Bremsweg

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Re: Bremsweg
Also ich bin kein Downhiller und hab noch nie besonderen Wert auf meinen Bremsweg gelegt... aber ne Vollbremsung legt man doch eigentlich eh nie hin oder? Ich hab bisher nur einmal mit meiner Saint (200mm) ne Vollbremsung gemacht, sprich 4 Finger am Hebel und voll durchgedrückt und ich bin übern Lenker, obwohl ich eine Sekunde vorher mit dem Hintern fast auf dem Hinterrad saß. Bei Felgenbremsen war mir der Weg zwar als schon mal zu lang, aber bei discs bin ich bisher noch nie an meine Grenzen gestoßen.... aber bei der Vollbremsung hatte ich vielleicht so 3m Bremsweg, war so mit 30kmh unterwegs und auf recht sandig, steinigem Untergrund.
Sorry an alle downhiller, wenn ich hier gerade Müll erzähl. Kommt halt bei meinem Fahrstil einfach fast nie vor.
 
naja wenn du es drauf anlegst hat dein rad ein bremsweg von 0meter^^
du fliegst aber auch weiter^^^

muss man wissen wie weit der bremsweg is???
NEIN NEIN NEIN
der bremsweg verändert sich nach jeder bremsung(reifenabrieb,belagverschleis usw.)
 
Du wirst wohl niemanden finden, der dir diese Frage beantworten kann.

Es gibt jedoch einige physikalische Grundsätze, nach denen sich die maximal mögliche Verzögerung (negative Beschleunigung) errechnen lässt.

1. Die von der Hand übertragene Kraft auf die Bremse. Wobei es egal ist, ob eine Scheibenbremse oder Felgenbremse benutzt wird. Bremsungen bis zum vollständigen Stillstand des Rades ist mit beiden problemlos möglich.

2. Beschaffenheit von Fahrbahn und Reifen, da sich hieraus der nötige Kraftschluss ergibt. Die maximal mögliche Verzögerung wird nicht durch vollständigen Stillstand erreicht, sondern nur solange sich das Rad dreht, wobei hier die beste Wirkung bei 40 % Schlupf erreicht werden soll.

3. Die maximal möglich Bremskraftverteilung von Vorderrad und Hinterrad, da das Hinterrad ab einer bestimmten Bremsverzögerung des Vorderrades abhebt. Die theoretisch maximalen Werte liegen bei 2,8 m/s² beim Hinterrad und dem doppelten, also 5,6 m/s² beim Vorderrad.


Durch die vereinfachte Formel lautet Bremsweg=Geschwindigkeit² / 2 x negativer Beschleunigung oder s=v²/2a .

Das würde also bedeuten s= 8,33² / 2 x 5,6 = 6,2 m als absolut mögliches Maximum für 30 km/h.

Da stellt aber der interessierte Laie auch die Frage, welche negative Beschleunigung, also Verzögerung denn jetzt wirklich eingesetzt werden soll. 2,8 oder 5,6 oder etwas dazwischen?

Ab diesem Zeitpunkt wird es aber erst richtig kompliziert, da es nun eine Rolle spielt, ob der Fahrer den Schwerpunkt nach hinten verlagert und wie er die Bremskraft zwischen Vorder- und Hinterrad dosiert. Wenn er wirklich gut ist, wird er fast nur mit der Vorderradbremse bremsen und zwar so, dass sich das Rad kurz vor dem Überschlagen befindet, aber immer noch etwas Bremskraft durchs Hinterrad übertragen werden kann.

Du wirst also eine Reihe von Antworten bekommen, die alle so nicht stimmen, weil es ohnehin niemand genau nachmisst. Mal ganz abgesehen davon, dass es ja auch noch den Punkt 2. oben gibt.
 
Ich hab das neulich mal beim Frühstück getestet und hatte auf ner Scheibe Gouda nen 2 Meter längeren Bremsweg wie auf der Scheibe Salamie. ;)
 
Ich denke das der T-Ersteller eher empirisch ermittelte Werte reichen würde. Nur müßte man sich dann auf festgelegte Werte einigen wie trockener Asphalt.
Und ca. ein Körpergewicht von 70-80 kg bzw. bei Angabe eines korrekt gemessenen Bremsweg das Gewicht samt Rad mit angeben.
Bei Kfz gehts doch auch. Oder sind die ganzen Testergebnisse da Müll?
 
