Abstimmung Federgabel für´s Umsetzen

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Ich wollte nur mal die Spitzkehren-Umsetzprofis nach persönlichen Vorlieben bei der Gabelabstimmung abfragen und lernen.
Letztendlich wird es immer ein Kompromiss sein, aber welcher ist der beste? Entweder die Gabel rauscht durch, wenn ich im steilen die Bremse ziehe und das Gewicht auf den Lenker bringe oder ich stelle sie auf Gegenhalt ein (mehr LSC, Luftdruck, Tokens) und sie wird unsensibel bzw. geht die Federwegausnutzung gen 70%. Neue Gadgets wie wieder AWK oder Luftfusion wollte ich erstmal nicht bemühen, sondern das beste aus den Gabeln (bei mir ZEB, Lyrik 170mm) rausholen.
Wie geht ihr mit den Einstellungen um? SAG bzw. Druck, mehr oder weniger Tokens, LSC, HSC ...
 
@KäptnFR seinerzeit schwor ja auf Gabeln mit einfacher Motion Control zwecks zudrehen, bei super softer Feder und wenig Rebound. Wer kann der kann.

Meine Gabeln rauschen nie durch (seit ich Grip und MoCo verbannt habe), ich verstelle auch nix, ganz normale 34 bzw 38 Grip2 bzw Pike Charger RCT mit gut Druck nach Herstellerempfehlung - bin zwar nie Spitzkehren Fan gewesen, aber ist ja an Steilstufen Geblocker nicht anders.

Tokens bewirken ja eher das Gegenteil.
 
EIne ZEB ist ja jetzt auch keine Gabel, wo der Hersteller sich Leute beim Spitzkehrenumsetzen vorgestellt hat. Klar will man möglichst ein Rad oder eine Gabel für alles nutzen, aber es ist nunmal ein Enduroballermann. Ich habe mich bei meiner ZEB einfach an die Menge an wegsacken gewöhnt, worauf hin man sich halt einfach geisteskrank nach vorne werfen muss, damit die schwere Bude hochkommt. Aber geil ist das nicht, auch wenn man sie straffer abstimmt. (Finde ich).

Bei meiner Lyrik vorher war das bissl besser, bei der Pike am Mini-Trailbike isses richtig gut. Aber das hat "nur" 150 mm.

Ich bin auch einstellfaul... Wird net viel rumgedreht, außer es ist sehr kalt vs. sehr warm.

EDIT: Fahre die ZEB aber auf 15% SAG, da die mir sonst in Finale auf schnellen harten Strecken zu schwabbelig ist. Auf allen anderen leichtern/langsameren Strecken ist die dann aber recht straff..
 
Ich persönlich fahre mit regulärem Luftdruck, weil ich sowohl techn. als auch "normale" Strecken fahre. Für Anpassungen bin ich zu faul.
Wenn du dein Fahrwerk auf techn. Strecken optimieren möchtest, würde ich persönlich mehr Luftdruck fahren. Die mangelnde Federwegsnutzung ist dann ja gewollt.
 
Vorher Yari, Lyrik und letzte Saison die ZEB im technisch/verblockten Steilem (z. B. Lagotrails/-downhills) mit mehr Druck, als auf den üblichen Parkstrecken. Hab quasi im Laufe der Zeit zwei Drücke herausgefahren, mit denen ich je nach Strecke für mich gut zurecht komme.

Fahre gerne komfortable Fahrwerke und erhöhe dann bei Bedarf den Druck, da ich die meiste Zeit weit unter der TrailHead-Empfehlung unterwegs bin. Ist ja gleich angepasst. Bin die ZEB die letzte Zeit ohne Token gefahren.

Ein gewisses Entauchen wird sich aber nur schwer verhindern lassen. Dem versuche ich durch Übung und dementsprechende Position/Gewichtsverteilung im Bike entgegenzuwirken.
 
