Ein Tourenrad aus ca. 1986 auf Steroiden: Hercules Alassio mit "Z-Traktion"

  • Hersteller: Hercules
  • Baujahr: Um 1986
  • Modellbezeichnung: "Alassio" mit seltener Sonderausstattung "Z-Traktion"
  • Fahrrad-Klasse: Tourenrad / Leichtlaufrad
  • Besonderheit: Z-Traktion zur Drehmomentsteigerung und Totpunkt-Eliminierung, 40 Jahre alter elektronischer Tacho an der Gabel.
  • Gabel: Hercules Alassio, Anthrazitgrau-Metallic
  • Rahmen: Hercules Alassio Serienrahmen Spezial-Rohr X3 Chrom-Molybdän Stahl 25 CR Mo 4 Mannesman Präzisrohre, gemufft
  • Farbe: Anthrazitgrau-Metallic
  • Schaltung 1: Sachs Comander Huret 6-Gang Kettenschaltung
  • Schaltung 2: Sachs Orbit Nabenschaltung 1:0.74 + 1:1
  • Schaltung 3: Shimano 600 2-Fach Umwerfer mit Suntour Schalthebel
  • Zahnkranz: 2 Fach mit 36, 48 Zähnen
  • Kassette: 6 Ritzel mit 13, 15, 18, 22, 26, 31 Zähnen
  • Kurbel: Specialités TA (Made in France) plus "Z-Traktion" nach Schweizer Patent von Jakob Jentschmann (Zürich) und Walter Zunstein (Muri bei Bern), 1981, 1986 erteilt
  • Pedale: Zeitgenössische Standardpedale mit orangenen Reflektoren
  • Bremshebel: Sachs Orbit
  • Bremsen Sachs Orbit Trommelbremse
  • Felgen: 28 Zoll Aluminium
  • Nabe vorn: Sachs Orbit mit Trommelbremse
  • Nabe hinten: Sachs Orbit mit Trommelbremse und 2-Fach Nabenschaltung
  • Reifen: Destone Weißwand-Tourenradreifen 28" x 1 5/8 x 1 3/8 (37-622)
  • Sattelstütze: Zeitgenössische "Kerzenstütze"
  • Sattel: Original Hercules RAL 3000 Rot
  • Steuersatz: Original Hercules
  • Vorbau: Original Hercules
  • Lenker: Original Hercules Torenradlenker
  • Griffe: Gummigriffe wie alle frühen Alassio / Varena usw. Rot RAL 3000
  • Klingel: Verchromt origininal mit Hercules-Prägung
  • Gepäckträger: Original Hercules mit rotem Rückstrahler
  • Dynamo: Union Seitenläufer
  • Frontbeleuchtung: Hercules-Serienscheinwerfer wie an vielen Modellen aus der Zeit
  • Rückbeleuchtung: Serienausstattung, Hersteller Brum
  • Sonstiges: Hercules Edelstahl verchromte Schutzbleche
  • Sonstiges: Olona-Seitenständer
  • Sonstiges: Elektronischer Sachs Huret Tacho/Kilometerzähler an der Vorderradgabel

Fotos:


Antriebs-Seite des Rades mit dem Drehmoment-verstärkenden "Z-Traktion" in voller Pracht


Die andere Seite des Rades mit dem Schaltzug der Nabenschaltung. Der Pedalhebel ist in dieser Position effektiv 28 cm lang. Der Z-Traktion bewegt sich in der Führung an der Sattelstange auf und ab, das sieht ähnlich aus, wie der Antrieb bei einer Dampflokomotive.


Tourenrad-Cockpit mit drei Schalthebeln und originaler Hercules-Klingel. Der Suntour-Hebel bedient den Shimano-Umwerfer vorne. Die beiden anderen Schalthebel bedienen das 6-Fach-Schaltwerk und die 2-Gang-Nabenschaltung.


Zusatzfoto Schräg von hinten auf den interessanten Antrieb.

Weitere Fotos gleich.
 
Zuletzt bearbeitet:
1759698129913.png

Das Cockpit noch mal aus einer anderen Sicht.

