dangerousD
Echter Nordhäuser!
Hallo Gemeinde,
ich muß mal wieder einen längeren Text los werden und möchte von den Erfahrungen mit meinem im Januar 2011 aufgebauten Argon FR berichten.
Vorab etwas zu mir: seit 1995 aktiv auf dem MTB, seit 2001 mit dem DH-Virus infiziert. Fokus liegt auf dem Spaß beim Biken - ob mit dem Downhiller, dem "Tourenrad" (dazu gleich mehr), dem Dirt-Bike oder seit neuestem 26" Trial-Bike.
Status quo:
Ich bin seit 2001 Touren immer mit dem Fully gefahren - Helius DH, Helius FR, zuletzt Helius AM. Meine Hausrunde hier im schwäbischen Schönbuch hat je nach Variation 30 - 40km, immer mit Trailanteil >80%. Die höchste Erhebung hier hat knapp 600m - ich starte auf 450m. Die Trails winden sich dann um die 500er Höhenlinie, d.h. es geht häufig auf und ab - relativ moderat, stärkste Steigung 14%. Auf der Runde kommen so zwischen 600 und 800hm zusammen. Mit dem Fully hat das Spaß gemacht - ich kam mir aber mit der Zeit immer träger vor. Da ich Ganzjahresfahrer bin, gab es natürlich entsprechenden Verschleiß - Lagertausch min. 1x jährlich, plus natürlich Antrieb.
Was waren die Erwartungen an das Bike?
In einem Wort: pflegeleicht. Fahren, in den Keller stellen, wieder fahren usw. usf. OK, Kette und Gabel ab und an säubern und schmieren, klar. Außerdem brauche ich ein Trainingsgerät für DH: mein Ion ist straff abgestimmt, flach und laufruhig. Um an den DH-Tagen richtig Spaß haben zu können, muß ich fit sein - das Hardtail sollte das passende Trainingsgerät sein. Cockpit und Wendigkeit möglichst ähnlich, Laufruhe ebenso. Und hart - das zwingt zu aktiver Fahrweise und besserer Linienwahl.
Der Rahmen:
Nicolai Argon FR custom. Es kamen mehrere Bikes in die engere Auswahl: SC Chameleon, Cotic BFe, Ragley Bagger. Problem: mit 1,92m brauche ich einen XL-Rahmen. Da werden mir die Steuerrohre aber zu lang... auch beim Standard-Argon. Nicolai bietet allerdings die Custom-Variante an - das habe ich genutzt. Oberrohr also XL, Sitz- und Steuerrohr L. Lenkwinkel flache 66,5° statt 68°, dezentere Gussets (wegen der Optik
) und eine ISCG-Aufnahme. Fertig...
Der Antrieb:
Shimano 1x10, 36 auf 11-36. Warum Shimano? Weil ich damit die besten Erfahrungen gemacht habe. Günstig und haltbar... ich habe SRAM ausprobiert, aber einfach zu viele X9-Schaltwerke verschlissen. Seit es die Shadow-Technik gibt, bin ich wieder zu Shimano gewechselt - und habe es nicht bereut. SLX-Kassette und Kette, XT-Schaltwerk, XT-Shifter. Das Kettenblatt kommt von Renthal - ultrasteif und leicht. Außerdem paßt es farblich zum Lenker
KeFü ist eine e.13 XCX.
Die Gabel:
Rock Shox Sektor Coil U-Turn, 150mm. "Oh mein Gott - eine Billig-Gabel am Nicolai!" werden einige sagen. Ich bin 4 Jahre Pike gefahren - ohne Wartung. Die Gabel lief bis zum letzten Tag super, hat nie Probleme gemacht. Die Sektor als Nachfolger der Pike sollte also nicht viel schlechter sein... Verstellschnickschnack? High-Low-Rebound-Compression-whatever? Come on, ich fahre ein HARDTAIL. Eine gut funktionierende Zug- und Druckstufe ist alles, was ich brauche. Auch wichtig: einfache Wartung - die mache ich nämlich selbst.
Die Sattelstütze:
Rock Shox Reverb 2011. Ich habe lange überlegt... zunächst bin ich mit fester Stütze gefahren, immer ausgezogen. Das ist auf dem Fully grenzwertig, aber OK. Auf dem Hardtail einfach nur hinderlich. Das volle Potential von dem Bike kann ich nur mit versenkter Stütze ausfahren. Besonderheit: Remote-Hebel für Rechts-Bedienung links montiert, unter dem Lenker. Ist meines Erachtens nach ergonomischer, läßt sich wie ein Trigger-Shifter bedienen...
Die Reifen:
Um das Verhalten vom DH-Bike zu erhalten, fahre ich vorn Minion (2,5", FR-Karkasse). Im Gegensatz zu anderen Forumsusern steuere ich - ganz old-school - über das Vorderrad
"Tuck and turn", könnte man sagen - soll heißen, immer gut Druck vorn geben. Das Hinterrad folgt ohnehin... Hinten habe ich inzwischen einen Larsen TT montiert (2,35", FR-Karkasse). Ermöglicht super Beschleunigung, hat sehr guten Grip bei Trockenheit und kann mich auch bei feuchten Bedingungen überzeugen. Im Winter fahre ich Swampthing (2,35", FR-Karkasse) vorn und hinten.
Damit ist das Bike auf meine speziellen Bedürfnisse abgestimmt. Ach ja: Lenker-Vorbau-Kombo von Renthal. Wegen der Optik
Der DuoStem (55mm, 5° rise) hat mir von Anfang an gefallen, noch bevor Sam Hill überhaupt wußte, daß es Renthal gibt
Der FatBar in 750mm, low-rise kommt auch nahe an das DH-Feeling ran (am Ion ist ein SPANK Spike 777 verbaut, low-rise).
Und hier das Ergebnis:




