55 Jahre hier, MTB seit Januar 1987 (f**, inzwischen 39 Jahre

)und arbeite seit Jahrzehnten in der Fahrradbranche.
Hier stehen Muscle-MTB mit Schaltung, Singlespeed-MTB, MTB-Klassiker aus "meinem" Jahrgang 1987, eMTB, Gravel und auch ein eGravel. Einsatzgebiet überwiegend Mittelgebirge mit viel Bergauf/bergab. Wenn ich meine Touren mit und ohne Motor vergleiche, dann sind die Herzfrequenzdaten alle recht ähnlich, mit Motor fahre ich halt schneller und mehr Höhenmeter, die körperliche Belastung ist aber recht nah aneinander. Gut, mit dem Singlespeed habe ich schon Spitzen drin, die ich bei den anderen Bikes eher nicht so sehe... Auf der anderen Seite erreiche ich die konstant höchsten Herzfrequenzen (also Anstrengung) am ehesten bei kürzeren Lunchrides mit dem eGravel, da der Sprintmodus vom Bosch SX dazu verleitet konstant mit körperlichen Vollgas zu fahren (für den gilt stärker als für andere Motoren, je mehr Leistung und Trittfrequenz man selbst reingibt, desto mehr Leistung gibt der Motor auch frei). Das alle eMTB Fahrer einfach faule Säcke sind würde ich nicht unterschreiben. Das sind oft auch Menschen, die ohne Motor gar kein Fahrrad fahren würden. Deshalb ist auch der deutsche MTB-Markt (mit und ohne Motor) insgesamt gewachsen, nur halt inzwischen im Verhältnis 94% mit Motor, 6% ohne Motor (ZIV Zahlen 2024, 820.000 eMTB vs 54.000 Muscle-MTB (und 207.000 Krummlenkerbikes). Das waren 2019 übrigens noch 37% Muscle-MTB, 215.500 Muscle vs 360.400 eMTB
Generell gehe ich mit vielen Meinungen hier mit das Gravel und auch eSUV bzw eMTB heute das Einsatzgebiet übernehmen welches noch vor einigen Jahren vom Mountainbike abgedeckt wurde. Tatsächlich fahre ich mit meinem motorlosen Gravel (mit Federgabel und Dropperpost) zu 95% die gleichen Touren wie vor 30 Jahren mit dem Mountainbike. Nur Spitzkehren mit Hinterradversetzen oder sehr steile Wurzeltrails, das muss mit dem Gravel nicht sein.
Und auch in den 90ern wurde nur ein Bruchteil der verkauften MTB wirklich sportlich im Traileinsatz gefahren, sehr häufig wurden Schutzbleche und Licht nachgerüstet da der Einsatzzweck bei Pendeln zur Arbeit und am Wochenende bisschen Forstweg war. Viele MTB wurden damals auch von Rennradfahrern als Winterrad genutzt. Das macht man heute mit dem Gravel oder dem eMTB mit und ohne Schutzblech.
Auch dass moderne MTB so tauglich sind das sie oft spezielle Trail-Infrastruktur ("no dig, no ride") brauchen und Gravel sowohl von der Community als auch von der Bildsprache weniger einschüchternd für Neueinsteiger ist würde ich unterschreiben. Das moderne Mountainbike ist schon als Kultur nicht sehr anfängerfreundlich, da gibt es schon einiges an Gatekeeping.
Was wir auch haben ist ein massives Nachwuchs- und auch Diversitätsproblem beim MTB. In der Masse ist das einfach ein Sport älterer Männer. Gravel ist da viel diverser und auch jünger unterwegs.
In den ZIV-Daten sind bei den MTB übrigens nur "echte" MTB so ab der 1.000,- Hardtail Klasse. Die günstigere "Baumarkt"-Kategorie gehört zu den "All Terrain Bikes". Die ZIV Zahlen spiegeln schon das wieder, was wir in der Branche so sehen. Wobei die tatsächlich in einigen Kategorieren noch vorhandenen "Corona"-Lagerbestände mit dem entsprechenden Rabatten das Bild schon nach wie vor bisschen verfälschen.
Übrigens wird das nächste Bikes welches ich mir aufbaue ein Trail-Hardtail mit 130mm Federgabel, hab nämlich richtig Lust auf eine ganz klassische Trail-Tour, aber mit einem modernen Bike mit vernünftigen Bremsen und hochwertiger Federgabel. Könnte ich zwar auch mit einem meiner 1987er Bikes fahren, aber die Bremsen und keine Suspension, das muss ich mir auf kniffligeren Trails echt nicht mehr antun. Keine Ahnung, wie wir die
damals mit
den Bikes gefahren sind.