1759698182855.png

Und nochmal anders. Die roten Schalt- und Bremszüge sind wunderbar, müssen aber per Kabelbinder im Zaum gehalten werden, damit sie beim Lenken nicht am Scheinwerfer schaben, dessen Gehäuse ist nur aus grauem Kunststoff und silber lackiert. Das verkratzt sonst ruckzuck.

1759697135765.png

Mannesmann-Präzisrohre-Aufkleber für höchstes Qualitätsversprechen des Rahmens. Tacho: Geht. Zeigt aber derzeit noch nur etwa 2/3 der tatsächlichen Geschwindigkeit und Distanz an, weitere Tests erforderlich, vielleicht ist der Magnet zu schwach? (Näher bekomme ich ihn an den Tacho nicht dran)

1759697291565.png

Cockpit aus Fahrerperspektive.

1759697498098.png

Der Tacho ist während der Fahrt garnicht so leicht abzulesen, und wie schon geschrieben, er zeigt noch nicht die richtige Geschwindigkeit an. Offensichtlich zählt er die Radumdrehungen noch nicht vollständig.

1759697379695.png

Noch eine Seitenansicht.

1759698342998.png

Sogar auf der Satteltasche ist ein Hercules-Logo.

1759697636209.png

Die Z-Traktion im Detail. Man sieht hier nochmal die Hebelverlängerung.

1759697717753.png

DIe Sachs Orbit Trommelbremsen sind weitestgehend wartungsfrei und funktionieren bei jedem Wetter. Ich habe aus der Jugend noch ein Hercules Pegasus mit den selben Bremsen, das habe ich etwa 20 Jahre regelmäßig gefahren und zumindestens vorne noch nie die Beläge gewechselt, hinten aber schon einmal, und ich habe noch welche. Auch dieses Alassio packt beim Bremsen kräftig zu.

1759697878823.png

Auch hinten, Sachs Orbit Trommelbremsen, mit 2x-Nabe mit 1:0.74 und 1:1 Gang. Der große Nachteil der Trommelbremsen: Du möchtest unterwegs keinen platten Reifen haben, denn dann brauchst du richtig viel Werkzeug, um das Rad ausbauen zu können. Wer hat unterwegs denn schon eine Ratsche mit 15 cm Verlängerungsstück dabei? Daher: Irgendwann müssen hier noch Antiplatt-Einlagen in die Reifen rein, so wie ich sie schon seit damals im Pegasus drin habe.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ausgeführte Arbeiten am Rad:

  • Grundreinigung mit Hochdruckreiniger,
  • Feinreinigung mit einer alten Zahnbürste, der Dreck saß in allen Ritzen,
  • Lackschäden mit Anthrazit-Metallic-Lack ausgebessert,
  • Frontscheinwerfer zerlegt und Gehäuse neu lackiert (war durch die Schalt- und Bremskabel von hinten sehr verkratzt),
  • Vordere Schutzblech-Streben wieder begradigt,
  • originalen Gepäckträger und rote Hercules-Satteltasche organisiert und montiert,
  • Beleuchtung repariert (Birnchen im Rücklicht mit Kurzschluss),
  • Lenker wieder gerade ausgerichtet,
  • Schalthebel gerade gerichtet,
  • Schalt- und Bremszüge besser verlegt und mit Kabelbinder gesichert, damit der Scheinwerfer nicht mehr verkrazt wird,
  • Schaltung und Bremsen neu eingestellt, dabei festgestellt, dass trotz 6-Gang-Schalthebel und 6-fach-Kassette nur ein 5-Fach-Schaltwerk verbaut war,
  • Sachs Comander Huret 6-Fach-Schaltwerk organisiert und getauscht,
  • Schaltung nochmal neu eingestellt,
  • erhaltene Decals mit Klarlack gesichert,
  • Truetype-Schriftart für Modellbezeichnung identifiziert, gesucht und gefunden
  • fehlende Decals ergänzt (hier aber den Schriftzug "Alassio" aber original gelassen, sondern nur konserviert),
  • Knopfzellenhalterung des Tachos gereinigt,
  • Kunstsoff des Tachos behandelt,
  • dann Knopfzelle eingesetzt und Funktionstest,
  • Schaltmagnet anders in den Speichen angebracht, so dass er näher am Tacho vorbei kommt,
  • Zahnkränze, Ritzel und Kette neu gefettet, Reifendruck wieder hergestellt,
  • inzwischen knapp 50 km Testfahrt. Zwischendurch auch zum Vergleich immer wieder mal das Standard-Alassio und das Pegasus vergleichgefahren, um besser zu verstehen, was da "passiert".
 
