Hallo zusammen, ich melde mich auch mal zu Worte. Erstmal danke für das anständige Niveau hier im Gegensatz zu anderen Plattformen, wo man einfach nur hirnlos drauf herumhackt.
Ich hab das Teil übrigens entwickelt. Ich versuche mal, einige Punkte vereinfacht und verständlich zu erklären.
Zum Thema brake dive, ich habe nun öfter gelesen, dass diese Problematik nicht bestünde. Kann ich nicht bestätigen - Teleskopgabeln federn im Lenkeinkel nach hinten/ oben, dadurch werden sie allein durch die Bremskraft schon komprimiert. Dann kommt noch die dyn. Radlastverschiebeung dazu, die durch folgndes Moment hervorgerufen wird: Ihr habt Eure Verzögerung (=negative Beschleunigung) mal Masse mal Höhe des Schwerpunkts - dies ergibt ein Moment, das auf unser Gesamtsystem einwirkt und den Hinterbau ausfedern sowie die Gabel einfedern lässt.
Damit hinten weniger ausfedert, baut man sich in die Hinterbaukinematik Anti-Rise hinein, sprich beim Bremsen wird die Federung etwas "zusammengehalten". Der weitaus gravierendere Effekt ist jedoch das Eintauchen der Gabel. Dagegen geht man (zumindest als DH-Racer) so vor, dass man eine recht straffe Lowspeed-Druckstufe fährt, oder dass men eine zu harte Feder fährt, oder dass man ein 3-Kammer-System a la Chickadeehill, Öhlins, Formula oder EXT verbaut - dadurch hat die Gabel in ihrer statischen Lage eine höhere Federsteifigkeit.
Nachteil: die höhrere Federsteifigkeit oder straffere Druckstufe habt Ihr permanent. Nicht förderlich für die Federungsperformance in vielen Fahrsituationen.
Wieso will man den Brake-Dive nicht?
- Als mind. halbwegs versierter DH-Racer versucht man, schwarz-weiss zu bremsen. Bremse auf oder beim Anbremsen kurz und voll rein. Starke Verzögerung wo benötigt wird, sonst offen. Dadurch taucht die Gabel stark ein, man büßt massiv Federweg ein, Schluckfreudigkeit, Fahrkomfort und Traktion mögen das nicht. Wer schleifbremst hat das Problem vermutlich weniger. Bzw. wer nicht bremst.
Mit diesem Anti-dive-Hebelsystem wird ein grosser Teil der Zusatzkraft auf der Gabel durch das Anbremsen aufgenommen und in die Uppers statt in die Federung eingeleitet. Resultat ist eine besser funktionierende Federung da mehr Federweg übrig. Die Kraft am Vorderrad bleibt übrigens gleich, es wird lediglich ein Teil umgleitet.
Um die Federung voll aktiv zu halten, hat das System eine mit zunehmender Kompression abnehmende Abstützung, sprich bei einem großen Stoß ändern sich die Winkel dahingehend, dass eingefedert kaum mehr Anti-Dive besteht - ist auch nicht notwendig, da durch die Kompression die Federkraft eh erhöht wird und die Gabel nach dem Hindernis wieder ausfedert, wo sie wieder stärker vom Anti-Dive supportiert wird.
Da jeder eine andere Schwerpunkthöhe hat, ist das Anti-Dive-Level über die Höhe der Aufnahme an den Uppers individuell abstimmbar. Grundsätzlich soll der Anti-Dive unter 100% sein. Über 100% bedeutet Ausfedern beim Bremsen, das wollen wir sicher nicht. Wir wollen lediglich das zusätzliche Moment durch die Verzögerung kompensieren.
Funktoniert übrigens soweit sehr gut. Ich lade mal bei Gelegenheit ein Video hoch (Hindernis mit Vollbremsung vs. Hinernis ohne bremsen). Ich denke, das könnte ein echter Game-Changer werden, Ihr könnt in den brutalsten Fahrsituationen anbremsen ohne abgeworfen zu werden. Sprich, Ihr könnt im DH SPÄTER und HÄRTER anbremsen, und das bringt Zeit.
Habe diverse Hate-Kommentare erhalten wie "sieht sch.... aus", "sieht wie ATU-Tuning aus", gab es schon vor 20 Jahren" und "so n Blödsinn". Zur Optik, ist n Prototyp zwecks prove of concept. Zu den meisten anderen Kommentaren: Interessant, welche Kriterien viele an ein Bike stellen (Optik über Funktion etc.), bzw. wenn alle so wären, würden wir alle noch mit 26", Starrgabel und Hardtails rumfahren. Bzw. mir wurde klar, dass man auch in der Sonderschule sitzen bleiben kann... uuups ;-)
Gruß
Matse