Die Sachsen auf Reise - Touren fern der Heimat

QuasiNitro

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Da will ich mal nicht so sein - meinte aber ehr sowas :cooking:

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War leider schon Ewigkeiten nicht mehr hier eingeloggt und habe die Diskussion zu den 1000 Meilen daher komplett verschlafen. Tut mir leid.

Hoffe, es ist noch nicht zu spät. Hier sind ein paar Antwortversuche:



@Falco:

„Mal zum vergleich mit dem letzten mal, was ist denn für dich am schlimmsten? Hitzeschlag, Erfrierung durch Nässe oder aufgezwungener Schlafmangel?“

Wenn ich eine „Hitliste“ aufstellen müsste, dann
1. Hitze (macht innerhalb von Minuten bis Stunden KO)
2. Schlafmangel (macht „nur“ nach Tagen KO, aber dafür nachhaltig)
3. Kälte (ist spätestens am nächsten Mittag vorbei – wenn nicht im Kombination mit 2.)
(Apropos Kälte: Du hattest doch damals von Deinem Kufu-Schlafsack geschwärmt. Nach der ersten schlaflosen Nacht 2016 würde ich jetzt wohl doch noch in was Wärmeres investieren... Könntest Du mir bitte das Fabrikat noch mal (per PN) schreiben?)

„Mit den 1840km bist du ja fast 200km zu weit gefahren, da steckt schon mal über ein verschenkter Tag und noch viele Stunden die die damit verbunden Umplanungen und Abwägungen gekostet haben.“
Statistisch betrachtet hast Du natürlich Recht. In Praxis relativiert sich dies etwas:
1. Die Route von West nach Ost ist sowieso immer etwas länger als die von Ost nach West, weil dann CP4 vor dem Ascher Zipfel liegt, der Start in die andere Richtung aber dort drin liegt. (2016= 1682km; 2015= 1623km laut Finish1000)
2. Die Übernachtungen außerhalb der Originalroute (Tissa, Kralicky, Trencianske Teplice, Turcianske Teplice, Poprad) machten sich leider bei den km und der Gesamtzeit negativ bemerkbar. (Anderseits ist „auftauen“ und richtig schlafen manchmal unbezahlbar .-) ...)
3. Last but not least: Die beiden umgangenen Fuhrten am Ende haben auch einige km beigetragen, leider.

„Dabei ist man in der Nacht langsam und es laugt zusätzlich noch aus was sich dann auch noch auf die Leistung am Tage auswirkt.“
Da ist echt was dran. Nach der idealen Mischung suche ich immer noch... Vielleicht braucht es einfach mind. 4-6h/Schlaf, was die reine Fahrtzeit pro Tag dann auf max. 12-15h reduziert.

„Wichtiger ist das der Verdauungstrakt beschäftigt ist und der Körper ständig Energie hat, auch wenn man mit dem Mist den man isst unnötig viel Energie beim Verdauen verbraucht oder sich mit den falschen Lebensmitteln einem Nährstoffmangel aussetzt.“
Essentechnisch sah es eigentlich gar nicht so schlecht aus. Habe versucht, mind. aller 2h einen Riegel einzuwerfen, damit kontinuierlich Energie nachgeschoben wird. Aber das geht zu Lasten des Gepäcks. („Lieblingsthema“ 2016 Logistik. Eigentlich kenne ich die Route ja jetzt inzwischen ganz gut .-) Da sollte doch eine bessere Essensplanung möglich sein...)

„man frisch nach dem Rennen immer noch top fit wäre“ Dann wären bestimmt 1 bis 2 Tage weniger drin gewesen .-) Aber im Ernst: Bei aller Abenteuerlust ist vor allem wichtig, dass alle heil ankommen und die Erlebnisse das einzige sind, was dauerhaft zurück bleibt ...


@EDA:
„Zunächst einmal großes Lob“

Danke!

„Du bist sehr lange pro Tag gefahren (Nettofahrzeiten von um die 15h) aber relativ langsam (Schnitte um die 10 km/h). Hast Du das bewusst so gewählt? Ist die Strecke so hart?
Wäre es ggf. sogar entspannter zügiger aber kürzer und mit einem konstanten Schlafrythmus inkl. ausreichender Schlafdauer zu fahren?
Wäre es zum Beispiel realistisch täglich 10h und 150 km zu fahren und danach zu regenerieren?
Wäre es eigentlich praktikabel das Rennen wie ein gewöhnliches Etappenrennen zu planen?“


Hier hat Falco ja schon viel dazu geschrieben, dass ich nur unterstreichen kann.
Wichtig ist, sich bewusst zu sein, dass km-Schnitte wie auf der Hausrunde oder bei einem MTB-Rennen unerreichbar sind. Wenn man versucht, die Zeit des Schnellesten (8d 2,5h = 194,5h für 1682km) im km/h umzurechnen, dann kommen da Durchschnittsgeschwindigkeiten von geschätzt 8,6km/h brutto (=inkl. Pausen) bzw. 13km/h netto (bei 8h Pause pro 24h). Soll heißen: Alles oberhalb von 15km/h im Schnitt ist unrealistisch. Optimistisch würde ich nicht mit mehr als 12,5 planen, realistisch lieber mit 10km/h.
Falcos Fotos zeigen die Bandbreite der Trails. Wanderwege, die für Füße und nicht für Räder gemacht sind, machen dabei (zeitlich) einen Großteil aus. Dazu kommt, dass Du durch das Reisegepäck schwerer als sonst bist und die Konzentration und Kraft spätestens nach 2-3 Tagen nachlassen. Passagen, die Du sonst daheim (ausgeruht & ohne Gepäck) mit links fahren würdest, werden dann lieber geschoben....
Ja, ein konstanter Schlafrhythmus ist definitiv eine gute Idee. Sich 10h/150km pro Tag vorzunehmen und dann zu regenerieren, klingt nach einem guten Plan und ist nicht unrealistisch. Ob er aufgeht hängt von einer Menge Faktoren ab wie z.B. Wetter, eventuelle Pannen und letztlich auch die eigene Kondition. Du musst halt im Hinterkopf behalten, dass nicht alle Abschnitte und auch Tage gleich sind – entsprechend geht an manchem Tag mehr als an anderen bzw. umgekehrt...
Ja, man kann das wie ein Etappenrennen planen. Sollte aber immer einen Plan B haben bzw. per Smartphone nach einer Alternativunterkunft suchen können, wenn man auf die Übernachtung im Hotel spekuliert (siehe auch Umwege weiter oben). Die einheimischen Racer schlafen daher lieber draußen. Das ist definitiv schneller, aber auch weniger erholsam. Die Entscheidung kann ich Dir nicht abnehmen. Am sichersten ist es, auf verschiedene Varianten eingestellt zu sein. Ein fester Etappenplan birgt das Risiko, dass die Tagesetappen entweder (zu) kurz geplant werden oder der Plan schnell dominoartig durcheinanderkommen kann. Vielleicht zur Orientierung gut, aber davon sich voll darauf zu verlassen, würde ich eher abraten.

„Wie würdest Du das Feld beschreiben? Was sind das für Typen? Wie sind die drauf? Wie ernst oder locker geht es zu? Fahren Teams zusammen? Bilden sich Gruppen etc.“
Auch das hat Falco schon gut beschrieben .-)
Einfach mal durch die Bilder klicken z.B. bei http://www.1000miles.cz/category/fotogalerie-2016-primy-prenos oder https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1263660666980555.1073741909.100000099022463&type=3 . Abgesehen von einem Dutzend Hardcore-Racer an der Spitze geht es sehr locker zu.


