13.11. 15:20 La Dehesa, Santiago de Chile, 850m

Am morgen radle ich in wenigen Minuten von meinem Holzbrückencamp in den Ort "Los Andes" zum frühstücken. Dann lass ich mich kurz von einem Busserl vierzig langweilige Kilometer in Richtung Santiago verfrachten, steige in einem blumigen Vorort aus, stiefle sechshundert Höhenmeter über einen kleinen Pass und rolle auf der anderen Seite hinab in den Stadtteil "La Dehesa". Dort gibt's angeblich nen ganzen Haufen Bikeshops und zudem noch ein paar Singletracks.

Die Shoppingtour gestaltet sich alles andere als einfach. Offensichtlich hat auch in Chile mittlerweile die Zeit der neuen Reifengrößen begonnen, mit Speckis "altmodischen" 26 Zoll steh ich fünf bis sieben Bikeshops lang auf verlorenem Posten. Das hat sich damals bei meinen Recherchen von daheim noch anders angehört... aber gut... ist auch fast schon ein Jahr her. Wie auch immer, nach einer Stunde werde ich endlich fündig:
Maxxis Crossmark ist kein übler Schlappen und sicher ein recht guter Kompromiss für den Asphalt/Pistenmix auf dem Weg nach Patagonien. 2.1" ist ein bisserl schmal, aber Singletracks werden wohl eher noch mangelwariger als bisher schon, c'est la vie in Südamerika. Mag auch nicht mehr weiter rumrennen, 26 Zoll sind wirklich selten geworden... scheinbar auch hier auf der andren Seite der Welt und tief im Süden. Die Radlkremplpreise sind vergleichbar mit Deutschland und kein Vergleich mit dem fantasiezollgeplagenten Argentinien auf der anderen Seite der Berge.

Was tun mit dem angepopelten Tag? Bin hier in der Nähe von "El Durazno", dem Hörensagen nach ein kleiner Endurohügel und Favorit bei den Locals. Ich muss mich erst mal ein wenig überwinden, solche stadtnahen Spaßparks sind sonst eher nicht mein Fall. Stehe mehr auf die endlosen Mehrtagesabfahrten a la Salkantay in Peru oder El Chorro in Bolivien. Da kommt mir der Zufall zu Hilfe und leistet Überzeugungsarbeit: Am einsamen Durazno-Trailhead am Stadtrand parkt plötzlich neben mir ein schicker Jeep. Aus steigt eine noch schickere Spionin mit einem brandneuen Trek Superfly, ungefahren und vollkommen jungfräulich ohne ein einziges Staubkorn.

Das trifft sich vollkommen hervorragend, kann ich so doch erstens mein Gepäck im Jeep parken und hab zweitens hübsch anzusehende Begleitung auf den Trails. Das ist Motivation genug!

Der Nachteil: Die Spionin legt bergab ein abartiges Tempo vor, Fotos von den wirklich guten und völlig flowigen vierhundert Durazno-Hömes sind nicht drin. Hab Mühe, am Hinterrad zu bleiben. Egal... war saucool. Vielleicht findet ja jemand ein Video zu dem Platzerl?

Darauf ein Milkshake. Oder auch vier... kein Witz... gibts grad im Sonderangebit zum halben Preis. Und jetzt? Jetzt roll ich ins Zentrum und schau mir Santiago an.
Muss ich hier noch was fahren? Irgendwas "episches" mit dreitausend Downhillhöhenmetern vielleicht? Die Berge dazu wären schon vorhanden, aber die Wege fehlen wohl.
Edit: Video gefunden, nur sehen kann ichs bisher nicht...