Absolute Sicherheit gibt's nicht, jedoch einige Kriterien, deren Überprüfung das Risiko minimiert:
Die Zahlungsart "Sicher bezahlen" oder "Paypal Waren und Dienstleistungen" wird kaum ein Betrüger anbieten. Es gibt allerdings Leute, die "Sicher bezahlen" aktiviert haben, diese Zahlungsart aber im Laufe der Verhandlungen verweigern. Das sind zu
100% Betrüger. Ich habe das in der letzten Zeit mehrmals erlebt, den Verkäufer jeweils gemeldet und kurz danach die Nachricht erhalten, daß sanktioniert wurde.
Aber nochmals: Wenn der Verkäufer beim Angebot "Sicher bezahlen" bleibt, sollte es keine Probleme geben. Das ist für mich das wichtigste Kriterium.
Zweitens kannst Du nachsehen, wie lange der Verkäufer schon angemeldet ist und was er für Bewertungen hat. 1 Monat wäre schlecht, 10 Jahre wäre gut. Bei der Zuverlässigkeit würde ich darauf achten, daß dort "sehr" oder "besonders" dabeisteht.
Drittens solltest Du den Text der Anzeige auf sprachliche Auffälligkeiten hin untersuchen. Insbesondere bei vielen Anglizismen ist nach meiner Erfahrung Vorsicht geboten.
Viertens: Gier frißt Hirn. Wenn ein neuwertiger Artikel für einen Bruchteil des Gebaucht-Wertes angeboten wird, ist Vorsicht angebracht. In den oben geschilderten Fällen, in denen ich die Verkäufer gemeldet hatte, waren die Artikel jeweils für ein Drittel bis zur Hälfte des nächstbilligeren Angebots ausgeschrieben.
Es gilt die alte Binsenweisheit, daß Dinge, die zu gut sind, um wahr zu sein, meistens auch nicht wahr sind. Kein Verkäufer wird Geld verschenken, Notverkäufe sind auch mit einem Preis von 10% unterhalb des nächstbesten Angebots schnell erfolgreich. Warum sollte also ein Verkäufer auf 50% oder mehr verzichten? Das machen nicht mal Sozialkaufhäuser, von denen einige auch auf kleinanzeigen.de unterwegs sind.
Fünftens, und das wird oft übersehen: Private Verkäufer versuchen das Versandrisiko auf den Käufer abzuschieben, oft mit Verweis auf den entsprechenden BGB-Paragraphen, der das nicht nur erlaubt, sondern standardmäßig vorsieht. Das ist jedoch abzulehnen, weil es völliger Schwachsinn ist und an der Realität vorbeigeht:
Wenn eine versicherte Sendung z.B. bei DHL verlorengeht, kann der
Empfänger nicht mal eine Nachforschung beauftragen, geschweige denn Schadensersatz erhalten. Das kann nur der
Auftraggeber - logisch, denn dieser ist der alleinige Vertragspartner von DHL. Nur der Versender kann also nachforschen lassen und Schadensersatz vom Transporteur erhalten. Insofern ist es idiotisch, auch nur auf die Idee zu kommen, das Versandrisiko auf den Empfänger abwälzen zu wollen.
[ Ausnahme, nur der Vollständigkeit halber: Wenn der Empfänger selbst den Versand beauftragt und die Ware beim Verkäufer abholen läßt, sind die Verhältnisse natürlich anders, denn dann ist der Empfänger der Vertragspartner des Transporteurs. Diese Konstellation zieht aber andere Schwierigkeiten nach sich und ist deshalb in der Praxis sehr selten anzutreffen. ]
Meine Erfahrung ist, daß die meisten Verkäufer dies einsehen, wenn man es ihnen erklärt, und dann bereit sind, das Versandrisiko doch selbst zu übernehmen.
Wie kleinanzeigen.de Fälle entscheidet, in den denen der Verkäufer das Paket nachgewiesenermaßen versendet hat, das Paket jedoch nachgewiesenermaßen nicht beim Empfänger angekommen ist, weiß ich nicht. Insofern empfiehlt sich diesbezüglich eine klare Absprache mit dem Verkäufer. Diese kann kleinanzeigen.de dann bei Bedarf einsehen und eine entsprechende Entscheidung treffen.
Sechstens, und das versuche ich bei hochpreisigen Artikeln immer zusätzlich: Du kannst dem Verkäufer sagen, daß Du vor dem Kauf gerne persönlich mit ihm sprechen möchtest. Wenn er sich nicht darauf einläßt, dann ist das nicht von vornherein ein schlechtes Zeichen; vielleicht hat er wirklich Bedenken, seine Telefonnummer herauszurücken. Aber wenn er sich darauf einläßt und dann zum vereinbarten Zeitpunkt auch rangeht, ist das ein sehr starkes positives Zeichen.
Siebtens (empfiehlt sich nur bei ungutem Gefühl): Du sagst dem Verkäufer, daß Du einen Freund hast, der bei ihm in der Nähe wohnt und den Artikel gegen Barzahlung in einer Woche abholt. Wenn der Verkäufer damit einverstanden ist, ist das ebenfalls sehr positiv. Da Dein Freund am nächsten Tag bedauerlicherweise krank geworden ist, bittest Du den Verkäufer dann doch um den Versand und schiebst ihm halt zusätzlich 5 oder 10 EUR für seinen Aufwand bzw. die Änderung der Absprache rüber. Wie gesagt: Vielleicht am besten nur im Zweifelsfall anwenden.
Also zusammengefaßt:
Abwicklung über "Sicher bezahlen", ein seit 5 Jahren bestehendes Verkäufer-Konto mit guter Bewertung, eine vernünftige und sprachlich halbwegs korrekte Artikelbeschreibung mit mehr als drei Worten, ein realistischer Preis sowie die Bereitschaft des Verkäufers, das Versandrisiko zu übernehmen, bieten in Kombination ausreichende Sicherheit (nach meiner Ansicht; ich bin noch nie hereingefallen). Persönliche Telefonate und die Bereitschaft des Verkäufers zur Abholung mit Barzahlung sind zusätzliche starke positive Zeichen.