Zuletzt bearbeitet:
Fahrgefühl: Krass...

Das Teil rennt bei 80er Trittfrequenz im höchsten Gang fast 40 km/h und das geht ganz leicht, es ist also noch Reserve für "mehr", ich hab dann fast 50 km/h geschafft, so schnell wie mit noch keinem anderen Rad zuvor. Es klettert Steigungen wie kein anderes zeitgenössisches Tourenrad.

Für den Vergleich habe ich auch ein normales Alassio Tourenrad (2x6 Sachs Huret-Comander/Orbit-Schaltung und Trommelbremsen) und aus meiner Jugendzeit ein ähnlich ausgestattetes preiswerteres Hercules Pegasus Cityrad (gleiche Schaltung und Bremsen wie das normale Alassio, aber etwas "langsamere" Übersetzung durch andere 6-Gang-Kassette und kleineren Zahnkranz vorne).

Das Rad mit Z-Traktion kommt bei gleicher Trittfrequenz aber bei der Untersetzung nicht ganz an ein zeitgenössisches MTB von Hercules (MTB Competition/Spezial) heran, und bei der Übersetzung im schnellsten Gang ist es auch einem zeitgenössischen Hercules Rennrad (Salerno / Toledo / Ventimiglia / Montrecarlo / Ravenna) leicht unterlegen, aber der Krafteinsatz ist durch dem Z-Traktion Antrieb geringer, man hat also mehr Reserve für 90er Trittfrequenz. Dazu zeige ich gleich ein paar Berechnungen.

Wenn man nach der Fahrt mit diesem Rad auf ein normales Alassio oder erst recht auf das Pegasus umsteigt, dann fehlt einem irgendwas. Durch die Hebelverlängerung nach Vorne auf bis zu 28 cm Kurbellänge hat man bei gleichem Krafteinsatz etwa 2/3 mehr Drehmoment als mit einem normalen Rad. Außerdem sind durch den besonderen Aufbau niemals beide Pedale im Totpunkt senkrecht über bzw. unter dem Tretlager, man hat immer Vortrieb. Der Pedalweg des Umlaufs, bei dem man treten kann, ist länger, als der wo die Pedale wieder nach oben kommt.

Man muss nur sehr umsichtig schalten, die Nabenschaltung erfordert eine Tretpause, sonst "kracht" es im Gebälk und die Nabenschaltung schaltet stur in den Leerlauf.

Das Sachs Comander Huret Schaltwerk schaltet nur zuverlässig und schnell, wenn man den Antrieb beim Schalten nicht zu sehr belastet, also eher "mit treten" als wie beschleunigen, das darf man erst dann wieder, wenn der Gang "sitzt". Da sieht man, welchen Fortschritt die Kettenschaltung in den nachfolgenden 20..40 Jahren seit der Herstellung dieser alten Sachs-Schaltung gemacht hat.

Man muss daher beim Beschleunigen vorsichtig sein, aber wenn es erstmal rennt, dann lässt es selbst S-Pedelc-Fahrer stehen. Die Pedale bewegen sich nicht kreisförmig, sondern auf einer elyptischen Bahn, die Oberschenkel kommen dabei ein Stück weiter hoch als man das normal gewohnt ist. Würde man dem Rad einen Rennradlenker verpassen, man müsste sich in der unteren Griffposition gut zusammen klappen können, um damit noch bequem fahren zu können, ein paar Stunden Yoga könnten helfen... Man tritt damit gefühlt etwa genauso leicht, wie bei einem e-Bike im "Eco" Modus, nur dass man das alles selbst macht. Das ist absolut faszinierend.

