Stahl-Alu-Kombinationen

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Servus

Da ich für meinen Zoom Stahlvorbau einen neuen Lenker brauch, hab ich mal hier ein bisschen im Forum nach etwas älteren Exemplaren (ca. Bj. 91) gesucht.
So hab ich dann erfahren, dass man keinen Alulenker in einen Stahlvorbau klemmen sollte. Leider. Denn gute Stahllenker sind rar.
Nun meine Frage:
Wie schaut's da dann eigentlich mit Alu-Sattelstützen aus?
Hab nämlich eine RaceFace Prodigy in meinem Stahlrahmen stecken, weil mir so eine billige Zwischenlösung - auch aus Alu - ärgerlicherweise auf einer Tour gebrochen ist.
Liegt das jetz eher an der billigen Stütze, ihrem Alter und meine 90kg oder ist es einfach keine gute Idee Stahl und Alu zu kombinieren.

Übrigens: Wenn noch jemmand eine guten alten Stahllenker rumliegen hat - Her damit!

servus
christian
 
also richtig wichtig ist das sowohl vorbau und sattelrohr gut entgratet sind, und das du auf richtige drehmomente achtest-dann dürfte nicht viel passieren bei den kombinationen allemein...
 
würd mich überhaupt mal interessieren warum man das nicht machen soll.
Lokalelementbildung oder was?
Ich hab das jahrelang praktiziert, und ich hab´s überlebt!
Aus haftungstechnischen Gründen rate ich dir aber auch davon ab. ;)
 
also ich denke das viele lenkerhersteller das nur angeben da man mit mit nem scharfkantigem stahlvorbau wirklich viel schneller den lenker schafft... und wenn man ihn dann noch "schön fest" anzieht ist ein kurzes bis sehr kurzes ableben vorprogrammiert...
 
Die beiden Materialien dehnen sich je nach Temperatur unterschiedlich stark aus, sodaß sich das weiche Alu bei den starken Biegebelastungen einkerben kann (was bei entgrateten Teilen wohl nicht so schnell passieren kann).
 
Es kommt nicht so sehr auf das Material des Vorbaus an sondern auf die
Ausführung.
Günstig ist, wenn Die Lenkerklemmung außen almählich dünner ausläuft, so
daß kein plötzlicher Steifigkeitssprung entsteht. Dieser ergäbe so eine Art
Kerbwirkung genau da, wo die Klemmung aufhört. Deshalb sind Vorbauten
mit vier Schrauben zur Lenkerbefestigung auch ungünstiger für die Haltbarkeit des Lenkers. Hat mit ein Mitarbeiter von Syntace gesagt und diese Firma scheint mir bei diesen Dingen sehr gewissenhaft zu sein. Dem gleichen
Menschen hab ich einen Stahlvorbau von mir gezeigt und er fand damit könne man ruhig einen ihrer Alulenker verbauen. Dieser Vorbau hatte eine relativ dünnwandige klemmung und zwei Klemmschrauben.
Aus den gleichen Gründen sollte die Klemmung am Ende auch gut entgratet
oder abgerundet sein.
Weil Aluminium elastischer als Stahl ist, passt die Elastizitat eine Aluvorbaus vielleicht eher zu einem Alulenker. Dafür darf er aber auch nicht zu massiv
sein.
Falls Du in Willingen bist: da sind die Syntace-Leute anwesend und vielleicht kannst Du ihnen eine aussage über Deinen Stahlvorbau entlocken...

Grüße Thomas
 
Thomas Sommer schrieb:
...
Weil Aluminium elastischer als Stahl ist, passt die Elastizitat eine Aluvorbaus vielleicht eher zu einem Alulenker. Dafür darf er aber auch nicht zu massiv
sein....
... da hast was durcheinander gebracht ;) alu ist weicher als stahl und somit anfälliger auf verletzungen durch kratzer o. ähnl. die dann im ungünstigsten fall wie eine sollbruchstelle wirken können. stahlvorbauten, besonders die billigen á la shogun zero, sind im klemmbreich meistens äussert scharfkantig und in den seltensten fällen entgratet.

alu / stahl combo geht eigentlich immer, lenker sollte am besten neu und ohne oberflächenverletzungen sein, lenkerklemmung am vorbau sauber ringsrum entgratet (auch den klemmschlitz entlang!), ev. auch die klemmung leicht aufweiten (u-scheibe/münze in den schlitz und die schraube von der "falschen" seite dagegendrehen..) damit der lenker ohne gewalt montiert werden kann.


ciao
flo
 
kingmoe schrieb:
Stahl flext doch, Alu nicht gerade besonders!