Der Aufbau:
Der Rahmen hat die erwartete Nicolai-Qualität. Dank verstellbarer Ausfallenden sind 415mm Kettenstreben kein Problem - in Verbindung mit dem langen Oberrohr ein laufruhiger, dennoch wendiger Rahmen. Die Gabel hat anfangs etwas gezickt - der erste Laufradeinbau lief nur mit Nachdruck. Etwas Fett und 100km einfahren - schon paßt es. Die Passungen (Maxle) waren etwas zu eng gefertigt... die mittelharte Federeinheit habe ich durch "extrahart" ersetzt - mein (fahrfertiges) Gewicht von 100kg braucht das. So taucht die Gabel nicht weg, ich kann das Bike gut durch Kurven pushen. Der 1x10 Antrieb benötigt etwas Präzision beim Einstellen - da mußte ich nachbessern. Seit 1.400km aber einwandfreie Funktion, bei jedem Wetter. Was die Reverb angeht - ich will nie mehr tauschen. Angebaut, Leitung gekürzt - seither liebe ich das Ding einfach. Sie funktioniert - Punkt. Inzwischen über 800km, bei allen Bedingungen. Am Anfang war ich skeptisch bzgl. Biegemoment in voll ausgefahrenem Zustand - sie steckt das aber sehr gut weg. Kein Spiel bis jetzt, obwohl ich ab und an natürlich auch mit ausgefahrener Stütze mal im Sitzen durch eine Kompression oder über eine Wurzel fahre.
Die ErFAHRungen:
Der direkte Umstieg von der 160mm-Sänfte Helius AM war schon HART
Aber durchaus so gewollt... erster Eindruck: ich fahre die gleiche Runde, nur schneller. Und bin hinterher weniger erschöpft
Dieser Eindruck hat sich seit der ersten Ausfahrt immer weiter verfestigt. Das Bike geht direkt nach vorn, animiert bergab zum Gas geben. Super Feedback vom Boden - natürlich. Das heißt aber auch: jede Welle, jede Wurzel, jeder Stein animieren zum Spielen. Hier ein Hüpfer, da ein Sprung, im Manual aus der Kurve, Speed-Wheelies zum Beschleunigen - das Bike fördert eine aktive Fahrweise
Soviel Spaß auf der Hausrunde hatte ich lange nicht. Sobald es auch nur 1° bergab geht: Vollgas-Modus. Inzwischen machen auch Kondition und Schnellkraft mit
Das Ziel, ein Alltags-Trainingsgerät für DH zu haben, hat das Argon voll erfüllt. Das merke ich jedes Mal, wenn ich wieder auf dem Ion sitze... Linienwahl, aktive Fahrweise, Sprint-Power - alles da!
Inzwischen konnte ich das Argon auch anderweitig testen: ob am Rand der schwäbischen Alb auf extrem felsigen Trails oder im Berner Oberland auf Geröll - alles kein Thema. Läuft und läuft und läuft... meine anfänglichen Bedenken bzgl. Durchschlägen haben sich nicht bestätigt. Die Mavic EX521 sind zwar etwas schmal und haben vergleichsweise "spitze" Flanken, aber bislang hatte ich mit dem Argon noch keinen Durchschlag - und ich fahre gewiß nicht langsam und auf glattem Belag
Ich führe das jetzt auch mal auf die aktive Fahrweise zurück - und den Druck auf dem Vorderrad... den habe ich auch beim bergauf fahren. Das funktioniert erstaunlich entspannt, die Gabel kann ich dabei sogar voll ausgefahren lassen. Und über mangelnden Vortrieb kann ich mich nicht beschweren.
1x10 hat sich auch als die richtige Wahl herausgestellt für das, was ich in 90% der Fälle fahre. Ich mußte jetzt allerdings mal die Ritzel-Zwischenräume reinigen - die Kette ist teilweise gesprungen. Hier ist die 10-fach Kassette etwas anfälliger als 9-fach. Nach der Reinigung alles bestens... apropos: wie erwartet, benötigt das Bike wenig Pflege. Kette und Gabel nach jeder Fahrt abwischen und ggf. schmieren - fertig.
Und die Sektor? Macht ihr Ding... keine Probleme, dank Stahlfeder gutes Ansprechverhalten bei kleinen Schlägen und schön progressiv. I like!
Tja, ich bin also rundum zufrieden mit dem Bike und habe jede Menge Spaß! Dafür ein dickes DANKESCHÖN an Nicolai - ihr habt eine super Basis für mein persönliches Sorglos-Bike geliefert! Und Vinc ist trotz meiner ganzen Fragen locker geblieben
Vielleicht kann der eine oder andere ja etwas mit dem Bericht anfangen. Geht raus und fahrt Hardtail
Cheers
der D

