Fotos vom Pegasus muss ich nachreichenen, nachdem ich mit der Session mit den beiden Alassio durch war, fings an zu regnen...
Daher kommt jetzt erstmal ein bisschen Mathe... Hab gut 2 Stunden mit Zähne an Fahrrädern zählen verbracht bzw, solche Daten aus Hercules-Datenblätter von etwa gleich alten MTBs und Rennrädern, aus meinen Aufzeichnungen meines Radon ZR-Race und meines Canyon Grail:ON und hier aus dem Forum ein krasses MTB und dann noch ein Canyon Aero-Rad gesammmelt.
Aus Vereinfachnungsgründen habe ich so Sachen wie Rollreibung, Luftwiderstand, Massenträgheitsmoment beim Beschleunigen (und
bremsen) raus gelassen, das dürfte bei allen verglichenen Bikes sowieso etwa im gleichen Bereich liegen.
Und dann ging die Arbeit in Excel los, für jedes Rad eine Tabelle erstellt, alles Ermittelte (Zähne-Anzahl für alle Gänge, Getriebeübersetzungen, Reifendurchmesser, Kurbellänge, eingetragen und rechnen lassen. Als gemeinsammer Rechenparameter für alle Räder habe ich eine Trittfrequenz von 80/min genommen und für geübte Radfahrer eine niedrige Tretkraft von 150 Newton angenommen. Ich wollte verstehen, was der "Z-Traktion" Antrieb dieses Alassio bewirkt. Also, wie weit komme ich mit 80 Pedalumdrehungen und wie schnell bin ich dann?
Und wieviel Kraft bringt das Rad damit durch die Unter/Übersetzungen am Ende auf den Untergrund, also die Vortriebskraft. Dabei interessierte mich nicht der absolute Wert, sondern das Verhältnis zwischen dem "stärksten" Rad und und den anderen, daher lasse ich diese Kraft nicht als Zahl darstellen, sondern als Balken, wobei
100% das stärkste Rad im Vergleich sein soll.
Und als ich dieses Ergebnis dann sah, zeichnete sich da schon was ab, nämlich, dass das Z-Traktion Alassio die meiste Kraft auf die Straße bringt. Ich habe dann aber noch eine weitere Spalte eingefügt, welche die Fahrgeschwindigkeit bei 80/min durch die Vortriebskraft teilt. Da kommt als Einheit 1/W (Watt) raus, also der Kehrwert von der erbrachten Leistung. Das ist eigentlich total unsinnig, sozusagen die Leistung, die erforderlich ist, um diese Geschwindigkeit zu fahren, aber es verdeutlicht das Gefühl, was ich beim Fahren der Z-Traktion hatte. Um das Gefühl irgendwie messbar zu machen, sozusagen. Dazu habe ich auch meinen GPS-Tacho benutzt, beide Alassio, mein ZR-Race und mein Grail:ON bei 30 km/h (ohne Unterstützung) die selbe kleine Runde mit Steigung, Gefälle und Ebene gefahren, und dabei geschaut, wie sich meine Beine anfühlen. Und diese Spalte gibt genau das wieder, das Rad mit Z-Traktion hat die kleinsten Balken in der Spalte, also die niedrigste Anstrengung.
Die ganzen Zwischenergebnis-Spalten habe ich ausgeblendet.
Zunächst mal das normale Alassio und das Pegasus.
Man sieht, die sind ähnlich, das ergibt sich daraus, dass das Cityrad flacher ausgelegt ist, es hat eine niedrigere Bandbreite. Man sieht schon, bei der Vortriebskraft und Geschwindigkeit habe ich bessere Vergleichsräder gefunden.
Dann erstmal, wo der Hammer hängt, zunächst ein Mountainbike hier aus dem Forum mit extremer Bandbreite.
Es ist bei 80/min und niedrigstem Gang das langsamste Rad und auch 1/W ist am niedrigsten, es ist also optimal für stärkere Steigungen. Aber da ist eins mit mehr Vortriebskraft am Hinterrad... Auch bei der Höchstgeschwindigkeit ist dieses Rad sehr gut, insgesamt ist es das Rad im Vergleich mit der höchsten Bandbreite. Für das Rad bekam ich das Ergebnis aus dem Ritzelrechner und konnte so verifizieren dass meine Exceltabelle richtig rechnet. Vorne ist das hier eigentlich keine Schaltung mit 2 Kettenblätter und Umwerfer, sondern eigentlich auch ein 2-Gang-Getriebe, der Besitzer hat das aber für den Ritzelrechner in ein 2-Fach-Kettenblatt umgerechnet und das konnte ich in meine Tabelle übernehmen ohne sie zu verändern.
Und jetzt das andere Extrem, solche Räder sieht man oft auf Radrennen und im Triathlon:
Das schnellste Rad im Test, aber bei dem Tempo bleibt von der eingesetzten Trittkraft durch die extreme Übersetzung am Hinterrad am wenigsten übrig. Man muss also beim Fahren eines solchen Rades sehr viel Kraft aufwenden - ich würde das sicher nicht schaffen. Aber die Geschwindigkeit, die dieses Rad im zweithöchsten Gang erreicht, habe ich mit dem Z-Antrieb-Rad bei höherer Trittfrquenz erreichen können.
Trommelwirbel...
Das ist das Alassio mit Z-Traktion. Man sieht, was die im Maximum 28 cm langen Pedalhebel für eine Kraft auf die Straße bringen, und wie niedrig der Quotient "Geschwindigkeit durch Kraft" über die Gesamtbandbreite des Rades ist.
Das ist das, was ich weiter oben mit "Krass" kurz und bündig zusammen gefasst habe.
Zur weiteren Einordung noch zwei Vergleichstabellen mit zeitgenössischen MTBs und Rennrädern von Hercules:
Der Antrieb kann nur in den Gängen mit dem 26er Zahnkranz mit dem Alassio mithalten, die Bandbreite ist insgesamt ähnlich wie beim Z-Antrieb, aber es tritt sich bei höheren Geschwindigkeit viel schwerer, um die 80er Trittfrequenz zu halten. Mit dem Alassio zieht man an Steigungen an dem MTB einfach vorbei...
Für Steigungen sind diese Rennräder offensichtlich nicht so geeignet. Und die sind im höchsten Gang nur knapp 5 km/h schneller, bei deutlich weniger Kraft am Hinterrad.
Natürlich ist der Z-Traktion Antrieb kein "Perpetuum Mobile", der Radfahrer muss nach wie vor genauso viel leisten, da ist es anders als ein E-Bike, aber er steigert die Bereitschaft spürbar, mit dem Rad steilere Strecken zu fahren als mit einem vergleichbaren normalen Rad, oder schneller, weil es sich bei gleicher Geschwindigkeit leichter tritt. Aber die heute nicht mehr zeitgemäße Schaltung verleidet es einem etwas, mit dem Rad wirklich schnell zu beschleunigen, so dass man doch einges an Anlauf braucht, um an einem S-Pedelec-Fahrer (45 km/h) vorbei zu ziehen. Der dürfte recht verdutzt geschaut haben, als ein Tourenrad nur mit Muskelkraft an dem vorbei zog, sehen konnte ich es nicht. Wie es wohl wäre, oben dem Univega oder dem Aerorad so eine Pedalerie anzubauen?
Jetzt aber erstmal Schluss für jetzt. Nächtle!