Aostatal: Val Ferret, Val di Rhêmes, Col Nivolet, Col Lauson, Col Invergneux

isartrails

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...Die vollgefederten Exemplare wiegen gerade mal 7,5 kg und sind ab 14.000 € erhältlich. Ich muss mehrmals hinschauen, ob an den Rädern nicht irgendwas fehlt. Und es wird noch besser. Der Schrauber schaut sich mein Problem an, verschwindet kurz in seinem Lager und kommt gut gelaunt mit einem aktuellen Bremshebel für eine MT 6 zurück.
Sicher, dass du das nicht nur geträumt hast? :D
Was soll denn das für eine Marke sein? Nie gehört.
Und wo genau befand sich das Haus?
Ich will das mal gugeln.

Edit: Ah, ich hab's! Das ist der Sackgassenschlenker in deinem GPS-Track oberhalb Villeneuve, Champetravy.
 

Fubbes

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Sicher, dass du das nicht nur geträumt hast? :D
Was soll denn das für eine Marke sein? Nie gehört.
Und wo genau befand sich das Haus?
Ich will das mal gugeln.

Edit: Ah, ich hab's! Das ist der Sackgassenschlenker in deinem GPS-Track oberhalb Villeneuve, Champetravy.
Es war wirklich wie ein Traum :)
Die Webseite gibt es hier: https://rdritalia.it/
Irgendwo im Tal ist auch ein Ausstellungsraum, die Werkstatt aber oben am Berg. Ob aus Sicherheitsgründen oder wegen der Mietkosten oder wegen der Aussicht, weiß ich nicht.
 

Fubbes

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Ihr müsst jetzt ganz stark sein. Es kommt eine ... ganz normale Alpentouretappe. Wer weitere Katastrophen möchte, muss einfach etwas warten. Es war nämlich der einzige Tag ohne Probleme.

Dienstag, 1. September 2020, Rifugio Benevolo (2280 m)

Rifugio Benevolo
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Der Tag startet eiskalt. Die Hütte liegt im Schatten und Rauhreif hat sich auf den Wiesen breit gemacht. Nach unserem Start dauert es noch eine Weile, bis uns die ersten Sonnenstrahlen erreichen. Der Blick ist heute früh durch die klare Luft noch mal besser als gestern Abend. Wir werden heute das Val di Rhêmes durch einen Seitenausgang verlassen und ins parallel verlaufende Valsavarenche wechseln. Der höchste Punkt des Tages wird der Col Rosset (3023 m). Es wird spannend, ob wir wieder auf Schnee treffen werden. Es war gestern zwar sehr sonnig, aber kühl.

Querung oberhalb der Rifugio Benevolo (unten rechts)
20200901_084636.jpg


Zunächst werden wir eine Bergflanke unter der Punta Lavassey queren, um an die richtige Stelle den Aufstieg zu gelangen. Ich hatte über diesen Pfad bei meinen Recherchen nichts gefunden. Er bekommt aber eine uneingeschränkte Empfehlung von mir, wie die gesammte Etappe, die ziemlich perfekt ist. Nachdem wir 100 hm zu Fuß aufgestiegen sind, können wir den Rest der kurzen Querung fahren. Nur die grandiosen Ausblicke zwingen immer mal wieder anzuhalten.

Blick zum Gran Combin
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Val di Rhêmes
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Querung unter der Punta Lavassey
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Dafür fahren wir von den 700 hm bis zum Col Rosset keinen Meter. Damit habe ich auch nicht gerechnet. Die Frage war eher, wie viel kann man Schieben, bevor das Rad auf dem Buckel landet. Viel ist es nicht. Der Weg ist zwar in ganz gutem Zustand, aber einfach zu steil, um das Rad vernünftig schieben zu können. Besonders die letzten Meter sind fordernd. Dennoch ist der Aufstieg nie richtig fies und am Morgen entspannt zu bewältigen. Auf Schnee treffen wir erstaunlicherweise überhaupt nicht.

