Touren: Fotos, Berichte

tanztee

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Hornet von Dartmoor - 1st Ride!

Riesengebirge und Böhmisches Paradies: Tag #1 und #2

Jetzt hab ich wieder ein Trailrad, auf dem ich ergonomisch sitzen kann. Das musste auch sofort nach dem Aufbau getestet werden!
In der Theorie kommt nichts ungetestet auf den Trail bei mehrtägigen Touren. In der Praxis kam Donnerstag um 12 der Laufradsatz, den ich gebraucht hier im Bikemarkt geschossen hatte - und 17.15 saß ich im Zug nach Liberec o_O8-)



Es ging noch im Hellen in Liberec fürs Poserfoto auf den Marktplatz



und dann in den Wald zum Pennen. Trailsuche:



Zu faul, das Tarp abzuspannen - man arrangiert sich:



Erstes Frühstück:



Zweites Frühstück:



Dann habe ich noch etwas Zeit, bis der Zug nach Kořenov · Wurzelsdorf fährt. Zeit für Erkundungen, etwa diese skurrile Kneipendekoration:



Nach dem ersten Trail kurbel ich nach Harrachov · Harrachsdorf und entdecke eine kleinen Dirtpark:



Check Fahreigenschaften:


Ja klar im Pumptrack will das Hornet stur geradeaus, kein Wunder bei einem Radstand von 1200 mm und megaflachem Lenkwinkel. Aber es passt alles und hat unglaublich Laufruhe!

Über eine ausgwiesene Route geht es auf und ab mit dem Ziel Labská bouda · Elbbaude.

Hier mal mein Setup: Selbstkonstruierter und genähter spezieller Bikepacking-Rucksack, Dirthelm, Knieschoner.



Man kann bis direkt zur Baude fahren, über eine alte, immer wieder ausgebesserte Bergstraße gewinnt man stetig an Höhe.



Fehlt nur noch, dass drei Silberpfeile um die Ecke röhren ;)

Durch einen Verfahrer muss ich ein längeres Stück auf dem Kamm schieben, auch schön, die Muße zum Betrachten der Gegend.

Anmerkung: Die Tschechen sind megaentspannt was das Pennen im Wald und Trailfahren angeht. Wenn aber mal eines der wenigen Verbotsschilder steht, dann sollte man sich penibel dran halten, da sind die dann auch komplett spaßbefreit!

Auf dem Kamm des Riesengebirges:



Geschafft! Auf irgendwas mit 1300 m Höhe habe ich die Labská bouda · Elbbaude erreicht 8-)
Mit 9 Gängen!! Aus Budgetgründen habe ich viele Altteile verbaut, so wurde es nicht bergfreundlicher als vorne 36 und hintern 34 Zähne. Da heißt es öfter mal in den Wiegetritt gehen!

Dann habe ich keine Lust die mühsam gewonnen Höhenmeter stumpf auf Asphalt zu vernichten und entschließe mich für reverses Bikebergsteigen (hoch fahren, runter tragen) :oops:



Gute Idee! An den Elbfällen entlang trage und schiebe ich mein 14 kg Trailmonster, und genieße einfach nur die Szenerie. Ja Freunde, so geht Entschleunigung!



Guggsd Du:



Jaja, Digitalzoom ist eben Mist >:(

In Špindlerův Mlýn · Spinderlmühle geht es ganz brav auf den Zeltplatz, schließlich sind wir hier mitten im Nationalpark.
Interessiert beobachten die Nachbarn mit dem Stehhöhezelt und dem Pickup, wie ich aus meinem Rucksack meine Hundehütte zaubere und mich wohnlich einrichte.
Freundlicher Kommentar: reicht eigentlich auch!!



Voller Eindrücke und mit ordentlich Höhenmetern in den Beinen gehts dann in die Koje.

- Fortsetzung folgt -

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tanztee
 

talybont

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Von Wiesbaden an die Lahn und zurück

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tanztee

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Hornet von Dartmoor - 1st Ride!

Riesengebirge und Böhmisches Paradies: Tag #3 und #4

Es ist kühl im Gebirge, des morgens. Doch der Blick aus dem Tarp motiviert:



Heute geht es - natürlich aus eigener Muskelkraft - auf einen Berg zum Spindl Bikepark:



Halbstündlich spuckt der Lift die Kollegen mit den Fullys aus, man trifft sich an der Labungsstelle:



Es soll einen flowigen Trail geben, den ich entweder nicht finde oder womit die Touristenline gemeint ist. Die geht direkt die Forstwege runter, die ich gerade hoch gekurbelt bin. Nee, so nicht!!