Hoffe, ich konnte ein paar Fragen zumindest ansatzweise beantworten. Wenn es weitere gibt, dann einfach her damit...
Viele Grüße, gute Vorbereitung und bis bald...
 
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Faszi`s tierische Reise in`s Böhmische
Nachdem ich ja schon einige der alten Fernwanderwege beradelt habe erinnerte ich mich an einen Bericht über den Schlängelweg hier im Forum (siehe hier: https://www.mtb-news.de/forum/t/tourenberichte-aus-sachsen-und-vogtland.497394/page-2#post-9573582).
Vielen Dank an dieser Stelle @CC. Mittlerweile vertraut mit diversen digitalen Kartenwerken machte ich mich daran den Track nochmal zu verfeinern. Es blieben aber trotzdem einige fragwürdige Wegeabschnitte, dazu später. Starten wollte ich in Leitmeritz. Da mir die Anfahrt mit der Bahn zu kompliziert und lang war entschloss ich mich Anfang Juli 2017 den Weg dahin an einem freien Freitag per Rad zu absolvieren, so direkt von Zuhaus. Das ergab eine Streckenlänge von 125 km zumeist auf dem Elberadweg. Sollte zu schaffen sein und auch genug Kraftreserve für den eigentlichen Schlängelweg, welchen ich von Leitmeritz bis Decin bestreiten wollte.
Auf ging es also an diesem heißen Tag, es waren Gewitter angekündigt. Der Weg bis Pirna an der Wesenitz entlang war vom nächtlichen Regen zwar nass, aber ansonsten Wunderschön. In Pirna beim Bäcker noch ein zweites Frühstück und dann eingebogen auf den Elberadweg Richtung Süden. Bedauerlicherweise war der Wind heute gerade auf der Gegenrichtung unterwegs, das kostete einige Körner mehr. Noch vor Obervogelgesang dann eine Zwangspause, die Kette bewegte sich nicht mehr, ein Bindfaden hatte sich in´s Schaltröllchen gewickelt und konnte nur unter zuhilfenahme eines Schweizer Taschenmessers entfernt werden.
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Weiter ging die Reise von nun an störungsfrei auf der technischen Seite. Zwischen Königstein und Bad Schandau wollte ich den neuen Radweg auf der linkselbischen Seite nehmen, dies gelang aber nur unter Missachtung eines Verbotsschildes und einer Klettereinlage an der Baustelle, wo noch die Asphaltierung gemacht wird. Hier musste ich an den Strand der mit wenig Wasser gefüllten Elbe ausweichen.
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Auch hinter Bad Schandau waren am Ufer viele Steine zu sehen die sonst unter Wasser sind.
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Planmäßig konnte ich mich in Niedergrund mit Knödel, Gulasch und Pivo für die Weiterreise stärken. In Decin bewunderte ich dann auf einer alten Brücke die herrlichen alten Brückenfiguren.
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Der Weg wechselt in Decin die Elbseite und ist in einem wirklich guten Zustand, meist Asphalt oder Betonpflaster. Auch für Imbiss ist immer wieder gesorgt. An einer kleinen Kapelle legte ich dann auch mal eine Pause ein, der Gegenwind setzte mir schon zu.
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Bald folgt dann die Staustufe am Schreckenstein. Da wartet auf die Radwegfahrer eine ganz besondere Einlage, das Rad muss über 2 Treppen hoch- und dann wieder runtergeschoben werden. Da habe ich die Gepäcktaschenfahrer nicht beneidet, ist schon erstaunlich was da manche alles in den Radurlaub mitschleppen.
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Von jetzt an hielt ich Ausschau nach dem Dubitzer Kirchlein auf der anderen Elbseite. Der Weg führte mich allerdings zu einer anderen Kirche in Zirkowitz die den einzigen Fachwerkglockenturm in Böhmen vorzuweisen hat.
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Aber gleich gegenüber grüßt dann vom Elbhang das erwartete Dubitzer Kirchlein.
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Ein herrlicher Flecken Erde dort oben!
Hier im Tal kam ich mir jetzt vor, als ob ich im Backofen radele, weit über 30 °C zeigte das Thermometer. Ich gönnte mir wenig Pause, ich wollte nicht noch vom Gewitter überrascht werden. Ich betrachtete aufmerksam die Gegend, manches konnte ich zuordnen wie den Lobosch, den Milleschauer, den Dreikreuzberg und dann auch die Radebeule. Und dann erreichte ich im Trockenen Leitmeritz, bezog mein Hostel und machte mich dann auf zum Abendessen, welches ich in einer gemütlichen Hinterhofkneipe einnahm. Mittlerweile waren auch einige Regentropfen angekommen, ich konnte aber noch den schönen Markt ansehen, wirklich eine schöne Stadt. Besonders das Kelchhaus beeindruckte mich.
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Nachdem ich mich in meine Behausung begeben hatte begann es richtig zu regnen.
Na dann Gute Nacht!