Aufstieg Col Rosset (nicht im Bild)
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Oben angekommen öffnet sich der Blick in Richtung Col Nivolet und der dortigen Hochebene mit ihren zahlreichen Seen. Ein gigantischer Anblick! Und der weitere Weg geht mittendurch. Auch der Gran Paradiso (4061 m) lugt schon ein bisschen um die Ecke. Der Berg wird uns in den nächsten Tagen länger begleiten.

Col Rosset (3023 m)
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Nivolet-Hochebene
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Grand Paradiso spielt Verstecken
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Sehr schöner Bericht! Man muss echt sagen, dass Du viel Pech gehabt hast. Ich bin beeindruckt, wie man mit einem Bänderriss weiter auf Tour gehen kann, aber die Erfahrung stählt sicher! :)

Wie geht es denn Deinem Bekannten inzwischen?
 

Fubbes

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Sehr schöner Bericht! Man muss echt sagen, dass Du viel Pech gehabt hast. Ich bin beeindruckt, wie man mit einem Bänderriss weiter auf Tour gehen kann, aber die Erfahrung stählt sicher! :)

Wie geht es denn Deinem Bekannten inzwischen?
Moment! Den Bänderriss habe ich mir erst am Unglückstag eingefangen. Soweit bin ich im Bericht ja noch nicht mal.
Dass doch mehr kaputt ist im Fuß, habe ich auch erst zwei Wochen nach der Tour im MRT erfahren.
Es ist aber richtig, dass ich noch zwei Tage weiter gefahren bin. Der Fuß war nicht dick und hat bei üblicher Belastung auch nicht verstärkt geschmerzt. Hätte also auch eine Zerrung oder Verstauchung sein können. Der Körper sagt schon, was geht und was nicht.
Mit der Diagnose Bänderriss wäre ich nicht auf Tour gegangen.

Mein Bekannter fährt mir schon wieder auf und davon. Dem geht es besser als mir. Keine Ahnung, welche Drogen der bekommen hat.
 

Fubbes

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Gestern war Tatort, heute geht es weiter ...

Dienstag, 1. September 2020, Col Rosset (3023 m)

Der Abstieg vom Col Rosset (3023 m) nach Osten ist für uns nicht fahrbar, aber nur kurz. Danach führt ein toller Trail über das Plateau an den Seen entlang zur Passstraße des Col Nivolet. Dieser Pass kann zwar mit dem Auto angefahren werden, aber nur von Süden. Die Straße, die von Turin herauf kommt, endet am Pass. Nach Norden gehört der Nivolet den Wanderen und Radfahrern.

Gran Paradiso Posing
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Lago Rosset
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Wir stoppen zunächst an der nahegelegenen Rifugio Savoia (2450 m) zum Essen fassen. Dann geht es in der Höhe weiter entlang des tollen Hochtales, das abseits der Straße wieder schön einsam ist. Vor der finalen Abfahrt ins Valsavarenche steht noch ein weiterer Aufstieg an. Eine kurze Schiebepassage bringt uns zunächst eine Etage höher und schlussendlich zum Colle Manteau (2790 m). Meistens kann man fahren. Nach dem anstrengenden Morgen ist es ein schöner entspannter Nachmittag. Der Gran Paradiso ist nun auch allgegenwärtig.

Nivolet nach Norden
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Gran Paradiso-Brücke
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Gran Paradiso-Wiese

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Col Manteau voraus
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Etwas spannend wird es dann doch noch mal, weil hinter dem Manteau der Weg durch einen Bergrutsch unter einem riesigen Geröllfeld begraben ist. Wir müssen praktisch weglos mit den Rädern über riesige Felsbrocken klettern. Ich habe dabei ernsthaft Angst um meine Fußgelenke. Ca. 200 m ist das Stück lang.

