HomeAllgemeinArbeitsgerät: Das Cannondale Jekyll von Enduro-Spezialist Jérôme Clementz — 5. März 2013 13:18

Arbeitsgerät: Das Cannondale Jekyll von Enduro-Spezialist Jérôme Clementz

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Im Rahmen des Cannondale Media Camps in Finale Ligure entdeckten wir nicht nur spannende Neuheiten (beispielsweise den Lefty-Prototypen), sondern erhielten auch die Chance, mit den Teamfahrern zu sprechen – Jérôme Clementz, seines Zeichens einer der weltweit schnellsten Enduristen und Cannondale Overmountain-Teamfahrer, stellte für uns sein Bike im Rahmen eines Interviews vor. Dieses kann unter anderem mit einem Carbon-Prototypen-Lenker am Cockpit und diversen weiteren Raffinessen aufwarten – mehr Informationen gibt es weiter unten.

Im Vergleich werden wir außerdem das Arbeitsgerät von Overmountain-Teamfahrer Mark Weir vorstellen – wo die Unterschiede zwischen Jérômes Bike und dem des erfahrenen US-Amerikaners liegen, erfahrt ihr morgen.

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# Enduro at it´s best: Das Cannondale Jekyll von Jérôme Clementz.

MTB-News.de: Hallo Jérôme, schön dass du da bist – starten wir direkt mal. Du hast an deinem Cannondale Jekyll eine XX1 montiert – fährst du diese auch bei harten Rennen wirklich ohne Kettenführung – oder nur wenn die Presse nicht dabei ist?

Jérôme Clementz: Ich fahre die XX1 schon normalerweise ohne Kettenführung, aber ich denke ich werde sie dieses Jahr bei einigen Rennen dranbauen – aber nicht weil ich denke, dass die Kette abfällt. Sondern aus folgendem Grund: Wenn ich crashe oder in Kontakt mit anderen Fahrern oder Bikes komme kann es sein, dass dadurch die Kette in Mitleidenschaft gerät oder abfällt – eine obere Kettenführung sorgt dann dafür, dass die Kette draufbleibt und ich weitertreten kann.

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# XX1 – auch bei Jérôme standardmäßig ohne Kettenführung

Es sind also eher Sicherheitsgründe, dass die Kette in wirklich jedem Fall drauf bleibt, und die 50 Gramm Mehrgewicht machen für mich nicht so einen großen Unterschied. Auf dem Trail ist mir die Kette bisher noch nicht abgeflogen, da bin ich auch in Zukunft zuversichtlich.

Dein Kollege Ben Cruz hat den neuen Lefty-Prototypen verbaut – warum fährst du die neue Lefty Super Max nicht?

Naja, erstmal habe ich einen Deal mit Sram und Rock Shox, also fahre ich mit deren Parts und Gabeln, mit denen ich auch zufrieden bin. Andererseits arbeiten Cannondale und Sram auch zusammen und ich bin Teil des Entwicklungsprogramms – also darf ich auch Feedback geben und die Lefty zu Testzwecken fahren. Allerdings fahre ich keine Rennen damit.

Und warum fährst du Crossmax ST-Laufräder? Sind dir die Felgen nicht zu schmal?

Die Felgen sind ok für mich, ich mag es nicht, allzu große Reifen zu fahren. Normalerweise fahre ich 2.3” Reifen, das passt mit der Felge. Klar könnte es ein bisschen besser funktionieren wenn auch die Felge breiter wäre, aber man muss auch immer die Balance zwischen Steifigkeit und Gewicht im Auge behalten. Ich bin nicht wirklich groß und daher auch ziemlich leicht, deswegen sind die Crossmax ST für mich der beste Kompromiss aus dem Mavic-Programm.

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# WTB-Sattel und Reifen

Welches Setup fährst du im Dämpfer?

Ich hab einen Standard-Tune im Dämpfer. Allerdings nutze ich ein bisschen mehr SAG als das, was Cannondale empfiehlt. 17mm werden empfohlen, ich fahre 19-20mm und etwas weniger Luftdruck.

Der Lenkwinkel deines Jekylls ist relativ steil – kommst du damit zurecht oder läge dir ein flacherer Lenkwinkel eher?

