Eigendämpfung

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Hallo,

Wenn es um Stahlrahmen geht, fällt immer wieder der Begriff Eigendämpfung und den dadurch entstehenden Kompfortgewinn. Nur kann ich damit leider überhaupt nichts anfangen.

So ein Rahmen (egal, ob aus Stahl oder Alu) hat doch eine Eigenfrequenz im Bereich einiger Kiloherz. Und dabei kann er doch nur mit Amplituden schwingen, die für das Auge beinahe nicht sichtbar sind. Wenn wir über Kompfort sprechen, geht es doch um Schwingungen unter 50 Herz, sprich die Anregung der Fahrbahn und was davon über Reifen, Felgen, Rahmen, Federgabel, evtl. gefederte Sattelstütze oder Federung beim Fully über den Sattel an den Körper kommt.

Dabei ist der Rahmen doch ein starres Gebilde, dessen Eigenschwingungsverhalten (das man vielleicht hören kann, wenn man mit einem Hammer darauf klopft) überhaupt keine Rolle spielt.

Oder ist mit Eigendämpfung etwas anderes gemeint ?
 
Stell dich mal neben dein Bike, halte es am Lenker und stell' dich mit dem
ganzen Gewicht auf ein Pedal. Da schwingt es deutlich unter 50 Hertz.

So ungefähr stelle ich mir auch das verhalten des Rahmens in
vertikaler Richtung vor. Habe aber null Ahnung von der Materie. :D

Ich meine, der Komfort hängt auch zu einem guten Teil von der Sitzposition ab.
Je weiter hinten und oben man sitzt, desto weiter außen auf der "Raderhebungskurve"
befindet man sich (bei Hardtails).

Thb
 
Ich denke mal, mit Eigendämpfung ist die Eigenschaft gemeint, die von den Rädern etc. übertragenen Schwingungen weitestgehend zu eliminieren, was dann eben zu einen besseren Fahrgefühl u. Komfort führt.
Stell dir vor, du ziehst eine massive Eisenstange über einen ziemlich steinigen Untergrund. Die Schläge werden recht unangenehm an deine Hand übertragen. Würdest du diese Eisenstange mit einem Dämm-Material versehen, wären die an deiner Hand ankommenden Schwigungen gleich nicht mehr so unangenehm, da diese Dämmung einen Teil der Vibrationen absorbiert.
Nicht das jetzt Stahlrahmen genauso gedämmt werden :ka: , aber durch besondere Fertigungsweisen kann man da sicher einiges erreichen z.B. Muffen (??).
Mal sehen, ob es einer sicher weiss...
 
ganz einfach:

alu ist leicht und recht weich, ausserdem ermüdet es schnell durch flex.
um damit einen stabilen rahmen zu bauen, muss man entweder grosse wandstärken verbauen oder grosse rohrdurchmesser verwenden. man macht wenn es ums gewicht geht tendenziell lieber letzteres, da dadurch die stabilität überproportional zunimmt (coladosenrahmen. die kompromisslosesten kann man fast(?) mit der faust eindellen... aber steif sind sie eben trotzdem)
grosse rohrdurchmesser ergeben also einen bockharten rahmen der null flext.

stahl ist stabiler aber auch schwerer. ein bisschen flex macht ihm nix aus.
man kann dünne rohre verwenden aber mit grösserer wandstärke (verbeult dadurch auch nicht so leicht)
dünne rohre sind flexibler.
-> ein dünner stahlrahmen "federt" dadurch von sich aus schon ein bisschen, das macht ihn komfortabel. dieser effekt ist mit dem (falschen) wort "eigendämpfung" gemeint.
würde man einen dünnen alurahmen bauen der auch diesen federeffekt hat, bräuchte man grosse wamdstärken und hätte dennoch mit materialermüdung zu kämpfen.

(vereinfacht.. jaja ich weiss, es gibt unterschiedliche legierungen etc - aber tendenziell stimmts. hier steht interessantes zum thema rahmenmaterialien: http://www.downhillschrott.com/dhs/wissen/wissen_d.html )
 
Oh mann,

Und alle Welt verwendet den Begriff und niemand stört sich daran ?
Genau dieselbe Verwirrung kam bei mir schon mal beim Begriff "Losbrechmoment".

Danke erstmal.
 
Es ist so wie es ist:
Die meisten Leute meinen federn, wenn sie dämpfen sagen, und so ist es auch hier.
Die Eigendämpfung aller Metalle ist so gering, dass es eigentlich nicht erwähnenswert ist. Auch Titan, von dem immer alle (und die wenigsten davon dürften schon mal einen Titanrahmen gefahren haben) sagen, es sei so ein bequemes Fahrgefühl, meinen damit eigentlich dass diese Rahmen nicht so biegesteif sind wie Alu-Rahmen. Während wenig Biegesteifigkeit im Oberrohr ja eigentlich positiv ist, am Tretlager stört sie dann wieder - man muss hier also Kompromisse eingehen.
Wie schon von meinem Vorredner erwähnt: Die deutlich grössere Biegewechselfestigkeit von Stahl erlaubt es, weichere Rahmen zu bauen, die sich dann einfach komfortabler anfühlen. Kein Radprofi fährt z.B. Paris-Roubaix (viel Kopfsteinpflaster etc.) auf einem Alu-Rahmen, die würden sterben. Da kann man z.B. mit weichen Kettenstreben schon viel erreichen (siehe auch einige sog. Softtails mit flexenden Kettenstreben).
Der Stiffness-To-Weight Wahn scheint aber trotzdem ungebrochen.
 
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