Valsavaranche
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Manteau-Geröll
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Am Lago Djouan (2600 m) ist alles wieder vergessen und theoretisch könnte man in dem flachen See trotz der Kälte der letzten Tage noch Baden. Ich tue es trotzdem nicht, es zieht uns Richtung Tagesziel. Wir haben schon von weitem den Trail gesehen. Der sah lecker aus. Und das ist er auch. Hinter der Alpe Djoaun tauchen wir in den Wald ein und auch dort ist das Spektakel noch nicht zu Ende. Ganz im Gegenteil. Mit wenig Gefälle geht es endlos in langen Kehren bis zum Talgrund (1680 m).

Abfahrtstrail ins Valsavaranche
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Dort stehen wir unmittelbar vor dem Hotel Paradis, der heutigen Übernachtung. Hinter uns liegen 1000 hm feinster Trail. Insgesamt eine wirklich toller Tag! Es hat sich absolut rentiert, den Nivolet mit in die Runde reinzupacken. Und gerade durch den Seiteneinstieg vom Col Rosset war es besonders schön.
Leider war es der einzige tolle Tag, denn der Schneeauftakt und das gestrige Bremsenmanöver waren es definitiv nicht. Und die nächsten Tage werden es auch nicht mehr. Jedenfalls genießen wir den schönen Abend, unwissend, dass es der letzte gemeinsame sein wird.

Hotel Paradis
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Toller bericht und tolle Bilder !
Der Rosset fiel bei mir im letzten Jahr leider einem kurzen Tief zum Opfer !

Schaue jetzt gleich mal auf die Website.
 

Fubbes

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Sehr schön getroffen. Muss man nur noch den See gerade stellen, damit das Wasser nicht rausläuft, unten und oben etwas beschneiden und fertig ist die Granparadiso-Wandtapete...
Das Bild ist wirklich gut. Leider nicht meines, sondern von meinem Mitfahrer. Dafür bin ich mal Motiv.
Sein Handy macht auch eher mäßige Bilder in einem seltsamen Seitenverhältnis. Aber geraderücken sollte ich es :)

Edit: Wie oben schon angedeutet, ist der Col Rosset wirklich ganz großes Kino, weil man von dort aus die gesamte Hochebene vor sich liegen hat (und auch durchquert). Man muss es sich aber mit dem Aufstieg verdienen. Und gutes Wetter braucht's auch.
 
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Fubbes

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Mittwoch, 2. September 2020, Eau Roussex (1680 m)

Eau Rousses
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Der Tag beginnt wie üblich sonnig und kalt. Die Erfahrung am Col Rosset hat uns optimistisch gestimmt, dass der heutige Übergang über den 3300 m hohen Col Lauson nicht im Schnee versinkt. Endlich kann ich den Pass bei schönem Wetter erleben. Noch dazu wählen wir nun von Beginn an den richtigen Weg und nicht die Trageorgie, die ich 2011 im unteren Teil gemacht habe (Sorry @[email protected]). Der ehemalige Reitweg beginnt nämlich praktisch direkt am Hotel und ist bei mäßiger Steigung tatsächlich bis fast ganz oben fahrbar. Freilich muss man an einigen verblockten oder verfallenen Stellen doch runter vom Rad. Mit zunehmender Höhe wird dann die Luft zu dünn.

Alpe Levionaz 2020
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Alpe Levionaz 2011

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Alpe Levionaz
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Hochtal bei der Alpe Levionaz
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Nach der ersten Geländestufe gelangen wir an der Alpe Levionaz (2280 m) in ein flaches traumhaftes Hochtal. Das ganze Gebiet gehört zum Gran Paradiso Nationalpark und ist bekannt für die vielen Steinböcke, die dort leben. Diese lassen sich auch nicht lange bitten und posieren mit ganzen Herden vor meiner Kamera. Sie halten sich nicht in der größten Höhe auf, sondern dort, wo das Gelände noch nicht eine wüste Mondlandschaft ist.