... ich neige auch dazu, die Gabel so zu lassen wie sie ist, wenn ich erstmal den optimalen Kompromiss gefunden habe.
Weniger SAG, mehr Luftdruck ist schonmal gut. Wobei ich bei Steilstufen u.ä. fahren schon einen Unterschied in der Arbeit der Gabel sehe als beim (teils statischem) Umsetzen.

Tokens bewirken ja eher das Gegenteil.
Sorry für das Kurzzitat, aber guter Ansatz zum Nachdenken ...
Wenn ich im steilen Gelände beim Umsetzen kurz VR Bremse ziehe und dann noch gleichzeitig "dynamisch" das Gewicht über den Lenker verlagere, gibt die Gabel dem Brems- und Gewichtsdruck nach, und mE nicht linear, sondern je tiefer sie geht und je mehr ich mit dem Körpergewicht im Steilen von oben einwirke, desto schneller. Dem müsste man doch mit Tokens besser entgegenwirken können, als mit einer Erhöhung Luftdruck? Ich meine, gerade beim Umsetzen ist mehr Endprogression erforderlich?
(super wäre jetzt selbst ausprobieren, aber hier ist das Wetter seit Wochen dermaßen beschi..en)
 
Es wird ja immer vom "Gegenhalt im mittleren Federweg" gesprochen, da braucht es keine Endprogression ( meine 34 - noch mit Grip- rauschte an der ersten Steilstufe unkontrolliert durch, trotz ordentlich Druck - mit Grip2 ist das nicht mehr so, also effektive Lowspeeddämpfung ist natürlich Pflicht).

Wenn du die Endprogression bei einer ZEB schon bei Stufen und Stoppies erreichst, was machst du dann bei Drops?
Bei meiner 38 habe ich nur 1 Token, und fast nie erreiche ich den vollen Federweg, da ich zu langsam und zu feige für große Drops bin. Aber mit weniger Druck wird sie einfach zu schwabbelig.
 
Ich denke, beim Umsetzen kann die Dämpfung zwar das Abtauchen der Gabel verlangsamen, aber nicht verhindern- dafür dauert der Umsetzvorgang zu lange.
Das Abtauschen verhindert nur mehr Druck, und zwar zeitlich unabhängig.

Wenn es rein ums Umsetzen in wirklich steilem Gelände geht, dann würde ich den Druck erhöhen.
Nur um hier und da zwischendurch mal umzusetzetn, würde ich einen Kompromiss aus Druck und Dämpfung eingehen.
 
Weniger SAG, mehr Luftdruck ist schonmal gut.
Genau das. Und Federung nur zwei Klicks auf.
Fox ist bei mir immer durchgerauscht, RS macht sich da besser. Mehr Tokens helfen nur bedingt. Es kommt schnell der Punkt, wo die Gabel hölzern wird.
Der Grat zwischen abtauchen und zu hart ist recht gering. Da muß man viel testen. Manchmal auch einfach eine andere Gabel.
 
Genau das. Und Federung nur zwei Klicks auf.
Fox ist bei mir immer durchgerauscht, RS macht sich da besser. Mehr Tokens helfen nur bedingt. Es kommt schnell der Punkt, wo die Gabel hölzern wird.
Der Grat zwischen abtauchen und zu hart ist recht gering. Da muß man viel testen. Manchmal auch einfach eine andere Gabel.
Federung 2 Klicks:rolleyes:
 
Super, danke. Ich muss auf meiner "Referenzstrecke" testen, hilft ja nichts ;-)
Nehme die Lyrik, da ich die bei meinen 75kg und Einsatzgebiet eher als zukünftige Gabel sehe. In der ist werksmäßig ein Token verbaut. Dachte dann zur besseren Vergleichbarkeit an zwei "Extrem"szenarien mit je LSC fast zu; LSR Mitte:
  • ohne Token, Druck hoch bis SAG ca. 15%
  • 2 Token rein, Druck runter bis SAG ca. 25%
Mal schauen, welches Setup grundsätzlich eher in meine Richtung geht (bzgl. Durchrauschen/Gegenhalt in der Mitte, Progression mit Restfederweg, Sensibilität ...) - dann kann ich ein Zwischenmaß finden.
 
