Insolvenzen der Hersteller: zwei Hauptgründe, einmal Marktsättigung und einmal Lagerbestände an Komponenten und Kompletträdern.
Bei der Marktsättigung trafen Bike Leasing und Corona genau aufeinander. Mehr Freizeit und schlagartig "günstigere" Räder, besser gesagt der Preis hielt einen Aufgrund von Ratenzahlung und steuerlichen Vorteilen weniger davon ab. Außerdem waren wir im Bereich MTB kurz nach der Geometriewende von steilen Lenkwinkeln, flachen Sitzwinkeln, kurzen Radständen und kurzen Einstecktiefen zu der annähernd heutigen Geometrie, also nochmal ein Anreiz zum kaufen, da sich die Räder auch wirklich anders anfühlten. Gravels fingen an, den Markt zu fluten und wenn man ein Rennrad von ~2015 hatte, hatte man höchstwahrscheinlich Felgenbremsen und auch eine mechanische Schaltung, Scheibenbremsen und Di2/AXS waren dann doch verlockend. Entsprechend kaufte jeder ein.
Führt zum nächsten Punkt, Überbestände. Ein richtiger Gummiband Effekt traf ein. Schlagartig hohe Nachfrage führte zu Lieferengpässen, Komponentenhersteller stockten Produktionskapazitäten auf, zwei Jahre später kam dann eine Welle an bestellter Ware ein, die teilweise schon veraltet war (Sram Eagle AXS->Transmission AXS, alte e-Bike Motoren und Systeme). Der Altbestand ist noch immer da und in angemieteten Lagern. Könnte jetzt einige aktuelle Fahrräder aufzählen, wo man die Teileverwertung des Altbestands sieht. Es werden immer noch Code und G2/Guide in Zeiten von DB8, Motive und Maven verbaut, ich sehe immer noch neu produzierte Gravels mit D1/D2 AXS Hebeln, obwohl E1 Hebel kompatibel sind und eine bessere Bremsperformance und Ergonomie bieten. Factory Gabeln mit Fit4 oder Grip/GripX/Grip2 Dämpfer, obwohl man X2 in der selben Gabel bekommen könnte. Alte X2 Dämpfer, Reifen mit altem Logo/Schrift und in fragwürdiger Ausführung aus Zeiten des Grammfuchses.
Selbe Geschichte mit Kompletträdern. Ich würde auch kein Rad ohne UDH kaufen oder mit Ep8 (nicht EP801) oder CX Gen3 oder Gen4 vor dem Smart System oder Gravel mit 45mm Reifenfreigängigkeit. Die stehen jetzt bei Händlern oder im Lager und man muss hoffen, dass die für immense Rabatte oder gar Einkaufspreis/Herstellungskosten verkauft werden können damit man weniger gebundenes Kapital hat
Man könnte sich natürlich das Erscheinen von 32" aus der Wirtschaftskrise herdenken, den Herstellern wäre aber lieber, dass sich in den nächsten Jahren genau gar nichts in Sachen Neuerscheinungen tut, dann könnte man endlich Lagerbestände abbauen ohne unter Zugzwang anderer Hersteller zu sein mit weniger Altbestand, zbsp Cube. Man kann von Cube denken was man will, aber die Weitsicht (keine Hamsterkäufe), die die damals an den Tag legten, gemeinsam mit dem Aufbau einer kompletten eigenen Produktion an Anbauteilen (Acid) und Laufrädern (Newmen) war das Beste, das Cube damals machen hätte können.
Thema Leasing, bei meinem alten Arbeitgeber (Österreich) wurde die Leasingrate und Versicherung vor Abzug der Lohnsteuer vom Gehalt abgezogen, sprich das Rad war gar nicht günstiger, Händler und Hersteller verdienten ganz normal an dem jeweiligem Rad, der Arbeitgeber zahlte auch nicht mehr, sondern man sparte sich als Arbeitnehmer Steuern, da man einen geringeren Verdienst hätte. Das fehlt natürlich später in der Pension und in der Staatskasse, insofern trifft indirekte Subventionierung sehr gut zu. Ich hätte gar nichts leasen können, da ich nur nach Kollektivvertrag bezahlt worden bin und somit unter dem Mindestverdienst landen würde.