Der "Schluss-mit-der-Laberei-Thread": 29er, breite Lenker... -> Geo muss passen

Dabei seit
10. Juni 2011
Punkte Reaktionen
7
Hi,

dieser Thread soll _kein_ Bashing zu 29er und Co. starten! Es nervt allerdings doch schon ziemlich, dass viele Leute sich von den von Marketing-Abteilungen verbreiteten vermeintlichen "Infos" so sehr einnehmen lassen.

Meine Hauptaussage hier soll sein, dass bei der Wahl / Aufbau eines "optimalen Rads" (natürlich!) zuerst

1) immer klar sein muss, für welchen Einsatzzweck das Rad bestimmt ist und wo demzufolge die besonderen Stärken des Rads liegen sollen.

2) Die Geometrie des Rads zum Einsatzzweck _und_ zum Benutzer passen muss.

Erst wenn klar ist, wie der Körperbau des Benutzers ist und welche Merkmale beim Verhalten des Rads besonders wichtig sind kann man z. B. überlegen ob eine bestimmte Radgröße Vorteile hat.

Die Werbung erweckt den Eindruck ein 29er und breiter Lenker wäre allgemein i.d.R. "besser". Das ist als generelle Aussage einfach Quatsch, aber wird von vielen Leuten so angenommen, obwohl keiner ernsthaft glauben würde, dass ein T-Shirt besser als ein Pullover sei, genauso wenig wie jemand ernsthaft auf die Idee kommen würde zu glauben, dass eine Jacke in Größe XL besser als eine in Größe S wäre! Bei der Wahl für ein Rad passiert aber genau das.

Daher hier der Versuch ein paar Fakten bezüglich einer optimalen Radwahl klar zu stellen. Schön wäre, wenn sich eine _konstruktive_ Diskussion dazu entwickeln würde.

Meine These: Ein für einen bestimmten Zweck "optimales Rad" zeichnet sich in erster Linie durch eine "passende" Geometrie aus.

Die richtige Größe

Das mag banal klingen, aber z. B. beim Essen möchte ich weder ein lasches ungewürztes, noch ein versalzenes Essen. Genauso muss ein Rad "passen". Wer sich mal Kinderräder angesehen hat, stellt fest, dass diese häufig _nicht_ zu den Körpermaßen der Kinder passen. Die Kurbeln sind zu lang ("Beine beim Treten im Bauch"), die Räder zu schwer, die Laufräder im Verhältnis zum Rahmen zu groß (z. B. einige 24-Zoller), so dass man beim Kurvenfahren schon leicht mit dem Fuß an das Vorderrad kommt. Klar, das Kind ist im Wachstum und man kann mit vertretbarem finanziellen Aufwand nicht laufend ein neues gerade passendes Rad bauen / kaufen. Wenn man aber sieht, wieviel leichter sich ein Kind auf einem zur Körpergröße passenden Rad tut, wird sofort klar wie wichtig die passende Geometrie ist.

Auch bei den Rennrad- oder Cyclocross-Fahrern ist die Wichtigkeit der Geometrie wohl bewusst. Schaut man sich dort um, stellt man auch fest, dass dort Rahmen häufig in 2 cm-Schritten angeboten werden und man dementsprechend meist 5 bis 7 verschiedene Rahmengrößen bekommt! Bei Kleidergrößen sind auch 5 bis 10 Abstufungen gebräuchlich, da notwendig! Beim MTB sind es dagegen häufig nur 4 Rahmengrößen. Seltener findet man mal 5, oder wie man neuen Specialized Enduro 29er sogar nur noch 3 Rahmengrößen (ab M).

Es ist also eh' schon eine deutliche Einschränkung, dass man von 1,55 m bis 2,05 m Körpergröße mit nur 4 Rahmengrößen beim MTB klar kommen muss.