Tierpark
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Auffahrt Col Lauson (rechts der Bildmitte)
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Als sie aus dem Blick verschwunden sind, machen wir eine kleine Mittagspause und kratzen die Reste aus dem Rucksack. Die Versorgungslage ist heute dürftig. Weder gestern noch heute hatten wir eine Möglichkeit, irgendwo etwas zu kaufen. Das ist ein Problem. Die erste Möglichkeit zum Essen fassen, ist nämlich die Rifugio Sella auf der anderen Seite. Dies hat auch Auswirkungen auf die Route. Dazu gleich noch mehr.

Auffahrt Lauson
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Kurz vor dem Pass ist die Ausbaustrecke zu Ende. Die letzen 300 hm müssen geschultert werden und sind hart. Der Weg ist steinig, steil und die Luft dünn. Aber auch das geht mal vorbei und wir stehen bald oben am Col Lauson (3299 m). Schon zum zweiten Mal für mich, allerdings bei sehr unterschiedlichen Wetterverhältnissen. Es ist auch erstaunlich, dass es praktisch keinen Schnee hat, wo wir doch immerhin 1500 Meter höher als die Schneegrenze vor drei Tagen sind. Beim heutigen Wetter und genialen Ausblick ist der mühevoll Aufstieg schnell vergessen.

Col Lauson
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2020
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2011
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Weit unten kann man die Rifugio Sella (2580 m) ausmachen. Da müssen wir nun hin, der Magen knurrt. Grundsätzlich gäbe es noch die Alternative nach einer kurzen Abfahrt noch einmal 400 hm hinauf zum Colle della Rossa (3193 m) und von dort auf einem angeblichen Traumtrail hinab bis Cogne (1550 m). Das ist auch meine absolute Empfehlung für Nachfahrer, sofern genug Verpflegung im Rucksack ist. Nach der Rifugio wieder aufzusteigen, ginge zwar auch, sind aber 300 hm zusätzlich. Wir sparen uns das. Denn auch der direkte Weg ins Tal interessiert mich. Ich kann mich noch mit Grausen an den katastrophalen, gefährlichen, schmierigen alten Weg erinnern (@[email protected] sicher auch). Dieser ist seit ein paar Jahren neu gestaltet. Ich hätte aber besser auf andere Berichte hören sollen ...

Col Lasuon Trail
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Col Lauson Trail (Pass hinten rechts)
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Soweit ist es noch nicht. Direkt hinter dem Pass ist erst mal ein paar Meter Schieben erforderlich. Der Weg ist ein bisschen ausgesetzt, aber zu Fuß kein Problem. Schon bald können wir wieder aufsteigen. Es ist am Lauson auf beiden Seiten erstaunlich, in welcher Höhe man auf besten Wegen dahincruisen kann. Das ist mir beim Mistwetter damals nicht so bewusst geworden. Gut gelaunt erreichen wir die Rifugio Sella. Es sind auch viele Wanderer an der Hütte. Scheint ein beliebtes Ausflugsziel zu sein. Wegen der fortgeschrittenen Zeit gibt es leider nur kalte Sandwiches und Kuchen. Macht nix. Das wird mit einem schönen Radler heruntergespült.

Rifugio Sella (hinten Col Lauson)
20200902_151159.jpg
 
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Nordbaden
hinauf zum Colle della Rossa (3193 m) und von dort auf einem angeblichen Traumtrail hinab
Streich das angeblich :)
Der zusätzliche Aufstieg lohnt sich.

Sehr schöner Bericht, bin gespannt was noch kommt.
Vor 2 Jahren hab ich mein Rad kurz nach dem Col Lauson in ein Steinfeld geschmissen und dachte für ein paar Minuten ich müsste den Rest laufen. Außer defektem Navi, ein paar Blessuren und zwei kreidebleichen Mitfahrern ist aber nix passiert. Nach dem Aufstieg zum Col Rossa taten auch nur noch die Beine weh, der Trail runter ist es aber absolut wert.
Scheint so, dass das Gran Paradiso das ein oder andere Opfer verlangt
 

Fubbes

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Dieser Teil des Berichtes ist ziemlich bilderlos. Heute ärgere ich mich darüber, aber in dem Moment ging es einfach nicht.