Fortsetzung folgt
 
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Faszi`s tierische Reise in`s Böhmische
Teil 2
Nach gut geschlafener Nacht und einem einfachen Frühstück ging also die Reise weiter, jetzt auf dem historischen Schlängelweg, welcher ja in Leitmeritz seinen Anfang hat. Das Wetter war nicht mehr so heiß wie am Vortag, viele Wolken schafften Milderung und es blieb trocken. Von Leitmeritz geht es gleich bergan Richtung Radebeule, dem Hausberg. Ich erklomm ihn nur bis zu einer Aussicht am Fuß, die Kräfte wollten eingeteilt sein.
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Noch ein Stück folgt man der Straße bis ins Dorf Michelsberg. Von da an kommen gleich ein paar Traumwege, aber seht selbst:
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So stelle ich mir das vor, einsam auf uralten Wegen langradeln. Bald erreiche ich das Dorf Groß Tschernosek, wo ein Berglauf stattfindet. Die Läufer sind schon ganz nervös, bald soll der Start sein. An den Markierungen kann ich dann sehen, das sie eine ganze Weile den Weg mit mir teilen und mich dann später auch berghoch überholen. Jetzt auf den steilen Wegen durch die Weinberge kann ich das nächste Zwischenziel sehen, die Böhmische Pforte mit dem Dreikreuzberg.
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Der Weg ist sehr steil, zum ersten, aber nicht letzten Mal, muss ich vom Rad und schieben. Bin heut nicht topfit, der Gegenwind am Vortag hat mir recht zugesetzt. Als ich dann in den Wald eintauche wird es zum erstenmal tierisch, ich bin im
Reich der Riesenameisenhügel
angekommen. So viele so große Exemplare auf so dichtem Raum habe ich selten bisher gesehen, natürlich ist auch der Boden von Ameisenstraßen überzogen. Ein schöner Waldweg führt mich dann auf den Dreikreuzberg, zum Schluß ist es dann ein Trail. Herrlich hier die Aussicht auf die Elbe, das böhmische Tiefland, die vielen Vulkankegelberge.
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Ein Stück des Weges muss ich zurück ins Reich der Riesenameisenhügel in Richtung Kamaik mit seiner Burgruine. Ein wirklich schönes,kleines Dorf mit schicken Bauernhöfen.
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Steil geht es weiter am Eisberg entlang nach dem Dorf Hlinai am Fuße des Radischken welchen ich dann als einzigen richtigen Gipfel besteige. Geschützte Pflanzen gibt es hier kann ich auf einer Tafel lesen. Herrlich wieder der Blick von Oben.
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Den Trail runterzu kann ich komplett fahren, das macht Laune. Es schließt sich jetzt ein Wegabschnitt an, bei dem ich mir schon in der Planung recht unsicher war ob das wirklich funktioniert. Auf der OpenMTBmap ist nur ein kleiner Weg eingezeichnet. CC. ist dort quer über die Wiese. Von hier an wird auch die Landschaft oft durch unbewirtschaftete Wiesen gekennzeichnet. Aber der Weg stimmt, eine schwache Traktorspur zieht sich den Hang hinauf. Ab und zu sehe ich auch irgenwelche Trampelspuren den Weg kreuzen und wundere mich von wem die stammen könnten. Die Aufklärung kommt bald. Ich schiebe so vor mich hin als ich von Rechts ein Geräusch höre wie wenn ein großer Hund knurrt. Das hätte mir gerade gefehlt, ein wilder Hund oder sowas. Ein Blick nach Rechts in die Richtung des Geräusches belehrt mich aber eines Besseren! Eine Rotte Wilschweine glotzt mich an und ist wahrscheinlich genauso erschrocken wie ich. In aller Ruhe schiebe ich weiter, traue mich nicht lange umzusehen. Ich bin angekommen im
Reich der Wildschweine
Der Weg zieht sich immer weiter am Kahlen Berg lang hin zu tollen Felsformationen. Das Dorf Kundraditz erscheint und ich muss eine steilen Pfad hinabkraxeln.
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Froh bin ich als ich wieder in der Zivilisation angelangt bin, nach dem Erlebnis sieht man natürlich die Spuren der Wildschweine um so mehr. Es müssen wirklich viele dort leben, sie haben dort auch das Schlaraffenland. Auch später im Wald sind viele Spuren und Suhlen zu finden. Den Varhost und die Martinswand lasse ich auch aus Zeitgründen liegen, es schließt sich jetzt eine Strassenetappe bis ins Tal nach Binowe an da die alten Wege teilweise nicht erhalten sind oder zu finden waren.
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Über Sulloditz geht es steil hinauf zur Planer Koppe, welche früher eine berühmte Aussicht gewesen sein soll und sich heute in privater Hand befindet. Von da oben bis nach Tünscht teile ich mir den Weg mit Wildschweinen, Enduromotorradfahrern und Quadfahreren. Über den Zustand des nassen Weges darf an dieser Stelle spekuliert werden.
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Von Tünscht geht es dann auf Asphalt nach Saubernitz wo mich direkt das schöne, kleine Bahnhofmuseum begrüßt. Liebevoll sind dort Relikte aus der alten Bahnzeit zusammengetragen und auch die Außenanlagen sind so, das man denken könnte man ist im Film bei Piroschka.
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Überhaupt ist das Ganze Dorf ein Museum, siehe hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Zubrnice
Hier kann ich dann auch endlich ein ordentliches Mittag essen, zum Glück war ich ja von CC. gewarnt und hatte einiges zu Essen mit für unterwegs. Die Dorfkneipen in den kleinen Dörfern gibt es echt nur selten und dann machen sie erst Abends auf. Frisch gestärkt war jetzt noch ein großer Berg zu bezwingen, der Zinkenstein auf welchem heute der Fernsehturm steht. Das war nochmal ne rechte Schieberei auf Wildschweinpfaden aber auch irgendwann geschafft.
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Jetzt schließen sich einige Asphaltkilometer über die Hochebene an und es geht dann über die Kolmer Scheibe nach Tetschen hinunter. Leider verpasste ich schon in der Planung den Aussichtsturm dort, muss ich wohl mal nachholen. In Tetschen angelangt standen 56km und 1933 hm auf der Uhr, das ist ganzschön viel für mich. Auf dem Elberadweg fuhr ich dann noch bis Schöna und von dort mit dem Zug nach Hause.
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So müssen Biketage sein!

GPX auf Anfrage

Viel Freude beim Lesen, Euer Faszi
 
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Bikepacking und Bikeparks - kann man das kombinieren?

Das wollte ich herausfinden, da mir die Idee schon länger im Kopf herumspukte.
Recherchen wurden angestellt, Videos angeschaut, Pläne gemacht und verworfen ... bis ich dann soweit war und folgendes vorhatte: In einer Art „Roadtrip”, sprich mit diversen Zugtransfers, wollte ich vom/von Jedlova · Tannenberg beginnend, mich bis ins Riesengebirge vorarbeiten. Die tschechischen Bikeparks hatten in letzter Zeit ihr Streckenangebot nach unten erweitert, so dass ich mich auf die einfachen, blauen Touristentrails begeben wollte.

Leider lief es dann ein wenig anders als gedacht ... :oops:



Fortsetzung folgt!

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Bikepacking & Bikepark = BP²

Bei meiner ersten Bikepacking-Tour stand ich seinerzeit da oben am Jedlová · Tannenberg



Nach dieser ausführlichen Gipfelrast lockt der Downhill. Die Skipiste direkt am Turm beginnend ist mir heute mit Gepäck und ohne Schoner nicht ganz geheur, so geht es erstmal den Asphaltaufstieg ein Stück zurück bis zu einer Art halben Rundweg, welcher zu einem unschweren Wiesen-DH überleitet.

und hatte mega Denkblasen über dem Kopf, ob man nicht da runter käme. Natürlich entsprechend vorbereitet und ausgerüstet.

Wie gesagt, da war dann noch diese Idee mit den Bikeparks, auf die ich irgendwann zufällig bei Recherchen gestossen bin. Die jeweils leichtesten Abfahrten oder eben unter Umfahrung aller echten Rampen, Drops und Doubles die Sache sozusagen als DH-Trail unter die Stollenreifen zu nehmen sollten doch drin sein.

Deshalb hatte ich bei meinem Rucksackdesign eine FF-Helm-Halterung vorgesehen und entsprechend die Trailtauglichkeit auf Hometrails und meiner Schneebergtour getestet.
Training im Bike Areal und Heimwege von Arbeit durch die Dresdner Heide oder den Elbhang sollten mich auf diese spezielle Tour vorbereiten.
Irgendwann kommt der Punkt, wo alle Vorübungen nichts mehr nützen und man muß sich der Sache stellen!
Nachdem die Locations abgeklärt waren, Fahrpläne ausgedruckt bereitlagen und die Transfertracks im GPS landeten, ging es erstmal zu dem Kultbahnhof mitten in der Pampa im tiefsten Tschechien:



So radelte ich vormittags bei leicht kühlem Wetter zur Talstation des Liftes im Adrenalinpark Jedlová, nur um festzustellen, dass die überhaupt gar keine Räder transportieren können. Da hängen dann bloß so komische DH-Trikes dran, womit man über den Skihang brettern kann.

Egal, so würde eben ein Trackwalk draus werden, was sich auch als extrem sinnvoll erwies.

So fing es dann auch gleich an:



Neee ... huppen kam für mich nicht in Frage und andernfalls kann man nur so spaßfrei drüberhubbeln.



Steil, seeehr steil ... aber da bin ich nicht der einzige, der kneift, wie man anhand zahlreicher Chickenways sehen konnte, die sich so eingefahren hatten.



So ein kleines Steinfeldchen ist schon eher was, das sieht doch machbar aus. Weiter geht es und ich schwitze und keuche den steilen Skihang hoch, immer hart am Waldrand, wo der DH-Track sich um die Fichten schlängelt.



WTF??? Da ist der Chickenway richtig ausgefahren :lol:

So mehre ich mich hinauf und habe genug Zeit, um über mein Vorhaben nachzudenken. Wird es so funktionieren? Wird es Quälerei werden/bleiben, oder kommt irgendwo auch mal Flow auf? Auch über Ausrüstungsoptimierungen sinniere ich breit und lang, da ich aufgrund der Schutzausrüstung einen Rucksack mit über 11 kg schultere. Das ist eindeutig über meiner Komfortgrenze und ich überlege, gleich am ersten Tag im Camp 1,5 kg hochkonzentrierte Nahrung zu vernichten und mich dann nur noch unterwegs zu verpflegen ...

Nach einem kurzen Stück Wanderweg öffnet sich der Horizont und die trüben Gedanken sind auf einmal wie weggeblasen:



Oben gönne ich mir nur ein kleines Bier aus einer berühmten Craft-Brauerei



und denke an den Bikeartikel mit der Studie, dass genau so eine Alkoholmenge die Probanden auf dem Trail sicherer werden ließ!

Nochmal pinkeln und dann stehe ich vor dem Steilgelände:



Jetzt wird es Ernst und ich präpariere mich für die Abfahrt.
Ellebogenschoner und kombinierte Knie-Schienbeinschoner werden angelegt, die CC-Schüssel weicht dem FF-Helm. Der Sattel geht auf Tauchstation und die Bremse wird etwas bissiger eingestellt.

Ready for Race!



Anfänglich geht es einen verblockten, steinigen Trail inmitten des Skihanges hinab. Ich kann ausreichend Tempo aufbauen, Angst- und Freuhormone kämpfen miteinander um Vorherrschaft.
Mit weichen Knien komme ich an der Stelle an, wo der Wanderweg kreuzt und der eigentliche DH-Trail beginnt. Freuhormone haben knapp gesiegt und nach kurzem Verschnaufer geht es rein ins Trailvergnügen.

Der Trail ist anfänglich durchgängig steil, verblockt und verwinkelt. Einmal rutsche ich mit dem Vorderad weg, aber kann mich mit dem Fuß abfangen. Tempo aufbauen kann man hier wohl nur mit dem Fully, ich stehe tüchtig auf der Bremse. Zum Glück hat mir ein Freund vor kurzem noch richtige Freeride-Pellen geschenkt (29" hat so oder so eben seine guten Seiten), die leider nur vorne draufpassen. Aber das rettet mir den Arsch - der Grip ist wirklich gigantisch.
Weiter unten im Wald kann ich die beiden billigsten Hindernisse nehmen, habe sogar mal ein Meterchen Airtime!
Zack-Bumm bin ich auch schon unten, mensch, ging das alles schnell!

Nun rüste ich wieder ab und stelle auf Trailmodus um. Über einen endlosen Forstweg radle und schiebe ich bald in Richtung Lausche, da meine nächsten Ziele der Grenztrail mitsamt dem Hochwald sind. Das musst ich einfach noch mitnehmen, wenn ich schon mal hier bin.

Immer wieder erfreue ich mich daran, wie liebevoll die Tschechen ihre Quellen umsorgen:



So gelange ich auf den Kamm und überlege mir schon die kürzeste Cyklotrasa zum nächstbesten Bahnhof zu nehmen, da ich nach der Attacke am Tannenberg ziemich alle bin. Ein Päuschen später geht es schon besser und ich habe ja Zeit. Also radle und schiebe ich gemütlich durch die Gegend, bis unterhalb der Lausche der Grenztrail losgeht:



Zuerst über einen langen „Northshore”, dann über kurzweiliges welliges Gelände mit Wurzeln durchsetzt, wo man zumeist gut rollen kann:



Kurz vor dem Falkenstein wird es dann steil, aber ich habe keine Lust auf ewige Umwege und packe den Stier direkt bei den Hörnern bzw. das Rad an Standrohr und Kurbel, so wie es die Bikebergsteiger vormachen:



Der Aufstieg lohnt sich, der Felsen schein ja mal als Vorposten gedient zu haben, wie ausgeschlegelte Treppen und Balkenfalze nahelegen. In den Balkenfalzen war sicher mal eine Vortreppe verankert, so dass man nicht einfach hochsteigen kann. Aber auch der Blick vom Gipfelfuß in Richtung Lausche erfreut:



Nun kürze ich etwas ab und rolle nach Krompach hinab. An historischem Standort ist ein Restaurant mit Pension wiedererstanden und nennt sich zweisprachig Na Hřebenovce - Am Kammweg. Es ist urst gemütlich darinnen und ich ordere erstmal Kalorien und Vitalstoffe satt:



Solcherart gestärkt, aber auch etwas träge nehme ich den Hochwald in Angriff. Zum Glück verläuft der Weg zunächst nur schwach ansteigend, wird dann etwas steiler und steiniger. Wasserrinnen aus gesetzten Steinen lassen erkennen, dass hier mal die Gebirgsvereine aktiv waren. Das letzte Stück will ich mir erleichtern und weiche auf einen schönen flachen Seitenweg aus, der zum rot markierten Weg - und zugleich dem Grenztrail - führt.

Das war wohl nichts mit leichter:



Frage an die Zittau Connection: ist da schon mal jemand zumindest zum Teil runtergehoppelt?

Es geht noch steiler, aber da sind auch Stufen gesetzt und man ist ja praktisch schon oben.



Oben schweift der Blick weit übers Land und bleibt unweigerlich am Jeschken hängen:



Hier gerate ich ein wenig ins Philosophieren: bei mir wird die Freude oftmals durch das Bekannte gesteigert. Jedesmal wenn ich in meinem Revier unterwegs bin, erkennen ich sofort mehr Berge, werden daran verknüpfte Erinnerungen wach, was die Freude zum bloßen Auf-dem-Berg-sein zusätzlich steigert. Was für ein Gegensatz zu unserem Zeitgeist, wo alles nur noch „Hot” und „New” sein muß, und wer zweimal im selben Wald pennt, gehört schon zum Establishment, um einen altlinken Kampfspruch mal abzuwandeln.
Ob die mit der gewünschten und gelebten Flexibilität und Mobilität einhergehende Beliebigkeit den Lebensgenuß steigert, muß wohl jeder für sich selbst herausfinden ...


Beim folgenden DH ist dann auch ganz schnell Schluß mit Gehirnfasching und ich bin ja auch ein wenig ein Trendopfer, wie ich so mit Schonern und FF-Helm am Rucksack um die Fichten eiere ...



Zwischendrin wird es mir zu lose im Geröll und ich mag mich wegen 20 m nicht erst erneut umkleiden, also kneife ich und rolle weiter unten im Flachen weiter. Der Weg hats aber ganz schön in sich, bis zum Kammloch ist kaum ein Meter zum Verschnaufen drin in dem ausgewaschenen und verwurzelten Weg.

