innovativ gleich Teuer - oder eher umgekehrt?

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der Pott kocht
Heute während einer Wanderung hatte ich eine kleine Diskussion. Es ging unter Anderem um die Veränderungen des Rennsteiglaufs (eine Laufveranstaltung am Rennsteig mit inzwischen 35 Jahren Tradition), sowie um die enormen Kostensteigerungen ausgelöst durch die diversen Eventagenturen …
(ich selbst bin den Langen mehrfach gelaufen, bestes Ergebnis war der 14. Platz der Gesamtwertung)

Hintergrund: Ich empfinde die Veränderungen z.B. beim Rennsteiglauf als negativ, da ein „Kultlauf“ zu einem angepassten „Massenevent“ verunstaltet wurde …
Dann wies ich darauf hin, dass ich gerne die „Trans-Germany Tour“ fahren würde, aber nicht einsehen kann, für eine derartige Veranstaltung über 500,-- Euro lediglich für Startgeld berappen zu müssen, sowie zusätzlich für die Übernachtungskosten auch noch selbst aufkommen müsste.

Meine Frau meinte darauf hin: „Sei doch mal ein wenig innovativ. Du bist doch sonst so zukunftsorientiert eingestellt … Versuch doch einfach einmal selbst so etwas zu organisieren, wie würdest Du das denn angehen wollen?“.

Ich erwiderte: „Ich kann diesen Veranstaltungen nichts, aber absolut gar nichts innovatives abgewinnen. Was ist innovativ daran, wenn man versucht Alles identisch zu organisieren. Jeder Veranstaltung den gleichen Eventcharakter aufstempelt und immer nur auf Werbung, Komfort und Medienwirksamkeit schielt und dadurch automatisch die Kosten in die Höhe puscht? Der Rennsteiglauf z.B. war innovativ - ganz klar. Er war innovativ, weil er anders war, als das sonstige Einerlei an durchorganisierten Laufveranstaltungen. Vielleicht nicht für die Ossi’s, aber allemale für die Wessi’s. Denn der Rennsteiglauf (Jahre ist es her…) zeigte uns wieder, worauf es beim Laufen ankommt. Back to the roots …

Natürlich nur ein Beispiel für Innovation. Natürlich ist Innovation nicht gleichzusetzen mit Nostalgie, es gibt auch andere wenige gute Beispiele für Innvovation, bei denen Eventorganisationen die Finger drin hatten. Mir scheint jedoch, dass die weniger "prof." durchorgansierten Veranstaltungen seltsamerweise auch die innovativeren zu sein scheinen.

Und ebenso könnte ich mir eine organiserte Alpen- oder Mittelgebirgsquerung vorstellen, welche mit weitaus weniger Kosten auskommt, dafür allerdings auf komfortable Unterkünfte, sowie Medienpräsenz verzichtet. Und überhaupt – Gepäcktransport bei einer solchen Tour ist eh’ nur was für Weicheier – also noch einmal ein paar Euro’s gespart. Übernachtet wird in einfachsten Quartieren, notfalls auf Isomatten in irgendeiner Schutzhütte, oder einer Scheune und das isotonische Pulver nimmt man sich schön selbst mit, zum selbstmischen …

Das wäre nicht nur eine wirkliche Alternative zu diesen Eventmassenveranstaltungen, nein icht könnte mir gut vorstellen, dass derartige Veranstaltungen die unterschiedlichsten „Schichten“ für ein paar Tage zusammenschmieden könnten. Die oberen Zehntausend lernen endlich wieder einmal kennen, wies man sich als Mensch so fühlt – und selbst die Harz IV-Empfänger stünden nicht länger draußen vor … Selbst Rücktrittsversicherungen im Falle einer Arbeitslosigkeit wären nicht mehr notwendig (wie diese abartige Idee einiger Marathonevents), NEIN die könnten einfach mitmachen, obwohl Diese sonst eher am Rande stehen müssen …

Und wer jetzt denkt, man könne mit solchen Veranstaltungen die "Besserverdienenden" nicht "aktivieren" - ICH galube, da liegt ein Riesenirrtum vor! Eine Eventmanager, welcher so etwas annimmt, hat in meinen Augen seinen Beruf verfehlt. Wer ständig in einem derartigen technischem, und der Bequemlichkeit dienendem Überfluss lebt, der ist geradezu hungrig nach dieser "back to the roots" Erfahrung.

So etwas wäre für mich WIRKLICH innovativ, alles Andere ist doch inzwischen abgedroschener Standard.

Liege ich mit dieser Ansicht wirklich so verkehrt? --- Oder habe ich evtl. gar Jemanden dazu motiviert so etwas einmal zusammen zu organisieren – muss ja nicht gleich das erste Mal etwas ganz offizielles werden … ;-)


?????

siehe z.B. auch: http://www.bike-transgermany.de/ nett gedacht, sicher auch nett gemacht - aber wieso wieder derart aufwendig und teuer organsiert? :-/
 
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