PS: mit Trinkflasche fahre ich erst seit letzter Woche wieder. Bei der Hitze hat es mir mit Rucksack einfach keinen Spaß mehr gemacht
ich muß mal wieder einen längeren Text los werden und möchte von den Erfahrungen mit meinem im Januar 2011 aufgebauten Argon FR berichten.
Vorab etwas zu mir: seit 1995 aktiv auf dem MTB, seit 2001 mit dem DH-Virus infiziert. Fokus liegt auf dem Spaß beim Biken - ob mit dem Downhiller, dem "Tourenrad" (dazu gleich mehr), dem Dirt-Bike oder seit neuestem 26" Trial-Bike.
Status quo:
Ich bin seit 2001 Touren immer mit dem Fully gefahren - Helius DH, Helius FR, zuletzt Helius AM. Meine Hausrunde hier im schwäbischen Schönbuch hat je nach Variation 30 - 40km, immer mit Trailanteil >80%. Die höchste Erhebung hier hat knapp 600m - ich starte auf 450m. Die Trails winden sich dann um die 500er Höhenlinie, d.h. es geht häufig auf und ab - relativ moderat, stärkste Steigung 14%. Auf der Runde kommen so zwischen 600 und 800hm zusammen. Mit dem Fully hat das Spaß gemacht - ich kam mir aber mit der Zeit immer träger vor. Da ich Ganzjahresfahrer bin, gab es natürlich entsprechenden Verschleiß - Lagertausch min. 1x jährlich, plus natürlich Antrieb.
Was waren die Erwartungen an das Bike?
In einem Wort: pflegeleicht. Fahren, in den Keller stellen, wieder fahren usw. usf. OK, Kette und Gabel ab und an säubern und schmieren, klar. Außerdem brauche ich ein Trainingsgerät für DH: mein Ion ist straff abgestimmt, flach und laufruhig. Um an den DH-Tagen richtig Spaß haben zu können, muß ich fit sein - das Hardtail sollte das passende Trainingsgerät sein. Cockpit und Wendigkeit möglichst ähnlich, Laufruhe ebenso. Und hart - das zwingt zu aktiver Fahrweise und besserer Linienwahl.
Der Rahmen:
Nicolai Argon FR custom. Es kamen mehrere Bikes in die engere Auswahl: SC Chameleon, Cotic BFe, Ragley Bagger. Problem: mit 1,92m brauche ich einen XL-Rahmen. Da werden mir die Steuerrohre aber zu lang... auch beim Standard-Argon. Nicolai bietet allerdings die Custom-Variante an - das habe ich genutzt. Oberrohr also XL, Sitz- und Steuerrohr L. Lenkwinkel flache 66,5° statt 68°, dezentere Gussets (wegen der Optik

Der Antrieb:
Shimano 1x10, 36 auf 11-36. Warum Shimano? Weil ich damit die besten Erfahrungen gemacht habe. Günstig und haltbar... ich habe SRAM ausprobiert, aber einfach zu viele X9-Schaltwerke verschlissen. Seit es die Shadow-Technik gibt, bin ich wieder zu Shimano gewechselt - und habe es nicht bereut. SLX-Kassette und Kette, XT-Schaltwerk, XT-Shifter. Das Kettenblatt kommt von Renthal - ultrasteif und leicht. Außerdem paßt es farblich zum Lenker