... als kleines Feedback - konnte heute beide Setups ausprobieren.

1) 2 Token, 25% SAG:
Vorteile:
  • komfortabel bei kleinen Stößen
  • viel Gegenhalt schon im mittleren Federweg
  • Umsetzen sehr leicht, gleichmäßig und präzise, absolut kontrolliert möglich, insbesondere wenn´s steiler wird
Nachteile:
  • ab 2/3 des Federwegs fährt man wie gegen eine Wand, sehr schnelle und harte Progession
  • schlechte Federwegsnutzung
  • sehr unkomfortabel bei schnellen Schlägen
  • sehr unharmonisch zum Dämpfer

2) Ohne Token, 15% SAG:
Vorteile:
  • steht anfangs höher im Federweg, aufrechtere Sitzposition
  • linearer Federweg, komfortabler bei härteren Schlägen
  • "schluckfreudiger"
  • gute Federwegsnutzung
  • sehr ausgeglichenes Fahrwerk vorne und hinten
Nachteile:
  • unkomfortabel bei kleinen Stößen
  • rauscht schneller durch den Federweg
  • schwammiges, unkontrollierteres Umsetzen

Mist. Umsetzen ist mit den beiden Token ein Traum. Aber ansonsten wird dem Tarvo dadurch zu viel von den Enduroqualitäten genommen, besonders die hohe Progression recht früh im Federweg ist spaßfrei.

Ich werde mich also an einen Kompromiss rantasten müssen, setze erstmal wieder einen halben Token rein und spiele mit dem Luftdruck.
 
Und bei Variante 2 mal etwas mehr LSC versucht? Kenne mich bei RS aber nicht so aus. Grip2 rauscht bei mir nicht durch, trotz LSC recht offen.
 
Zur besseren Vergleichbarkeit hatte ich die LSC jeweils eh nur 1 Klick offen.
Der Begriff des Durchrauschens ist auch interpretationsfähig. Ich verwende ihn, wenn ich beim Umsetzen 3/5 bis 3/4 des Federwegs verbrauche.
Ohne die Token ging das ganz fix.
 
Zur besseren Vergleichbarkeit hatte ich die LSC jeweils eh nur 1 Klick offen.
Der Begriff des Durchrauschens ist auch interpretationsfähig. Ich verwende ihn, wenn ich beim Umsetzen 3/5 bis 3/4 des Federwegs verbrauche.
Ohne die Token ging das ganz fix.
Ja, kam da nur drauf weil meine 34 als Grip sich so verhielt - nach Umbau auf Grip2 aber nicht mehr.
Aber wie gesagt, die Eigenheiten der RS Gabeln sind mir unbekannt.
 
Ich werfe mal AWK in den Raum. Sehr guter Gegenhalt und trotzdem feinfühlig genug wenn man das z.B. mit einem MST Tuning kombiniert.
 
Ich werfe mal AWK in den Raum. Sehr guter Gegenhalt und trotzdem feinfühlig genug wenn man das z.B. mit einem MST Tuning kombiniert.
... siehe meinen Eingangspost. Ich wollte erstmal so schauen, was die Gabel bzgl. Umsetzen kann. Wenn, dann würde ich eher mal die Luftfusion anstatt AWK probieren.
In der Dämpferseite der Lyrik ist schon der MST-Racekolben drin. ZEB ist noch original.
Die AWK habe ich in der alten Pike. Zum Umsetzen war die schon nicht schlecht. Mal schauen, jetzt spiel ich so erstmal noch etwas ...
 