Optimale Laufradgröße

Welche Radgröße nun die "beste" ist, müsste man meiner Meinung nach eigentlich neben dem Einsatzzweck (Trial, Dirt, Freeride, CC ...) auch bis zu einem gewissen Grad von der Rahmengröße abhängig machen. Sieht man einen 2-m-Mann auf einem 26er, so wirkt das von den Proportionen her schon komisch. Die Geo wird auch zwangsläufig eine andere sein, als wenn der gleiche Rahmen statt in XL in S konstruiert wird. Ich denke, dass es daher sinnvoll sein könnte, um die Geo möglichst ähnlich über verschiedene Rahmengrößen zu realisieren die Laufradgröße mit der Rahmengröße zu skalieren. Aus Preisgründen wären wohl dann 26 und 29 Zoll noch tragbar?

Sind größere Laufräder besser?

Größere Laufräder sind nicht besser als kleine, sondern größer! Dies bedingt bestimmte Vor- und Nachteile.

Vorteil großer Laufräder:

1) Andere Geometrie möglich. Durch den größeren Durchmesser ist das Tretlager im Verhältnis zur Nabe tiefer als bei einem kleinen Laufrad. Dadurch ist der Schwerpunkt (sofern man die Pedale belastet - also z. B. in der Grundposition) tiefer und das Rad ist "stabiler", d.h. weniger kippelig und damit sicherer. Ein Trackstand fällt dementsprechend auch relativ leicht.

Nachteil großer Laufräder:

2) a) weniger steif / stabil

b) schwerer und größer -> das Rad kann nicht mehr so leicht und agil in in eine andere Richtung (links / rechts _und_ hoch / runter) bewegt werden. Das sieht man schön in dem Video mit Cedric Carcia auf einem 29er (ab Minute 9:40).

Das sind die wesentlichen Vor- und Nachteile eines 29er. Die Auswirkung auf die Geometrie! Das wird auch von Brandon Sloan (Produktmanager Specialized) so bestätigt.

Der Mythos des leichteren Überrollens

Die groß beworbenen vermeintlichen Vorteile durch leichteres Überrollen von Hindernissen, werden dagegen stark überbewertet. Wer mal ein Kinderrad mit 16 Zoll, 20 Zoll und 24 Zoll mit einem 26 und 29 Zoll verglichen hat, in dem man einfach mal das Rad bei vergleichbarer Geschwindigkeit per Hand gegen eine Kante schiebt, merkt schnell, dass man natürlich mit steigender Laufradgröße leichter über ein Hindernis kommt, aber das dies in der Praxis relativ geringe Auswirkung hat, sonst könnte der Junior auf dem 20-Zoll MTB gar nicht gescheit im Wald mit dem Papa (der mit 26 oder 29 Zoll) mit fahren. Kann er aber! Der Unterschied zwischen 16, 20 und 24 Zoll ist schon _etwas_ spürbar. Dagegen ist der Unterschied von 26 Zoll zu 29 Zoll vergleichsweise gering.

Soweit ich das beurteilen kann wurde dies in Bicycle Quaterly, Ausgabe Sommer 2011 objektiv untersucht. In dem sehr lesenswerten Radmagazin wird folgendes Fazit gezogen (ich übersetze mal das relevante Fazit):

"Die Performance-Unterschiede zwischen verschiedenen Raddurchmessern (getestet wurden 622 mm [700C], 584 mm [650B] und 559 mm [26"]) waren im Verhältnis zu Unterschieden, die sich durch unterschiedlichen Luftdruck ergeben, sehr klein. Auf einem "Polterstreifen" konnte die benötigte Leistung durch Absenkung des Luftdrucks von 6,6 auf 5,2 bar für einen 25 mm Reifen bei 31 km/h um 17,5 % reduziert werden. Ein Wechsel auf 35 mm breite Reifen und weitere Reduzierung des Luftdrucks auf 3,4 bar brachte eine weitere Ersparnis der benötigten Leistung von 15,5 % auf insgesamt 33 %. [...]

