XTR-9200-Antrieb an Rahmen mit 52-mm-Kettenlinie

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Hallo zusammen,

ich würde gerne eine XTR-9200er-Gruppe an einem etwas älteren Rahmen verbauen, an dem sich aktuell eine SRAM-Eagle-Gruppe befindet. Ich plane die Umrüstung des gesamten Antriebs (Kassette, Kette, Schaltwerk, Trigger, Innenlager, Kurbel, Kettenblatt, Freilaufkörper).

Der Rahmen ist auf die klassische 52-mm-Kettenlinie ausgerichtet, was mit dem SRAM-3-mm-Offset-Blatt an der Kurbel wunderbar funktioniert.

Die 9200er-Gruppe ist ja bekanntermaßen auf 55-mm-Kettenlinie ausgelegt. Die Welle ist breiter. Das vorgesehene Kettenblatt (CRM96) hat kein Offset. Dadurch ist der Antrieb erstmal nicht mit älteren Rahmen kompatibel. (RIchtig zusammengefasst?)

Welche Lösungen kommen in Frage? Was funktioniert tatsächlich gut?

Lösungsgedanke 1: Einen kompletten 9200er-Antrieb kaufen, abgesehen von der Kurbel. Hier eine 9100 verbauen?

Lösungsgedanke 2: Ein Kettenblatt vom Dritthersteller verbauen, das mit 3-mm-Offset angegeben ist, wie dieses Wolf Tooth (SHDM30-BST-SH12): Allerdings habe ich trotz intensiver Suche und Rücksprache mit KI kein eindeutiges Fazit gefunden. Passt das Kettenblatt tatsächlich an die FC-M9200-Kurbel? Zieht es durch den angegebenen 3-mm-Offset die Kettenlinie wirklich auf 52 mm?

Ich würde mich sehr über eure Gedanken und Hilfe freuen. Falls es doch schon einen Thread zu diesem Thema gibt, den ich nicht gefunden habe, bitte verlinken.

Danke und Gruß
Andreas
 
Zuletzt bearbeitet:
Was heißt denn älterer Rahmen? Relevant ist die Breite der Hinterradnabe und wie groß das Hinterrad ist bzw. wie lang die Kettenstrebe.

Shimano hat mit der *100-Generation am MTB postuliert, dass 52 mm auch für Non-Boost (Hinterradnabe 10x135 5 mm Schnellspanner oder 12x135 mm Steckachse oder 12x142 mm Steckachse) passt. Klassisch hätte man dort 49 mm verbaut, 52 mm war ursprünglich nur für Boost (10x141 5 mm Schnellspanner oder 12x148 mm Steckachse).

Genauso hat man 55 mm eingeführt für Boost-Hinterbauten, um mehr Platz für breitere Reifen und kürzere Hinterbauten zu schaffen.

Zum Thema Offset sollte man zunächst mal nicht den Fehler machen, absolut zu denken. Man liest oft Beiträge, wo die Offsets von SRAM, die schon innerhalb der SRAM-Welt nicht konsistent waren, auf andere Marken übertragen wurden. Shimano hat glaube ich nie Offsets kommuniziert. Alle sagen jetzt, die alten Kettenblätter der *100-Generation hätten 3 mm Offset und die neuen 0 mm, ich weiß aber nicht ob es jemand mal exakt nachgemessen hat. In der Differenz stimmt es wohl, siehe die folgenden Überlegungen.

Was man mit Blick auf die Specs und die Exploded View bei Shimano sieht, ist dass die Spacer auf der Welle bei FC-M9200 und FC-M9220 wegfallen. Deine Aussage, die Welle sei breiter, ist somit falsch - die FC-M9200 und FC-M9220 haben dieselbe Wellenlänge wie die FC-M9100. Mehr zu den drei verschiedenen Wellenlängen der FC-M91** habe ich in diesem Beitrag aufgedröselt.

Der größere Q-Faktor entsteht also durch weiter gekröpfte Kurbelarme, die Position der Kettenblattaufnahme bleibt gleich und daher ist davon auszugehen, dass die Kettenlinienveränderung 1:1 einer Offset-Veränderung entspricht.

Daraus ergeben sich folgende Lösungsmöglichkeiten:

Hat der "etwas ältere Rahmen" schon Boost, was es seit ca. zehn (!) Jahren gibt, kannst du die FC-M9200 oder FC-M9220 mit dem zugehörigen Kettenblatt SM-CRM96 verbauen.

Hat er noch kein Boost oder dir ist 55 mm Kettenlinie zu viel, kannst du das alte Kettenblatt SM-CRM95 oder ein Drittanbieter-Blatt für die *100-Generation verbauen, um auf 52 mm Kettenlinie zu kommen.

Ist dir der Q-Faktor von 170 mm an der FC-M9200 zu groß und der Rahmen ist schmal genug, kannst du auch die FC-M9100 mit 162 mm Q-Faktor verbauen und wiederum die Kettenlinie mit der Wahl des entsprechenden Kettenblatts anpassen. Das gilt für die FC-M9120 natürlich genauso, die hat aber nur 2 mm weniger als die FC-M9200.
 
Ich danke dir sehr für deine Antwort. Ich werde mich später noch ausführlich mit deinen Schilderungen beschäftigen.

An dem Bike (432 mm Kettenstrebenlänge, Jahrgang 2021) ist zurzeit eine Eagle GX/X01-Kombi verbaut. Boost, 52 mm Kettenlinie mit Mavic-ID360-Nabe eines Crossmax-LRS.

Verstehe ich dich zusammengefasst und verkürzt richtig, dass ich mit einer FC-M9200-Kurbel und einem CRM95-Kettenblatt bereits problemlos die 52er-Kettenlinie erreiche? Ich wundere mich, dass ich keinerlei Quellen im Internet finde, wo genau das gemacht und getestet wurde.
 
Warum willst du unbedingt eine 52er Kettenlinie, wenn die Schaltung für 55mm ausgelegt ist?
Bzw, warum nicht einfach die SRAM Kurbel behalten und ein Shimano kompatibles Kettenblatt drauf machen?
Ich will das nicht "unbedingt". Ich hätte einfach Freude an einer sauberen und vollständigen XTR-9200er-Gruppe an dem Bike. Aber eben nicht um jeden Preis.

Daher dieser Thread: Wenn die XTR-9200-Gruppe auf 55-mm-Kettenlinie ausgelegt ist, das an einem älteren Rahmen aber zu permanentem Schräglauf führen würde, dann hätte das Projekt für mich keinen Sinn.

Technisch fehlt mir da vermutlich noch das 100% korrekte Wissen, inwiefern ein "auf 52-mm-Kettenlinie ausgelegter Rahmen" gut mit einer auf 55 ausgelegten Gruppe harmoniert.
 
Ich will das nicht "unbedingt". Ich hätte einfach Freude an einer sauberen und vollständigen XTR-9200er-Gruppe an dem Bike. Aber eben nicht um jeden Preis.

Daher dieser Thread: Wenn die XTR-9200-Gruppe auf 55-mm-Kettenlinie ausgelegt ist, das an einem älteren Rahmen aber zu permanentem Schräglauf führen würde, dann hätte das Projekt für mich keinen Sinn.

Technisch fehlt mir da vermutlich noch das 100% korrekte Wissen, inwiefern ein "auf 52-mm-Kettenlinie ausgelegter Rahmen" gut mit einer auf 55 ausgelegten Gruppe harmoniert.

Du hast einen Denkfehler. Die Kettenlinie ist unabhängig vom Rahmen.
Es gibt Rahmen, die eine gewisse mindestkettenlinie Vorraussetzen, weil die Kette/Kettenblatt zu weit innen sind und am Rahmen streifen.
Aber zu weit außen gibts nicht.
Ansonsten hat der Rahmen (Boost Nabe vorausgesetzt) keinen Einfluss auf die Schaltperformance, falls du dir darum Sorgen machst.

Hättest du einen Rahmen mit 55mm Kettenlinie und willst ne Schaltgruppe / Kurbel mit 52mm verbauen, dann könnte das Kettenblatt an der Kettenstrebe schleifen.
Bei dir ist es aber anders herum. Das Kettenblatt bei 55mm wandert 3mm weiter nach außen. Das wars.

Kurz gefasst: 55mm Kettenlinie passen bei dir ohne Probleme. Du musst dir darum keine Gedanken machen.
 
Vielleicht könntet ihr mir noch eine Sache erläutern.

Wenn ich die 9200er-Kurbel kaufe und dazu zum Testen sowohl das CRM95- als auch das CRM96-Kettenblatt - welche Unterschiede würde ich dadurch jeweils spüren/erhalten?

Danke!
 
Vielleicht könntet ihr mir noch eine Sache erläutern.

Wenn ich die 9200er-Kurbel kaufe und dazu zum Testen sowohl das CRM95- als auch das CRM96-Kettenblatt - welche Unterschiede würde ich dadurch jeweils spüren/erhalten?

Danke!
Mit dem CRM95 Blatt bekommst du eine 52mm Kettenlinie.
Das Kettenblatt ist also 3mm weiter innen, als von Shimano für die 9200 angedacht.
Auf den kleinen Ritzeln wird die Kette daher etwas schräger laufen, als wofür Shimano das neue XTR Schaltwerk konstruiert hat.

Ob du Auswirkungen spüren wirst? Vermutlich nicht. Der Unterschied ist nicht groß, und die alte Shimano hat auch mit beiden Kettenlinien funktioniert.

Aber, würde ich an deiner Stelle das CRM95 kaufen?
Nein.

Warum?
Das XTR 9200 Schaltwerk ist für 55mm ausgelegt. Wenn schon neu gekauft wird, dann auch das was offiziell passt.
Das 52mm "Experiment" würde ich nur machen, wenn ich Geld sparen könnte indem ich eine vorhandene Kurbel weiter nutze.
 
Zuletzt bearbeitet:
Das ist genau die Antwort, die ich brauchte. Herzlichen Dank! Auf dieser Wissensbasis kann ich mich dem ganzen Thema jetzt noch mal besser annähern.
 
Da dein Rahmen Boost hat, ist die Nabe und damit die Kassette in exakt derselben Position wie an einem Rahmen, der Boost hat und der "für 55 mm Kettenlinie ausgelegt ist".

Kann man tatsächlich die Kassette und das Schaltwerk darauf optimieren, ob die Kette vorne 3 mm weiter links oder rechts auf dem Kettenblatt liegt? Wenn ja, warum schreiben dann Händler zu den Upgrade-Kits für die *200-Generation sowas wie "Bist Du bereits stolzer Besitzer einer 12-fach Shimano Schaltgruppe, kannst Du mit diesem Upgrade Kit Dein Bike auf den aktuellen technischen Stand bringen, ohne einen Komplettumbau vornehmen zu müssen." ohne eindringlich davor zu warnen, sie mit 52er Kettenlinie zu benutzen?

Ich sehe es daher eher so: Ja, 55 mm Kettenlinie geht schon auch noch mit den Schaltungen, also macht man es halt der Platzprobleme wegen. Wenn 52 mm Kettenlinie passt, würde ich 52 mm Kettenlinie fahren. Der Schräglauf auf dem großen Ritzel ist geringer.

Optionen werden gerade eher zurückgefahren, die Branche ist im Krisenmodus. Statt vier XTR-Kurbeln und drei XT-Kurbeln (nur 1fach, 2fach gibt es bei der *200-Generation eh nicht mehr) gibt es nun jeweils zwei. DH-Nabeneinbaumaß und -Kettenlinie (was Pivot scherzhaft SuperBoost+ nannte und die Branche stumpf und nicht mal vollständig als SuperBoost übernahm) ist auch weg vom Fenster. Dass die Spacer auf der Welle wegfallen, reduziert die Montagezeit und flache Kettenblätter sind billiger in der Fertigung als gekröpfte. Gebaut wird, was die Fahrradhersteller ordern, nicht was der Nachrüstmarkt nachfragt.
 
Danke für deine interessante Antwort! Ich habe auch schon diverse Komplettbikes gesehen, die x100er-Kassetten/Kurbeln mit einem x200er Schaltwerk kombinieren und mich gefragt, inwiefern dabei Gedanken oder Maßnahmen in das Kettenlinien-Setup geflossen sind.
Ich sehe es daher eher so: Ja, 55 mm Kettenlinie geht schon auch noch mit den Schaltungen, also macht man es halt der Platzprobleme wegen. Wenn 52 mm Kettenlinie passt, würde ich 52 mm Kettenlinie fahren. Der Schräglauf auf dem großen Ritzel ist geringer.
Das bestätigt den Gedanken, den ich zuletzt hatte. Ich würde vielleicht wirklich erst das CRM95er Blatt probieren und dann CRM96 nachrüsten, sollten doch Probleme/unsaubere Performance auftreten.
 
Da dein Rahmen Boost hat, ist die Nabe und damit die Kassette in exakt derselben Position wie an einem Rahmen, der Boost hat und der "für 55 mm Kettenlinie ausgelegt ist".