... siehe meinen Eingangspost. Ich wollte erstmal so schauen, was die Gabel bzgl. Umsetzen kann. Wenn, dann würde ich eher mal die Luftfusion anstatt AWK probieren.
In der Dämpferseite der Lyrik ist schon der MST-Racekolben drin. ZEB ist noch original.
Die AWK habe ich in der alten Pike. Zum Umsetzen war die schon nicht schlecht. Mal schauen, jetzt spiel ich so erstmal noch etwas ...
Ahh, mea culpa. Da hab ich nur nachlässig drübergelesen...
Ohne die Luftfusion schonmal gefahren zu sein, denke ich der Gegenhalt wäre mit der AWK besser.
Bin gespannt auf deine Testergebnisse mit den Anpassungen der normalen Parameter wie Luftdruck, klicks + Token.
Ich wäre da eher bei meiner vorgeschlagenen Lösung, von der ich aus eigener Erfahrung weiss das sie verschiedene Probleme zuverlässig neutralisiert. Bin da mittlerweile nicht mehr so experimentierfreudig...
 
Mist. Umsetzen ist mit den beiden Token ein Traum. Aber ansonsten wird dem Tarvo dadurch zu viel von den Enduroqualitäten genommen, besonders die hohe Progression recht früh im Federweg ist spaßfrei.
Du kannst mal die Neopos probieren. Das sind die Volumenspacer von Formula, die durch die Schaumstruktur ein anderes Verhalten haben als die Plastikdinger der anderen Gabelhersteller.
 
Ich wollte nur mal die Spitzkehren-Umsetzprofis nach persönlichen Vorlieben bei der Gabelabstimmung abfragen und lernen.
Letztendlich wird es immer ein Kompromiss sein, aber welcher ist der beste? Entweder die Gabel rauscht durch, wenn ich im steilen die Bremse ziehe und das Gewicht auf den Lenker bringe oder ich stelle sie auf Gegenhalt ein (mehr LSC, Luftdruck, Tokens) und sie wird unsensibel bzw. geht die Federwegausnutzung gen 70%. Neue Gadgets wie wieder AWK oder Luftfusion wollte ich erstmal nicht bemühen, sondern das beste aus den Gabeln (bei mir ZEB, Lyrik 170mm) rausholen.
Wie geht ihr mit den Einstellungen um? SAG bzw. Druck, mehr oder weniger Tokens, LSC, HSC ...
Vielleicht noch ein paar grundsätzliche Gedanken für dich, damit du die schon genannten, im Wesentlichen auch sinnvollen Anregungen meiner Vorposter besser einschätzen kannst.

Zunächst mal, die Abstimmung eines Federelements ist immer das Zusammenspiel von Federung und Dämpfung, es ist aber dabei zu bedenken, dass beide auf komplett unterschiedlichen Grundlagen fußen. Federung basiert auf einer Lage-abhängigen Kraft, Dämpfung auf einer geschwindigkeitsabhängigen Kraft (und zwar Geschwindigkeit des Kolbens im Federelement, nicht der Fahrrads!). In Grundposition wirkt also stets eine Federkraft, aber nie eine Dämpfungskraft.

Dann gilt zu bedenken, dass man sein Rad zweckmäßig im Ebenen einstellt. Eigentlich stellst du dein Rad aber für die jeweiligen Grundpositionen ein, das heißt beim MTB hinsichtlich Sattel oftmals bergauf und hinsichtlich Federung und Griffposition bergab. Warum gibt es die Faustregel Sag an der Gabel 20% und Sag am Hinterbau 30%? Weil in der Ebene, wenn du auf deinen Pedalen stehst, die Gewichtsverteilung irgendwo bei 35-40% am Vorderrad und 60-65% am Hinterrad ist (Verhältnis FC/RC). Wenn du aber im normalen Bergab-Terrain bist (10-20 Grad Neigung), dann verschiebt sich die Gewichtsverteilung, wenn du auf deinen Pedalen stehst (weil einerseits das Tretlager gegenüber dem Boden=Aufstandspunkte der Räder erhöht ist und andererseits der Aufstandspunkt des Reifens nicht mehr vertikal unter der Achse ist) und es nähert sich (im Idealfall) einer Gleichbelastung der Räder an. Mit deiner Sag-Einstellung nach Faustregel aus der Ebene hast du dann auch im normalen Bergab-Fahrbetrieb eine gleichmäßige Vorspannung (=Sag) deiner Federelemente vorne und hinten, was man ja auch für ein ausgewogenes Fahrwerk haben will.

