Auch mit der Gefahr, dass ich hier komplett zerrissen werde, möchte ich doch auch (m)eine Sichtweise beitragen und das als Personal Trainer der über 15 Jahre auch Top Athleten betreut hat und Bekannte im Frauen World Cup XC hat, die aus bestimmten Gründen die ich hier wieder finde davon zurückgetreten sind.
Vorweg:
Samara ist eine unglaublich sympathische Person, die zB. im Fahrerlager oder Interviews Spaß macht und ihre sportlichen Leistungen stehen außer Frage!
Als unbedarfter scheint es daher überraschend, dass auf dem aktuellen Höhepunkt der Karriere bzw. Leistungsfähigkeit kurz nach Verlängerung der Verträge eine solche Entscheidung verkündet wird. Ist ja irgendwie ein Widerspruch, aber hier möchte ich gerne Ansätzen:
Der mentale Druck und das Mit- besser gesagt Gegeneinander im XC Fahrerfeld ist enorm. Da wird teilweise untereinander kein Wort geredet, da werden Leistungen bis ins kleinste Watt verglichen, evtl. Taktik- oder Fahrfehler angebrangert und insbesondere bei den Frauen auf Gewicht geachtet- leider im für die aktuell herrschenden Vorstellungen wie das vor Ort sein muss, sehr negativen Bereich.
Insbesondere die Gesundheitsabteilungen, Mitarbeiter und Mitwirkenden wie Ärzte, Physios, Team Manager, Vertraute nehmen hier gesundheitskritische Umstände und Zustände in Kauf, wohlwissend wie gesundheitsschadend, (etwas weniger drastisch formuliert) potentiell gesundheitsgefährdend diese sind.
Das Thema Periode und damit natürlich schwankender Leistungsfähigkeit ist immer noch seltenst ein berücksichtiges Thema (siehe dazu Berichte von Theresia Schwenk) bzw. Erhält im professionellen Leistungssport (ebenso Breiten oder Gesundheitssport mit "Tante Jutta") kaum Beachtung.
Trainingsparameter werden schlichtweg nicht darauf angepasst.
Das zweite für mich wichtige: das Thema Gewicht. Es steht mir nicht zu Samaras Gewicht bzw. Körperkonstitution/ Zusammensetzung zu beurteilen weil es nur Rätselraten wäre, trotzdem bleibt aufgrund meiner jahrelangen Erfahrung die Möglichkeit das optisch grob einkategorisieren zu können.
Deshalb möchte ich das allgemein halten:
Einige Sportlerinnen haben, auch wenn sie aktuelle Höchstleistungen vollbringen, eine ungesunde und teilweise kritische Körperkonstitution im Hinblick auf Muskelmasse, Flüssigkeitshaushalt und Körperfett.
Dieses muss bei Frauen einen gewissen Wert haben, damit alle physiologischen Prozesse wie zB. die Periode funktionieren.
Bei vielen ist der Körperfett sicherlich zu gering.
Somit ist der Körper in einer grundsätzlichen Schädigungssituation und kämpft immer für das Überleben, dh. eig. kann der Körper keine Höchstleistungen vollbringen, wird aber jeden Tag aufs neue dazu gezwungen.
Da ist es leider naheliegend, dass mit einem so grundsätzlich gestörten Gesamtsystem irgendwann andere Teile in Mitleidenschaft gezogen werden.
Für diejenigen die damit noch nie zu tun hatten: einfach Mal versuchen in einem extrem niedrigen Körperfettanteil zu kommen- auf dem Weg dorthin werdet ihr, wenn zu extrem durchgeführt ganz sicher an einem Punkt unausstehlich, unausgeglichen, gereizt usw. werden.
Den Sportlerinnen kann man da kaum/keinen Vorwurf machen, da diese oftmals von Kleinauf an diese Gegebenheiten rangeführt werden und Achtung Theorie: ältere erfahrene Coaches Dinge aus ihrer Zeit als Leistungssportler einfach auch übernehmen.
Was mich dabei immer wieder fassungslos macht, die Gesundheit eines Menschen ist das wichtigste Gut. Ohne die Gesundheit ist alles andere zweitrangig.
Das medizinische Personal, die Trainer usw. haben einfachste Tools um sich ein umfassendes Bild darüber zu machen, in welchem Gesundheitszustand sich ein Athlet befindet: Leistungstests, Körperzusammensetzungsanalysen, Ernährungstagebücher, Wearables, Interviews mit den Athleten, Blutwerte, usw. usw. usw.
Wenn man möchte, sieht man in dem Gesamtbild sofort, in welche Richtung es geht und: hier muss meiner Meinung nach rechtzeitig eingegriffen werden.
Und das passiert leider selten oder andersherum: ufert dann in eine solche Entscheidung.
Es ist in diesem Fall schön, dass alle Sponsoren und die Gesundheitsverantwortlichen diese Entscheidung medial unterstützen, aber für mich bleibt trotzdem die Frage, wieso hat ihr Team das ausufern lassen- denn ganz sicher ist: das Team und Samaras Umfeld hat das sicherlich bemerkt.
Natürlich können auch ganz andere Gründe für die Entscheidung da sein, aber diese Sichtweise wollte ich einfach Mal mitgeben.
Unser Körper ist ein wunderbares Konstrukt, absolut einzigartig, vielschichtig und sensibel- achtet darauf und bietet dem Körper alles was er für ein Überleben in Gut braucht, das ist eine wichtige Grundlage damit alles andere die Möglichkeit hat, überhaupt auf einem bestimmten Niveau zu funktionieren.
Wer bist hier her gelesen hat: danke für deine Zeit und Interesse und ich wünsche Samara und allen anderen Athletinnen Gesundheit und ein verantwortungsvolles Umfeld!