Mittwoch, 2. September 2020, Rifugio Sella (2580 m)

Der weitere Weg nach Valnontey (1670 m) ist auch nach der Neugestaltung die absolute Spaßbremse. Alle paar Meter stehen über die gesamte Breite des an sich einfachen Weges hohe Steinplatten als Wasserabweiser. An sich keine Seltenheit in den Bergen, aber über die gesammte Länge des 900 hm langen Abstiegs eine echte Qual. Spaß macht das keinen. Und man muss voll konzentriert sein. Dirk ist es leider nicht.

Die Rifugio ist noch gar nicht richtig aus dem Blickfeld verschwunden, als hinter mir plötzlich der zweite Radfahrer fehlt. Ich werfe mein Rad hin und renne über die Wiese eine Kehre nach oben. Dirk sitzt still am Wegesrand, das Rad liegt neben dran. Es hat ihm buchstäblich die Sprache verschlagen. Als er sich etwas sortiert hat, machen wir Bestandsaufnahme. Anscheinend ist er an den hübschen Steinplatten vom Rad gefallen. Der Bauch und Brustbereich tut ihm weg. Könnte also sein, dass er vom eigenen Lenker gerammt wurde. Übelkeit kommt dazu. Ich vermute eine gebrochene Rippe.

15 Minuten sitzen wir am Weg, dann einigen wir uns, dass Dirk sein Rad nun schiebt und ich alle paar Meter auf ihn warte. Irgendwie müssen wir ja runter. Es sind ja fast 1000 m. Bereits jetzt steht fest, dass für ihn die Tour zu Ende ist. Bei meiner zweiten Wartepause an der Bachbrücke kommt Dirk gar nicht mehr. Ich blicke nach oben und sehe ein paar Wanderer winken. Flugs das Rad abgeschlossen und wieder hochgehechtet. Dirk ist ansprechbar, war aber zuvor kurz bewusstlos. Er berichtet, dass von einem Italiener bereits der Rettungsdienst alarmiert wurde und er gleich von einem Hubschrauber abgeholt wird. Die richtige Entscheidung. Wie gut, dass wir hier von Wanderen umgeben sind, die sich kümmern und bei so etwas nicht zögern. Die Verständigung ist allerdings schwer.

Der Hubschrauber kommt dann tatsächlich sehr zügig und ich erlebe nach fast 25 Jahren Erfahrung in den Alpen die erste Bergrettung. Seilwinde raus, drei Sanitäter kommen herunter. Ich bin so geschockt von er ganzen Situation, dass mir die Lust auf fotografieren völlig vergangen ist. Gaffen kann ich offenbar nicht. Leider. Auch für Dirk wäre das eine Erinnerung gewesen. Wir stimmen uns soweit ab, dass ich sein Radl nehme und mich irgendwie ins Tal durchschlage. Er wird nach Aosta gebracht.

Noch während die Rettungsaktion läuft, mache ich mich mit Dirks Rad auf den Weg und rolle wieder hinunter zur Brücke. Mit zwei Rädern werde ich nun eine Weile brauchen, wenn es überhaupt möglich ist. Deshalb quatsche ich spontan einen locker wirkenden Italiener an, ob er nicht Lust auf Rad fahren hätte. Er hat die Rettung natürlich mit bekommen. Ohne zu zögern übergibt er seinen Begleitern seinen Kram und schwingt sich auf das zweite Radl. Ich habe zwar Bedenken ob seiner Fahrtechnik und des nicht vorhandenen Helms, aber in dieser Situation muss ich hoffen, dass er es hinbekommt. Man darf nicht vergessen, dass es weiterhin immer wieder die senkrechten Steinplatten gibt. Zudem wird der Weg insgesamt etwas technischer. Immer wieder ist Absteigen angesagt. Endlos zieht er sich ins Tal hinunter. Viele Wanderer müssen nun zum wiederholten Mal überholt werden. Nicht alle sind freundlich.

