Zum Thema Arbeitskosten hätte ich da eine kleine Anekdote:
Ich habe neulich ein altes KTM-Trekkingrad von einem Freund übernommen, weil er es entsorgen wollte. Habe es mir als Upgrade für mein Stadt- und Bahnhofsrad aufgebaut.
Anfangs habe ich nur ein paar
Schwalbe Hurricane
Reifen und eine CS-HG201-9 für gut 51€ gekauft, und das Rad mit
Sattel, Vorbau, Lenker und Griffen aus meinem Bestand wieder fahrbar gemacht. Die 27,2er Sattelstütze musste ich für 12,5€ neu kaufen, weil ich keine hatte die lang genug für mich war. Damit ich eine Anhängerkupplung, und eine normale HG-Kassette montieren konnte, habe ich mir für kleines Geld eine gebrauchte
Shimano HR-Nabe geholt, und auf 10mm Schraubachse umgebaut. Natürlich musste ich das zweimal machen, weil die neuen Konen doch nicht richtig zur Nabe passten. Einen Nabendynamo habe ich auch gleich noch dazu geholt. Nach dem Nabentausch war die gebrauchte Felge hinten leider nicht mehr wirklich gerade zu bekommen, und damit auch wieder auf der Austausch-Liste.
Eine 36-Loch 28-Zoll Felge, mit über 19mm Maulweite, für Felgenbremse zu finden stellte sich als erstaunlich schwer heraus. Zum Glück fand ich heraus dass es bei Trek die "
Bontrager Connection 700c" zu einem sehr guten Preis gibt. Neue
Felgen bedeuteten auch neue Speichen, also gleich noch eine umfangreiche Bestellung bei CNC zusammengeklickt, weil dort die schwarzen CN-Speichen nur 33ct kosten.
Damit klappte der Aufbau der neuen Laufräder problemlos, mit kompletten Materialkosten von 95€ inkl. Nabendynamo und HR-Nabe. Hmmm. Das ist zwar günstig, aber dennoch mehr als ursprünglich geplant.
Und weil die alte RST-Federgabel massives Buchsenspiel hatte, kam auch noch eine neue Alu-Starrgabel für 60€ von CNC mit drauf. Dazu noch eine günstige LED Frontlampe, und ein paar gebrauchte Schutzbleche. Plus ein gebrauchter Tubus-Gepäckträger aus meinem Bestand.
Jetzt habe ich also für 250€ und ca. 100€ Wert an Bestandsteilen ein gut funktionierendes Trekkingbike, mit einem Gebrauchtmarktwert von ca. 500€. Der vermeintliche Mehrwert von 150€ war nur möglich, weil Rahmen, Lager, Kurbel,
Bremsen und Schaltung kostenlos waren.
UND weil ich keinen Cent für meine insgesamt locker 15h Arbeit eingerechnet habe (inkl. Suche nach passenden günstigen Teilen).
Als reine Gewinn-/Verlustrechnung betrachtet, wäre das ein Arbeitswert von 10€/h - ich weiss nicht ob ich lachen oder heulen soll.
Selbst bei Arbeitskosten von sagen wir mal 50€/h (von denen kein ehrlicher Fahrradladen leben kann) hätte dieser Aufbau in keinem Verhältnis zu seinem späteren Wert mehr gestanden.
Was habe ich daraus gelernt?
Mein internes Gefühl davon was Arbeit am Rad kosten darf, ist irriger Weise davon beeinflusst, welchen Marktwert-Zuwachs sie gebracht hat. Das ist aber mein persönliches Problem, und steht in keinem Verhältnis zum realen Wert oder Preis dieser Arbeit.
Private Bike-Schrauberei ist alles mögliche: Hobby, Entspannung, Knobelei, Selbstermächtigung... und in vielen Fällen eben die einzige Möglichkeit solche Projekte irgendwie kosteneffizient durchzuführen. Wer aber dazu nicht selber in der Lage ist, der zahlt eben 900€. Dafür fährt er aber sein geliebtes Rad weiter, tut etwas für die Umwelt, und sorgt dafür dass jemand seine Brötchen verdienen kann.
Und trotzdem bin ich sehr froh alles selber Schrauben zu können.