Außerdem muss man beim Kurven fahren etwas aufpassen. Bei normalen Kurven geht es, aber bei sehr engen langsamen Kurven kann es durchaus passieren, dass einem das vordere Schutzblech bzw. das Vorderrad mit den Füßen in die Quere kommt.

Anhänge:
  • Bickham Script Pro Schriftart für die Reproduktion des Modellnamens-Schriftzuges ("Alassio", "Pegasus", usw. bei Hercules Fahrräder der 1980er)
  • Patentschrift von 1986
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:
Jetzt zum Vergleich erstmal mein normales Hercules Alassio aus der Zeit.

1759700687721.png

Manch einer hat ein Haus am See, ich bin nur mit dem Alassio am See.

1759700786239.png

Das Rad hat einen interessanten Zweibein-Ständer, der sich "ganz normal" auf die linke Seite unter die Strebe zusammenfaltet.

1759700903409.png

Schräg von Hinten

1759700947837.png

Schräg von vorne. Bei dem Rad war übrigens tatsächlich der "Alassio" Schriftzug auf dem Oberrohr nur noch punktuell vorhanden, habe ich neu gedruckt und aufgeklebt. Auch das Steuerkopfschild und die Hercules-Logos auf der Gabel fehlten, habe ich analog zum anderen Alassio und zum Pegasus neu angebracht. Eine Vorlage fand ich im Internet, die ich nur noch auf die richtige Größe skaliert habe. Auch die "Z-Traktion" oben ergänzte ich bei der Gelegenheit mit dem kleinen Logo, um zu unterstreichen, dass das Rad einst original so von Hercules gebaut wurde.

1759701202652.png

Schräg von Oben.

1759701253228.png

Schräg von vorne. Die Luftpumpe war übrigens dabei, und laut diversen Fotos und Katalogseite ist es die Originale.

1759701337821.png

Noch mal anders schräg von Oben. Auch bei dem Alassio habe ich das Scheinwerfergehäuse neu lackiert, war aber nicht ganz so verschlissen wie das andere.

1759701444687.png

Licht geht auch, versprochen.

Dieses Rad habe ich hier in der Gegend abgeholt und musste einiges komplettieren, es hatte kein Rücklicht mehr, der Sattel fehlte, der Lenker war blank und auch das Kettenschutz...plastik fehlte. Einen originalen roten Hercules Sattel fand ich noch nicht, aber dieser Selle Italia kommt dem Original sehr nahe (ich habe nur einen seitlichen weißen Aufdruck mit Verdünnung abreiben müssen), und das Päckchen mit der roten Satteltasche für das andere Alassio enthielt derer gleich drei und eine schwarze die jetzt am Pegasus ist. Am meisten Arbeit erforderte der ersteigerte hellbeige Hercules Kettenschutz, der war 1 cm zu lang und hatte ein falsches Decor. Habe das grau gemusterte Decor mit Verdünnung abgerieben und dann die Fläche so wie für es für das perlweiß-rote Alassio korrekt ist, mit einem Farbröllchen vorsichtig RAL 3000 rot eingefärbt, ohne dass die Farbe in die Rillen rein läuft. Das war sehr schwierig. Bei dem Hercules-Logo hinten ist mir das nicht ganz gelungen, da musste ich so weit es ging die Farbe wieder rauskratzen. Wegen den roten fehlenden Lenkergriffen habe ich länger recherchiert, und dann in Prospektseiten entdeckt, dass es das Alassio wie oben mit den roten Gummigriffen (auch weiße, blaue und grüne hat es bei anderen Farbvarianten des Alassio und Varena (Damenrad) gegeben) auch mit rotem Kunstleder-Lenkerband gab, Lösung gefunden! Technisch musste ich auch bei dem Rad nicht viel machen, Schaltung und Bremsen einstellen, Licht kontrolliert, geht.