Beim KFZ ist der ganze Bremsvorgang aber deutlich berechenbarer weil man weniger unbekannte hat. Oder hast du dir bei ner Vollbremsung mim Auto schonmal gedanken über deinen Körperschwerpunkt gemacht ;)?


grüße
jan
 
Yukio schrieb:
Wenn er wirklich gut ist, wird er fast nur mit der Vorderradbremse bremsen und zwar so, dass sich das Rad kurz vor dem Überschlagen befindet, aber immer noch etwas Bremskraft durchs Hinterrad übertragen werden kann.

Die HR Bremse hat bei optimalen Schwerpunkt einen Einfluss von: 0.
Kannst du eigentlich abschrauben.
 
swiss schrieb:
Die HR Bremse hat bei optimalen Schwerpunkt einen Einfluss von: 0.
Kannst du eigentlich abschrauben.
Aber sicher doch. Ein kleines Video, nur mal so als Beispiel: Frontwheelie
Wie viele Mountainbiker würden das auch nur annähernd schaffen und wie sieht das bergab mit losem Untergrund aus?
 
Yukio schrieb:
Die theoretisch maximalen Werte liegen bei 2,8 m/s² beim Hinterrad und dem doppelten, also 5,6 m/s² beim Vorderrad.
Wie kommst du auf diese Werte?
Auf Je nach Untergrund und Reifen sind durchaus Werte >g möglich. Sonst könnten Autos nicht von 100 auf 0 auf 35m abbremsen.

3m aus 30km/h halte ich mit dem Fahrrad jedoch für unmöglich. Das wären 11,6m/s²! 4m sollte aber machbar sein.
 
J-CooP schrieb:
Wie kommst du auf diese Werte?
Auf Je nach Untergrund und Reifen sind durchaus Werte >g möglich. Sonst könnten Autos nicht von 100 auf 0 auf 35m abbremsen.

3m aus 30km/h halte ich mit dem Fahrrad jedoch für unmöglich. Das wären 11,6m/s²! 4m sollte aber machbar sein.
Diese Werte beziehen sich ausschließlich aufs Fahrrad.

Quellen:
Fahrradphysik und Biomechanik; Michael Gressmann
Betriebslastenermittlung, Dimensionierung, strukturmechanische und fahrwerkstechnischen Untersuchungen von Mountainbikes; Dr.-Ing. Eric Groß
EFbe-Prüftechnik Wissenschaftliche Grundlagen; Manfred Otto
 
Yukio schrieb:
Aber sicher doch. Ein kleines Video, nur mal so als Beispiel: Frontwheelie
Wie viele Mountainbiker würden das auch nur annähernd schaffen und wie sieht das bergab mit losem Untergrund aus?

Beim FW ist ja zum glück so, dass der Fahrer seinen Schwerpunkt tief halten will, gelle.

Noch nie mit dem VR nen "schwarzen" liegen lassen?
 
J-CooP schrieb:
Wie kommst du auf diese Werte?
Auf Je nach Untergrund und Reifen sind durchaus Werte >g möglich. Sonst könnten Autos nicht von 100 auf 0 auf 35m abbremsen.

3m aus 30km/h halte ich mit dem Fahrrad jedoch für unmöglich. Das wären 11,6m/s²! 4m sollte aber machbar sein.
Dafür ist aber auch der Luftwiderstand verantwortlich. Die maximale, nur mit dem Bremsen erreichbare negative Beschleunigung wäre = -g, ohne Beachtung des Luftwiderstandes und der Annahme der Reibbeiwert sei 1. Nun hat das Auto aber noch einen Luftwiderstand (Kraft entgegen der Fahrtrichtung) die zusätzlich abbremst und ggf. sogar noch Abtrieb senkrecht zur Fahrbahnoberfläche, der dafür sorgt, das zusätzliche Summanden dem Term m*a gegenüberstehen -> m*g*Reibbeiwert+F_Abtrieb*Reibbeiwert+F_Luftwiderstand(Funktion von v)=m*a wobei das dann natürlich integriert werden müsste, da v ungleich const und somit F_Luftwiderstand immer weiter abnimmt.