Die Polterstreifen hatten eine Höhe von 8 bis 10 mm. Beim MTBiken kommen erheblich größere Erhöhungen vor [...] Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass größere Laufräder [im Rahmen der getesten Größen] auf den meisten MTB-Trails zu einer deutlich verbesserten Performance führen dürften. [...]

Die Ergebnisse sollten nicht so interpretiert werden, dass die Laufradgröße unwichtig wäre. Der Durchmesser des Reifens spielt eine große Rolle für das "Handling" des Rads, möglicherweise durch die gyroskopischen Kräfte, die das Rad (Lenken ? hier bin ich bei der Übersetzung nicht 100 % sicher: "bycicle's steering") stabilisieren. [...]

Viele MTBiker haben Freude an der erhöhten Stablität eines 29ers [hier bezieht sich die Aussage auf das Handling und _nicht_ Robustheit der Laufräder oder des Gesamtrads]. [...] Dies allein ist Vorteil für diese Laufradgröße. Umgekehrt sollten Fahrer die ein agiles Handling eines 26-Zoll-Rads schätzen sich nicht durch die kleineren Räder benachteiligt fühlen.

Fazit:
Der Raddurchmesser scheint die Leistung nicht signifikant zu beeinflussen. Größere Räder rollen nicht deutlich besser, auch nicht über rauhe Untergründe. Der Luftdruck eines Reifens scheint einen größeren Einfluss auf die Ablenkung ("deflect") als der Winkel unter dem das Rad auf ein Hindernis trifft, zu haben. Auf die Fähigkeit über Hindernisse zu fahren hat die Optimierung des Reifendrucks einen im Vergleich zum Reifendurchmesser erheblich größeren Einfluss ("order of magnitude"). [...]

Die Radgröße sollte für ein gutes Handling des Rads optimiert werden, wobei man sich keine Sorgen über die Fähigkeit eines Rads Hindernisse zu überrollen machen muss."
Der Artikel bringt es meiner Meinung nach sehr gut auf den Punkt. Dass viele Leute -- auch nach persönlichen Tests denken, dass ein 29er deutlich leichter über etwas rollen würden, führe ich in erster Linie auf den Kaisers-neue-Kleider-Effekt zurück, wenn man mit entsprechenden Erwartungen an eine Sache ran geht. Das scheint mir plausibel, da viele Jahre die messtechnisch recht gut belegbaren großen Vorteile eines reduzierten Luftdrucks _nicht_ von den erfahrenen MTBikern erkannt wurden. Selbst die MTB-Legende Ned Overend ist in seinem Buch (ca. 2000) noch von einem eher höheren Luftdruck als "schnell" ausgegangen. Wenn die Leute also 15 % Leistungsersparnis nicht deutlich erkennen, warum sollten sie eine im Vergleich dazu viel kleinere Leisterungsersparnis beim Fahren "soooo deutlich" spüren?

Wie breit soll mein Lenker sein?

In letzter Zeit werden zunehmend Lenkerbreiten kürzer als 64 oder 68 cm als "zu klein" bezeichnet. Abhängig vom Fahrstil und dem Gelände was man fährt und nicht zuletzt natürlich von der Körpergröße kann aber nicht allgemein gesagt werden, dass ein MTB-Lenker mindestens 70 cm sein sollte. Auch die Kröpfung und Montagehöhe / Weite des Lenkers spielt eine große Rolle, ob der Lenker "passt".

Zu der Frage, wie man eine für sich optimale Lenkerbreite, Kröpfung, aber auch Vorbaulänge und Höhe bestimmt, sollte man ggf. extra diskutieren? Ich persönlich (1,82 m, Rahmengröße L auf 'nem 26er) bin mit einem 63er Lenker mit 12° Kröpfung und einem 80 mm Vorbau (VRO) für technisch eher anspruchsvollere Trails recht zufrieden. Mit 68 cm breitem Lenker komme ich dagegen viel öfter auf den schmalen Pfaden mit den Bäumen ins Gehege und empfinde die Körperhaltung als unergonomisch. Mein Bruder dagegen fährt eher breitere Wege und auch mal im Bikepark und liebt bei gleicher Körpergröße und Rahmengröße, aber gänzlich anderer Rad-Geo, einen 74 cm Lenker!

