ich glaube ich muss mich jetzt auch mal zur heiss diskutierten Einspeichfrage äussern. Vielleicht sollte mann ein paar Dinge einfach mal auseinander halten und historisch betrachten:
Vor ca. zwanzig Jahren, als Mountainbikes noch in den Kinderschuhen steckten, und auch die Rennrad Entwicklung gerade bei den Unterrohrschaltern angelangt war, war leider auch das Material noch lange nicht auf dem heutigen Stand der Technik: Weiche Felgenlegierungen, flache Hohlkammern, flexende Nabenflasche, vielfach noch verzinkte/verchromte Speichen. Speichenbrüche waren, nicht nur im Alltag sondern auch im Renngeschehen weitaus öfter zu finden als heute. Die Handwerkskunst ein gutes Laufrad zu bauen hatte einen viel höheren Stellenwert als heute,(wo doch schon viele Bikes mit kompletten Systemlaufrädern auskommen, die gar kein Mechaniker mehr leibevoll bauen muss).
Über all die vielen Jahre, hatte sich ein Wissen in der "Radmechanikerwelt" gebildet, dass sich durch lange Erfahrungen, Tradition und Ausprobieren entwickelt hatte. Es war wichtig, nicht nur gutes Material zu benutzen, sondern auch die richtige Einspeichmethode, Kreuzungsart, Speichenspannung etc.etc. zu beachten. Nur die Summe aller Richtigkeiten waren ein Garant für ein wirklich gutes, haltbares Laufrad. In dieser Zeit war es klar was gut war, da jeder auf den Erfahrungen des andern aufbauend, auch genügend Negativbeispiele erlebt hatte, Beispiele was sich nicht bewährt. Es zeigte sich, das Zugspeichen mit Kopf innen, dass Speichenlöcher gesenkt, dass ein Laufrad durchgewalkt und abgedrückt, dass Nippel mit Leinölfirniss geklebt usw.,in der Realität einfach länger halten. Dieses jahrelange, so angeeignete Wissen und in vielen Büchern geschrieben galt als die sicherste Methode ein gutes Laufrad zu bauen (Will jetzt nicht auf die Einzelheiten eingehen.)
Inzwischen ist aber alles anders geworden, wir haben supersteife, oversize Nabenkörper, beste Aluminiumlegierungen mit grossen Hohlkammern, hervorragende Doppeldickendspeichen aus Edelstahl. Kurzum: Das Material ist heute so gut geworden, dass die Handwerkskunst ein gutes Laufrad zu bauen in den Hintergrund getreten ist. Heute halten auch, nach allen Richtlinien der alten Zeit falsch gebaute Laufräder eine Ewigkeit (Was man da oft so im Laden rumstehen sieht), so dass die eigendliche Kunst ein Laufrad "richtig" zu machen nur noch etwas für Perfektionisten geblieben ist, die das Tüpfelchen auf dem "I" berücksichtigen, die ein auch optisch einwandfreies Laufrad haben wollen.
Erfahrungen, was hält und was nicht, haben heute an Aussagekraft verloren, das Material ist in den Vordergrund getreten.
Im Endeffekt sollte jeder sein Laufrad bauen wie er es gelernt hat und für richtig hält. Wenn er mit "seiner" Methode in der Vergangenheit Erfolg hatte, zeigt dies dass sie nicht ganz falsch gewesen ist. Andere, die es genau Verkehrt herum bauen, haben vielleicht auch ein gutes Laufrad auf die Beine gestellt. Es ist nicht mehr so wichtig wie früher, all diese Dinge zu beachten. So wundert nicht, wenn Laufräder mit wenigen Radialspeichen, teiweise am Hinterrad als "High End Standart" verkauft wird und auch, so wundern sich die "Handwerker alter Schule" sogar halten.
Also: Baut doch was Ihr wollt
Gruß Peter
(Der selbst mit 1,8-1,5-1,8 Speichen und Scheibenbremse noch keinen Speichenbruch hatte...)