Hallo zusammen, wie versprochen möchte ich hier noch den Bericht unserer Bikepacking-Testtour nach Eberbach posten. Die Fotos sind größtenteils nur schnell geknipst, da ich leider die Kamera immer erst aus dem Rucksack holen musste und dann zwischenzeitlich auch andere Sorgen als das Fotografieren hatte. Nachdem meine erste Bikepacking-Schnuppertour schon sehr schön verlaufen war (s
iehe hier), hatte mich mir passendes Equipment besorgt und wollte mal das andere Ende des Odenwalds erkunden.
Samstag früh machten User
Filzloeckchen und ich uns per Bahn auf dem Weg nach Weinheim, von wo aus wir die Tour nach Eberbach starten wollten. Mein Ziel war es, weiter in das Thema Bikepacking einzusteigen und Erfahrungen mit neuer Ausrüstung und erhöhter Zuladung zu sammeln. Filzloeckchen ist auf dem Gebiet ein absoluter
Profi und für ihn war das Ganze eher ein Spaziergang. Bei unseren gemeinsamen Touren hat aber erfreulicherweise grundsätzlich der Spaß und das Erlebnis Priorität und nicht die konditionelle Leistung. Für die kommende Nacht waren 5 Grad angesagt, aber um sicher zu gehen und wegen der geplanten Übernachtung in erhöhter Lage hatte ich sicherheitshalber den Winterschlafsack und entsprechende Kleidung eingepackt. Auf den ersten Metern nach dem Weinheimer Bahnhof merkte dann ich schon, wie anders sich das Rad mit dem zusätzlichem Gewicht fährt. Die Route, die ich für uns zusammengestellt hatte, umfasste 60Km Distanz und 2000 Höhenmeter. Normalerweise für mich problemlos machbar, ausreichend Zeit vorausgesetzt. Allerdings bis jetzt natürlich immer ohne Gepäck.
Meins Setup für die Tour. Zuladung im Bereich 5-7 KG. Dazu noch ein voller 30l Rucksack.
Wir durchquerten Weinheim und kamen ins Gorxheimertal, um von dort über verschiedene offizielle MTB Rundstrecken Richtung Eberbach zu traversieren. Wir gelangten über einen sich in Serpentinen die Flanke des Tal hochschlängelnden Pfad auf dem Kamm in Richtung Abtsteinach. Hier ging leider ein recht kalter Wind, der mich schon früh zwang die erste von zwei Softshell Jacken überzuwerfen. Hier oben holte ich auch schnell mein Frühstück nach und hoffte, dass die verspätete Mahlzeit keine negativen Folgen haben würde.
Diese etwas steilere Rampe mussten wir, unter den Augen einer pausierenden MTB-Kinder/Jugendgruppe, natürlich auch mit Gepäck bezwingen.

Immer wieder hatten wir einen schönen Blick zurück in die Rheinebene mit Mannheim im eigenen Dunst.



Die Bodenverhältnisse waren bescheiden: Größtenteils bewegten wir uns ab hier auf Waldwegen, die von den überall stattfindenden Waldarbeiten sehr matschig und dementsprechend auch etwas kräftezehrend zu fahren waren. Hin und wieder mussten wir auch wegen Sperrungen Alternativrouten suchen. Das kostete natürlich Zeit.

Auch wenn diese Zustände hin und wieder sogar Spaß machten, so sollten sie doch nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Immerhin kam nun die Sonne heraus und es war etwas freundlicher.
Ab Abtsteinach (Das obligatorische Foto vom Kloster haben wir uns geschenkt) wurde der Wald sehr schön und wir näherten uns dem Ende der ersten Etappe. Das nächste Teilstück war eine MTB Rundtour, deren GPS Track ich teilweise in unsere Tour eingebaut hatte. Jetzt sollten wir also hoffentlich bald abfahrtstechnisch auf unsere Kosten kommen. Ein Blick auf das GPS verriet: 3:20h unterwegs, davon 40 Minuten Pause/Orientierung, 740 Höhenmeter geschafft und 20 KM zurückgelegt. Wir lagen nicht besonders gut im Schnitt.



