Bericht 14.04.02: Dreckfressen reiten in die Sonne

jockel

Cpt.Ahab
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12. August 2001
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Es war in der vergangenen Woche: Old Arthur Dent alias Juckender Revolverfinger, einer der gefürchtetsten Zweiradtouristiker, wenn nicht gar DER gefürchtetste, meldete sich back from Hell. Es sollte diesmal weit nach Osten gehen, wo die Prärie noch vom Stampfen der Büffelherden bebt und der Himmel weit ist.
Zur gegebenen Stunde stand eine Auswahl der berüchtigsten Dreckfressen, welche die Saloons dieser gottverdammten Stadt zu dieser frühen Stunde ausgespiehen hatte und warteten auf den Zug, der da kommen sollte, um sie ins gelobte Land zu bringen. Doch die schon ungeduldig mit den Hufen scharenden Mustangs mussten noch ein wenig warten, da Doc Felgenfee noch eine Rechnung zu begleichen hatte.
An der Station Strausberg schloss sich noch Rob the Knife der Meute an und ab ging die wilde Jagd.

Strausberg wurde verlassen ohne, wie sonst üblich, den Bewohnern dieser Stadt den roten Hahn aufs Dach zu setzen und zügig gelangten wir entlang des Bötz- und Fängersees ein gutes Stück nach Norden. Mein Mustang, der schon eine gute Woche den Stall nicht verlassen hatte, stach der Hafer und so wurde ich erst in Schiller Höhe gewahr, dass ich allein auf weiter Flur war. Nun, eigentlich ist es üblich, das der Haufen Rücken an Rücken kämpft und so beschloss, wieder gen Süden zu reiten, in der Hoffnung, den Zurückgebliebenen noch helfen zu können, sollten sie in einen Hinterhalt geraten sein. Das war Gott sei Dank nicht nötig, aber was war das. Das junge Fohlen von Big Bad Staubi lag im Gras und rührte sich kaum mehr. A. Dent, auch genannt „The Toolman“ stand gebeugt über den Resten und spielte von mit dem Gedanken, der Mähre den Gnadenschuss zu verpassen, aber er besann sich, das er es war, der Big Bad Staubi den Klepper angedreht hatte und, sollte er jetzt schon verrecken, er wohl mit dem Schlimmsten rechnen musste. Also wirtschaftete er das Tier wieder zusammen, wie es einem praktizierenden Rossschinder wohl anstand.

Nun, nach diesem kleinen Zwischenfall wurde weiter in die aufgehende Sonne geritten. Am Ihlandsee vorbei, beschloss ich, da ich die Meute nicht gern im Rücken habe (man fängt sich leicht eine Kugel...) einmal im Kreis zu reiten, um nun meinerseits in den Rücken der Meute zu kommen. Der Kreis war aber leider zu groß, so dass mein Plan fehlschlug und so ritt ich unverrichteter Dinge weiter voran (hat, glaube ich, nur Old Schlitzohr Rob bemerkt).

Nachdem etliche Meilen, die Ärsche langsam rot werden ließen, wurde kurzerhand ein Rastplatz requiriert und diverse Pfannen mit Bohnen und Speck verschwanden in den Ladeluken der wilden Reiter. Weiter ging die Hatz. Kurz hinter Prädikow, einem verschlafenen Nest ohne eigenen Saloon, scheute der Gaul von Nacked Finger Torsten, so das dieser die Chance bekam, seine bei einem alten Japaner gelernten Falltechniken zur Anwendung zu bringen. Und wie man hörte, fand das sogar bei den versammelten Raubeinen, welche ja weiß gott schon viel gesehen haben, den notwendigen Respekt.

Ich weiß nicht mehr, wer das Gerücht in die Welt setzte, man könne in der Kehle der Drachen in der Märkischen Schweitz dieselben noch lebend sehen, aber jedenfalls entfachte die Vorstellung „Wir allein gegen den Drachen“ wieder mal ungeahnte Kräfte und wir lenkten die Schritte unserer Pferde durch den finsteren Grund. Natürlich wieder ohne Erfolg. Ohne Erfolg blieb auch das Schürfen nach dem begehrten Edelmetall in der Silberkehle. Doch das war uns nun schon fast egal, hatte die Sonne doch schon seit mehr als einer Stunde die Heimreise angetreten und unsere Mägen schlugen Alarm. Also rasch im nächsten Saloon eingeritten. Außer uns waren keine weiteren, auf Händel erpichte Saftnasen anwesend (Billy the Kid ritt wohl mal wieder weiter westlich durch die Prärie und übte dort sein Handwerk aus...), so dass wir keinen Umlegen mussten, um an den uns zustehenden Kaffee und Kuchen zu kommen. Da das Wetter inzwischen hielt, was es nie versprochen hatte, setzten wir uns raus und sinnierten kurz über die Frage, ob das Niederbrennen dieses Weilers (Pritzhagener Mühle), zum Zwecke der Vertreibung von gefährlichen Kreuzottern, auf welche per Schild hingewiesen wurde, legitim sei. Wir ließen aber auch in diesem Fall Gnade vor Recht ergehen und verließen kurz darauf diesen bedrohlichen Ort in Richtung Westen.

