Ich wollte nur mal die Spitzkehren-Umsetzprofis nach persönlichen Vorlieben bei der Gabelabstimmung abfragen und lernen.
Letztendlich wird es immer ein Kompromiss sein, aber welcher ist der beste? Entweder die Gabel rauscht durch, wenn ich im steilen die Bremse ziehe und das Gewicht auf den Lenker bringe oder ich stelle sie auf Gegenhalt ein (mehr LSC, Luftdruck, Tokens) und sie wird unsensibel bzw. geht die Federwegausnutzung gen 70%. Neue Gadgets wie wieder AWK oder Luftfusion wollte ich erstmal nicht bemühen, sondern das beste aus den Gabeln (bei mir ZEB, Lyrik 170mm) rausholen.
Wie geht ihr mit den Einstellungen um? SAG bzw. Druck, mehr oder weniger Tokens, LSC, HSC ...
Vielleicht noch ein paar grundsätzliche Gedanken für dich, damit du die schon genannten, im Wesentlichen auch sinnvollen Anregungen meiner Vorposter besser einschätzen kannst.
Zunächst mal, die Abstimmung eines Federelements ist immer das Zusammenspiel von Federung und Dämpfung, es ist aber dabei zu bedenken, dass beide auf komplett unterschiedlichen Grundlagen fußen. Federung basiert auf einer Lage-abhängigen Kraft, Dämpfung auf einer geschwindigkeitsabhängigen Kraft (und zwar Geschwindigkeit des Kolbens im Federelement, nicht der Fahrrads!). In Grundposition wirkt also stets eine Federkraft, aber nie eine Dämpfungskraft.
Dann gilt zu bedenken, dass man sein Rad zweckmäßig im Ebenen einstellt. Eigentlich stellst du dein Rad aber für die jeweiligen Grundpositionen ein, das heißt beim MTB hinsichtlich
Sattel oftmals bergauf und hinsichtlich Federung und Griffposition bergab. Warum gibt es die Faustregel Sag an der Gabel 20% und Sag am Hinterbau 30%? Weil in der Ebene, wenn du auf deinen Pedalen stehst, die Gewichtsverteilung irgendwo bei 35-40% am Vorderrad und 60-65% am Hinterrad ist (Verhältnis FC/RC). Wenn du aber im normalen Bergab-Terrain bist (10-20 Grad Neigung), dann verschiebt sich die Gewichtsverteilung, wenn du auf deinen Pedalen stehst (weil einerseits das Tretlager gegenüber dem Boden=Aufstandspunkte der Räder erhöht ist und andererseits der Aufstandspunkt des Reifens nicht mehr vertikal unter der Achse ist) und es nähert sich (im Idealfall) einer Gleichbelastung der Räder an. Mit deiner Sag-Einstellung nach Faustregel aus der Ebene hast du dann auch im normalen Bergab-Fahrbetrieb eine gleichmäßige Vorspannung (=Sag) deiner Federelemente vorne und hinten, was man ja auch für ein ausgewogenes Fahrwerk haben will.
Wenn du nun im Schnitt steiler bergab fährst, was beim Stolpern, und darunter fallen Nosepress Turns ja häufig, oft der Fall ist, solltest du das beim Einstellen des Rads in der Ebene bedenken. Sprich einerseits solltest du deinen Lenker höher setzen (Wechselwirkungen von üblichen Maßen bei Lenkern und Vorbauten auf die tatsächliche Griffposition ist nochmal ein Thema für sich), um zu vermeiden, dass du zu viel Gewicht auf deine Hände bekommst (für die Gewichtsverteilung vom Lenker zu Vorderrad und Hinterrad gilt dasselbe wie für die Pedale bei unterschiedlichen Neigungen, nur sehr viel stärker, weil die
Griffe viel höher sind). Andererseits solltest du aber von der üblichen Sag-Faustregel beim Einstellen in der Ebene abweichen, weil es sich beim steiler bergab Fahren gar nicht vermeiden lässt, dass du mehr Gewicht am Vorderrad hast als am Hinterrad, selbst in normaler Grundposition beim Fahren im steileren Gelände. Beim Nosepress gilt das natürlich sowieso.
Worauf will ich damit hinaus? In Szenarien, wo Nosepresses oftmals wirklich relevant werden, hat man allein aus grundsätzlichen Überlegungen an der Gabel schon eine härtere Feder (= weniger Sag). Wenn du das noch nicht hast, solltest du für Nosepress-Terrain eh darüber nachdenken, unabhängig ob du jetzt am Hinterrad-Versetzen arbeitest oder nicht. Andererseits würde ich für Nosepresses (auch nicht fürs Lernen) meine Federelemente jetzt nicht anders einstellen als sonst auch fürs jeweilige Terrain, denn Federelemente sollten ihre Kernaufgabe gut erfüllen und dafür sollten sie gut eingestellt sein (dass die Einstellung je nach Anwendungsfall ganz unterschiedlich sein können, ist wieder ein anderes Thema).