Wer weiß, vielleicht reiche ich dieses Rad nächstes Jahr in Kategorie D ein? Ich finde das Alassio in der Farbe auch heute noch einfach wunderbar! Als ich damals als Schüler das Pegaus gekauft habe, wollte ich eigentlich genau so eins hier haben, aber der Hercules-Händler hatte außer dem im Schaufenster keins und konnte gerade auch keins bestellen. Aber Pegasus waren halt 10 Stück da, und es kostete mit rund 700 DM auch 300 DM weniger als das Alassio.
 
Zuletzt bearbeitet:
Fotos vom Pegasus muss ich nachreichenen, nachdem ich mit der Session mit den beiden Alassio durch war, fings an zu regnen...

Daher kommt jetzt erstmal ein bisschen Mathe... Hab gut 2 Stunden mit Zähne an Fahrrädern zählen verbracht bzw, solche Daten aus Hercules-Datenblätter von etwa gleich alten MTBs und Rennrädern, aus meinen Aufzeichnungen meines Radon ZR-Race und meines Canyon Grail:ON und hier aus dem Forum ein krasses MTB und dann noch ein Canyon Aero-Rad gesammmelt.

Aus Vereinfachnungsgründen habe ich so Sachen wie Rollreibung, Luftwiderstand, Massenträgheitsmoment beim Beschleunigen (und bremsen) raus gelassen, das dürfte bei allen verglichenen Bikes sowieso etwa im gleichen Bereich liegen.

Und dann ging die Arbeit in Excel los, für jedes Rad eine Tabelle erstellt, alles Ermittelte (Zähne-Anzahl für alle Gänge, Getriebeübersetzungen, Reifendurchmesser, Kurbellänge, eingetragen und rechnen lassen. Als gemeinsammer Rechenparameter für alle Räder habe ich eine Trittfrequenz von 80/min genommen und für geübte Radfahrer eine niedrige Tretkraft von 150 Newton angenommen. Ich wollte verstehen, was der "Z-Traktion" Antrieb dieses Alassio bewirkt. Also, wie weit komme ich mit 80 Pedalumdrehungen und wie schnell bin ich dann?

Und wieviel Kraft bringt das Rad damit durch die Unter/Übersetzungen am Ende auf den Untergrund, also die Vortriebskraft. Dabei interessierte mich nicht der absolute Wert, sondern das Verhältnis zwischen dem "stärksten" Rad und und den anderen, daher lasse ich diese Kraft nicht als Zahl darstellen, sondern als Balken, wobei 100% das stärkste Rad im Vergleich sein soll.

Und als ich dieses Ergebnis dann sah, zeichnete sich da schon was ab, nämlich, dass das Z-Traktion Alassio die meiste Kraft auf die Straße bringt. Ich habe dann aber noch eine weitere Spalte eingefügt, welche die Fahrgeschwindigkeit bei 80/min durch die Vortriebskraft teilt. Da kommt als Einheit 1/W (Watt) raus, also der Kehrwert von der erbrachten Leistung. Das ist eigentlich total unsinnig, sozusagen die Leistung, die erforderlich ist, um diese Geschwindigkeit zu fahren, aber es verdeutlicht das Gefühl, was ich beim Fahren der Z-Traktion hatte. Um das Gefühl irgendwie messbar zu machen, sozusagen. Dazu habe ich auch meinen GPS-Tacho benutzt, beide Alassio, mein ZR-Race und mein Grail:ON bei 30 km/h (ohne Unterstützung) die selbe kleine Runde mit Steigung, Gefälle und Ebene gefahren, und dabei geschaut, wie sich meine Beine anfühlen. Und diese Spalte gibt genau das wieder, das Rad mit Z-Traktion hat die kleinsten Balken in der Spalte, also die niedrigste Anstrengung.

Die ganzen Zwischenergebnis-Spalten habe ich ausgeblendet.

Zunächst mal das normale Alassio und das Pegasus.

1759703364817.png

Man sieht, die sind ähnlich, das ergibt sich daraus, dass das Cityrad flacher ausgelegt ist, es hat eine niedrigere Bandbreite. Man sieht schon, bei der Vortriebskraft und Geschwindigkeit habe ich bessere Vergleichsräder gefunden.

Dann erstmal, wo der Hammer hängt, zunächst ein Mountainbike hier aus dem Forum mit extremer Bandbreite.

