2 Wochen Schweiz im Sommer

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Hallo zusammen,

im Juli / August wollen meine Freundin und ich auf dem Rad für 14 Tage die Schweiz erkunden: Asphalt und Kieswege sind unser Repertoire. Zelt und Kocher sind dabei. Wir starten in Zürich. Im Durchschnitt legen wir 80 km bei 1500hm am Tag zurück.

Wichtigste Frage zuerst: Kann man damit rechnen, spontan für unser kleines Zelt irgendwo Platz zu bekommen?

Die Schweiz hat ein weites Wegenetz, aber welche der vielen Wege lohnen sich? Von der Jura habe ich gutes gehört. Es muss keine Rundtour sein. Ich als Bergsteiger würde gerne den Mont Blanc und/oder das Matterhorn erblicken! Aber ich kann überhaupt nicht einschätzen, ob sich der Weg dorthin lohnt: Industrie, Autobahn etc. sind keine schönen Begleiter im Tal.

Da es viel zu schreiben gäbe, würde mir auch Literatur weiterhelfen, um das Ganze selber einzuschätzen. Dankeschön!
 
Hilfreichster Beitrag geschrieben von olev

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Die Schweiz hat ein gut ausgeschildertes Velo Netz.
see here Schweiz mobility
Vielleicht hilft dir das weiter.
PS: mit 80km am Tag kannst du die Schweiz paar mal durchqueren 😉

Danke, die kannte ich schon. Aber jetzt stellt sich mir ja weiterhin die Frage, welche dieser ganzen Routen lohnenswert sei :) Die 1 führt ja u.a. Richtung Zermatt, aber ist das schön - as in nicht viel Verkehr, ruhige und gute Radwege - oder fahre ich da durch ein stark industriell geprägtes Tal?
 
Die Schweiz hat auf sehr wenigen QM bewohnbarer Fläche fast 10 Millionen Einwohner und ist extrem kleinräumig. Auf Strassen und Velorouten wirst Du selten einsam sein. Ausser Du nimmst Dir die Karten vor (maps.geo.admin.ch ist Dein Freund) und beschäftigst Dich mit dem Thema. Perlen lassen sich immer finden!

Grüsse aus Basel
 
Wie @dominik_bsl schreibt: die bewohnbare Fläche der Schweiz ist total zersiedelt und dazu zählt auch jedes grössere Alpental. Dennoch sind die Perlen zahlreich und die Postkartenschweiz existiert!

Ich würde eine Runde in der Art empfehlen:

Von Zürich nach Zurzach und dann dem Rhein entlang nach Basel. Da dann den Jura der Länge nach durchqueren bis Nyon.

Der Jura v.a. westlich der Sprachgrenze und auf den Höhen ist unschweizerisch weit und es gibt Aussicht bis zum Mont Blanc 😍 (wobei im Sommer vielleicht eher weniger). (Als Anhaltspunkt Veloroute Nr. 7 und MTB Route Nr. 3)

Von Nyon müsstet ihr irgendwie ins Wallis kommen. Entweder dem See entlang. Das ist eine Mischung von jammerschön (Weinberge des Lavaux) und Zersiedlung par excellence. Oder durch Savoyen (F), oder mit dem Zug.

Im Wallis kennt sich @drWalliser aus. Da kann man im Talboden mit Rückenwind bis Visp, das ist tatsächlich nicht so prickelnd, oder durch die Weinberge oberhalb des Tales. Das ist schön aber man kommt nicht wirklich vorwärts. Oder auch hier mit dem Zug.

Im Mattertal hat es meist nur eine Strasse, also hoch und runter zum Matterhorn.

Dann der Veloroute Nr. 1 folgen bis Ulrichen. Da rechts weg über den Nufenenpass; runter nach Airolo und über die alte Strasse (Tremola 😍) auf den Gotthard und runter nach Andermatt.

Wenn ihr auf Krawall gebürstet seid, fahrt und tragt ihr von da über den Maighelspass 😍😍 (MTB Nr. 1, 450hm schieben/tragen, die Abfahrt ist auch mit einem Gravelbike mehrheitlich fahrbar), sonst easy über den Oberalp. Die Veloroute Nr. 2 durch die Surselva gefällt mir persönlich sehr.

Runter bis Bonaduz. Da rechts weg und ab Thusis entweder per Zug oder über den alten Schyn 💪💪 nach Tiefencastel. Über den Albulapass.

Dann runter bis Scuol (Nr. 65) und da nach rechts via S-Charl und den Costainas ins Münstertal. Von da Via Val Nora und Alpisella nach Livigno und über die Fuorcla di Livigno und Berninapass wieder ins Engadin. Da dann nach links, an den Seen entlang zum Maloja und runter nach Chiavenna (I).