Abschließend noch zwei Bemerkungen, einmal zur Federkennlinie und einmal zu Dämpfung:
Hinsichtlich Federkennlinie (Stichwort Token) tendieren die meisten dazu, im steileren Terrain eher eine lineare Kennlinie zu bevorzugen (deshalb auch oft Doppelkammersysteme, wenn Luftfeder). Das hat den Grund, dass man einerseits in Grundposition im Steilen weniger Geometrieveränderung hat (mehr Gegenhalt am Federwegsbeginn) und man andererseits den Federweg besser nutzen kann. Du wirst den Federweg beim Stolpern in einem sinnvollen Setup eher weniger ausreizen als beim normalen Fahren, weil beim Stolpern eher seltener sehr dynamische Belastungen vorkommen. Wenn sie aber vorkommen, will man jedenfalls genug Reserven haben, weil das oft eine kritische Situation ist. Sprich man fährt mehr im mittleren Federwegsbereich und dort funktioniert dann eine lineare Feder besser, weil stark progressive Federn (=kleine Luftkammer, also viele Token) in der Mitte viel Weg machen, ohne viel zu bewirken (ist sehr komfortabel bei zügiger Fahrt in rüttligem Gelände, also für viele Normalfahrer gut). Bei Nosepresses natürlich dasselbe, man hat eine Belastung, aber keine extreme Belastung, daher will man im mittleren Federweg guten Gegenhalt. Passt aber zu Charakteristik für Terrain, wo man Nosepresses üblicherweise anwendet, sprich es braucht dafür eigentlich keine besondere Abstimmung, sondern die „normale“ Abstimmung für diesen Anwendungsfall passt. (Kurz: wenig Token, höherer Luftdruck)
Hinsichtlich Dämpfung gilt fürs Hinterradversetzen und allgemein fürs Fahren in Terrain, wo man Nosepresses häufig anwendet, dass (wie hinsichtlich der Federkennlinie schon festgestellt) sehr dynamische Schläge eher selten sind und - genauso wie eine volle Ausnutzung des Federwegs entsprechend auch die Beanspruchung der HSC weniger oft vorkommt, wodurch deren Abstimmung etwas in der Hintergrund rückt (ich würde in dem Fall die HSC, so denn einstellbar, hinsichtlich Durchschlagschutz einstellen - wenn man so will, kann sie hier die Aufgabe von Token übernehmen). Was die LSC betrifft, besteht häufig der Irrtum, dass diese einem Abtauchen entgegenwirken könnte. In gewissem Maße beim Rollen über Absätze mag das stimmen, in Grundposition aber ganz sicher nicht (es gibt dann ja keine Bewegung des Dämpferkolbens, also auch keine Dämpferkraft) und auch wenn Gewichtsverlagerungen länger dauern, wie häufig bei langsam gefahrenen Absätzen oder eben auch Nosepresses, stellt sich bereits ein neues Gleichgewicht ein, wo die Dämpfung nicht mehr wirkt. (Es bleibt der Ausgleich hier vorrangig die Aufgabe der Feder.) Nichtsdestotrotz will man beim Stolpern, genauso wie für Nosepresses oder auch fürs Springen, oft ein relativ direktes Reagieren auf Fahrerinput, deshalb wird man die LSC nicht zu offen fahren in entsprechendem Terrain. Trotzdem will man natürlich, dass kleinere Schläge/Unebenheiten gut ausgeglichen werden, um den Grip hochzuhalten. Deshalb die LSC keinesfalls zu sehr zumachen. Kommt natürlich immer auf das Federelement an, ich würde für diesen Anwendungsfall die LSC im mittleren Bereich mit Tendenz zu offen sehen und keinesfalls die LSC für Nosepresses komplett zudrehen wollen. In aller Regel sollte die Feder genug Gegenhalt bieten, sodass man hier nicht die LSC anders abstimmen muss, als man das fürs sonstige Fahren will. Wenn dir das Verhalten der Gabel speziell für Nosepresses nicht taugt, würde ich über die Feder anpassen, das dürfte dann auch fürs sonstige Fahren in Nosepress-Terrain hilfreich sein.
Disclaimer:
Wie eingangs gesagt, sind das grundsätzliche Überlegungen. Wie immer ist das Abstimmen des Fahrwerks sehr komplex (wenngleich auch insgesamt eher überschätzt, der Fahrer ist und bleibt wichtiger als das Fahrwerk). Wir wissen nicht, was du im Speziellen wo und wie fährst. Es können sich im Spezialfall jederzeit größere Abweichungen gegenüber grundsätzlichen Überlegungen ergeben.