am letzten Donnerstagmorgen nach dem ausschlafen auf den Weg gen Süden. Ich hatte mir vorgenommen endlich mal wieder meine große Bikefaulheit zu überwinden und mich durch die Berge motiviert mindestens 3 Tage am Stück aufs Bike zu schwingen.
Die Wetterprognosen waren wie immer etwas wackelig und so entschied ich mich möglichst weit gen Osten zu bewegen um dem von Westen herannahenden Regen so lange wie möglich zu entkommen. Ziel meiner Reise war ein kleiner Ort im östlichsten Zipfel des Isergebirges. Die Anreise verlief ohne Komplikationen und gegen 15 Uhr erreichte ich Josefuf Dul, der Ort den ich als mein Ausgangspunkt für die kommenden Tage gewählt hatte.
Schnell packte ich meine Sachen aus und fuhr bei schönstem Sonnenschein noch eine kleine Willkommensrunde auf den Jizera, welches der höchste Berg im Isergebirge (auf der tschechischen Seite) ist und musste etwas enttäuscht feststellen, dass da oben entweder alles asphaltiert ist oder für Räder verboten ist.
Der Großstadt entflohen kann das Leben auch ganz angenehm sein...
Wohin will ich eigentlich fahren?
Ach ja, genau - da soll es hin...
Warum? Na weil es da genau das
hier zu befahren gibt. Leider habe ich es zeitlich an diesem Tage nicht geschafft und das Programm der Folgetage gab es leider auch nicht her diesen Spot zu besuchen.
Viel zu schnell verschwand die Sonne hinter dem Horizont. Der Jeschken grüßt noch einmal kurz aus der Ferne bevor es zurück in Richtung Unterkunft geht
Kurz bevor ich zu Hause war traf ich doch nochmal auf Menschen...
...aber genauso schnell wie sie auftauchten verschwanden sie auch wieder
Meine Unterkunft, die Chata Peklo, was übersetzt wohl sowas wie die Hütte des Teufels bedeutet. Was das wohl zu bedeuten hatte?
Ich verschwand so schnell wie möglich im Bett, um am nächsten Morgen richtig früh aufzustehen und mit dem Auto nach Vrchlabi zu fahren. Vrchlabi sollte der Ausgangspunkt einer schönen Riesengebirgstour werden. Am Folgetag quälte ich mich um kurz nach 8 aus dem Bett und genoss ein schönes Frühstück mit frischen Hörnchen. Allerdings war ich davon dann so erschöpft, dass ich mich zurück in meinem Zimmer noch einmal ins Bett legen musste und bis kurz nach 11 schlief.
Die große Riesengebirgstour startete letztendlich um 14:00 Uhr in Vrchlabi (nachdem auch noch ein Besuch in der Radwerkstatt vor Ort nötig wurde). Frisch repariert ging es ohne technische Probleme gen Norden in die Berge.
Na shledanou Vrchlaby...
Auf das Wetter ist wie immer verlass... es war schon fast zu warm fürs Uphill fahren
War rechts der Straße der Frühling bereits in vollem Gange...
...so grüßten von der anderen Seite die letzten Boten des vergangenen Winters bedrohlich
Die Straßen wurde immer schmaler...
... und die Schilder immer seltsamer. Wo bin ich eigentlich?
Wenige Kilometer später wusste ich es. Ich hatte mich verfahren und war in Spindlermühle im Skigebiet am Svaty Petr gelandet
Seitdem ich in Vrchlabi im Wald verschwand hatte ich niemanden mehr getroffen. Nicht mal hier im Skigebiet trieben sich Leute rum - sehr angenehm!
Ich machte mich also auf direktem Wege zurück auf meine ursprünglich geplante Strecke in Richtung Schneekoppe/Pec
Über interessante Wege ging es erstmal abwärts
... aber es sollte nicht lange dabei bleiben denn der nächste Anstieg war bereits in Sichtweite
Wo ist nur der Proper hin???
Schnell noch ne kleine Pause...
Ooooh ... ich werde beobachtet...
So langsam müsste ich aber mal wieder "oben" sein
Oh nein!!! Was ist das denn??? Das kann doch nicht wahr sein
Schnee... und auch noch mitten auf dem Weg *arrghh*
Was hätte ich jetzt für Runterraufs Langlauflatten gegeben?
Juhuu ... es wird wieder besser... aber wenn das die Südseite war was wird da jetzt gleich auf der Nordseite auf mich warten?
