Ich kann mich daran erinnern, dass im Jahr 2014 diese tollen 29er immer noch nicht vernünftig funktioniert haben. Beim ersten Herumrollen mit einem Scott Scale hatte ich einen so üblen BarFlop, dass es mich fast hingelegt hat. Andere Räder hatten diese Macke auch und auch noch weitere Macken. Der Fahrradverkäufer wusste, wass passiert ist. In den MTB-Foren kannte den BarFlop natürlich niemand.Die Fahrradfachzeitschriften haben es besser garnicht erwähnt und der gemeine Fahrtechniklegastheniker bekommt davon sowieso nichts mit. Die Radlhersteller sind mit den Problem nicht zurechtgekommen und sind dann plötzlich mit 27,5" hier aufgeschlagen. Du als unerfahrener Fahrradanfäger, der sich erst seit Ende letzen Jahres für MTB interessiert, kannst dich an diese gruseligen Räder selbstverständlich nicht erinnern.
Weltcup-Podiumsplätze kamen 2008. Und das mit einer sehr kleinen Frau.
Die Annahme, dass 29-Zoll-Räder nicht funktionierten, scheint subjektiv.
Als 29-Zoll-Räder aufkamen, galten sie als zu langsam für Kurven, und das, bevor sie überhaupt jemand ausprobiert hatte.
Das Fahrverhalten hat sich seitdem deutlich verschlechtert. Vintage-29-Zoll-Räder gelten als nervös zu fahren, aber zu ihrer Zeit waren sie solide. Meiner Erfahrung nach waren sie in allem schneller, da ich jahrelang die einzige Rennfahrerin in meinem Land auf 29-Zoll-Rädern war. Ich fuhr Anstiege hoch, die alle anderen schieben mussten. Bergab konnte ich mithalten, wo ich mit 26-Zoll-Rädern Zeit verlor. In Kurven schloss ich Lücken oder vergrößerte sie. Auf engen Singletrails fand ich keinen Fahrer, der mit mir mithalten konnte. Und ich bin ziemlich groß, nicht nur für eine Europäerin.
Der Rollwiderstand spielte keine große Rolle, da ich mit Reifen von WTB, IRC und Bontrager fuhr, nicht mit Schwalbe, Maxxis, Continental und Michelin – den Firmen, die 29-Zoll-Reifen ablehnten und ihr Geld nicht verschwenden wollten.
Wir erleben oft Geschichtsrevisionismus in der Politik, aber auch im Sport. Diejenigen, die erst spät auf den Zug aufgesprungen sind, behaupten, die ersten 29-Zoll-Räder seien schlecht gewesen. Teste doch mal ein 2002er (der allererste Versuch) 29-Zoll-Rad gegen ein 26-Zoll-Rad aus demselben Jahr. Fahre eine anspruchsvolle Runde. Lose Anstiege, viele Kurven, technisch anspruchsvolle Abfahrten. Stoppe die Zeit.
Die meisten Menschen sind vor 2008 oder sogar 2010 noch nie ein 29-Zoll-Rad gefahren und haben daher möglicherweise eine verzerrte Erinnerung an die tatsächlichen Vorteile der ersten Modelle. Besonders größere Fahrer waren durch die kleineren Laufräder benachteiligt. Vielleicht haben die großen Marken sich bei der Entwicklung von 27,5-Zoll-Rädern deshalb so sehr angestrengt, weil ihr Ego durch die bloße Existenz von 29 Zoll so gekränkt war.
Selbst 2013/14 wollte eine große Marke wie Giant nicht wirklich etwas Positives über 29 Zoll sagen. Sie boten es zwar an, empfahlen es aber nicht. Es war wohl eher etwas für die Unvernünftigen, die darauf bestanden – ein Geschäft, das sie sich nicht entgehen lassen wollten. Cube Bikes brachte sein erstes 29-Zoll-Modell erst 2012 auf den Markt. Bereits 2004 fuhr und bestritt ich Rennen mit meinem Cube 29" XL-Prototyp. Von mir entworfen, in Taiwan geschweißt und von Cube im eigenen Werk fertiggestellt. Mit diesem Fahrrad habe ich fast alle meine Rennsiege errungen. Hauptsächlich bei Herbst-/Winterrennen, da mich Allergien und Asthma ab 2003 leider in den Sommern außer Gefecht setzten.