Die Gabel:
Rock Shox Sektor Coil U-Turn, 150mm. "Oh mein Gott - eine Billig-Gabel am Nicolai!" werden einige sagen. Ich bin 4 Jahre Pike gefahren - ohne Wartung. Die Gabel lief bis zum letzten Tag super, hat nie Probleme gemacht. Die Sektor als Nachfolger der Pike sollte also nicht viel schlechter sein... Verstellschnickschnack? High-Low-Rebound-Compression-whatever? Come on, ich fahre ein HARDTAIL. Eine gut funktionierende Zug- und Druckstufe ist alles, was ich brauche. Auch wichtig: einfache Wartung - die mache ich nämlich selbst.
Die Sattelstütze:
Rock Shox Reverb 2011. Ich habe lange überlegt... zunächst bin ich mit fester Stütze gefahren, immer ausgezogen. Das ist auf dem Fully grenzwertig, aber OK. Auf dem Hardtail einfach nur hinderlich. Das volle Potential von dem Bike kann ich nur mit versenkter Stütze ausfahren. Besonderheit: Remote-Hebel für Rechts-Bedienung links montiert, unter dem Lenker. Ist meines Erachtens nach ergonomischer, läßt sich wie ein Trigger-Shifter bedienen...
Die Reifen:
Um das Verhalten vom DH-Bike zu erhalten, fahre ich vorn Minion (2,5", FR-Karkasse). Im Gegensatz zu anderen Forumsusern steuere ich - ganz old-school - über das Vorderrad

Damit ist das Bike auf meine speziellen Bedürfnisse abgestimmt. Ach ja: Lenker-Vorbau-Kombo von Renthal. Wegen der Optik


Und hier das Ergebnis:




Der Aufbau:
Der Rahmen hat die erwartete Nicolai-Qualität. Dank verstellbarer Ausfallenden sind 415mm Kettenstreben kein Problem - in Verbindung mit dem langen Oberrohr ein laufruhiger, dennoch wendiger Rahmen. Die Gabel hat anfangs etwas gezickt - der erste Laufradeinbau lief nur mit Nachdruck. Etwas Fett und 100km einfahren - schon paßt es. Die Passungen (Maxle) waren etwas zu eng gefertigt... die mittelharte Federeinheit habe ich durch "extrahart" ersetzt - mein (fahrfertiges) Gewicht von 100kg braucht das. So taucht die Gabel nicht weg, ich kann das Bike gut durch Kurven pushen. Der 1x10 Antrieb benötigt etwas Präzision beim Einstellen - da mußte ich nachbessern. Seit 1.400km aber einwandfreie Funktion, bei jedem Wetter. Was die Reverb angeht - ich will nie mehr tauschen. Angebaut, Leitung gekürzt - seither liebe ich das Ding einfach. Sie funktioniert - Punkt. Inzwischen über 800km, bei allen Bedingungen. Am Anfang war ich skeptisch bzgl. Biegemoment in voll ausgefahrenem Zustand - sie steckt das aber sehr gut weg. Kein Spiel bis jetzt, obwohl ich ab und an natürlich auch mit ausgefahrener Stütze mal im Sitzen durch eine Kompression oder über eine Wurzel fahre.
Die ErFAHRungen:
Der direkte Umstieg von der 160mm-Sänfte Helius AM war schon HART




Inzwischen konnte ich das Argon auch anderweitig testen: ob am Rand der schwäbischen Alb auf extrem felsigen Trails oder im Berner Oberland auf Geröll - alles kein Thema. Läuft und läuft und läuft... meine anfänglichen Bedenken bzgl. Durchschlägen haben sich nicht bestätigt. Die Mavic EX521 sind zwar etwas schmal und haben vergleichsweise "spitze" Flanken, aber bislang hatte ich mit dem Argon noch keinen Durchschlag - und ich fahre gewiß nicht langsam und auf glattem Belag

1x10 hat sich auch als die richtige Wahl herausgestellt für das, was ich in 90% der Fälle fahre. Ich mußte jetzt allerdings mal die Ritzel-Zwischenräume reinigen - die Kette ist teilweise gesprungen. Hier ist die 10-fach Kassette etwas anfälliger als 9-fach. Nach der Reinigung alles bestens... apropos: wie erwartet, benötigt das Bike wenig Pflege. Kette und Gabel nach jeder Fahrt abwischen und ggf. schmieren - fertig.
Und die Sektor? Macht ihr Ding... keine Probleme, dank Stahlfeder gutes Ansprechverhalten bei kleinen Schlägen und schön progressiv. I like!

Tja, ich bin also rundum zufrieden mit dem Bike und habe jede Menge Spaß! Dafür ein dickes DANKESCHÖN an Nicolai - ihr habt eine super Basis für mein persönliches Sorglos-Bike geliefert! Und Vinc ist trotz meiner ganzen Fragen locker geblieben

Vielleicht kann der eine oder andere ja etwas mit dem Bericht anfangen. Geht raus und fahrt Hardtail

Cheers
der D

PS: mit Trinkflasche fahre ich erst seit letzter Woche wieder. Bei der Hitze hat es mir mit Rucksack einfach keinen Spaß mehr gemacht