Wenn du nun im Schnitt steiler bergab fährst, was beim Stolpern, und darunter fallen Nosepress Turns ja häufig, oft der Fall ist, solltest du das beim Einstellen des Rads in der Ebene bedenken. Sprich einerseits solltest du deinen Lenker höher setzen (Wechselwirkungen von üblichen Maßen bei Lenkern und Vorbauten auf die tatsächliche Griffposition ist nochmal ein Thema für sich), um zu vermeiden, dass du zu viel Gewicht auf deine Hände bekommst (für die Gewichtsverteilung vom Lenker zu Vorderrad und Hinterrad gilt dasselbe wie für die Pedale bei unterschiedlichen Neigungen, nur sehr viel stärker, weil die Griffe viel höher sind). Andererseits solltest du aber von der üblichen Sag-Faustregel beim Einstellen in der Ebene abweichen, weil es sich beim steiler bergab Fahren gar nicht vermeiden lässt, dass du mehr Gewicht am Vorderrad hast als am Hinterrad, selbst in normaler Grundposition beim Fahren im steileren Gelände. Beim Nosepress gilt das natürlich sowieso.

Worauf will ich damit hinaus? In Szenarien, wo Nosepresses oftmals wirklich relevant werden, hat man allein aus grundsätzlichen Überlegungen an der Gabel schon eine härtere Feder (= weniger Sag). Wenn du das noch nicht hast, solltest du für Nosepress-Terrain eh darüber nachdenken, unabhängig ob du jetzt am Hinterrad-Versetzen arbeitest oder nicht. Andererseits würde ich für Nosepresses (auch nicht fürs Lernen) meine Federelemente jetzt nicht anders einstellen als sonst auch fürs jeweilige Terrain, denn Federelemente sollten ihre Kernaufgabe gut erfüllen und dafür sollten sie gut eingestellt sein (dass die Einstellung je nach Anwendungsfall ganz unterschiedlich sein können, ist wieder ein anderes Thema).

Abschließend noch zwei Bemerkungen, einmal zur Federkennlinie und einmal zu Dämpfung:

Hinsichtlich Federkennlinie (Stichwort Token) tendieren die meisten dazu, im steileren Terrain eher eine lineare Kennlinie zu bevorzugen (deshalb auch oft Doppelkammersysteme, wenn Luftfeder). Das hat den Grund, dass man einerseits in Grundposition im Steilen weniger Geometrieveränderung hat (mehr Gegenhalt am Federwegsbeginn) und man andererseits den Federweg besser nutzen kann. Du wirst den Federweg beim Stolpern in einem sinnvollen Setup eher weniger ausreizen als beim normalen Fahren, weil beim Stolpern eher seltener sehr dynamische Belastungen vorkommen. Wenn sie aber vorkommen, will man jedenfalls genug Reserven haben, weil das oft eine kritische Situation ist. Sprich man fährt mehr im mittleren Federwegsbereich und dort funktioniert dann eine lineare Feder besser, weil stark progressive Federn (=kleine Luftkammer, also viele Token) in der Mitte viel Weg machen, ohne viel zu bewirken (ist sehr komfortabel bei zügiger Fahrt in rüttligem Gelände, also für viele Normalfahrer gut). Bei Nosepresses natürlich dasselbe, man hat eine Belastung, aber keine extreme Belastung, daher will man im mittleren Federweg guten Gegenhalt. Passt aber zu Charakteristik für Terrain, wo man Nosepresses üblicherweise anwendet, sprich es braucht dafür eigentlich keine besondere Abstimmung, sondern die „normale“ Abstimmung für diesen Anwendungsfall passt. (Kurz: wenig Token, höherer Luftdruck)