Dieser Weg sah auf der Karte ganz interessant aus, entpuppt sich aber als langweiliger Forstweg. Zuerst geht es durch monotonen Kieferwald und dann, Abwechslung muß sein, durch Fichten-Monokultur. Also kürze ich über einen abzweigenden Wanderweg ab, rolle über Wiesenwege und diverse Straßen nach Jablonné v Podještědí · Deutsch Gabel. Dort werden zuerst Kronen und direkt danach Bier, Zopfkäse und Kümmelstangen ausgefasst, schließlich strebe ich jetzt das Camp an.

Dann warte ich auf einem interessanten Bahnhof auf den Zug, der mich auf die Bergeshöhe am Jeschken bringen soll. Überall grünt und blüht es,



ein winziges Eisenbahnmuseum ist vorhanden und irgendwas mit Kunst und Galerie kann ich entziffern.

Ich versuche mich auch in formaler Fotokomposition:



Dann rattert der Zug heran und ich quetsche mich ins winzige Fahrradabteil, wo zwei Räder hängen können. Meine dicken Pellen passen in die Halterung nicht rein, aber bald bin ich in Novina · Neuland, wo insbesondere das Novinský viadukt · Neuländer Viadukt, ein technisches Denkmal, von Interesse ist:



Es geht anfänglich eine steile Straße durch das kleine Dorf mit seinen Umgebindehäusern, dann steigt ein Forstweg allmählich an. Das letzte Stück zum geplanten Wildcamping-Platz nahe der Dánské kameny · Dänsteine sieht dank „vorbildlicher” Forstwirtschaft so aus:



Auf der Suche nach Wasser wurde es dann noch feuchter: auf mapy.cz war eine Quelle eingezeichnet. Ein kleines Bächlein ist am fraglichen Ort schnell ausgemacht, aber auf der Suche nach der Quelle merke ich erst, dass ich quasi mittendrin stehe, als es in den Schuhen feucht wird o_O
Es gelingt mir dennoch Wasser zu fassen und ich schnaufe und keuche noch die letzten steilen Höhemeter hinauf bis zum Kammweg.

Für Nachfahrer: möglicherweise ist es schlauer, bereits in Křižany auszusteigen und via Cycklotrasa 21 und 3007 hochzuradeln.

Die Dänsteine sind zwei Felsgebilde: ein kleineres, in dessen Nähe ich mit mühe ein isomattengroßes ebenes Stück finde und mich häuslich niederlasse.



Weiter abwärts befindet sich , etwas schwer zugänglich, ein weitaus größeres Felsmassiv, welches bergseitig unschwer erstiegen werden kann und eine eingeschränkte lokale Aussicht bietet.

Mit Gegend erkunden, Camp einrichten, Essen kochen und bettfertig machen vergeht die Zeit wie im Fluge und bald liege ich flach. Im Einschlafen denke ich noch, dass ich mit dem Tarp eigentlich zum ersten Mal so richtig mitten im puren Wald penne ...

Wie es weitergeht und ich zu den eingewickelten Armen komme erfahrt ihr morgen!

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Bikepacking & Bikepark = BP² (Teil 2)

Heute sollte es zu einem echten Bikepark gehen, mit Lift und mehreren Lines - deshalb auch mein strategisch günstiger Biwakplatz.

Nachdem ich in aller Ruhe alles wieder zusammengepackt habe, gibt es ganz bequem Frühstück am Rastplatz unweit des Dänsteins.



Gegen 9 Uhr radel ich dann los, aber diesmal geht es nicht auf den Gipfel selber, vielmehr sind die
Terasy Ještědu · Jeschkenterassen und vor allem die dort vorhandenen Aussichtsfelsen mein erstes Tagesziel.

Am hintersten Eck vom Parkplatz zweigt der gelb markierte Weg ab und dank des nicht so tollen Wetters bin ich auf den Wegen für mich allein. Der erste Seitenweg führt zu einem Felsgebilde namens Kamenná vrata · Torstein. Bissel Morgensport kann ja nicht schaden:



Es geht mal etwas in gleicher Höhe voran, aber auch Gegenanstiege sind zu bewältigen.

Der FF-Helm und die Schoner passen ja beim besten Willen nicht in den Rucksack, und ich bin eigentlich überhaupt kein Freund irgendwelches Zeugs draußen herumbaumeln zu lassen und wie so ein alpiner Mausefallenhändler daherzukommen. Aber es nützt ja nichts und so sieht meine Konfiguration dann zumeist aus:



Ein kurzer, sorgfältig gebauter Stichweg führt zu einer außerordentlich lohnenden Aussicht auf den
Červený kámen · Roten Felsen (?). Der Jeschken hüllt sich heuer in Nebel



aber dennoch schweift der Blick weit ins Land.



Man kann sich gar nicht satt sehen, aber aufkommender Nieselregen veranlasst mich zur Weiterfahrt.

Die letzte Meile führt über Asphalt zu einer Kreuzung nahe der Unterkunft Pláně pod Ještědem und dann stehe ich davor:



Der Plan ist nun, den leichtesten, mit B2 bezeichneten Trail zur Talstation hinabzufahren und mindestens einmal mit dem Lift wieder hochzugondeln. Anhand von Videos war ersichtlich, dass die jüngste der Abfahrten genau mich als Zielgruppe hat und deshalb auch „Turistička” heißt.
Im Grunde handelt es sich um einen gepimpten Forstweg, wo immer wieder seitlich eine Art Steilkurven für Flow und Fahrvergnügen sorgen sollen. Teils gibt es auch kleine Hügelchen, ähnlich wie bei einem Pumptrack.

Nur, erstmal muß ich den Einstieg in den Trail finden. Etwas weiter oben ist er:



Also schnell umgezogen, Sattel runter und los gehts!
Am Anfang ist das sogar ein mäßig rauer Singeltrail, mit leichten Kurven



und dann geht der eigentliche Forstweg los. So sehen die gebauten Teile für den Wannabe-Downhiller aus:



Manchmal könnte man abheben und ums Eck springen, andermal ist es eher wie ein Wallride. Aber man kann auch über alles drüber rollen und bekommt auch so ausreichend weiche Knie!

Auch der Forstweg verändert sein Gesicht und es folgen steile, ausgewaschenere und leicht verblockte Passagen. Alles in allem genau meine Kragenweite und mein Bikeparkpacking-Konzept scheint ja echt aufzugehen :hüpf::i2:

Unten angekommen sondiere ich zunächst die Lage



und komme daraufhin ins Gespräch mit zwei tschechischen Ridern, die ganz ordentlich Englisch können.

Die seien also schon öfter hier gewesen und wollen dann den roten Trail direkt unterm Lift abfahren. Der blaue Trail? Boring (langweilig). Ich soll doch auf den roten Trail mitkommen, der ist viel besser! Ja, sie seien auch keine Cracks und würden auch alle Chickenways fahren. Pause machen müssten sie auch. Mein großer Rucksack? Kein Problem, den kann ich doch bei dem netten Mädel im Imbiß verstauen!

Das geht auch tatsächlich, und ich wäge ab: Mammut jagen oder Heidelbeeren pflücken? Engelchen oder Teufelchen? Wie viele Videos habe ich mir schon angesehen, von genau dieser Abfahrt, mit mehreren Leuten geredet, die da waren und teils deren Helmkamerafilme angesehen. Soll ich bis an mein Lebensende nur Videos anglotzen??
Irgendwann muss es ja auch mal die Vorbereitung ins Tun münden ... die zahllosen Runden auf den Hometrails ... der City-DH durch mein Wohnviertel mit der 10stufigen Treppe am Abschluß, wo ich ohne Treppenkontakt ins Flat springe ... und ich kann mir ja den Trail beim Hinaufgondeln nochmal in aller Ruhe anschauen.