Es geht fast alles gut. Der Italiener erreicht hinter mir heile den Parkplatz von Valnontey (1670 m). Bei mir sieht es nicht ganz so gut aus. Bei einem der vielen Stopps habe ich mir beim Absteigen ordentlich den Fuß verknackst. Dabei war auch ein Krachen zu spüren. Irgendwie ist wohl auch bei mir wegen der Geschehnisse die Konzentration nicht mehr voll da. Aber noch ist nicht viel zu spüren. Ich bedanke mich erst mal überschwänglich bei meinem neuen italienischen Freund. Eine kleine Aufmerksamkeit schlägt er aus und wünscht mir alles Gute. Dann steuere ich das Hotel an, das ich bereits vom letzten Besuch kenne. Es ist zum Glück ein Zimmerchen für eine Person frei. Im Schuppen ist auch Platz für zwei Fahrräder.

Humpelnd steige ich die Treppe zum Zimmer hinauf. Dort ist Fußkühlung angesagt. Ich habe kaum Schmerzen und besonders dick ist der Knöchel auch nicht. Aber sicher ist sicher. Von Dirk erfahre ich, dass er bereits im Krankenhaus ist, aber noch keine weiteren Informationen vorliegen. Geknickt nehme ich in der benachbarten Pizzeria einsam mein Abendessen ein. Ich weiß noch nicht, wie es morgen weiter geht.

Valnontey mit Hotel Valereusa
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Nur noch eine Pizza
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Diese Wasserabweiser können es wirklich in sich haben, vor allem, wenn der Weg auch noch etwas zugewachsen ist und man nicht viel vom Boden sieht. Zum Glück haben sie uns heuer im Urlaub nur paar Platten beschert und kein so ungklücklichen Abgang wie dein Kollege. :eek:
Da ich leider nicht so oft in den Bergen bin, weiß ich nicht, ob diese bei Neugestaltung von Wanderwegen absichtlich etwas "anders" als früher ausgeführt werden oder ob das nur Zufall war....ich hoffe letzteres.
 

Fubbes

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Da ist sicher keine böse Absicht dahinter. Kann aber schon so sein, dass man Radfahrern den Spaß etwas verleiden möchte. Denn der Weg von Valnontey zur Sella ist stark von Wanderern frequentiert.
Aber es gibt ja eine Alternative. Die muss ich mir dann wohl auch noch mal anschauen. Lauson, geht immer. Wobei ich jetzt schon jede Wettervariante dort erlebt habe. Bleibt eigtl. nichts mehr 😉
 
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.... wenn's mal läuft - dann aber richtig :(:(.

Schade für deinen Kollegen !

Macht aber trotz Allem wieder Lust auf die Ecke !!
Ich habe den Trail im unteren Teil gar nicht soo schlecht in Erinnerung.
( vom letzten Jahr )
Die Steinplatten sind schon hoch, aber machbar.
Ab dem Rifugio ohne Frage völlig überlaufen !!
Die meisten Stopps musste ich einlegen, weil die Wanderer direkt in
der Kurve vor den Steinplatten gewartet haben um zu schauen, wie
man das mit dem Bike macht.:):)
Ohne den Platz ( für mich zumindest ) kaum machbar.
 

Ventoux.