Der erste richtige Trail der Tour (nicht abgebildet) war dafür richtig schön zu fahren und auch wenn die Satteltasche sehr ungewohnt war, ließ sich für mich alles vorsichtig, aber ohne Zwischenfälle machen. Vor mir turnte Filzloeckchen auf seinem Rad über den Trail, als würde er immer mit Gepäck fahren. Mit vielen engen Kehren ging es runter ins Tal, von wo aus wir gleich wieder auf der anderen Seite hoch mussten. Der nächste Anstieg zog sich lang und beinhaltete einige steile Rampen, die viel Kraft kosteten. Oben angekommen erwartete uns ein nicht enden wollendes Transferstück. Wieder gab es Probleme mit der Wegfindung und unwegsame, anstrengende Passagen.
Plötzlich merkte ich es: Der erste leichte Krampf im Oberschenkel bahnte sich an. Sofort blieben wir stehen, ich rührte mir etwas Isostar in der Tasse an und aß eine große Portion selbstgemachte Energieriegel. Leider war es aber schon zu spät. Die Krämpfe meldeten sich nun immer öfter zu Wort, und bald musste ich bei größeren Belastungen schieben. Es folgte endlich der zweite Trail der Tour, der aber leider enttäuschte und nur aus einer Spur im Laub bestand. Wir kamen in Hirschhorn an und entschieden uns, direkt am Neckar entlang nach Eberbach zu fahren. An die eigentlich geplante Traverse entlang der Hänge war für mich nicht mehr zu denken. So konnten wir ca 300 Hm sparen und fuhren 8Km Radweg. So lange die Belastung klein blieb, konnte ich hier auch gut fahren.
In Eberbach angekommen, machten wir bei Rewe halt und kauften Zutaten für unser Abendessen. Währenddessen programmierte ich im GPS die direkteste Route Richtung Katzenbuckel. Ich hatte keine Bedenken es nicht zu schaffen, meine Kondition war noch da und ich wusste zur Not schiebe ich halt bis hoch. Dementsprechend ging es jetzt erst über etliche Treppenstufen und dann viele Spitzkehren direkt hoch zur Burg. Während ich mein Rad zu Fuß den weg hochhievte, konnte Filzloeckchen alles locker fahren. Ich hatte etwas von einer Quelle an unserem Schlafplatz gelesen, war mir aber nicht sicher, ob diese zugänglich und nutzbar sein würde. Wir hatten nur noch wenig Wasser und ich war etwas besorgt, oben nicht genug Flüssigkeit zu haben. Ich hatte mir auch meine letzte Softshell angezogen, um mich während des Aufstiegs möglichst warm und trocken zu halten. Ich setzte also alles auf eine Karte: Noch mal wo anders hinfahren war jetzt keine Option mehr.
Als wir bei der Burg Eberbach ankamen, konnten wir noch die letzten Sonnenstrahlen genießen. Danach wurde es aber schnell dunkel und ich schickte meinen Mitfahrer schließlich voraus, da er sonst alle 100 Meter auf mich warten hätte müssen. Um das Schieben angenehmer zu machen setzte ich Kopfhörer auf und hörte ein Hörspiel. Das mache ich öfters bei langen Bergaufpassagen, da es den Kopf beschäftigt und ablenkt. Nach drei Vierteln der Höhenmeter kam ein Plateau, auf dem ich wieder etwas fahren konnte. Die letzten Meter zum Schlafplatz waren dann noch mal steil und nass, aber schließlich hatte ich es geschafft und sah Filtzloeckchens Stirnlampe leuchten. Die erwähnte Quelle gab es tatsächlich und so konnte ich mir direkt einen Tee aufsetzen, trockene Kleidung und die Daunenjacke anziehen und mich im Schlafsack aufwärmen.
Filtzloeckchen testete seinen Hobo Kocher und wir aßen bis wir fast platzten.
Am Ende waren es immerhin 53km und 1650 Höhenmeter geworden. Glücklich kochten wir Suppe und Nudeln mit Gulasch und ließen den Tag Revue passieren. Auf jeden Fall würden wir wieder mal etwas zu erzählen haben, worauf es ja auch irgendwie ankommt. Wir richteten unser Lager für die Nacht ein und stiegen noch hoch auf den Katzenbuckelturm, von wo aus wir eine schöne Aussicht auf den Sternenhimmel hatten.
Frühstück mit Aussicht.
Am nächsten Morgen packten wir zusammen und hinterließen unseren Schlafplatz natürlich ohne Spuren. Das Wetter war sehr grau und so beschlossen wir, an diesem Tag nur noch zurück nach Eberbach zu fahren und unterwegs bei Gelegenheit ein paar Fotos zu schießen. Ich hatte uns zwar eine Trailtour herausgesucht, aber die frische Kleidung war inzwischen schon mehr als knapp und es war kalt genug, dass ich die Heimfahrt in jedem Fall in etwas Trockenem verbringen wollte. Wir werden aber auf jeden Fall bei gutem Wetter und ohne Gepäck wieder kommen, und die Trails am Neckar nachholen.



Ich habe auf jeden Fall wieder einiges gelernt: Es gibt viele Faktoren, die so eine Tour negativ beeinflussen können und man sollte einige von ihnen vorher einplanen. Trotz aller Schwierigkeiten war immer klar, dass wir unser Ziel erreichen würden und es nur eine Frage der Zeit war. Wir hätten im Notfall immer zurück zur "Zivilisation" gekonnt und unterwegs auch notfalls mit dem Zug zurückfahren können. Daher war es insgesamt eine sehr angenehme, spaßige Runde und das ist mir auch fast lieber so, als wenn alles perfekt glatt geht. Ich möchte mich noch mal herzlich bei Das-Licht, chriiss und Sharky für ihre Hilfe bedanken! Wir kommen auf jeden Fall wieder, wenn etwas mehr Sonne scheint.
Ein paar Aufnahmen von der Tour habe ich noch: