Es begab sich eines Jahres zur Fastenzeit, dass die umliegenden Weiher von den Padres aus ihren naheliegenden Zellen heimgesucht wurden. In der Fastenzeit war es ihnen zwar nicht erlaubt, Fleisch zu essen, Wassertiere aber schon. Und da man den Begriff Wassertiere durchaus weit fasste, waren Wassertiere eben nicht nur Fische, sondern auch Biber, Enten und Gänse. Als kurz vor Ostern, die Fastenzeit lag schon in den letzten Zügen, die Teiche leergefischt und Biber und Enten entweder geflüchtet oder erlegt waren, wurde es Nessie doch ein bisschen mulmig in ihrer kleinen Seenlandschaft. Schließlich war auch sie ein wasserbewohnendes Geschöpf und wer weiß, was sich die Brüder aus den Klostern der Umgebung, von denen es gleich mehrere gab, alles einfallen ließen, um ihre Wänste nicht allzu sehr leiden lassen zu müssen.
So machte sich Nessie auf den Weg fort von den Weihern, wo die Pfaffen aus allen Winkeln kamen. Nach kurzer Zeit tauchte vor ihr in der Dunkelheit ein großer Berg auf. Ganz oben auf dem Berg entdeckte Nessie ein Wallfahrtskirchlein, aus dem ein schwacher Kerzenschein leuchtete. Als sie am Kirchlein ankam, traf sie am Wegesrand auf einen Wandersburschen, der recht hölzern vor sich hin stapfte. Die beiden kamen ins Gespräch, setzen sich an den Rand des Berges und genossen im fahlen Mondschein den Ausblick ins Gebirge auf der einen Seite und in die weite Ebene mit glitzernden Seen auf der anderen.
Nachdem sie die ganze Nacht über ihre Wanderungen, Jakobsmuscheln und Hostien philosophiert hatten, war es an der Zeit, wieder aufzubrechen. Zum Abschied griff Nessie in ihren Proviantbeutel und schenkte dem Wandersburschen noch eine Eiswaffel, die sie darin fand (die Schnapspralinen in ihrem Beutel behielt sie dann doch lieber selbst). Winkend mit der Eiswaffel in seiner Linken und seinem Wandererstab in der Rechten blieb der Bursche zurück und steht wahrscheinlich heute noch neben dem Kirchlein.
Nessie machte sich auf den Weg zu ihrem Tümpel unten vor dem Berg ...