Ein Formel 1 Wagen braucht die Leistung des Motors doch in erster Linie um gegen den enormen Luftwiderstand anzukämpfen. Wenn du dann Gas wegnimmst entspricht das bei 300km/h nur durch den Luftwiderstand wahrscheinlich mehr als ner Vollbremsung bei nem PKW, ohne dass du die Bremse auch nur berührt hast. Dieser Effekt nimmt natürlich mit dem Quadrat der Geschwindigkeit ab. Natürlich kommt da dann auch noch dazu, dass er effektive Haftreibwert größer als 1 sein kann, maximal vielleicht 2.
 
sulibats schrieb:
Dafür ist aber auch der Luftwiderstand verantwortlich.
Ja, das ist schon klar, ich wollte bloß sagen, dass ich die 5,6 als zu niedrig ansehe. Das gilt vielleicht für einen aufrecht sitzenden Fahrer.
1g wird man mit dem Fahrrad wohl kaum erreichen, aber mit etwas Gewichtsverlagerung sind Werte um die 8m/s² durchaus möglich - habe ich auch selbst schon ausprobiert.
 
Journeyman schrieb:
na oder auch nicht.
Ach der! Die rechnen sich in den NG's immer so lustige Sachen zurecht.

J-CooP schrieb:
Ja, das ist schon klar, ich wollte bloß sagen, dass ich die 5,6 als zu niedrig ansehe. D[...] sind Werte um die 8m/s² durchaus möglich - habe ich auch selbst schon ausprobiert.
8m/s² ist physikalisch nicht möglich, egal wie du es anstellst. Stellt sich die Frage, wie hast du das gemessen?

Du kommst immer! mit folgenden physikalischen Abhängigkeiten in Konflikt:
- entweder du entlastest das Vorderrad durch Gewichtsverlagerung nach hinten, wenn du vorne bremst. Dann aber verringert sich die Radaufstandskraft vorne so sehr, dass auch die Randbremskraft, die auf den Boden übertragen wird, abnimmt. Dann aber blockiert auch das Vorderrad viel leichter.

oder

- du verlagerst das Gewicht nach vorne, beim Bremsen vorne, entlastest damit das Hinterrad, so dass ein Überschlagen des gesamten Fahrrades durch die Schwerpunktverlagerung sehr wahrscheinlich wird. Das wird noch wahrscheinlicher, wenn du bergab fährst und bremst. Deswegen verlagerst du dann ja auch das Gewicht normalerweise nach hinten und nicht umgekehrt.

Es spielen also immer der Schwerpunkt und die Radaufstandskräfte eine entscheidende Rolle. Und der Schwerpunkt ist relativ weit oben und das Gesamtgewicht relativ niedrig, gegenüber Motorrad und Pkw.

Man kann die Grenzen der Physik nicht außer Kraft setzen!

Edit wegen noch was vergessen.
 
Yukio schrieb:
Du kommst immer! mit folgenden physikalischen Abhängigkeiten in Konflikt:
Nehmen wir einen üblichen Reibbeiwert von 0,9 zwischen Reifen und Asphalt an. Fahrer und Rad zusammen wiegen 90kg. Macht eine maximal mögliche Reibungskraft von 795N, also eine maximal mögliche Bremsbeschleunigung von 8,8m/s².
Alles andere hängt nur mit der Lage des Schwerpunkts zusammen. Läge der Schwerpunkt auf einer Geraden durch den Aufstandspunkt des Vorderrades mit einem Winkel von 45°, so wäre theoretisch eine Bremsbeschleunigung von 1g möglich.
Bei den oben angenommenen 795N reicht es wenn der Schwerpunkt auf einer 48°-Gerade liegt, bei 8m/s² reichen 51°. Der Schwerpunkt müßte also unter oder auf der roten Linie liegen, was mit etwas Verlagerung nach hinten locker möglich ist.
Außerdem unterstützt einen ja auch noch der Luftwiderstand.

Was spräche denn nun physikalisch dagegen?
 

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Ich kann mich noch an den damaligen "Shoot-out" mit J-CooP erinnern, da war es feuchtwinterlich und nächtens und trotzdem hatten wir beide eine ordentliche negative Verzögerung - J-CooP trotz höheren Gewichts sogar eine bessere als ich.
Die Berechnung/der Rechenweg stand damals auch in dem Thread, aber frag mich nicht, wo der hin ist.
War eventuell im Leichtbau- oder Bremsenunterforum.
 
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