1759703613001.png

Es ist bei 80/min und niedrigstem Gang das langsamste Rad und auch 1/W ist am niedrigsten, es ist also optimal für stärkere Steigungen. Aber da ist eins mit mehr Vortriebskraft am Hinterrad... Auch bei der Höchstgeschwindigkeit ist dieses Rad sehr gut, insgesamt ist es das Rad im Vergleich mit der höchsten Bandbreite. Für das Rad bekam ich das Ergebnis aus dem Ritzelrechner und konnte so verifizieren dass meine Exceltabelle richtig rechnet. Vorne ist das hier eigentlich keine Schaltung mit 2 Kettenblätter und Umwerfer, sondern eigentlich auch ein 2-Gang-Getriebe, der Besitzer hat das aber für den Ritzelrechner in ein 2-Fach-Kettenblatt umgerechnet und das konnte ich in meine Tabelle übernehmen ohne sie zu verändern.

Und jetzt das andere Extrem, solche Räder sieht man oft auf Radrennen und im Triathlon:

1759703933009.png

Das schnellste Rad im Test, aber bei dem Tempo bleibt von der eingesetzten Trittkraft durch die extreme Übersetzung am Hinterrad am wenigsten übrig. Man muss also beim Fahren eines solchen Rades sehr viel Kraft aufwenden - ich würde das sicher nicht schaffen. Aber die Geschwindigkeit, die dieses Rad im zweithöchsten Gang erreicht, habe ich mit dem Z-Antrieb-Rad bei höherer Trittfrquenz erreichen können.

Trommelwirbel...

1759781113737.png

Das ist das Alassio mit Z-Traktion. Man sieht, was die im Maximum 28 cm langen Pedalhebel für eine Kraft auf die Straße bringen, und wie niedrig der Quotient "Geschwindigkeit durch Kraft" über die Gesamtbandbreite des Rades ist.

Das ist das, was ich weiter oben mit "Krass" kurz und bündig zusammen gefasst habe.

Zur weiteren Einordung noch zwei Vergleichstabellen mit zeitgenössischen MTBs und Rennrädern von Hercules:

1759704430487.png

Der Antrieb kann nur in den Gängen mit dem 26er Zahnkranz mit dem Alassio mithalten, die Bandbreite ist insgesamt ähnlich wie beim Z-Antrieb, aber es tritt sich bei höheren Geschwindigkeit viel schwerer, um die 80er Trittfrequenz zu halten. Mit dem Alassio zieht man an Steigungen an dem MTB einfach vorbei...

1759704561512.png

Für Steigungen sind diese Rennräder offensichtlich nicht so geeignet. Und die sind im höchsten Gang nur knapp 5 km/h schneller, bei deutlich weniger Kraft am Hinterrad.

Natürlich ist der Z-Traktion Antrieb kein "Perpetuum Mobile", der Radfahrer muss nach wie vor genauso viel leisten, da ist es anders als ein E-Bike, aber er steigert die Bereitschaft spürbar, mit dem Rad steilere Strecken zu fahren als mit einem vergleichbaren normalen Rad, oder schneller, weil es sich bei gleicher Geschwindigkeit leichter tritt. Aber die heute nicht mehr zeitgemäße Schaltung verleidet es einem etwas, mit dem Rad wirklich schnell zu beschleunigen, so dass man doch einges an Anlauf braucht, um an einem S-Pedelec-Fahrer (45 km/h) vorbei zu ziehen. Der dürfte recht verdutzt geschaut haben, als ein Tourenrad nur mit Muskelkraft an dem vorbei zog, sehen konnte ich es nicht. Wie es wohl wäre, oben dem Univega oder dem Aerorad so eine Pedalerie anzubauen?

Jetzt aber erstmal Schluss für jetzt. Nächtle!
 
Zuletzt bearbeitet:
Was es alles gab, diesen Z-Antrieb habe ich noch nie gesehen! Mich wundert es aber auch nicht, dass sich der nicht durchsetzten konnte. ;)
Kleine Ergänzung: Der Pedalhebel am Univega ist 17,4 cm (kein Schreibfehler!).
Ich weiß allerdings nicht, inwieweit diese Maßangabe wichtig ist. Mich würde es aber schon interessieren, wie sich das auf die Tabelle auswirkt.
Beste Grüße,
Armin.
 