Das liegt nicht am Material, sondern an der Art der Verarbeitung. Stahl hat eine deutlich höhere Zugfestigkeit als Alu, höhere Bruch- und Dauerfestigkeit und eben auch ein höheres E-Modul (Steifigkeit). Um mit Aluminium einen anständig leichten und festen Rahmen hinzukriegen, muß man die Rohre oversizen. Durch diese großen Rohrdurchmesser der Alurohre werden die Alurahmen so steif und unnachgiebig.
So hab ich´s jedenfalls immer verstanden.
 
kingmoe schrieb:
Ist das wirklich so? Ich dachte immer, Alu sei wesentlich "spröder" und Stahl elastischer!

???

Stahl flext doch, Alu nicht gerade besonders!

Natürlich nicht, ein gleichdimensioniertes Alu-Rohr/Stab wird sich bei gleicher Belastung ca. 3-mal stärker biegen als ein Stahlrohr, wobei Stahl bis zu einer bestimmten Grenze dabei nicht ermüdet, im Gegensatz zu Alu.
 
Danke für den Technik-Exkurs, jetzt sehe ich klarer. :daumen:

Gut, dass ich gerade einen Custom-Rahmen in Auftrag gegeben habe - aus Stahl! Sowas leiste ich mir wohl nur einmal im Leben, dann darf es gerne eine höhere Dauerfestigkeit haben :D
 
Kann ich mir dann guten Gewissens einen normalen Alulenker, also kein Leitbau und auch kein Downhill, einbauen?
Natürlich neu und ohne Kratzer.
 
... du wirst von mir sicher keine tüv din oder sonstewie konforme erklärung bekommen ;) aber nicht nur ich fahre seit jahren mit solch einer kombi. z. zt.: titec cromo/syntace vector lowrise, salsa cromo/procraft alu 600mm, salsa cromo/nitto dropbar, salsa cromo/scott at 2lf etc. :D

montage siehe oben...

ciao
flo
 
Dann werd ich's wohl riskieren.
Geht ein Ritchey Pro in einem Zoom-Vorbau in Ordnung oder soll ich da lieber mehr Geld ausgeben? Und wenn ja, für was?
 
Ich denke wenn Du sicher gehen willst ist ein dickwandiger, sprich etwas günstigerer Lenker, wohl keine schlechte Wahl im Gegensatz zu einem Leichtbauteil.
 
Die beiden Materialien dehnen sich je nach Temperatur unterschiedlich stark aus

... schönes Zitat aus einer letztjährigen MOUNTAIN-BIKE.

Vom werkstofftechnischen Aspekt zwar richtig, aber völlig praxisfremd. Außer man montiert seinen Alulenker zur Mittagszeit in einem tunesischen Tiefkühlhaus und fährt geradewegs raus in die Wüste. Hier ist das Temperaturgefälle in der Tat so, daß eine halbwegs erkennbare Materialspannung vorhanden ist. Aber auch dann treten nur geringe Zusatzkräfte auf. Anzugsmoment und Fahrweise sind gravierender.

Von obigem Gesichtspunkt aus ist die Kombination Alulenker+Titanvorbau noch gefährlicher, da sich Titan bei Erwärmung noch weniger ausdehnt als Stahl. Und wer gar Alu mit Carbon vermischt..........
Aber gut, dies nur als Hinweis.


Und nun zu deiner Frage eine Antwort aus der Praxis:

Nach ~10000km (Rennen+Tour) und Starrgabel und ~67kg Fahrergewicht erkennt man in der schwarzen Eloxalschicht eines Ritchey Prolite links und rechts der Lenkerklemmung eines stählernen Ritchey Force deutlich 2 silberne Riefen. Zeit zum Lenkeraustausch.

:-) Jörg
 
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