11.02.03 (rsn) - Der letzte große Auftritt von Marco Pantani liegt zweieinhalb Jahre zurück, der Etappensieg in Courchevel bei der Tour de France 2000 war sein letzter Sieg. In der italienischen Sportpresse spielt er nur noch Nebenrollen, dennoch ist der
einstige "Pirat" nach Umfragen immer noch einer der vier populärsten Sportler Italiens. Derzeit bastelt der 31 Jahre alte Pantani, der 2003 im "Mercatone Uno-Scanavino"-Team fährt, auf den Kanaren an einem Comeback.
1999 stand Marco Pantani im Zenit seiner Karriere. Der kleine Kletter-Virtuose aus Cesenatico, der mit an Arroganz grenzendem Selbstbewußtsein seine Attacken vor den Rennen auf den Kilometer genau ankündigen konnte, hatte im Jahr zuvor Tour de France und Giro d'Italia gewonnen und stand vor seinem erneuten Giro-Triumph. Dann der Absturz: Wegen erhöhtem Hämatokritwert wurde Pantani zwei Tage vor Schluss mit dem Sieg vor Augen vom Giro ausgeschlossen. Von diesem Schlag erholte sich Pantani nie mehr richtig.
Pantanis wiederholte Comeback-Versuche wurden durch weitere Dopinganschuldigungen und -verfahren, die folgten, zur Makulatur. Im letzten Oktober schien Pantanis Karrierenende endgültig besiegelt: Im Zusammenhang mit einer Dopingaffäre beim Giro 2001, als die Polizei bei einer Razzia eine Spritze bei ihm fand, wurde Pantani von der Disziplinarkommission des italienischen Radsportverbands für acht Monate gesperrt. Ein neues Team schien Pantani, dessen Sperre am 17.April abläuft, nicht mal mehr zu suchen. Sowohl Bjarne Riis' CSC als auch Sidermec wollten Pantani (und dessen Sponsorengelder...), doch man kam nicht zusammen. Halbherzige Verhandlungen mit dem Team von Weltmeister Mario Cipollini ("Ich kann Pantani helfen") scheiterten Mitte Dezember. Pantanis Karriere als Rennfahrer schien zu Ende.
In einem ruhigen Urlaub mit seinen Eltern in Griechenland besann sich Pantani über Weihnachten und Neujahr. Im Training, ganz allein auf abgelegenen griechischen Landstraßen, entdeckte Pantani seine Lust am Radfahren wieder. Der Entschluß reifte, doch noch nicht das Rennrad in die Ecke zu stellen und nach Ablauf der Sperre wieder Rennen zu fahren. Pantani räumt ein, dass bei dem erneuten Comebackversuch auch das Geld eine Rolle spielt und mehr noch der Wunsch, nicht ganz sang- und klanglos abzutreten.
Beim GS-II-Team "Scanavino" von Davide Boifava, der schon einst bei Carrera sein Sportlicher Leiter war, wird Pantani 2003 zurückkommen. Dem "Piraten" treu blieben neben seinem Sponsor Mercatone Uno, der Cosponsor bei Scanavono wird, auch langjährige Teamkollegen wie der Spanier Daniel Clavero und die Italiener Roberto Conti und Fabiano Fontanelli. Zur Tour de France wird die bescheidene neue Pantani-Truppe nicht eingeladen werden, der Giro d'Italia, bei dem Pantani im letzten Jahr hinterherfuhr, wird der Saisonhöhepunkt. Dafür trainiert Pantani derzeit bis zu sechs Stunden täglich.
"Ich werde nie mehr der große Pantani sein", sagte der Italiener jetzt der Pariser Sportzeitung L'Equipe. "Aber ich brauche das auch gar nicht. Ich möchte ein neues Verhältnis zu meiner Arbeit entwickeln und Ruhe finden", kündigt Pantani ein bescheidenes Comeback an. "Ich hätte zu einem Erstdivisions-Team gehen können, in dem ich einen Tour de France-Startplatz sicher gehabt hätte. Aber das wollte ich nicht. Wenn, dann will ich mit eigener Kraft dorthin. (...) Ich werde die Rennen nehmen wie sie kommen. Ich werde dort fahren, wo man mich und mein Team haben will. Dann wird es an mir liegen, zu zeigen, dass es mich noch gibt."
Marco Pantani
Geb. 13.01.70 in Cesena (Ita); 1,72 m/55 kg
Profi seit 5.August 1992
Teams: Carrera (1992 - 1996), Mercatone Uno (1997-2002), Mercatone Uno-Scanavino (ab 2003)
Größte Erfolge: Tour de France 1998. Giro d'Italia 1998, Zweiter Giro d'Italia 1994 Dritter Tour de France 1994 und 1997, 8 Giro- Etappensiege (2/1994, 2/1998, 4/1999), 8 Etappen Tour de France, Murcia-Rundfahrt 1999,