Mag sein, dass sich das mit der Zeit heraus kristallisiert hat. Ich vergleiche das jetzt mit der nahen Zukunft. Gut, man könnte auch sagen, dass das Spezialistentum wie die 32" Sache, die Spitze noch kleiner macht. Irgendwie ein schwieriges Thema...
Der wird sich im Vorfeld schon bewusst sein, dass er keine Chance hat. Die Frage ist auch hier, was ist das persönliche Ziel?
Ich müsste jeweils konkreter hinweisen, dass ich strikte zwischen Freizeit und Berufssport unterscheide. Ich bin z.B. ein alter Sack in der +/- 100kg Liga. Ich versuche im Rahmen meiner Möglichkeiten besser zu werden. Diesen Ehrgeiz habe ich durchaus. Nur vergleiche ich mich nicht mit 95% aller anderen Biker, die ich so treffe. Da stehe ich auf verlorenem Posten und das ist auch in Ordnung (auch wenn es bisweilen beisst, das lässt sich nicht immer vermeiden). Nur mein primäres Ziel ist es einen schönen, unfallfreien Tag mit einem Bike zu erleben, welches mir auch optisch gefällt; das sage ich immer wieder. Deshalb geht mir 32" am Gesäss vorbei. Auch schmunzle ich teilweise, wenn von 0.001% besserem Überrollverhalten geschwärmt wird. Ich denke, der Hauptteil der Freizeitfahrer habt genug andere Stellknöpfe, die sich verbessern lassen. Nur wer glaubt, in Zukunft nicht unter 32" fahren zu können; nur zu, ich spreche das niemandem ab.
Wenn hingegen eine Sina Frei mit 150cm Körpergrösse durch Talent, Können und Fleiss in der Weltspitze mitmischt und auf einmal durch den 32" Zwang - ich nenne das mal so, obwohl nichts entschieden ist - plötzlich ins Hintertreffen gerät, glaube ich schon, dass sie sich die entsprechenden Gedanken macht. Das sind ganz andere Überlegungen als bei einer reinen Freizeitfahrerin.
Im Jahr 2003 wurde Gary Fisher, der Namensgeber des Mountainbikes, von der UCI nach Genf eingeladen, um über 29-Zoll-Bikes zu sprechen. Gary hatte nicht auf die offizielle Genehmigung der UCI gewartet, sondern war bereits Prototypen aus Stahl gefahren und wusste, was er erlebte. Für das Modelljahr 2002 brachte er als einer der ersten Hersteller 29-Zoll-Bikes auf den Markt – zwei Hardtails und zwei Fullys –, jeweils mit exklusiv von Marzocchi gefertigten Federgabeln.
Gary bat mich, ihm bei der Vorbereitung der Argumente zu helfen. Ich habe ihm einiges gesagt, aber einer der wichtigsten Punkte, auf den er die UCI drängte, war, dass man mit 29-Zoll-Rädern weniger Stürze hat. Jeder, der schon mal 26-Zoll-Räder auf denselben Strecken wie 29-Zoll-Räder gefahren ist, weiß das. Soweit ich weiß, war die verbesserte Sicherheit und Fairness gegenüber größeren Fahrern ein Hauptgrund dafür, dass die maximale Laufradgröße 2004 von 26 auf 29 Zoll erhöht wurde. Irgendwann scheint diese Obergrenze aufgehoben worden zu sein, aber ich habe nicht herausgefunden, wie es dazu kam. Ich persönlich habe den Verantwortlichen bei der UCI gedrängt, die Regeln genauer und präziser zu formulieren, aber alles, was sie taten, war, „26“ für 2004 in „29“ zu ändern.
Anfänger: Leiht euch ein 26-Zoll-Rad, aber tragt unbedingt einen Integralhelm und Schutzkleidung! Gary Fisher wurde von der restlichen Branche wegen seiner „Genesis“-Geometrie belächelt: längere Oberrohre und kürzere Vorbauten. Die Geschichte sieht ihn in dieser Hinsicht heute sehr positiv, aber die Branche vergisst schnell.
Wenn du (wie ich) um die 100 kg wiegst, dir aber das Aussehen deines Fahrrads sehr wichtig ist, dann ist dein Fahrgefühl ganz anders als meines. Mir ist das Aussehen meines Fahrrads und mir so egal, dass ich mit erhobenem Mittelfinger herumfahren würde, wenn ich ihn nicht bräuchte, um auf dem Rad zu bleiben.
Als 29-Zoll-Räder aufkamen, nannten die Kritiker sie hässlich, nutzlos und einen unfairen Vorteil. Oft alles in einem Atemzug.
Durchschnittliche Radfahrer, besonders wir Europäer, sind in Sachen Fahrräder konservativer als ein schwer autistischer Greis. Vielleicht wurde deshalb die optimale Laufradgröße für die meisten erwachsenen Radfahrer von einem Einradfahrer erfunden und realisiert.