Genau, noch mehr Schnee, brrr war das frisch und nass am Fuß... aber das Ziel war schon am Horizont zu sehen
Genau, der höchste Berg im Riesengebirge - die Schneekoppe
Ich glaube, dass muss ich mir gleich mal aus der Nähe anschauen...
Noch mehr Schnee...
Näher bin ich nicht mehr rangefahren... es war inzwischen nicht nur schon recht spät, sondern man darf da oben wohl auch nicht mit dem Mountainkike rauffahren
Für die Bunkerexperten hier im Forum: Handelt es sich um ein deutschen oder einen tschechischen Bunker?
So, nun wieder zurück und auf halber Höhe links in Richtung Pec abbiegen
In Pec wollte ich eigentlich das Taxi chartern aber es war weit und breit niemand zu sehen, den ich nach dem Fahrer hätte fragen können
Auch in Tschechien gilt die alte Regel: nach runter kommt rauf
Ich hatte sogar noch Zeit und Muße einen Abstecher auf den Cerna Hora zu unternehmen und den Sendeturm, der mich irgendwie an das Raumschiff von Adolar erinnerte zu besichtigen. Ich schaute mich um konnte Adolar aber nirgends entdecken und fuhr weiter...
Für alle die nix damit anfangen können gibts
hier Hintergrundinformationen zu Adolar
Auf dem Weg zurück nach Vrchlabi fühlte ich mich kurzzeitig in die Alpen versetzt
Ein letzter Blick zurück...
Beim ersten Abendbrot ließ ich den Tag nochmal Revue passieren und genoß jeden Augenblick noch einmal... der Weg hatte sich gelohnt
Als ich nach einer guten Stunde Fahrzeit, beleuchtet von hunderten Walpurgisnachtfeuern in der Gegend, wieder in meiner Unterkunft ankam erwarteten mich meine Gastgeber bereits mit Brot, Würstchen und anderen interessanten Leckereien am Feuer hinter dem Haus. Das war vielleicht nicht die beste Marathonnahrung für den nächsten Tag aber dafür sehr lecker...
Tag 3 - Das Karpacz-Rennen
Am Sonntag war dann regenerieren angesagt und ich entschloss mich dazu die Bunkeranlage bei Dobrosov zu besichtigen...
Es handelt sich bei der Anlage um einen Tschechischen Bunker der 1934-1938 im Zuge der kompletten Sicherung der Grenze zu Deutschland auf mehr als 1500km mit Bunkeranlagen erbaut wurde. Die Anlage wurde bis zum Ausbruch des Krieges nicht vollständig fertiggestellt. Der Bunker war auch nie Mittelpunkt von Kampfhandlungen. Bei Ausbruch des Krieges war die gesamte Anlage mit 25 soldaten besetzt.
Absperranlagen - so nen Betonklotz wiegt 450, nen Stahlknödel 250 Kilogramm - das alles lecker mit Stacheldraht garniert sollte die Übermacht des Feindes aufhalten - das Resultat ist ja bekannt
Der Artelleriebunker sollte einen Pass im Nachbartal unter Feuer halten und somit für die Deutschen unpassierbar machen
100mm Haubitze
Ich möchte da im Angriffsfall weder drin sitzen noch draußen davor stehen... so siehts jedenfalls von innen aus...
...Über 171 Stufen gehts nach unten...
Ein Blick zurück...
Durch die riesigen Aufzugsschächte sollten die alten Kartuschen, welche nach dem Abfeuern aus den Haubitzen in die Zwischenetage in ein eingebautes Wasserbecken fallen sollten nach dem Abkühlen, zur Wiederverwendung nach unten transportiert werden
Das Teil hatte ich doch zwei Tage zuvor noch im Riesengebirge verbaut besichtigen können...
Es ging ewig unterirdisch durch den Berg...
Es wurden riesige Katakomben für Munition, Vorräte und zum (über)leben angelegt...
262 Stufen höher war man wieder (an einer anderen Stelle oben)
Draussen war es irgendwie angenehm und wohltuend grün
Ein Blick rüber zu den Nachbarn...
1943 testete die Wehrmacht die neueste Munition an dem Bunker aber mehr als 2-2,5m tief kamen die deutschen in die 3-4m dicken Wände nicht. Der Bunker hielt stand und wurde nicht geknackt
Allen denen, die sich für solche Themen interessieren sei gesagt, es war wirklich interessant...
Alle Bilder gibts in Kompakter Form nochmal
hier