Also löse ich für 100 Kronen eine Einzelfahrt und als es soweit ist, entschwebe ich der Talstation. Hinter mir hängt mein treues AKA, neben mir liegt der FF-Helm und ich schiele zu den schönen Schwüngen hinab, die sich durch die Schneise zirkeln.

Oben angekommen, machen ein paar Rider mit richtig schwerem Gerät noch Aufwärmübungen, meine beiden tschechischen Radfreunde rollen direkt los, ich hinterher.

Es geht ohne Unterbrechung einfach nur steil bergab. Was man aus der Vogelperspektive nicht sehen kann: der Track ist übelst ausgespült, man fährt eigentlich die ganze Zeit durch loses Geröll. Dass muss ich entsprechend abfedern, und bin froh, als ich an günstiger Stelle aus dem Track herausfahren kann.

Puuuh, das geht in die Knochen! Mein lieber Schollie, da kommt der tanztee ganz schön ins Schnaufen.
Die Tschechen warten schon und meinen, das ist eben das erste Mal, da waren die auch am Limit.

Weiter geht es und dann folgt eine Schleife in den Wald, wo der Track mehr DH-Charakter annimmt. Es geht über derbste Wurzelteppiche und eine Anzahl Stufen sind noch extra eingebaut.
Da komme ich sogar ganz sauber rüber - an den Stufen verlagere ich das Gewicht extrem nach hinten und der Rest wird mit Oberschenkel-Suspension ausgebügelt. Die Tschechen sind da fast mehr neben dem Track gefahren, da ist es nicht ganz so ruppig.

Als ich aus dem Wald herauskomme und wieder dem Freeride-Trail in der Liftschneise zustrebe, fädelt die Spur ganz oben in eine Steilwandkurve ein. Da ich nach dem heftigen Trailstück im Wald noch nicht genug Tempo aufgebaut habe, stehe ich viel zu steil in der Wand und Zack! rutschen ohne Vorwarnung beide Räder nach links weg. Im nächsten Moment liege ich auf dem Rücken, ein Bein ist zwischen Lenker und Rahmen verknotet und ich entwirre mich erstmal, um an den Rand der Strecke zu gelangen.

Es sieht zunächst so aus: Die Schoner haben ganze Arbeit geleistet! Auch der Helm hat seinen Job getan, ich hab nur etwas Dreck in der Fresse. Aber der linke Daumen ... nicht schon wieder ... :heul: den hats erwischt und der ist einfach gnadenlos überdehnt worden :wut:

Zum Glück habe ich ein 1.-Hilfe-Päckchen in der Seitentasche einstecken und kann den Daumen feldmäßig bandagieren. Dann checke ich das Rad, was praktisch keine Schäden aufweist. Nur der Sattel ist leicht verdreht, ist ja klar, erstens war ich nicht wirklich schnell und zweitens habe ich wohl den Hauptteil der Energie abgebaut :aufreg:

Naja, mit Zähne zusammenbeißen eier ich den restlichen Trail hinab und setze mich hin. Bei einem Käffchen am Imbiß überlege ich nun meine weiteren Optionen und stelle fest, dass ich eigentlich jetzt nur noch nach Hause will.

Hier der Retter meines Lächelns mit allen Zähnen:



Mit dem Daumen ist nunmal leider kein Blumentopf mehr zu gewinnen:



Da die GPS-Halterung auch hinüber ist, irre ich recht unbeholfen durch die zahlreichen gewundenen Nebenstraßen ins Zentrum, wo ich mich bei einem Imbiß stärken kann und den geordneten Rückzug durchdenke. Am Bahnhof angekommen, fährt auch bald der Zug von genau der Verbindung, die ich ohnehin für die Rückreise geplant hatte.



Da die Verbindung direkt via Zittau aufgrund des Schienenersatzverkehrs für die Radmitnahme zu riskant ist, zuckel ich nun in gewohnter Manier durch die tschechischen Lande und fahre über Děčín nach Dresden. Wie ich so zur Ruhe komme, fängt es nach und nach überall am Körper an, weh zu tun; vor allem das rechte Handgelenk macht sich nun deutlich bemerkbar. Ich versuche mit einem kühlen Blechbrötchen zu kühlen, aber es hilft nicht wirklich. Also besser trinken, vielleicht wirkt es ja innerlich besser!

Im Endeffekt bin ich dann in Dresden, nach kurzem Boxenstopp, mit meinen verschwitzten Bikeklamotten mit dem Taxi um 9 in die Notaufnahme gefahren und die haben mich dann in der Summe 3 Stunden lang untersucht (immer wieder mit Wartezeiten dazwischen).

Ergebnis: nichts ist wirklich gebrochen, alle inneren Organe sind auch intakt geblieben, aber am linken Daumen ist irgendwo ein kleines Knochenfragment zu sehen, das frisch abgebrochen *oder* ein Überrest einer Altverletzung sein könnte. Deshalb wurde mir dann die Schiene verpasst!

Lasst es mich mal so formulieren: Ja, ich habe das Mammut gejagt und es hat mir gehörig die Stoßzähne gezeigt :mad:
Jetzt werde ich die nächste Zeit in der Höhle sitzen und Wunden lecken, und mir Überlegen, wie ich das alles schlauer angehen kann.

Damit will ich hier den Sack für heute zubinden und will die Tage nochmal ein gesondertes Fazit verfassen.

Bis dahin:

ride on!
tanztee
 
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@tanztee Gute Besserung auch von mir.
Glaub mir, es hätte auch schlimmer kommen können. Ich habs vor knapp 3 Wochen geschafft bei Schrittgeschwindigkeit einen Vorwärtssalto zu drehen und gleich beide Flügel auf einmal zu brechen...:wut:
...und das auch noch auf der Hausrunde an einer Stelle die man vorher geühlt 1000 Mal gefahren ist... :wut:
 

tanztee

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Ich habs vor knapp 3 Wochen geschafft bei Schrittgeschwindigkeit einen Vorwärtssalto zu drehen und gleich beide Flügel auf einmal zu brechen...:wut:

Dir dann auch gute Besserung! Hände und Arme als solche kann man eben schlecht schützen und irgendwo geht die Energie nun mal hin :(

Nachdem alles nun etwas gesackt ist, hier ein vorläufiges

FAZIT & weitere Gedanken

(aus dem Light Bikepacking Fred kopiert)

Das Tourenformat an sich könnte aufgehen, wenn - zumindest ich für mich - folgendes beachten würde:
  • schon mal vorher in richtigen Bikeparks fahren (ist bei mir ohne Auto nur ein wenig sportlich oder man muß warten, bis Leuten einen Mitnehmen)
  • extrem an der Gewichtsschraube drehen und aber auch wirklich alle Register ziehen, was Gewichtsreduktion anbelangt (Edit: noch weniger Essen nitnehmen und mehr auf Zukäufe/Imbiß setzen; nur Frühstück komplett autark)
  • nen leichtes Fully kaufen :eek::rolleyes:
  • und so einen konvertierbaren Helm mit abnehmbaren Kinnbügel, wenn die was taugen, nutzen, weil das Jonglieren mit 2 Helmen hat echt genervt
  • konsequent auf den blauen Trails bleiben (zumindest bis zur McAskill Genübertragung :p) und schauen, dass die Lines ordentlich geshapet sind. Will Spaß haben und Do-it-or-Die-Sachen fallen aus.
(Ende Kopie)

Gut funktioniert hat an und für sich der Transport aller Dinge im Rucksack, das Design funktioniert und dank der gut zugänglichen Seitentaschen fehlt auch der Feedbag am Lenker nicht wirklich. Ich hatte ja nicht mal eine Satteltasche dabei. Nur das Befestigen der Protektoren hatte ich nicht wirklich zufriedenstellend gelöst, wobei die Ellebogenschoner im Sack drin waren.