Darum: es lebe die Vielfalt und die Anpassung von Geo in allen Aspekten an Einsatzzweck und Körpergröße!
 
Zuletzt bearbeitet:

garbel

Einer von den Gelben
Dabei seit
31. August 2004
Punkte Reaktionen
1.870
Kann man den Laufradgrößenartikel irgendwo lesen? Daß niedriger Luftdruck zusammen mit großem Luftvolumen die einzig richtige Methode ist, predige ich ja schon seit Jahren. Und daß der Effekt eines niedrigeren Rollwiderstandes sich viel stärker auswirkt als 100 g (mehr am Laufrad) auch. Wird Zeit, daß ihr mal aufwacht, Leute.
 
Zuletzt bearbeitet:
Dabei seit
29. Oktober 2010
Punkte Reaktionen
345
Ort
Schweiz
Vor kurzem habe ich einen sehr interessanten Artikel zum Thema Laufradgrösse gefunden: Wheel Wars - 29 vs 26.
M.E. alles nachvollziehbar. Die Aussage deckt sich weitgehend mit dem Post des TO.
Mein persönliches Fazit (sofern ich nichts übersehen habe): die grossen Räder rollen ca. 5% leichter über Hindernisse. Alle anderen Vorteile sind zwar messbar jedoch kaum spürbar. D.h. wiederum für mich persönlich, dass ich mein 26" MTB wohl kaum vorzeitig durch ein 29er ersetzen werden. Und was bis dann passiert, steht in den Sternen ;)
Das Thema 29er verfolge ich trotzdem mit sehr viel Interesse. Und wenn ich unerwartet im Lotto gewinnen oder (zu viel) Geld erben sollte, dann werde ich es mir noch überlegen :rolleyes:
 
Dabei seit
22. April 2011
Punkte Reaktionen
112
bin auf meinem 29er zuerst 600mm flat gefahren ....
mittlerweile fahre ich 680mm flat und was soll ich sagen die "werbung" hat vollkommen recht gehabt.
ps ich fahre marathons usw
mfg micha
 
Dabei seit
16. Juni 2009
Punkte Reaktionen
23
Ort
Remstal / Schorndorf
Ganz nett geschrieben - auch größtenteils nachvollziehber. Allerdings:

[...] Wer sich mal Kinderräder angesehen hat, stellt fest, dass diese häufig _nicht_ zu den Körpermaßen der Kinder passen. Die Kurbeln sind zu lang ("Beine beim Treten im Bauch"), die Räder zu schwer, die Laufräder im Verhältnis zum Rahmen zu groß (z. B. einige 24-Zoller), so dass man beim Kurvenfahren schon leicht mit dem Fuß an das Vorderrad kommt. [...]

Gerade dieser Umstand (Kontakt Fußspitze - Vorderrad) tritt eher bei Rennradrahmen auf ... meiner Erfahrung nach. Da helfen also auch die ganzen vielen Rahmengrößen nix und hängt von Faktoren wie Schuhgröße, Schuh, Pedal und Position auf dem Pedal ab.
 
Dabei seit
1. Februar 2012
Punkte Reaktionen
1.306
Hi,


1) Andere Geometrie möglich. Durch den größeren Durchmesser ist das Tretlager im Verhältnis zur Nabe tiefer als bei einem kleinen Laufrad. Dadurch ist der Schwerpunkt (sofern man die Pedale belastet - also z. B. in der Grundposition) tiefer und das Rad ist "stabiler", d.h. weniger kippelig und damit sicherer. Ein Trackstand fällt dementsprechend auch relativ leicht.
Da komm ich nicht mit.
Warum ist der Schwerpunkt beim 29er niedriger?
OK, im Bezug zur Nabe, aber doch nicht zum Boden.
Der Punkt, um den das Fahrrad kippt ist der Radaufstandspunkt und nicht die Nabe.
 