Hinsichtlich Dämpfung gilt fürs Hinterradversetzen und allgemein fürs Fahren in Terrain, wo man Nosepresses häufig anwendet, dass (wie hinsichtlich der Federkennlinie schon festgestellt) sehr dynamische Schläge eher selten sind und - genauso wie eine volle Ausnutzung des Federwegs entsprechend auch die Beanspruchung der HSC weniger oft vorkommt, wodurch deren Abstimmung etwas in der Hintergrund rückt (ich würde in dem Fall die HSC, so denn einstellbar, hinsichtlich Durchschlagschutz einstellen - wenn man so will, kann sie hier die Aufgabe von Token übernehmen). Was die LSC betrifft, besteht häufig der Irrtum, dass diese einem Abtauchen entgegenwirken könnte. In gewissem Maße beim Rollen über Absätze mag das stimmen, in Grundposition aber ganz sicher nicht (es gibt dann ja keine Bewegung des Dämpferkolbens, also auch keine Dämpferkraft) und auch wenn Gewichtsverlagerungen länger dauern, wie häufig bei langsam gefahrenen Absätzen oder eben auch Nosepresses, stellt sich bereits ein neues Gleichgewicht ein, wo die Dämpfung nicht mehr wirkt. (Es bleibt der Ausgleich hier vorrangig die Aufgabe der Feder.) Nichtsdestotrotz will man beim Stolpern, genauso wie für Nosepresses oder auch fürs Springen, oft ein relativ direktes Reagieren auf Fahrerinput, deshalb wird man die LSC nicht zu offen fahren in entsprechendem Terrain. Trotzdem will man natürlich, dass kleinere Schläge/Unebenheiten gut ausgeglichen werden, um den Grip hochzuhalten. Deshalb die LSC keinesfalls zu sehr zumachen. Kommt natürlich immer auf das Federelement an, ich würde für diesen Anwendungsfall die LSC im mittleren Bereich mit Tendenz zu offen sehen und keinesfalls die LSC für Nosepresses komplett zudrehen wollen. In aller Regel sollte die Feder genug Gegenhalt bieten, sodass man hier nicht die LSC anders abstimmen muss, als man das fürs sonstige Fahren will. Wenn dir das Verhalten der Gabel speziell für Nosepresses nicht taugt, würde ich über die Feder anpassen, das dürfte dann auch fürs sonstige Fahren in Nosepress-Terrain hilfreich sein.

Disclaimer:
Wie eingangs gesagt, sind das grundsätzliche Überlegungen. Wie immer ist das Abstimmen des Fahrwerks sehr komplex (wenngleich auch insgesamt eher überschätzt, der Fahrer ist und bleibt wichtiger als das Fahrwerk). Wir wissen nicht, was du im Speziellen wo und wie fährst. Es können sich im Spezialfall jederzeit größere Abweichungen gegenüber grundsätzlichen Überlegungen ergeben.
 
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... als kleines Feedback - konnte heute beide Setups ausprobieren.

1) 2 Token, 25% SAG:
Vorteile:
  • komfortabel bei kleinen Stößen
  • viel Gegenhalt schon im mittleren Federweg
  • Umsetzen sehr leicht, gleichmäßig und präzise, absolut kontrolliert möglich, insbesondere wenn´s steiler wird
Nachteile:
  • ab 2/3 des Federwegs fährt man wie gegen eine Wand, sehr schnelle und harte Progession
  • schlechte Federwegsnutzung
  • sehr unkomfortabel bei schnellen Schlägen
  • sehr unharmonisch zum Dämpfer