Es wäre sogar denkbar, eine entsprechende Tasche am Rücken des Rucksacks zur Aufnahme eines dieser leichten Rückenprotektoren vorzusehen.
Aber wie immer ist die Frage bei der Schutzausrüstung: Wo anfangen, wo aufhören?

Natürlich war ich im Endeffekt froh, alles mitgeschleppt zu haben. Die Schoner haben ihren Job erledigt (nur die Knie/Schienbeinschoner saßen nicht fest genug, hätte ich straffer schnüren bzw. auf der nackten Haut tragen sollen).
Der FF-Helm, obwohl aus der Low-Budget-Ecke stammend, ist mit 859 g sogar vergleichsweise leicht und nach feucht Abwischen ist da kaum eine Schramme zu entdecken 8-) (bin ja auch mehr mit dem Kinnbügel aufgekommen).
Bei noch mehr Protektion wäre dann irgendwann das Volumen/Gewichtslimit überschritten, dann kann man auch gleich mit Ritterrüstung (Protektorjacke) und E-MTB losrollern ...

Im Endergebnis wurde mir klar, dass ich mehr auf sauber geshapte, gut rollbare Lines gehen werde, wo höchstens mal ein kleines Steinfeld für Abwechslung sorgt und der Flow mehr im Vordergrund steht als die ruppige Knochenschüttler-Nummer. Auch sollte man on Tour lieber merklich unter seinen Fähigkeiten bleiben.

Die beiden Tschechen haben auch in höchsten Tönen vom Trailpark Rychlebské stezky geschwärmt! Der ist zwar etwas abgelegen, aber die Videos sind auf jeden Fall vielversprechend und er schein technisch anspurchsvollere Abschnitte als die Singltreks zu haben.

Mit diesen Worten will ich mich mal für ein Weilchen zurückziehen, neben der Gesundwerdung warten noch diverse andere Herausforderungen auf mich.

Aber keine Bange ... I'll be back 8-)

ride on!
tanztee
 
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martn

bratwurst of steel
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Im Oktober gab es ja noch mal ein Schönwetterfenster. Gute Gelegenheit, den Wechsel der Jahreszeiten und die Farben des Herbstes im Schnelldurchlauf zu zelebrieren. Wobei sich Schnelldurchlauf freilich nicht auf die Streckenleistung bezieht, die IG Pausenkultur wird sich ja nicht lumpen lassen. Ich hatte noch Resturlaub, Matze hatte auch Zeit und so schlenderten wir im verspäteten Spätsommer auf den Spuren der Gesteinswechsel vom Erzgebirge runter in den Elbsandstein, über die Elbe rüber zu den Basaltbrocken des Lausitzer Gebirges und wieder zurück durch den Sandstein zur Elbe. Drei Tage, drei Gebirge, zwei Jahreszeiten. Kann man schonmal machen.

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Das Meer der Wolkane by Martin Dinse, on Flickr

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Donnerschau by Martin Dinse, on Flickr

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Mosquitower by Martin Dinse, on Flickr

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Auf Kante by Martin Dinse, on Flickr

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Wide Range Chain Routing by Martin Dinse, on Flickr

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Fußbad by Martin Dinse, on Flickr

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Sneznik Shadowrise by Martin Dinse, on Flickr

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Schattenspiele by Martin Dinse, on Flickr

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Dichteprüfung by Martin Dinse, on Flickr

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Thou Shalt Hydrate by Martin Dinse, on Flickr

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Support Your Local Potraviny! by Martin Dinse, on Flickr

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Wer braucht schon Schlafsäcke? by Martin Dinse, on Flickr

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Good Morning Sandstein by Martin Dinse, on Flickr

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Rise and Ascend by Martin Dinse, on Flickr

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Orgelfred und Orgelklaus by Martin Dinse, on Flickr

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Visually Deafening Trail Noise by Martin Dinse, on Flickr

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Farbkalibrierung by Martin Dinse, on Flickr

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Step by step Cornering by Martin Dinse, on Flickr

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Umsatz by Martin Dinse, on Flickr

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Schmetterpuppe by Martin Dinse, on Flickr

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Endlich mal wieder ne Furt by Martin Dinse, on Flickr

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Outflow Trail by Martin Dinse, on Flickr
 
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Quatsch, die ist noch gut. Die Struktur ist fast vollständig da und es ist 80% des Holzaufbaus drauf :D

Was habt ihr denn edles in die Packtasche gekippt?

Auf jeden Fall eine sehr sehr hübsche Runde.
 
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tanztee

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Back with a Bang Bike!

Wie kommt tanztee wieder zu einem Rad?

Da sitzt der tanztee also so mit ohne Bike zu Hause, und plötzlich ruft ein alter Freund an. Ewig nichts voneinander gehört, aber ob ich nicht das eine oder andere Rad brauche oder jemanden kenne ... er muss seinen Fuhrpark verschlanken.

Im Endeffekt habe ich ein waschechtes 4X-Rad zu so einem günstigen Preis erwerben können, dass sich der Freund absolutes Rückkaufrecht ausbedungen hat und ich wieder im Bikeareal meine Runden auf der 4X-Strecke und den leichten Dirthügeln drehen kann. Wir sprechen hier wohlgemerkt von einem Rad mit 15" Rahmenhöhe und einem „Berggang” mit der Wahnsinnsübersetzung 38 zu 25 28. Die 38 sind vorne o_O

Es gibt noch ein Tourenradprojekt unter Mithilfe eines Users hier, aber das ist noch nichts für die Öffentlichkeit ... aber ich habe wieder Blut geleckt.
Die ersten Trepppenstufen runterhuppen ... der kleine Trail direkt nach Feierabend ... im Bikeareal auf die Schaummatratze („Foampit“) springen ... endlich bin ich wieder ein Mensch :i2:

Dann wollte ich undbedingt wieder mal im Wald pennen, aber mit nem 4X-Rad ins Gebirge? Wer macht denn sowas krankes!? :spinner:

Öööhm, jaaaa, also radelte ich Freitag abend dann doch noch schnell zum nahegelegenen großflächigen Fahrradfacheinzelhändler, um eine 400 mm Sattelstütze zu erwerben. Langfristige Vorbereitung ist schließlich alles :lol:

Immerhin kann ich da so einigermaßen pedalieren, und steile Berge werden eh geschoben. Flache Berge werden im Wiegetritt gemeistert - so ist der Plan. Hauptsache raus in die Berge.

Es geht los!