Da dann über Splügen und San Bernardino nach Bellinzona und fertig 😅

Zum Abkürzen würde ich in Basel starten und von Nyon bis Visp den Zug nehmen.

Meine Route funktioniert mit leichtem Gepäck, mit mindestens 45mm Reifen und mit schön kleinen Gängen. Grundsätzlich lohnt es sich, immer auch einen Blick auf die Mountainbikerouten zu werfen, da die meist auch nur S0 zu bieten haben (ausser die lokalen in den Tourismusgebieten in den Bergen).
 
Wie @dominik_bsl schreibt: die bewohnbare Fläche der Schweiz ist total zersiedelt und dazu zählt auch jedes grössere Alpental. Dennoch sind die Perlen zahlreich und die Postkartenschweiz existiert!

Ich würde eine Runde in der Art empfehlen:

Von Zürich nach Zurzach und dann dem Rhein entlang nach Basel. Da dann den Jura der Länge nach durchqueren bis Nyon.

Der Jura v.a. westlich der Sprachgrenze und auf den Höhen ist unschweizerisch weit und es gibt Aussicht bis zum Mont Blanc 😍 (wobei im Sommer vielleicht eher weniger). (Als Anhaltspunkt Veloroute Nr. 7 und MTB Route Nr. 3)

Von Nyon müsstet ihr irgendwie ins Wallis kommen. Entweder dem See entlang. Das ist eine Mischung von jammerschön (Weinberge des Lavaux) und Zersiedlung par excellence. Oder durch Savoyen (F), oder mit dem Zug.

Im Wallis kennt sich @drWalliser aus. Da kann man im Talboden mit Rückenwind bis Visp, das ist tatsächlich nicht so prickelnd, oder durch die Weinberge oberhalb des Tales. Das ist schön aber man kommt nicht wirklich vorwärts. Oder auch hier mit dem Zug.

Im Mattertal hat es meist nur eine Strasse, also hoch und runter zum Matterhorn.

Dann der Veloroute Nr. 1 folgen bis Ulrichen. Da rechts weg über den Nufenenpass; runter nach Airolo und über die alte Strasse (Tremola 😍) auf den Gotthard und runter nach Andermatt.

Wenn ihr auf Krawall gebürstet seid, fahrt und tragt ihr von da über den Maighelspass 😍😍 (MTB Nr. 1, 450hm schieben/tragen, die Abfahrt ist auch mit einem Gravelbike mehrheitlich fahrbar), sonst easy über den Oberalp. Die Veloroute Nr. 2 durch die Surselva gefällt mir persönlich sehr.

Runter bis Bonaduz. Da rechts weg und ab Thusis entweder per Zug oder über den alten Schyn 💪💪 nach Tiefencastel. Über den Albulapass.

Dann runter bis Scuol (Nr. 65) und da nach rechts via S-Charl und den Costainas ins Münstertal. Von da Via Val Nora und Alpisella nach Livigno und über die Fuorcla di Livigno und Berninapass wieder ins Engadin. Da dann nach links, an den Seen entlang zum Maloja und runter nach Chiavenna (I).

Da dann über Splügen und San Bernardino nach Bellinzona und fertig 😅

Zum Abkürzen würde ich in Basel starten und von Nyon bis Visp den Zug nehmen.

Meine Route funktioniert mit leichtem Gepäck, mit mindestens 45mm Reifen und mit schön kleinen Gängen. Grundsätzlich lohnt es sich, immer auch einen Blick auf die Mountainbikerouten zu werfen, da die meist auch nur S0 zu bieten haben (ausser die lokalen in den Tourismusgebieten in den Bergen).

Vielen Dank!
 
Meine Tipps:
  • Mach nur eine Grobplanung. Entscheide erst Mittags oder so, wo Du übernachten willst. Es gibt viele nette kleine Zeltplätze in der Schweiz. Ich glaube selbst im Juli sollte sich dann normalerweise noch ein freies Fleckchen finden lassen - vielleicht können das andere hier im Forum ja auch noch kommentieren…
  • Habe einen Plan B parat. Wenn das Wetter, z.B. aufgrund einer N/W-Staulage im Süden deutlich besser ist, dann ist es besser südlich des Alpenhauptkammes unterwegs zu sein. Und umgekehrt.
  • Als Bergsteiger ist es schade wenn man an den Bergen nur unten vorbei fährt. Reserviere einige Tage für ein oder zwei Bergtouren. Im Sommer benötigst Du dazu ja kaum zusätzliche Ausrüstung.
  • 80 km pro Tag sind zu viel, wenn man die Schweiz kennenlernen will. Es sind ja reichlich hm zu bewältigen. Nimm dir Zeit um mal zu einem Wasserfall oder Aussichtspunkt zu laufen, ein Dorf zu Fuß genauer anzuschauen, und um Dich mit Zeit und Muße zum Essen/Trinken irgendwo reinzusetzen. Das gehört in der Schweiz wegen exzellenter Qualität einfach dazu, und so teuer, wie alle so tun, ist‘s auch wieder nicht (ich rede hier natürlich nicht von den Locations an den Tourihotspots).
 