Peinlich, peinlich, aber schon korrigiert... Ich versuche gerade ein paar PDFs zu verkleinern, gelingt aber nicht wirklich. (Edit: Inzwischen doch) Dabei stelle ich fest, Mist, das heißt ja "Z-Traktion"...

Naja, hier die erste PDF... Eine Zeitschrift Namens "Pro Velo", Ausgabe 1 von 1987, darin wird das "Continental" Rad aus Memmingen mit Z-Traktion vorgestellt.

1759782257172.png
1759782411377.png

Das ist das Continental in der einfacheren Ausführung nur mit Nabenschaltung, das dürfte von der Performance kaum an meins heran kommen. Das ist gerade in Kleinanzeigen zu haben. Meins war deutlich günstiger.

1759783004579.png

Auch der Jens Hensen von scheunenfun.de hat eins, als Damenrad mit Sachs-x-Gang-Kettenschaltung, das dürfte vom Fahrgefühl schon näher an meinem Hercules sein. Auch das dürfte wie alles bei Jens zu verkaufen sein. Man könnte auch den Rest davon verscherbeln und die Z-Traktion an ein anderes Alassio anschrauben, und so mein Rad nachzubauen. Oder versuchen, das an ein modernes Rad anzutütteln.
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:
Dann hätte ich da noch einen Seminar-Vortrag zur Biomechanik von Tretantrieben aus der Pro-Velo 24, in der über die Z-Traktion geschrieben wird. Vieles davon stimmt aus meinen Fahrtests, aber der mit dem Pedal wieder hoch kommende Fuß ist mir noch nie von der Pedale abgehoben.

Und dann noch ein Artikel über asymmetrische Kettenblätter aus der Pro-Velo 65. Da wird die Z-Traktion nochmal erwähnt, und noch eine andere Variante. Aber das interessanteste an dem Artikel ist die ganze Mathematik rund um Pedalantriebe. Leider wird da die Z-Traktion nicht auch mal komplett durchgerechnet. Aber das zu lesen ist schon interessant, einem heutigen Fahrrad-Konstrukteur dürfte die ganze Theorie nicht ungeläufig sein...
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:
Die haben ganz normale Serienfahrräder genommen und die umgebaut, da ist halt der Rahmen wie er ist. Die Sattel waren damals noch nicht längs verschiebbar und es gab wahrscheinlich noch keine entsprechenden Sattelstützen. Ich hatte ja angedeutet, es wäre mal interessant, so einen Antrieb an einem modernen Rad auszuprobieren, wo man all das machen kann. Es sollte aber einen außergewöhnlich langen Rahmen haben, wegen der Führungsschienen sollte es auch hoch sein, also mindestens ein Rahmen Größe L. Aber man gewöhnt sich schnell an dieses Rad, wenn man wieder auf ein Normales umsteigt, fühlt sich dann genauso seltsam an.
 
Hallo,
ich hatte gerade ein Deja-vu: das Z-Traktion-System hatte ich als Kind mal im Fernsehen gesehen und es hatte mich damals sehr fasziniert. Auch heute denke ich manchmal an das Potential dieser Technik, wenn auch mit veränderter Rahmengeometrie. Mir war aber nicht bekannt, dass das System mal in Kleinserie gegangen ist. Ich stelle mir die Führung am Sitzrohr auch anfällig bei Dreckbeschuss vor, daher fällt MTB für mich schonmal raus. Trotzdem vielen Dank für die Vorstellung und die Mühe, die Du in das Projekt gesteckt hast!
 
Ich stelle mir die Führung am Sitzrohr auch anfällig bei Dreckbeschuss vor, daher fällt MTB für mich schonmal raus.