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Ja, schlimmer gehts wohl nimmer...
Ich habe den Trail im unteren Teil gar nicht soo schlecht in Erinnerung.
Fand ich jetzt auch nicht unbedingt, klar der Fahrspass wird schon ein bisschen gebremst, aber mit ein wenig Technik, wie ich in meinem Blog beschrieben habe, geht es einigermassen.
Kann aber schon so sein, dass man Radfahrern den Spaß etwas verleiden möchte.
Das ist definitiv nicht so, die Abweiser haben einzig den Zweck, dass bei Starkregen das Wasser so schnell wie möglich aus dem Weg geleitet wird, um starke Erosionen zu vermeiden. Und wie tiefer die Platten verlocht sind und wie höher sie herausschauen, um so wirksamer sind sie.
 

scylla

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Schade, dass ihr direkt runter seid, und dann auch noch solches Pech hattet!
Der Colle Rossa ist die tausendmal bessere Alternative, und wenn man direkt oberhalb vom Rifugio abzweigt, ist es auch gar kein so weiter "Umweg". Die 300hm, die es nochmal hoch geht, sind auf jeden Fall sehr gut investiert.
Nachdem mir die Abfahrt hinterm Rossa von einem Kollegen als "Bester Trail des Lebens" angekündigt wurde, war ich zwar etwas enttäuscht (zu verwöhnt halt von anderen Westalpen-Sachen), aber eine der besten im Aostatal ist sie schon. Wasserabweiser gibt's da keine und Wanderer nur sehr wenige ;)

Edit: PraterRadler hat vollkommen recht, neben dem Lauson ist der Colle della Rossa und nicht der Rosset. Korrigiert!
 
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Ich habe den Trail im unteren Teil gar nicht soo schlecht in Erinnerung.

Bin da schon viermal runter und finde den Weg eigentlich auch gar nicht so schlecht. An die Wasserabweiser gewöhnt man sich doch nach ein paar Kehren. Ist doch auch nichts anderes als eine technische Übung.
OK - bei Nässe erhöht sich die Schwierigkeit und man muss ja auch nicht unbedingt zur Rush-Hour da runter.

Kann mich am Colle della Rossa (Col Rosset ist doch woanders!?) jedenfalls auch an einige längere Passagen bergab erinnern, die ich absteigen musste.
Fand den auch konditionell insgesamt ziemlich fordernd und je nach Wetterlage, Zeitfenster und Restkondition kann es schon die bessere Entscheidung sein, den normalen Weg zu nehmen.

Naja - vielleicht wird's beim zweiten Mal besser.
 

Fubbes

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Das war ja das zweite Mal 😒
2011 gab es den Weg in der heutigen Form gar nicht. Der alte Weg lag in paar Meter weiter nördlich. In der Openstreetmap sieht man die Linie noch. In Real habe ich nix mehr gesehen. Habe aber auch nicht besonders darauf geachtet. Meine Aufmerksamkeit galt eher dem Italiener und seinen Fahrkünsten.

Col Rosset war am Tag vorher (Nivolet). Namentlich leicht zu verwechseln mit Col della Rossa (Lauson)
 
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Ja - habe ich schon mitbekommen, dass Du noch über den alten Weg bist.
Meinte mit zweiten Mal den Rossa, den ich hoffentlich noch ein zweites Mal unter den Stollen bekomme und mit der Erfahrung vom ersten Mal etwas besser bewältige.
 

scylla

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Ihr habt Recht, hab die Namen verwechset, sorry!
Der Colle della Rossa Trail läuft oben halt ein Stück über eine "spärlich wegige" Wiese, bevor es ab ein paar Hütten wieder ein gut sichtbarer breiter Trail wird. Wir haben uns da auch ein paar Mal verfahren und mussten dann wieder zum Wegweiser zurück hochschieben, als wir unseren Irrtum bemerkt hatten. Wenn man nicht die ganze Zeit auf die Berge und die Steinbockherden starrt, sondern besser auf die Markierungs-Steinstehlen achtet, bekommt man das aber sicher auch besser hin. Unfahrbar im fahrtechnischen Sinn ist da aber nichts (sofern man auf dem vorgesehenen Wegverlauf bleibt), läuft deutlich flüssiger durch als die Alternative.
 
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