Zuletzt bearbeitet:
Ciao @Bikepacker90,

Übernachten:
Auf den Zeltplätzen sollte meistes ein Plätzchen frei sein. Wildzelten geht an vielen Orten auch, dort würde ich aber die Schutzgebiete vermeiden. Falls es wegen Regen oder so mal eine Hütte oder ein Unterstand sein soll: refuges.info.

Planung:
SchweizMobil ist recht praktisch. Wie von @olev bereits erwähnt, sind die nationalen MTB-Routen meistens graveltauglich; zur besseren Abschätzung kannst Du bei SchweizMobil-Karte Fotos der Routen abrufen.
Mit dem Gravelbike sind meistens alle Strassenqualitäten bis zu den durchgezogenen Strichen (zufälliges Beispiel) fahrbar, falls Du eine kleine Übersetzung hast.
Die klassischen geteerten Alpenpässe sind insbesondere an schönen Wochenenden stark befahren, leider grösstenteils von lauten Motorrädern. Wenn Du gerne Ruhe hast, wählst entsprechend lieber die kleinen Strassenpässe (die aber nicht ganz leicht zu finden sind und vor allem in den Voralpen liegen), oder Du murkst Dich über MTB- bzw. Wanderpässe, bei denen Du bei vielen das Meiste mit dem Gravelbike fahren kannst (wenn Dir ein bisschen Schütteln und Steilheit nix ausmacht 😅).

Wallis:
Wie von @olev bereits erwähnt, ist der Walliser Talboden nicht so prickelnd, denn Du sieht die Viertausender kaum, und es ist recht zersiedelt. Es hat aber ein paar schöne Badeseen, und an Nachmittag hast Du sehr starken Wind talaufwärts.
Ich würde das Wallis nicht auslassen, denn abseits des Talbodens ist es eine der schönsten Ecken der Schweiz. Beim Vorschlag von @olev (den ich recht gut finde - Edit: hat aber recht viele Strassenpässe drin, die potentiell lärmig sind) könnte es eine Option sein, den Jurabogen nur bis Ste-Croix zu fahren und via Mittelland dann nach Gsteig. Dort mit der Seilbahn auf den Col du Sanetsch und runtersausen. In Savièse oben am Hang bleiben und via Crans-Montana nach Salgesch. Da hast Du sehr schöne Ausblicke auf die Viertausender. Alternativ kannst Du auch runter ins Tal (Sion) und dort z.B. über den Pas de Lona vom Val d'Hérens ins Val d'Anniviers - das ist viel härter als via Crans-Montana, dafür bist Du dort so richtig alpin unterwegs.
Matterhorn ist natürlich schon cool, aber für meinen Geschmack mit zu vielen Seilbahnmassten und Touristen. Auf der MTB-Route 150 solltest Du wenigstens einigermassen verkehrsarm nach Zermatt raufkommen. Ich persönlich finde das Val d'Hérens mit der Dent Blanche ebenso eindrücklich.

Falls Du Inspiration brauchst: in meinem Inhaltsverzeichnis findest Du zahlreiche Mehrtagestouren druch die Schweiz. Queprass beschreibt ein paar der erwähnten stillen Voralpenpässen. Und wenn's Du gerne wild magst: Rough Stuff Cycling in the Alps 😍

Viel Spass beim Planen!
Tom

PS: die Tipps von @Mauntnbaiker finde ich gut. Und @aufgehts hat nicht unrecht.
 
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Servus
Die Schweiz hat ein gut ausgeschildertes Velo Netz.
see here Schweiz mobility
Vielleicht hilft dir das weiter.
PS: mit 80km am Tag kannst du die Schweiz paar mal durchqueren 😉
Danke.
Frage ich sehe immer wieder auf diversen Bikepacking Seiten dass Leute auf der Tour dann auch irgendwo in der Schweiz und zum Teil auch schon auf Mal hoch auf den Bergen einfach das Zelt ⛺ aufstellen.

Geht das denn einfach so ? Ist das erlaubt?
 
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