Das Ding bei meinem Bike ist, dass ich eine 170mm-Gabel fahre, dadurch bekomme ich einen flacheren Lenkwinkel – auch dadurch, dass ich hinten etwas mehr SAG fahre. Ich bin zufrieden mit dem Bike wie es ist.

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# Spaß beim Shooting am Strand von Finale Ligure.

Und was für ein Set Up fährst du an der Gabel?

Ich fahre eine recht harte Druckstufe und eine sehr schnelle Zugstufe. Es ist zwar nicht die komfortabelste Variante wenn man langsam fährt, aber wenn es abwärts geht und man das Gewicht ein bisschen mehr auf die Front legt, funktioniert das Set Up so sehr gut. Und ich denke, dass dies genau der Bereich ist wo die Gabel optimal arbeiten muss.

Wie gesagt – es ist nicht die komfortabelste Einstellung, gerade für Leute die im Normalfall einfach auf ihren Trails unterwegs sind. Aber wenn man damit auf einem Rennen unterwegs ist, ist mir der Komfort nicht so wichtig und ich kann es mehr Richtung Performance trimmen. Eine Sache ist an meinem Race Bike ebenfalls anders: Da habe ich das Black Box Coating an der Gabel, was das Ganze noch etwas smoother macht und weniger Reibung erzeugt.

Du fährst einen Lenker aus dem Blackbox-Programm – hast du dazu einige Informationen? Welche Breite fährst du?

Ich fahre 750mm. Truvativ hatte letztes Jahr einige Fahrer gefragt ob sie ihren eigenen Lenker haben möchten – ich war Teil dieses Blackbox-Programms und fragte nach einem 750mm Carbonlenker mit 20mm Rise, 7° Upsweep und 5° Backsweep. Das Gute an dem Lenker ist, dass er 80 Gramm leichter ist als der Boobar und man den Bremshebel recht weit nach innen setzen kann, was für Fahrer praktisch ist die gerne schmalere Lenker fahren.

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# Prototyp: Der 750mm breite Carbon-Lenker von Jérôme.

Aktuell ist das noch ein Blackbox-Prototyp, er soll aber dieses Jahr auf den Markt kommen. Ich weiss noch nicht ob wirklich mein Name drauf kommt – aber ich hoffe einfach dass er auf den Markt kommt weil ich denke, dass er ziemlich gut zu Enduro-Geschichten passt.

Was wiegt dein Jekyll?

Mein Bike wiegt 12.7 Kilos mit Pedalen, so wie es hier steht.

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# Inklusive Namensschild 

Warum fährst du kein Trigger 29 als Enduro-Bike? Wäre das eine mögliche Option für dieses Jahr?

Ich habe für mich dieses Jahr entschieden dass ich die Rennen auf 26” fahre, auch weil ich im Training nur 26”-Bikes benutze. Ich fahre zwar das Trigger, aber in 26” – aus dem Grund, damit ich mich nicht ständig umstellen muss. Wenn man das macht, verändert sich auch immer der Fahrstil und ich müsste ständig Dinge verändern, um eine gute Balance mit allem zu finden. Mit der gleichen Größe passt das besser. Eine Sache für uns Enduro-Fahrer ist, dass die Reifen sehr wichtig sind – und die beste Auswahl an Reifen gibt es aktuell nun mal für 26 Zoll. Ich weiss also, dass ich immer den besten Reifen kriegen kann.

In Zukunft werden wir mal sehen – ich habe schon verschiedene Bikes getestet, einfach um etwas rumzuprobieren. Ich würde gerne ein gut funktionierendes 650b-Bike haben mit einer passenden Geometrie – also kein Mix aus 26”-Rahmen und 650b-Laufrädern sondern ein reines 650b-Bike, um wirklich vergleichen zu können.

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# Auch hier wird auf das Mini-Schutzblech aus Plastik vertraut.

Apropos 650b: Wird ein Jekyll 650b kommen? Bist du es schon gefahren?

Ich habe keine Ahnung (lächelt)! Von Cannondale kenne ich es so, dass die nicht direkt auf jeden Hype aufspringen wollen – wenn sie in Richtung 650b gehen, sollte es wirklich komplett entwickelt sein. Wir testen jedes Jahr neue Dinge und auch dieses Jahr wird es neue Sachen geben – siehe die neue Lefty. Wir haben im April wieder eine neue Testsession und ich weiss wirklich nicht, was es dort geben wird – wir werden sehen!


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