Dabei seit
10. Juni 2011
Punkte Reaktionen
7
Kann man den Laufradgrößenartikel irgendwo lesen? Daß niedriger Luftdruck zusammen mit großem Luftvolumen die einzig richtige Methode ist, predige ich ja schon seit Jahren.

Soweit ich weiß gibt es den Artikel leider nicht frei erhältlich. Ich hoffe, dass mein recht langes (übersetztes) Zitat daher noch o.k. ist :) Man kann aber die Ausgabe durchaus noch bestellen. Einen anderen Artikel zum optimalen Luftdruck abhängig vom Körpergewicht, kann man allerdings frei als PDF bekommen. Der Artikel geht allerdings nicht in erster Linie auf MTB, sondern Randoneur und Co. ein, aber ist trotzdem durchaus lesenswert.

Vor kurzem habe ich einen sehr interessanten Artikel zum Thema Laufradgrösse gefunden: Wheel Wars - 29 vs 26. [...]
Mein persönliches Fazit (sofern ich nichts übersehen habe): die grossen Räder rollen ca. 5% leichter über Hindernisse.

Die 5 % als fixe Größe habe ich so beim zügigen überfliegen nicht entdeckt. Meintest Du die knapp 5 % in der Tabelle, bei gegebener Steigung?

Das Fazit des Artikels finde ich aber tatsächlich durchaus gut:

"In the end it’s always best to try different bikes, suspension formats and wheel sizes for yourself to decide. Borrow mates’ bikes, go to demo days, research and form your own opinion. In many ways the wheel size is irrelevant, it’s the complete bike package that matters—suspension, handling, acceleration, stability and fit."

Warum schreibt man den Bericht nicht dort wo es die User interessiert?
29 Zoll Bikes

Weil mein Punkt war, dass die Geo ingesamt zur Anwendung und Körpergröße passen muss. Dazu gehört natürlich auch das Laufrad. Dazu hatte ich am meisten geschrieben, da das Werbegeblubber der Marketingstrategen da im Momemt mit am meisten "nervt" (mich zumindest -- und man fürchten muss, dass sogar 26er zu Unrecht weniger werden, obwohl diese auch ihre Vorteile haben).

Aber natürlich: Lenkwinkel, Lenkerlänge, -kröpfung, -höhe, -abstand, Sattelhöhe, -neigung, Sitzwinkel, Radstand, Nachlauf, Kettenstrebenlänge, Tretlagerhöhe, Kurbellänge usw. sind auch alle wichtig. Nur habe ich hier erstmal hauptsächlich die Radgröße als Beispiel angesprochen.

Welche der ganzen Geo-Kriterien dann für eine bestimmte Anwendung und Körpergröße sinnvoll sind, diskutiert man vermutlich am besten in einem speziellen Thread. Auf der anderen Seite ist ein Thread zur allgemeinen Thematik und mit generellen Überlegungen / Erfahrungen sicher auch nicht verkehrt, oder?


Na ja, ich vermute Garbel hatte den Titel und 'n paar Zeilen gelesen, aber später hat er wohl doch noch alles gelesen ;)

bin auf meinem 29er zuerst 600mm flat gefahren ....
mittlerweile fahre ich 680mm flat und was soll ich sagen die "werbung" hat vollkommen recht gehabt.
ps ich fahre marathons usw

Ist vielleicht ein Missverständnis gewesen. Ich sage nicht, dass nicht für viele heutige MTB-Anwendungen eine im Gegensatz zu früher größere Lenkerbreite sinnvoll sein kann. Siehe Beispiel von mir und meinem Bruder. Man darf auch nicht vergessen, dass zum einen die Räder in den letzten Jahren immer spezialisierter wurden und sich die Geometrien auch deutlich verändert haben. Da ist es nur logisch, dass auch die Lenkerbreite nicht mehr zwingend wie früher "passend" ist.