Offensichtlich hatten nun aber einige Probleme damit, dass ihre Körper den Kuchen nicht richtig ansaugen und einer Energie freisetzenden Verbrennung zuführen konnten, so das sie fast vom Pferd fielen. Einige Meilen später, wir hatten bereits Münchehofe passiert und befanden uns an der Bahnstation Müncheberg, beschloss ich, dass den Meinen gegebene Versprechen nach pünktlicher Heimkehr zu erfüllen und begab mich allein weiter in die Spur. Der Meute war es recht, hatten sie doch nun den ganzen Tag Zeit um an die heimischen Lagerfeuer zu kommen, an denen niemand auf sie warten würde (Ich hoffe nur, sie irren nicht jetzt noch durch die nächtlichen Wälder).

Auf den letzten 30 Kilometern gab ich meinem flying Horse noch mal so richtig die Sporen, nicht ohne zwischendurch einige Pfeile in den märkischen Sand zu kratzen, in der Hoffnung das dies jemand würde deuten können.
Nach runden 95 Kilometern erreichte ich noch vor Herablassen der Stadttore Erkner, um sogleich per Schiene meiner heimatliche Ranch zuzustreben.
Nun sitze ich also wieder hier und berichte Euch, die Ihr es lesen wollt von den Ereignissen des heutigen Tages. Möge es Euch gefallen...

Die „Dreckfressen“ im Einzelnen:
Arthur Dent, Clemens1, Felgenfee, Pda, Rob, Staubi, Torsten, Jockel
 
Da hat's "schnelle Feder"-Jo wieder mal in den Finger gejuckt und den anderen keine Chance gelassen. Wann wird es einen geben der schneller solche umhauende Berichte aus der Feder schießen kann.

Meine Wenigkeit konnte wegen einer Saloonschlägerei , in der mein linkes Knie in Mitleidenschaft gezogen wurde, nicht teilnehmen. So konnte ich mit meinen alten Klepper nicht zu seiner gewohnten Sonntagsrunde ausführen.

Ritzelflitzer
 
"Ich hoffe nur, sie irren nicht jetzt noch durch die nächtlichen Wälder"
> An dieser Stelle kann ich dich beruhigen und mitteilen, dass alle die heimischen Ställe und Öfen in ermatterter aber sicher noch guter Verfassung erreicht haben! Jedoch wurde auch nach deinem "Ausscheiden" nocvh gutes Tempo gefahren und so müssen die ein oder anderen Gäuler (oder deren Reiter?) wohl auf neues Beschlagen der Hufe vorberitet werden. Jedenfalls erreichten wir mehr oder weniger zielsicher Klein Wall und später auch Erkner, wobei unterwegs einige Rufe nach einem Weiterfahren auf der Straße oder der Suche nach dem WIRKLICH kürzesten Wege im Präriewind verstumten. Insgesamt waren es wohl so auch knappe 100km und gute 400hm bei einem 20er Schnitt.

"Nachdem etliche Meilen, die Ärsche langsam rot werden ließen,.."
> Das kann man aberauch anders auslegen mit deroten Ärschen, aber kurz vor der Pause war ich arg down und kurz vorm Brechen, denn an einer Steigung, ich unterhielt mich gerade vorne mit Jockel, meinte dieser ich solle doch jetzt mal mit hochdrücken. Mein Puls schnellte auf 201 und nach dem Szich ließ ich mich ans Feldende durchreichen...


Auf jedenfall bekommt Jockel noch einen großen dicken Daumen für den genialen Bericht!! :daumen:
Und es war wieder eine richtig tolle Tour, für die sich das Frühaufstehen wiederholt gelohnt halt!
 
Danke jockel, für den mal wieder besonderst lesenswerten Bericht :).
Was läßt sich von hier berichten?
Eigentlich nur: Im Westen nicht's neues ;)

Ich freue mich schon riesig auf den Harz, wo ihr aus dem Osten dann eure Wagenburg aufbaut (seit ihr nicht überwiegend Planwagenschläfer?) und es endlich die Gelegenheit gibt euch persönlich von Angesicht zu Angesicht in den Lauf zu schauen.

Beste Grüße vom Feuerschiff Elbe1,
Harry
 
Da, kann ich dem Rob nur recht geben. Gestern, war mal wieder eine schöne Tour. Hatte mich nur ein bisschen mit der Temp. verplant. -Aber lieber zu warm als zu kalt.
Diese Grundlagen Touren können wir öfters mal planen. Denke,da bin ich nicht der einzige der noch ein paar Kilometer Grundlage braucht.
;)
@alle: Wohin geht es am Donnerstag Nacht? G-Wood oder Blankenfelder Grundlagentour? Oder, etwa wieder turbo Runde?