So schlimm ist das mit dem Dreck garnicht. Mein Alassio war wie ich es bekommen habe recht schmutzig, ich habe es ja teils mit der Zahnbürste bearbeitet um ein Öl/Dreck-Gemisch aus allen Ecken raus zu bekommen. Aber die Schiene war innen drin recht sauber. Diese Führung dürfte auch recht unanfällig gegen Schmutz sein, der Hebel wird darin mit etwas seitlichem Spiel durch eine Gummirolle geführt. Man könnte mit modernen Mitteln natürlich versuchen, eine andere Führung zu bauen, ich denke da an Rollenkäfige wie sie in der Schreibwagenführung von mechanischen Schreibmaschinen oder bei besseren Schubladen verwendet wird und das noch mit einer Schutzabdeckung versehen.
 
Hier noch die Bilder von meinem Hercules Pegasus Cityrad. Das ist sozusagen eine günstigere Ausführung des Alassio, ein "normaler" Stahlrahmen von wer weiß woher, also nicht von Mannesmann, und Kunststofftretlager. Das Pegaus gab es so wie hier als Herrenrahmen als auch als Damenversion und wurde speziell, so erklärte es damals der Fahrradhändler Mosebach wo ich es gekauft habe, auf das Bedürfnis von Schülern und Auszubildenden abgestimmt, weswegen es vorne einen Gepäckträger mit ungewöhnlich angebrachter Lampe bekam. Ich weiß nicht mehr, ob ich vorderen Gepäckträger je benutzt habe, aber vielleicht sollte man da den Turnbeutel drauf klemmen? Ansonsten hat es die selbe Ausstattung die das Alassio, Trommelbremsen, 2x6 Gänge mit Ketten- und Nabenschaltung beides von Sachs, aber eine nicht so bergfreudige Übersetzung. Statt Schulweg bin ich mit dem Rad aber 50..60 km Touren gefahren, hauptsächlich im Flachland des Rheinmain-Gebiets, als ich in die Lehre ging, im Sommer dann auch mal statt mit der Bahn auch am Main entlang durch Offenbach Frankfurt hindurch nach Niederrad zum Ausbildungsbetrieb, naja, solange bis ich dann ein Auto und Führerschein hatte... Einmal war ich mit dem Rad über Maintal in Niederdorffelden, da muss man über einen Buckel rüber, und als ich da die Landstraße runter rollte, bekam ich es mit der Angst tun, die Nadel des (schon lange nicht mehr vorhandenen kultigen mechanischen) VDO-Tachos zeigte Tempo 70 an... Wie gut dass die Trommelbremsen funktionierten...

Das Rad habe ich im Rahmen meiner HERCULES-Aktion (2x Alassio, das hier und jetzt auch ein MTBspezial - und mein 2003 gekauftes Ventana) jetzt wieder in einen vorzeigbaren und fahrbaren Zustand gebracht, es ist eigentlich wieder wie damals... Es bekam neues Lenkerband, neue Schalthebel (waren nicht mehr original von Sachs), neuen Rückstrahler mit Hercules-Schriftzug am Gepäckträger, neue Weißwandreifen, und einen passenderen Kettenschutz (der originale ging mal kaputt) und eine neue Satteltasche (original Hercules, die originale war aber grau, schwer zu finden).

1761415837171.png


1761415930829.png


1761415991406.png


1761416065403.png


Und dazu passend, an gleicher Stelle:

1761416177505.png

Hercules Alassio fahren, das ist ...

1761416273778.png

... wie wenn de flieschst, besonders mit Z-Traktion!
 
Zuletzt bearbeitet:
1762624841466.png


Heute war ich mal damit im Dunkeln unterwegs, mit Akku-Zusatzlicht, Umbau hat etwas länger gedauert als gedacht... Jetzt hat das Rad auch Katzenaugen wie sie von Hercules verwendet wurden, und das wichtigste, ich habe ein neues Hinterrad montiert. Hintergrund war, dass die Nabenschaltung nicht mehr so gut funktionierte. Zufällig wurde die Tage in der Bucht ein kompletter Laufradsatz angeboten, und als Bonnus gabs das 6er Schaltwerk, die Schalt- und Bremshebel und komplette Brems- und Schaltungszüge mit roter Ummantlung dazu. Jetzt schaltet es störungsfrei.
 
Zurück