Lythande schrieb:
ich möchte nur mal kurz anmerken, dass sich bald kein Raucher mehr trauen wird, an dieser Umfrage teilzunehmen.
Hallo Sanne,
sehr wichtig und richtig, was Du schreibst. Ich habe 20 Jahre geraucht. Ein Hauptgrund, mit dem Rauchen aufzuhören war für mich, dass die gesellschaftliche Ausgrenzung mich genervt hat. Immer öfter ist es mir passiert, dass ich in Meetings einfach "vergessen" wurde. Nach drei oder vier Stunden ohne Zigarette ging ich dann auf dem Zahnfleisch.
Raucher müssen sich heute mit den letzten beiden anderen Rauchern in zugige Winkel stellen, bei uns ist im ganzen Gebäude Rauchverbot.
Rauchen auf Flügen? Das war mal.
Demnächst kein Rauchen mehr im Restaurant, dann auf öffentlichen Plätzen.
Ganz und gar zynisch finde ich die Bestrebungen, die Zigaretten künstlich zu verteuern damit eine "Abschreckung" davon ausgeht.
In Wirklichkeit werden Raucher heutzutage gegängelt und schikaniert, und das wird immer schlimmer.
Ich habe zu einer Zeit mit dem Rauchen angefangen, da es noch als cool galt. Irgendwie geil, das Ritual und auf dem Schulhof mit den anderen Rauchern zusammen stehen. Oder ins Cafe gehen.
Irgendwann war ich der einzige Raucher. Klar hab ich Rücksicht genommen. Soviel Rücksicht, dass ich mir in der Kälte mit meiner durchs Rauchen angeschlagenen Gesundheit direkt eine Erkältung beim Rauchen geholt habe.
Habe ich mittags eine Zigarette rauchen wollen, habe ich immer Rücksicht genommen, erst auf die, die noch essen, dann auf die, die selber nicht rauchen, also weggedreht und ganz "flach" geraucht und den Qualm auch noch betont weggepustet, wenn Du verstehst, was ich damit sagen will...
Schwangere im Raum? Ogott, schnell raus. Kinder? Und stinke ich wirklich? ich glaube, Raucher sind mometan in einer schizophrenen Situation: Der Körper verlangt regelmäßig Nikotin, die Gesellschaft und das eigene Unterbewusstsein arbeiten dagenen.
Es wurde immer schlimmer, zur Sucht zu stehen. Das "Ich rauche gern", zunächst noch trotzig vor mir hergetragen; irgendwann musste ich mir eingestehen, dass das nicht (mehr) stimmte. Die Sucht hat die Erfüllung gesucht und nicht der Genuss.
Ich habe vor etwas mehr als sieben Monaten mit dem Rauchen aufgehört und bin sehr stolz drauf. Die Rückfallquote liegt bei rund 90%, was man so liest.
Heute weiss ich, dass ich durch das "Absetzen der Zigarette" nur gewonnen habe, und zwar reichlich. Ich fühle mich gesundheitlich deutlich besser, habe jetzt mehr Zeit und mehr Geld.
Insgeheim wissen wir beide doch, dass Ausdauersport und Rauchen sich nicht gut vertragen, wenn das Rauchen bei Deinem Mann unterbleiben würde, wäre der eben NOCH schneller.
Ich finde, dass Du recht hast, wenn Du anprangerst, dass hier Leute, die noch nie geraucht haben und obendrein über so erschreckend wenig Lebenserfahrung verfügen, sich so weit aus dem Fenster lehnen und von "Dummheit" sprechen usw.
Suchtentwöhnung ist schwierig und es liegt im Charakter der Sucht, dass man unfrei ist, es einfach sein zu lassen. Es ist sicherlich keine Auszeichnung süchtig zu sein und damit meine ich alles, was unfrei macht also auch Alkohol, nen Joint oder irgendwelche Pillen.
Ich bin sicher, dass ein überwiegender Prozentsatz der Raucher liebend gerne aufhören würde.
Liebe Grüße
Michael