@jockel: schöne Tourenplanung. :) Du musst mir noch mal die Hals-über-Kopf Pedaltechnik erklären.;)
 
spitzen bericht und coole tour, cowboys!

gerade aus italien zurück und schon auf dem weg nach bulgarien geniesse ich es, die für immer in der vergangenheit verlorenen ereignisse zumindest textuell miterleben zu können. nicht nur trauer um verstrichene möglichkeiten, für immer gegenwärtige erinnerungen aus den wunderbaren touren des esk ziehen zu können - nein auch die reise zu germaniens mittelgebirgszügen droht so zur konditionellen grenzerfahrung zu werden.

nebenbei sage ich hier also auch den mir doch sehr ans herz gewachsenen nightride ab und stehe auch sonst erst wieder ab dienstag der nächsten woche zur verfügung. so long ... menis
 
Original geschrieben von Clemens1
Du musst mir noch mal die Hals-über-Kopf Pedaltechnik erklären.;)
> :lol: ja genau, das hat er wohl ausversehen vergessen zu erwähnen. einen kurzen moment stand ihm danach sogar ein fünkchen schamesröte im gesicht geschrieben...

und menis, ich glaube du hast immernoch genug körner in den beinen für den harz. stapel nicht so tief, ist doch sonst nicht eure angewohnheit ;)
 
Original geschrieben von Clemens1
@jockel: ...Du musst mir noch mal die Hals-über-Kopf Pedaltechnik erklären.;)
Also wenn tatsächlich Interesse besteht, so will ich es nochmal erklären:
Grundsätzlich ist die "Hals-über-Kopf Pedal" eine Abart oder besser Weiterentwicklung der "Lefty-hakt-in-den-Hinterbau-des-Vorausfahrenden-wobei-sich-der-linke-Fuß-unter-einer-Leitplanke-verkeilt Technik".
Im Einzelnen, sieht das so aus, daß man möglichst langsam auf eine Bodensenke zurollt, welche das Vorderrad fast bis zur Achse aufnehmen kann. Wenn das Vorderrad eingerastet ist, verlagert man sein Körpergewicht kontrolliert nach vorn und beachtet dabei, daß die Füße fest in den Pedalen eingerastet bleiben (Hierfür kann ich die Wellgo WPD-8 wärmsten empfehlen). Alles weitere ergibt sich dann von selbst.
Der Respekt der Mitgereisten ist einem somit schon mal sicher :daumen: und danke für die Anteilnahme.
 
Ein doppelten Whiskey hat sich Old shatter Jockel verdient mit diesem stilistischem Nugget, den er aus den Tiefen seiner unergründlichen Kreativität gezaubert hat! Das es nach dem Auslutschen des Raub- und Kreutzritterthemas sowie das Marine- und Infanteriethemas so lange dauern würde, bis wieder jemand mit einer Stilschablone vorlegen würde, die ähnliches Potential verspricht wie diese.....

Vielleicht fühle ich mich auch nur deswegen so angesprochen durch diesen Bericht ´cause it reminds me of home, sweet home, - y´all know whatta mean.

So long
 
Voller Freude sehe ich, daß meine weißen Brüder unerschrocken mit ihren freurigen Hengsten über die Prärie ziehen, um das Land von den Verrätern zu befreien!

Aber mein Herz hüpft vor Lachen, wenn ich höre, daß auch so ein kluges und tapferes Bleichgesicht wie Old Shatter Joe manchmal den Sattel über den Knauf verlassen muß.

Auch mein roter Buder Michin Fifty Nine stieg vor drei Morgensonnen über den Kopf seines Rosses. Dieses stürzte mit ihm und brach sich beide Ohren. Mögen ihre Wunden bald heilen.

Unten seht Ihr ihn mit seiner neuen roten Gorejacke. Wieder mal hat er seinen vor bösen Geistern schützenden Kopfschmuck abgelegt. Wir stehen auf dem Gipfel des Kyffhouse Hill, von dem wir gerade den Stamm der Rasenden Ixzee gejagt haben. Nun ist das Land der Väter wieder Eigentum der Teakfieldwawa.

Mögen Euch Eure Pferde immer sicher in Eure weißen Städte zurückbringen.

Tatanka Iyotanka
 

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bei manitou ,da hat lucky jockel ja einen feinen bericht verfasst.
wirklich einer mit prädikat.ansonsten muss ich kurz unsere tolle truppe
loben .alle haben sich wacker geschlagen und für so eine umfangreiche runde
fand ich es recht moderat vom anspruch. danke auch noch mal an petrus ,
der ja auch sein scherflein beigetragen hat.
ich hoffe thorsten ,arthurs knecht ,hat seine fahrkarte noch rechtzeitig von rob
bekommen.unsere verabschiedung ging ja leider hoppladihopp ,da clemens und mein zug bald
fuhr. vielleicht bis donnerstag ,fefe
 
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