Ich habe in der letzten Zeit mehrmals verdächtige Verkäufer gemeldet und JEDES Mal kurze Zeit später von kleinanzeigen.de die Bestätigung erhalten, daß sie sanktioniert haben, zusammen mit einem "Danke". Immerhin.
Das Verhalten dieser Verkäufer war stets dasselbe: Sie hatten in ihrem Account "Sicher Bezahlen" aktiviert (also die Zahlungsabwicklung über das System von kleinanzeigen.de). Als ich den Kauf darüber abwickeln wollte, bestanden sie dann aber auf Überweisung oder Paypal Freunde und haben die Abwicklung über "Sicher Bezahlen" verweigert. Zumindest bei solchen Widersprüchen liegt der Fall klar.
Die Accounts waren jeweils seriös und schon viele Jahre lang aktiv. Die waren alle gehackt ...
Zumindest bei den Artikeln, für die ich mich als Käufer in der letzten Zeit interessiert habe, hatten viele der potentiellen Verkäufer (ich würde sogar sagen, die Mehrheit) die Option "Sicher Bezahlen" aktiviert. Diese bietet den Käufern ungefähr denselben Schutz wie Paypal Waren und Dienstleistungen.
Die Aussage, daß kein vernünftiger Verkäufer einen solchen Schutz anbietet, stimmt also nicht. Vielmehr habe ich den Eindruck, daß speziell während der letzten Monate der Anteil solcher Angebote gestiegen ist. Viele Verkäufer nutzen diese Möglichkeit wohl gezielt, um sich von den Anderen abzusetzen.
Auch ich selbst als privater Verkäufer habe meistens so fünf bis zehn Angebote auf kleinanzeigen.de stehen und habe erst vor zwei, drei Wochen die Option "Sicher Bezahlen" dafür aktiviert.
Paypal Waren und Dienstleistungen werde ich allerdings definitiv nicht anbieten, weil Paypal einen sehr schlechten Ruf hat hinsichtlich der Willkürlichkeit von Entscheidungen im Streitfall und der Ignoranz der hierzulande gültigen Rechtslage. Auch andere Käuferschutz-Systeme werde ich nicht anbieten.
Für "Sicher Bezahlen" muß auf kleinanzeigen.de der Käufer einen Aufpreis in Kauf nehmen. Bei hochwertigeren Artikeln ist mir das die Sache wert. Es ist doch verständlich, daß eine Versicherung Geld kostet. Bei meinen bisherigen Käufen habe ich das immer genutzt, und das Ergebnis waren null Probleme. Das ist mir den Aufpreis wert, auch wenn dieser im Bereich um 5% liegt (ich hab's gerade nicht im Kopf). Man muß es halt beim Preisvergleich mit einrechnen.
Die Firma, die bei kleinanzeigen.de "Sicher Bezahlen" abwickelt, ist in den Niederlanden ansässig, unterliegt EU-Recht und ist im Extremfall auf dem Rechtsweg greifbar.
Für gewerbliche Käufer gibt es allerdings ein wirklich ärgerliches Problem: Wenn ich für die Firma etwas kaufe (egal ob von privat oder von anderen Gewerbetreibenden) und das über "Sicher Bezahlen" abwickle (was nicht so selten vorkommt), dann benötige ich eine Rechnung über die Käuferschutz-Gebühren. Über den eigentlichen Artikel kann ich vom Verkäufer eine Quittung bekommen, wenn ich nett mit ihm spreche und ihm erkläre, daß dies für ihn keinerlei Nachteile hat, der Firma jedoch das Leben gegenüber dem Finazamt erheblich erleichtert. Auf dieser Quittung sind dann natürlich aber die Gebühren für den Käuferschutz nicht aufgeführt, weil der Verkäufer diese ja niemals erhält.
Jeder Versuch, von kleinanzeigen.de eine Rechnung über die bezahlten Käuferschutz-Gebühren zu fordern, ist bislang gescheitert. Rechtlich ist die Lage nach meiner Meinung klar: kleinanzeigen.de MUSS eine solche Rechnung ausstellen. Stattdessen haben sie mich jedes Mal auf den holländischen Dienstleister verwiesen, der für die Zahlungsabwicklung verantwortlich ist. Ich würde diesbezüglich am liebsten vor Gericht gehen, habe aber leider absolut keine Zeit dafür. Und auch mit den Nerven kann ich Besseren anfangen ... Dann muß ich eben über diese Gebühren eine Eigendokumentation anlegen, wenn ich sie als Betriebsausgabe buchen will. Mal sehen, wie das bei der nächsten Betriebsprüfung ankommt ...