So sitze ich Samstag früh im Wanderexpress und gelange letztlich nach Jedlova. Da bin ich wieder im Wald:



Oh ja, das hat mir gefehlt: die Vorfreude auf die nun folgenden Trailkilometer, der Geruch von Moos und Harz, das Streiflicht im dunklen Tann, wie die letzten Spätsommerstrahlen die Feuchtigkeit der Nacht aus dem Boden dampfen ... ein nach der Dürre des Sommers satt vollgesogener Waldboden liegt vor mir ausgebreitet, fast lächelnd wie ein satter Säugling ... die Vögel zwitschern und die hohen Wipfel rauschen ...

In diese perfekte Idylle mischt sich ein markantes metallisches Klicken einer Hope Pro II Nabe :D
Wir nennen es gar liebliche Musik, für andere ist es sicher nur Lärm.

Schon habe ich den Forstweg erreicht, welcher zum Schöberpaß führt. Das Panorama ohne Schnee sieht so aus:



Zum Vergleich die Wintervariante:



Eine weiterer Forstweg bringt mich Richtung Kammweg. Blick zurück zum Jedlová · Tannenberg:



Mit mehr Schieben als Fahren erreiche ich die Lausche und mir wird förmlich das Handy aus der Hand gerissen, um mich zu knipsen:



:D :D :D

Auch das Bike hat einen gewissen Bling-Faktor



Alles beisammen: Bike, Backpack und Berge!



Dann geht es auf in den Trail geh Süden, den ich ja schon mehrfach gefahren bin und nicht als überaus herausfordernd kenne. Weit gefehlt!

Mit prall aufgepumpten, feinstolllingen CC-Pellen und einer knüppelhart abgestimmten Luftfedergabel poltert es im oberen verblockten Teil ganz gewaltig. Oooops!
Da bin ich doch durch meine Marzocchi Bomber Z1 am verblichenen AKA mit butterweich-sahnigem 150 mm Federweg und 'nem 2.4er Reifen doch ganz schön verwöhnt worden. Jetzt muss ich erstens das Tempo deutlich reduzieren und zweitens mal eine richtige Linie um die größten Brocken herum fahren :eek:

Aber das trübt überhaupt nicht den Spaß, den ich da auf dem Trail habe:



Es geht diesmal weiter herunter, Richtung Süden und die Wege sind teils sehr ausgewaschen. Mit meinem Setup ein richtiges Abenteuer!



Im Ort Hamr kehre ich erstmal in einer Gartenwirtschaft ein und treffe auf einen andere Biker. Wir unterhalten uns angeregt und ich lasse erstmal alles sacken. Im schönsten Sonnenschein dasitzen und ein kühles Getränk genießen ... es hätte schlimmer kommen können :lol:

Dann geht es auf einem überraschend schmalen Trail an einem Bach entlang. Das Foto ist jetzt speziell für @Damass :



Aufgenommen im Schwimmerbereich.

Der Trail schlängelt sich durch die Bäume, bis ein Abzweig meine Aufmerksamkeit erregt. Kurzer Abstecher zu einer Art Biwakplatz:



Trampingfreunde habe auch den Zuweg sicher gestaltet:



Der Trail wird spannender ...



... und spannender ...



... und interessanter (wohl ein alter Mühlgraben):



Am Ende des Trails sehe ich ein kleines Schild, dass Radfahren verboten ist. Durchaus nachvollziehbar, wenn man auch an schwächere Biker denkt.

Nun geht es wenig spektakulär auf Nebenstraßen zu einem Ziel auf der ToDo-Liste, dem Dutý kámen · Hohlstein. Als alleiniges Ziel eher weniger lohnend, kann man auf Tour durchaus mal hinfahren.

Es gibt sonderbare Felsformationen



Theodeor Körner wird gehuldigt



Eine schmale Treppe



führt zu einer leider etwas zugewachsenen Aussicht, aber immerhin ist der Klíč · Kleis ist auszumachen:



Nun ja, so sammle ich wieder mein Fahrrad im Wald auf und strebe gezielt einer mir wohlbekannten Labungsstätte in Sloup · Bürgstein entgegen:



Ich grabe mal ein olles Foto raus, so lecker ist das da:



Die Übernachtungsstelle ist nicht mehr weit und es geht größtenteils über Landstraßen. Der Ortel · Ortelsberg zeigt sich von der besten Seite:



Auffallend sind die vielen Motorradfahrer, welche mit Getöse über den Asphalt düsen. Klar, in der Nähe ist ja auch die berühmte Motorradkneipe in einer künstlichen Sandsteinhöhle.

Hintergrund: Hier in den sog. Spiegelsandhöhlen wurden in der vorindustriellen bzw. frühindustriellen Zeit untertage feine Sande abgebaut, welche zum Schleifen von Spiegeln verwendet wurden. Die gewölbeartigen Abbauhöhlungen sind heute noch zu sehen und teils frei zugänglich. Ein außerordentlich langer Wasserstollen diente dem Antrieb entsprechender Mühlen.


Kurz vor meinem Nächtigungsplatz biege ich in einen unmarkierten Weg ab, da ich nicht nur Straße fahren will. Eine gute Idee, wie sich auch gleich herausstellt.

Es fängt klein an mit den Höhlungen:



steigert sich dann mit kühnen Durchbrüchen zur Wasserführung



wird durch ein (privates!) Trampinggelände aufgelockert



und kulminiert in dem eben erwähnten wohl ca. 150m langen ehemaligen Wasserstollen:



Zur Abwechslung einfach mal eine riesige natürliche Höhle, wo wohl ganze Schulklassen nächtigen könnten:



Das Tal mündet wieder in die Landstraße ein und da ist auch schon eine weitläufige Spiegelsandhöhle:



Dann zweigt ein schmaler Pfad zum Biwak ab, welches ich in einem anderem Forum gesehen hatte und schließlich auch durch gezielte Recherche lokalisieren konnte.

Willkommen im Bärencamp:



Der Küchenbereich:



Die Haustafel mit wichtigen Informationen:



Blick aus den Schlafhöhlungen:



Es wurde auch eigens das Flußwasser angestaut und ein Steg angelegt, damit der Trampingkamerad sich die heißgelaufenen Füße kühlen kann ;)



Schlußendlich sitzen dann insgesamt zwölf Trampingfreunde ums Lagerfeuer, es werden Lieder gesungen und das Feuer lodert. Über uns breiten sich die Sterne aus ... diverse Erfrischungsgetränke werden verköstigt ... auf Deutsch und Englisch können wir uns ganz gut verständigen und es wird stolz auf die 100jährige Tradition des Tramping hingewiesen.

Anmerkung: Camping ist, wie im verlinkten Artikel dargestellt, vermutlich nicht so einfach erlaubt, aber ich denke dass Nächtigen gemeint ist. Das ist ja sogar bei uns auch im Wald erlaubt.

Dann lege ich mich auf den topfebenen Höhlenboden, der fein mit weichem Stroh ausgepolstert ist und gönne den müden Gliedern die wohlverdiente Ruhe.

Fortsetzung folgt!

ride on!
tanztee

Edith sagt: Zähnezahl max. hinten korrig.
 
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Th.

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15. Februar 2011
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Geniale Gegend - beim duty Kamen steht ein sackschwerer Klettergipfel - bin ich dereinst in meinen besten Zeiten sang- und klanglos abgeblitzt...

Schön, dass du wieder unterwegs bist...
 
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