Kann man tatsächlich die Kassette und das Schaltwerk darauf optimieren, ob die Kette vorne 3 mm weiter links oder rechts auf dem Kettenblatt liegt? Wenn ja, warum schreiben dann Händler zu den Upgrade-Kits für die *200-Generation sowas wie "Bist Du bereits stolzer Besitzer einer 12-fach Shimano Schaltgruppe, kannst Du mit diesem Upgrade Kit Dein Bike auf den aktuellen technischen Stand bringen, ohne einen Komplettumbau vornehmen zu müssen." ohne eindringlich davor zu warnen, sie mit 52er Kettenlinie zu benutzen?
Interessant, ging an mir vorbei. Ging davon aus, es ist wie bei SRAM. Aber da fahre ich auch die Transmission mit 52mm ohne Probleme ;)

Das bestätigt den Gedanken, den ich zuletzt hatte. Ich würde vielleicht wirklich erst das CRM95er Blatt probieren und dann CRM96 nachrüsten, sollten doch Probleme/unsaubere Performance auftreten.
Dann wird das sicher funktionieren.
Gibts einen Grund, warum du das 95er bevorzugst?
 
Gibts einen Grund, warum du das 95er bevorzugst?
Also wenn ich jetzt nicht (immer noch! :D) auf dem Schlauch stehe, erreiche ich damit die 52-mm-Kettenlinie und dadurch weniger Schräglauf auf mittleren/größeren Ritzeln. Kombiniert mit einem 36T-Kettenblatt an der Kurbel erreiche ich damit einen geraden Lauf der Kette auf meinen bevorzugten Ritzeln.

So habe ich es zumindest an einem anderen Bike mit kompletter 8100er-Gruppe und 36T auf 10/45er-Kassette.
 
Also wenn ich jetzt nicht (immer noch! :D) auf dem Schlauch stehe, erreiche ich damit die 52-mm-Kettenlinie und dadurch weniger Schräglauf auf mittleren/größeren Ritzeln. Kombiniert mit einem 36T-Kettenblatt an der Kurbel erreiche ich damit einen geraden Lauf der Kette auf meinen bevorzugten Ritzeln.

So habe ich es zumindest an einem anderen Bike mit kompletter 8100er-Gruppe und 36T auf 10/45er-Kassette.
Da hast du recht :daumen:
 
@andy2oo8_ , wenn du Zeit und Lust hast, schau dir mal die Spezifikationen der unterschiedlichen Shimano-Kurbeln der 4-stelligen Serien an. Da wirst du feststellen, dass dort recht große Toleranzen bei der Kettenlinie vorhanden sind. So gibt es Kurbeln, die sowohl für "alte" Rahmen (non-Boost) und Boost-Rahmen geeignet sind. Das zeigt, dass die Kettenlinie deutlich überbewertet ist, solange sie in einem bestimmten Bereich ist. SRAM hat da ein Fass aufgemacht, das es eigentlich nicht bräuchte.
 
@andy2oo8_ , wenn du Zeit und Lust hast, schau dir mal die Spezifikationen der unterschiedlichen Shimano-Kurbeln der 4-stelligen Serien an. Da wirst du feststellen, dass dort recht große Toleranzen bei der Kettenlinie vorhanden sind. So gibt es Kurbeln, die sowohl für "alte" Rahmen (non-Boost) und Boost-Rahmen geeignet sind. Das zeigt, dass die Kettenlinie deutlich überbewertet ist, solange sie in einem bestimmten Bereich ist. SRAM hat da ein Fass aufgemacht, das es eigentlich nicht bräuchte.
Tatsache, ich habe gerade nachgeschaut. Du hast vollkommen Recht. Danke für den Input.

Ich bin zuletzt gedanklich vermutlich zu sehr in der SRAM-Welt unterwegs gewesen. Jetzt habe ich jedenfalls ein viel klareres Bild der Kettenlinien-Thematik!
 
eine Kassette baut ca 40mm breit.. das heißt die ideale Kettenlinie gibt's eh nicht und ist von der Schaltstufe abhängig.

Was sind 3mm im Vergleich?
Die 12fach Kette selber ist 5,25 mm breit
Von Ritzelmitte zu Ritzelmitte sind es ungefähr 3,65mm

148mm Hub-Spacing bedeutet auch, die maximale Kettenlinie der Kassette liegt ungefähr bei 70mm, minimal bei 30mm.


3mm Kettenliniendifferenz sind einfach völlig egal, wichtig ist, dass die Kette an Kettenstrebe und Reifen vorbei kommt.
Da du die meiste Kraft vermutlich auf die größeren Ritzel legst ist die kleinere Kettenlinie vermutlich besser.
 
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