Erstmal Dank an Düse, eine Frage und Antworten zu formulieren, die der eine oder andere im Kopf haben könnte. Also ich zumindest kann das sehr gut nachvollziehen. Am Ende geht es darum, was braucht die Branche. Und wenn es gerade eben auch viel Motivation und Ideen und Visionen und Selbstverständnis ist, und Menschen aus der Branche mit einem guten Gefühl aus Düsseldorf heimfahren und mit einem unwohligen aus Frankfurt, dann ist das allein schon lehrreich. Denn scheinbar ging das wohl auch nicht wenigen Endverbrauchern so.
Nun taucht hier immer Mal wieder Friedrichshafen auf. Und ich höre da eine gewisse Sehnsucht. Nun war Friedrichshafen von der Dimension her aber keine kleine Nummer. Trotzdem ist da offenbar vieles gelungen, und zwar für recht unterschiedlich grosse Aussteller. Nicht über Friedrichshafen zu reden wäre also falsch, auch wenn sich, wie Martn richtig bemerkt, die Industrie und ihre Besitzstruktur durch mehr Finanzinvestoren erheblich verändert hat. Aber für mich wird das Bild, wenn wir schon anfangen wollen aus der Vergangenheit zu lernen, erst richtig wenn man zugleich auch noch über Köln redet. Die Eurobike entstand ja aus meiner Beobachtung in der Abgrenzung zur IFMA, die auch motorisierte Zweiräder beinhaltete. Und die Logik dahinter war in Zeiten der zweiten 2rad-Motorisierungswelle nach dem zweiten Weltkrieg berechtigt. Übrigens 1951 entstand die Messe nicht in Köln, sondern in FFM. Wichtige, heute noch bekannte Marken wie Hercules oder KTM machten Fahrräder und allerlei mit Motor und so auch ihre Händler. (Übrigens ein sehr spannendes Kapitel, weil mit Bezug zu einem anderen aktuellen Thema der Branche, ist dabei das Wettrüsten im Bereich "offene 50er" und sein Ende Anfang der 80er Jahre durch Eingreifen des Gesetzgebers. Muss da immer Mal dran denken beim Thema DJI und Briefen von Hans Rey. Zündapp und Kreidler und KTM gingen in einer Zeit in Insolvenz wo in USA ein paar Freaks die vorher mit Magura Bremshebeln am Mt. Tam gedealt hatten eine neue Branche aufzubauen und in Japan die nächste Charge Rahmen für Stumpis bestellt wurden. Wäre mal spannend herauszufinden, ob Fahrt aufnehmende MTBs und krankende europäische Hersteller sich auf einer IFMA begegnet sind.
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Sorry, abgeschwiffen.)
Also die zweijährige IFMA bekam wegen des neuen Windes in einer Branche Konkurrenz und sie hat diesen Wind vermutlich nur im Bereich Hauch mit verursacht.
Und so fühlte sich das lange auch an, Eurobike war orientiert an einer Leidenschaft und IFMA an einer Handelsware. Die motorisierte Zweiradwelt, die vor allem über Leistungswerte von Motoren reden wollte, war bei der einen Messe nicht Teil des Konzeptes und bei der anderen verabschiedete sie sie später in Richtung intermot. Das Friedrichshafen dann lange Zeit beides, also Leidenschaft und Handelsplatz bieten konnte, sowohl für Händler als auch für Endkunden im Zusammentreffen mit Herstellern ist die Besonderheit. Und das ist vermute ich, was vermisst wird. Aber vielleicht da die Umbrüche grade so massiv sind (was wird noch mit Taiwan passieren), wird das meiner Einschätzung nach alles ne Weile dauern, bis es wieder eine Fahrrad- oder Micro&Lightmobility-Leitmesse geben. Womöglich wird es erst etwas, wenn wir und Politik uns im Klaren sind, welche gesetzgeberischen Grenzen Bestand haben und warum und welche Gesetzgeber die für die Branche wichtigesten Entscheidungen treffen. Bis dahin braucht die Branche aber auf jeden Fall Endverbraucher*innen mit Leidenschaft und reale Berührungspunkte mit ihnen. Und zwar vor allem mit Frischen und Jungen, also statt n+1 Kunden die n=1 Kunden, die viele von uns Foristen vor n+1 mal waren. Vermutlich hat man aber immer noch nicht ganz verstanden warum sich der letzte grosse Schwung an Neukunden, den man Dank Corona bekommen hat, so anders verhält als die ehemaligen Stammkunden. Ich vermute, wir reden dabei immer noch viel zu wenig vom Nutzererlebnis im Raum. Meine These: Während des Produkt 21century Fahrrad und Pedelec sich an sich ganz geil anfühlt ist es das Produkt Radfahren in den Städten, über Land oder im Wald leider nicht, vor allem für Neubiker nicht überzeugend genug um wirklich ihre Räder zu Verschleißen und dringend Neukauf-/Leasingbedarf zu entwickeln. Und die meisten Anregungen dazu gibt es weiterhin in Europa, weshalb ich auch weiterhin damit rechne das eine Leitmesse auf diesem Kontinent Sinn hat. Und solcher Gedankenaustausch von Produkt bis Zweiradrealraum braucht echten Raum und profitiert von Rückmeldung mit allen Sinnen, der digitale Raum kann das nicht komplett ersetzen.
Vielleicht kommen viele deshalb immer wieder auf Old Friedrichshafen, das war auch noch im Neuen Messegelände kleinteilig genug um das zu haben, auch Mal architektonisch gesprochen. In dieser verrückten Welt ist alles möglich, also womöglich landen wir ja auch wieder mal da zur Eurocycle oder World Bike!?