Vielmehr finde ich es aber seltsam und doof, dass generell die Aussage getroffen wird, "mit kleiner xxx mm Lenkerbreite" kann heute keiner mehr gescheit fahren und bei der Aussage meist nicht nach der Körpergröße gefragt wird und manchmal noch nicht einmal die Anwendung feststeht. Diese unreflektierten Pauschalaussagen finde ich doof. Ich selbst fahre ja im Moment 63 cm und könnte mir noch ein oder zwei Zentimeter gut vorstellen. Mit 68 cm ist's mir aber wie gesagt schon für die jetzige Geo des Rads und den Einsatzzweck zu breit. Das ist aber eben durchaus was persönliches. Daher glaub' ich dir gern, dass Du mit einem für deine Verhältnisse nun "breiten" Lenker glücklicher bist.

Ganz nett geschrieben - auch größtenteils nachvollziehber. Allerdings:

Gerade dieser Umstand (Kontakt Fußspitze - Vorderrad) tritt eher bei Rennradrahmen auf ... meiner Erfahrung nach. Da helfen also auch die ganzen vielen Rahmengrößen nix und hängt von Faktoren wie Schuhgröße, Schuh, Pedal und Position auf dem Pedal ab.

Ich meinte nicht, dass Rennradrahmen immer 'ne insgesamt stimmige Geometrie haben. Dort gibt es ja eigentlich auch nur eine Laufradgröße. Das _kann_ nicht wirklich für alle notwendigen Rahmengrößen optimal sein. Ebenso ist auch die Kurbellänge meist auch nur in einem relativ engen Fenster wählbar. Das ist sicher nicht optimal [1]. Das Rennrahmen- und Kleiderbeispiel sollte nur zeigen, dass die bei MTBs üblichen 4 Rahmengrößen wohl kaum die Bandbreite der Körpergrößen sinnvoll abdecken können.

Da komm ich nicht mit.
Warum ist der Schwerpunkt beim 29er niedriger?
OK, im Bezug zur Nabe, aber doch nicht zum Boden.
Der Punkt, um den das Fahrrad kippt ist der Radaufstandspunkt und nicht die Nabe.

Mmh, guter Punkt. Verstehe deine Frage, aber tue mir gerade mit einer Erklärung schwer. Vielleicht kann da jemand einspringen? Vermutlich, da sich das Rad ja nicht allein durch kippen vom Radaufstandspunkt bewegt, sondern zusätzlich eine Bewegungsmöglichkeit an den Naben, Steuerkopf und Federgabel (+ ggf. Dämpfer) hat [2].

Es ist aber tatsächlich so, dass man auf 'nem 29er leichter einen Trackstand machen kann und sich mehr "im Rad" fühlt. Das empfinde ich als Vorteil (auch wenn für mich, d.h. Anwendung, Körpergröße und nicht zuletzt meinen Geschmack bei den bisher getesten Rädern die Vorteile beim 26er, vor allem die gefühlte höhere Wendigkeit und leichter Beschleunigung sowie die Stabilität der Laufräder, überwiegen). Das ist aber stark individuell abhängig. Wieder als Beispiel mein Bruder, der ein deutlich schwereres Rad mit mehr Federweg als ich bevorzugt, aber der auch hauptsächlich "nach unten" Spaß haben will, während ich es insgesamt gern "krachen" lassen möchte. :D Genauso gibt es ja viele, die sehr glücklich mit ihrem 29er sind. Das ist ja auch prima! Nur soll sich eben niemand einreden lassen, dass größere Laufräder, breiterer Lenker, mehr Federweg usw. immer "besser" wären.