2) Ohne Token, 15% SAG:
Vorteile:
  • steht anfangs höher im Federweg, aufrechtere Sitzposition
  • linearer Federweg, komfortabler bei härteren Schlägen
  • "schluckfreudiger"
  • gute Federwegsnutzung
  • sehr ausgeglichenes Fahrwerk vorne und hinten
Nachteile:
  • unkomfortabel bei kleinen Stößen
  • rauscht schneller durch den Federweg
  • schwammiges, unkontrollierteres Umsetzen

Mist. Umsetzen ist mit den beiden Token ein Traum. Aber ansonsten wird dem Tarvo dadurch zu viel von den Enduroqualitäten genommen, besonders die hohe Progression recht früh im Federweg ist spaßfrei.

Ich werde mich also an einen Kompromiss rantasten müssen, setze erstmal wieder einen halben Token rein und spiele mit dem Luftdruck.
Zu bedenken:
Im Fall eins fährst du ein Rad mit viel weniger Federweg. Einerseits hast du mit deutlich mehr Sag weniger Federweg, den du potentiell nutzen kannst, denn du fängst mit der Nutzung ja in Sag-Position an, wobei du bergab da sogar in Grundposition noch tiefer im Federweg bist, weil bergab mehr Belastung am Vorderrad ist. Sprich du hast wohl nur noch etwa zwei Drittel vom Federweg übrig. Andererseits wirst du mit mehr Token den Federweg bei wenig dynamischen Belastungen wie Hinterrad-Versetzen kaum ausnutzen. Es bleibt dann vielleicht noch gut die Hälfte vom nominellen Federweg, den du nutzt. Im Fall zwei ist das in beiden Richtungen deutlich weniger der Fall, da nutzt du wahrscheinlich eher drei Viertel vom nominellen Federweg. Sprich im Fall zwei bist du effektiv mit 50% mehr Federweg unterwegs als im Fall eins. Dass sich da deutliche Unterschiede ergeben, sollte nicht überraschen!

Umso mehr lohnt es sich, zu überlegen, was für ein Bike man für was nehmen will. Die eierlegende Wollmilchsau ist notgedrungen ein Kompromiss und weder ein Merinoschaf noch ein Angusrind. Dass man mit sehr verschiedenen Setups aus einem Rahmen dann doch sehr verschiedene, durchaus brauchbare Räder für ein großes Spektrum zaubern kann, ist etwas, das von Vorteil sein kann und eventuell Geld spart. Andererseits kommen die Setups nicht umsonst und sind mit Aufwand verbunden, einerseits jedes Mal beim Umbauen, aber andererseits auch initial beim Austüfteln.
 
Umso mehr lohnt es sich, zu überlegen, was für ein Bike man für was nehmen will. Die eierlegende Wollmilchsau ist notgedrungen ein Kompromiss und weder ein Merinoschaf noch ein Angusrind.
... das ist mein Grundproblem, ich möchte nur ein Rad, das für möglichst viel herhalten soll. Umsetzen (und dafür Nosepresses, um bei dem Ausdruck zu bleiben) ist mein Hauptspaß, betrifft unterm Strich aber nur vielleicht 10% der Trailabschnitte. Insofern darf ich jetzt knobeln, welche Setup-Tendenz ich verfolge. Der praktische Test - neben der Theorie - war da schon hilfreich. Insbesondere, nicht so sehr ob sich, sondern wie sich der Federweg nutzen lässt und was für Schlüsse ich auf die individuellen Einstellungen ziehen kann. Überraschend war die Erkenntnis für mich, dass Tokens (bzw. die resultierende frühe Progression) das Umsetzen so viel angenehmer machen, auch wenn diese im "restlichen" Fahrbetrieb nicht besonders hilfreich sind. Hier hatte ich gehofft, dass der Unterschied mit keinen Token, dafür weniger SAG, nicht so frappierend ist.
Danke für die Ausführungen!
 
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