Da laut Pressemitteilung bereits Gespräche mit dem Betriebsrat geführt wurden, ist dieser verpflichtet, die Mitarbeiter über die wesentlichen Inhalte zu informieren. Dies kann durch eine außerordentliche Betriebsversammlung erfolgen, die der Betriebsrat auch unter Ausschluss der Geschäftsführung und der leitenden Angestellten durchführen kann. Ist dies zeitlich nicht möglich, ist zumindest eine interne Mitarbeiterinformation erforderlich. Zudem muss der Wirtschaftsausschuss als gesetzlich vorgesehenes Gremium frühzeitig und umfassend über die wirtschaftlichen Hintergründe, insbesondere einen geplanten Stellenabbau, informiert werden müssen.
Mit Verlaub, aber Deine Kenntnis über die realen Abläufe bei sozialplanpflichtigen Massenentlassungen (bei den hier angegebenen Größenordnungen ist Sozialplanpflicht gegeben) ist realitätsfremd.
Gespräche mit dem/den Betriebsrät(en) unterliegen grundsätzlich der Vertraulichkeit. Bei Veröffentlichung solcher Fakten macht sich ein Betriebsrat strafbar. Der Kündigungsschutz für Betriebsräte gilt nur für betriebsbedingte Kündigungen. Verhaltensbedingt, auch bei derartigen Verstößen speziell im Amt als Betriebsrat, kann man ziemlich problemlos gekündigt werden (und wird es auch).
Wenn die Zusammenarbeit funktioniert, informiert die Geschäftsleitung vorab vertraulich den Betriebsrat. Wenn es gut läuft, weiß der Betriebsrat vielleicht 1 oder 2 Tage vorher, das da "etwas Größeres kommt", aber keine Details. Da lädt niemand vor der öffentlichen Bekanntgabe zu einer Betriebsversammlung ein...
(K. A. wie das bei Canyon ist, wahrscheinlich ist der alte-neue Chef jetzt nicht so erfahren mit Mitarbeiter-Vertretung, das lief ja sehr lange Zeit ohne Betriebsrat und ohne Gewerkschaft.)
Im Wirtschaftsausschuss erfährt man kaum mehr, als wir hier im Forum zu den allg. Zahlen Umsatz usw. rausgefunden haben. Vielleicht noch auf die willkürlich definierten "Profit-Center" runtergebrochen, und zur Erklärung genauso viel Konkretes wie der Chef hier im Interview ausgeführt hat: Wir müssen agil werden, Zukunft, bla-bla.
In der Pressemitteilung stand auch nur,: "Canyon hat den Betriebsrat bereits informiert und die Gespräche aufgenommen." Das kann auch einfach nur heißen, dass der Betriebsrat diese Information 30 Minuten vor Veröffentlichung in Kopie auf dem Tisch hatte.
Davon abgesehen hat Canyon m. W. seit einiger Zeit einen Haustarif innerhalb IG Metall-Flächentarif, da sitzt dann sowieso unmittelbar der Gewerkschaftssekretär mit am Tisch.