Hast Du schon selbst (möglichst sonst bauähnliche) 26er und 29er verglichen und evtl. auch das Interview mit Brandon Sloan gelesen? Vor allem die persönliche Er"fahr"ung erklärt den Unterschied sehr gut :)

[1] Zur Kurbellänge hat Lennard Zinn ein paar lesenswerte Artikel und Posts, z. B. in seinem Buch Cycling Primer oder online hier (sehr interessant nmM - Lennard spricht sich auch für zur Körpergröße passende Geo aus)und dort. Die in den beiden Posts von Lennard genannten weiterführenden Links sind auch sehr gut. Ergänzend finde ich die Grafik unter http://customcranks.de/de/kurbellaenge.html sehr spannend. Klar, dass die in den Artikeln genannte Faustformel für eine gute Kurbellänge sich in erster Linie auf Rennrad bezieht und nicht 1:1 für MTB gelten muss, aber die Standardkurbellänge von 175 mm bzw. manchmal 170 mm an fast allen MTBs ist sicher dort auch nicht für alle Körpergrößen und Anwendungen optimal.

[2] Nebenbei bemerkt denke ich auch, dass die Bewegungsmöglichkeit für einen Trackstand (im Flachen) am VR für einen Trackstand mit Bremse wichtig ist. Der Trackstand fällt nach meiner Erfahrung sehr viel leichter, wenn man nur die HR-Bremse betätigt, da man dann als leichte Ausgleichsbewegung das Vorderrad (minimalstes Rollen, bzw. kippen) noch nutzen kann und nicht durch eine Federgabel abgeworfen wird, die bei Nutzung der VR-Bremse für einen Trackstand relativ leicht "bockig" wird ;-).
 
Zuletzt bearbeitet:
Dabei seit
29. Oktober 2010
Punkte Reaktionen
345
Ort
Schweiz
Die 5 % als fixe Größe habe ich so beim zügigen überfliegen nicht entdeckt. Meintest Du die knapp 5 % in der Tabelle, bei gegebener Steigung?

Da habe ich mich vertan. Auf Seite 4 steht:
Between a 26-inch wheel and a 29er the angle of attack improves by around 5%. Not a huge figure in itself but it’s a difference that’s clearly felt in certain situations on the trail.

Es geht um den Winkel :o
 
Dabei seit
10. Juni 2011
Punkte Reaktionen
7
[5 % flacherer Winkel auf Hindernisse]

Da habe ich mich vertan. Auf Seite 4 steht:

Es geht um den Winkel :o

Ah, so generell merkt man ja Unterschiede häufig als "eben wahrnehmbarer Unterschied bei ca. 10 % Änderung (siehe Weber-Fechner-Gesetz, Stevens...). Ganz interessant in dem Zusammenhang die Diskussion hier und speziell Post Nr.7.

Aber wie gesagt ging es mir nicht in erster Linie um eine 29er-Diskussion allein, sondern um das Gesamtpaket "passende Geo", was man nmM nicht vergessen sollte.
 

garbel

Einer von den Gelben
Dabei seit
31. August 2004
Punkte Reaktionen
1.870
Soweit ich weiß gibt es den Artikel leider nicht frei erhältlich. Ich hoffe, dass mein recht langes (übersetztes) Zitat daher noch o.k. ist :) Man kann aber die Ausgabe durchaus noch bestellen. Einen anderen Artikel zum optimalen Luftdruck abhängig vom Körpergewicht, kann man allerdings frei als PDF bekommen. Der Artikel geht allerdings nicht in erster Linie auf MTB, sondern Randoneur und Co. ein, aber ist trotzdem durchaus lesenswert.

Merci. Deckt sich ziemlich mit meinen Erfahrungen. Fahre am Rennrad mit 28 mm Bereifung vorne 5.5 und hinten 6 Bar. Systemgewicht müßte so knapp 110 kg sein.
 
Oben