zuständig für die Koordination etc. des Stadtradelns
Das bei euch jemand offiziell zuständig ist (und dazu auch etwas machen kann/will) ist ja schon mal gut.
Bei uns beschränkt sich das Engagement auf eine Pressemeldung zu Beginn und nach Abschluss.
Man könnte sagen: Der Winterpokal des gemeinen Radfahrenden...

Ziel ist es jedenfalls, die Leute zum Fahrradfahren zu motivieren.
M. E. ist das Stadtradeln reine Öffentlichkeitsarbeit der (Lokal-) Politik, um zu zeigen/vorzugeben, dass man "etwas tut" und sich für klimafreundliche Mobilität einsetzt.
Alleine mit Stadtradeln ist ja aber noch nicht viel erreicht. Man wird die Wenigsten nur durch diese Aktion davon überzeugen, dauerhaft Wege mit dem Fahrrad zu bestreiten, die sie sonst mit dem Auto zurückgelegt haben. Dazu wäre vor allem eine fahrradfreundliche Infrastruktur nötig, was zwangsläufig mit Einbußen für die
seit den 60-ern/70-ern implementierte autofreundliche Infrastruktur einhergeht. So weit reicht der Wille der Politik dann aber in den meisten Gemeinden/Städten doch nicht.
Insofern kann das Stadtradeln auch seinem eigenen Ziel entgegenwirken: Jetzt steigt man endlich mal aufs Rad und bekommt am eigenen Leib zu spüren wie bescheiden das mancherorts funktioniert.
was man beim Stadtradeln evtl. besser machen könnte
Damit das besser wird müsste man zunächst für fahrradfreundliche Infrastruktur sorgen - und sei es nur temporär für den Aktionszeitraum. Das wäre ja mal ein erster Schritt.
Während des Zeitraums (3 Wochen?) ein Paar der Straßen in der Stadt, die für viele wichtigen Ziele eine direkte Route sind und keinen sicheren (i.e. baulich getrennten) Fahrradweg haben für Autoverkehr sperren. Damit macht man Radfahren deutlich attraktiver.
Etwas in dieser Richtung: Für Fahrradfahrer interessante/relevante Verkehrsachsen identifizieren und z. B durch (temporäre?) Umwidmung von Fahrspuren für Fahrräder sicherer und dadurch attraktiver machen.
Ansonsten steht bei uns ein digitaler Zähler am Fahrradtunnel, der die bisherigen Radler pro Tag anzeigt. Nutzt mir als Radler nicht wirklich, aber Aufmerksamkeit kann man damit sicher erzeugen. So was könnte man sicher auch temporär aufstellen.
Das ist ein relevanter Punkt. Ob die Aktion etwas bewirkt lässt sich nur durch Messung feststellen. Dazu müsste man z. B. auch außerhalb des Aktionszeitraums messen, wieviel Fahrrad gefahren wird um es dann mit dem Aktionszeitraum zu vergleichen.
Ich habe oft den Eindruck, dass vor allem die Leute beim Stadtradeln mitmachen, die ohnehin auf dem Bike sind - sei es im Sportverein oder auf dem Schul- und Arbeitsweg. Erreicht man wirklich Nicht-Fahrradfahrende? Fahren tatsächlich mehr Leute durch die Aktion Fahrrad?
Bei uns kommt nach Abschluss der Aktion immer eine freudige Pressemeldung, die den Erfolg feiert und mit Zahlen (Teilnehmer, gefahrene KM, etc.) um sich wirft. Ob das eine Steigerung gegenüber dem normalen Verkehr außerhalb des Aktionszeitraums ist scheint aber niemand zu betrachten - und es scheint auch egal zu sein. Schließlich hat man etwas für klimafreundliche Mobilität getan, es hat nicht viel gekostet und kann als Erfolg verbucht/vermarktet werden, ohne dass man sich mit lästigen Themen wir Fahrradwegen, Fahrradstraßen, Verkehrsberuhigung, Verkehrssicherheit und dergleichen belasten müsste.
Wie könnte man es noch bekannter machen?
Zentral (oder auch von Partnern) organisierte, regelmäßige Aktionen rund ums Radfahren während des Aktionszeitraums? Trainings, Feste, gerne auch Workshops um Ideen zu sammeln, wo/wie Infrastruktur fahrradfreundlicher gestaltet werden kann. Den größten Effekt hätte es aus meiner Sicht, wenn daraus dann tatsächlich auch eine langfristige Verbesserung für Fahrradfahrer resultiert.
Das Stadtradeln lenkt Aufmerksamkeit auf das Thema Fahrradfahren und klimafreundliche Mobilität. Im Idealfall motiviert es Leute öfter mit dem Fahrrad zu fahren und statt dessen das Auto stehen zu lassen.
Ohne politischen Gestaltungswillen zu fahrradfreundlicher Infrastruktur kann das Stadtradeln als Feigenblatt gesehen werden. Man gibt vor, etwas zu tun und kann das als Erfolg vermarkten, ohne dass man tatsächlich die Situation für Fahrradfahrer verbessern muss.
Bitte nicht falsch verstehen: Ich finde das Stadtradeln trotzdem gut. Es greift aber leider viel zu kurz und wirkt - zumindest hier bei uns - eher wie ein Feigenblatt, damit man nicht komplett blank dasteht.