Aber so:



Da folge ich einem Wanderweg, welcher sich als knüppelharter Naturtrail entpuppt: verblockt, steil, verschlammt, mit einer technischen Stufe ... läuft ... 8-)


Ja, so muss das! Aber nun bin ich - nach den endlosen Höhenmetern am Vortag und den ca. 600 Tiefenmetern eben ziemlich durch den Wind.
So schalte ich auf Chillmodus um und rolle an der Iser entlang, auf Straße und Nebenwegen, nach Vrchlabí · Hohenelbe. Das entpuppt sich als nettes kleines Städtchen, wo ich den neu gestalteten Platz um die Kirche für eine Rast und die weitere Planung der Tour nutzen will:



Warum um alles in der Welt habe ich die selten dämliche Idee, mit Gepäck und einem neuen Rad einen Bunnyhop über die messerscharfe Granitbordkante zu versuchen? o_O
Die gute Nachricht: die relativ leichte XM 481 Felge hat keinen Schaden genommen ...



Den Reifen runter zu bekommen erweist sich als nicht ganz trivial:



Finde den Fehler :oops:
Randbemerkung: bei dem festen Sitz war tubeless nach der Tour an der Tanke in Sekunden bewerkstelligt 8-)

Dann stelle ich fest, dass ich in meinem Mini-Winzigtool auch keinen 8er Inbus bei habe, um die geschraubte Hinterachse lösen zu können ... irgendwie geht's dann doch:



... bis auf die kleine Tatsache, dass ich nur eine kleine Rennradpumpe mithabe und das zweite Loch erst an der Tanke entdecke, wo ich dann letztlich einen Kilometer das Bike hinschiebe o_O

Irgendwann schaffe ich es mit den Selbstklebeflicken wieder rollfähig zu werden und kann, nachdem der Zug erst in einer Stunde fährt, nochmal einen kurzen entspannten Blick auf den Marktplatz werfen.



Dann heißt es: Wechsel der Location, bei den Recherchen ist mir ein Weg namens Riegrova stezka · Riegerpfad aufgefallen. Da muss ich hin!



Hier ist im Retro-Führungswagen schon mehr Platz für Räder:



Dann kurbel ich motiviert los, über interessante Brücken



bis ich da ankomme:



Wie bereits erwähnt, sollte man die punktuellen Verbote wirklich ernst nehmen, meistens wird der Biker da vor sich selbst geschützt, da manchmal sogar Tragen kaum möglich ist.

Ein Ersatztrail weiter oben ist dann auch gefunden, welcher erst ganz gut rollt



Aussichtspunkte mit begrenzter Aussicht bietet



dann aber immer unfahrbarer wird:



Es wird langsam dunkel, die Uhr tickt und ich schiebe und schwitze durch ein nicht enden wollendes Auf und Ab des Hochuferweges.

Etwas rollen und Trailgenuß gibt es zum Schluß dann doch noch, auch wenn die Anfangszene nicht wirklich fahrbar ist:


Zwischendurch läßt sich wieder einmal ein Blick auf den markanten Ještěd · Jeschken erhaschen (wieder mal Digizoom o_O)



Langsam geht mein Wasservorrat zur Neige, es wird immer dunkler und ich habe noch keine Idee für einen Biwakplatz. Da frage ich am Eingang zum Riegerpfad nahe des Wasserkraftwerkes eine Familie nach Wasser. Kein Problem! Wir kommen auf Englisch ins Gespräch, ich erkläre dass ich auf meinem Bike auch "Tramping" mache. Das steht in Tschechien für das, was man hier Bushcrafting oder so nennen würde (Tramping ist nicht Hitchhiking!!!)
Ja, die Straße links, da wäre doch gleich ein kleiner Campingplatz, nicht weit von hier.

Tatsächlich:



Da knackt das Feuer, es gibt eine Wiese, eine Quelle, eine Herzelbude, fertig ist die Laube!

So kann ich mich einrichten, kühle die Füße in der Iser, knacke mein Blechbrötchen auf und freue mich des Lebens! Vom steten Rauschen des Flusses in den Schlaf geleitet, bette ich meine ermatteten Glieder auf der Isomatte ...

Moin Folks!



So sieht mein Setup diesmal aus:



Fließend Wasser:



Plumpsklo. Hat den Vorteil der beschleunigten Defäkation, aufgrund olfaktorischer Merkmale:



Der letzte Riegel. Er muss rein, ich kann das Zeug nicht mehr sehen =O



Szene am Camp, welches einem Kanuverein gehört:



Die Bürokratie geht so: wenn keiner den Zaster persönlich abholt, haut man 50 Kronen in eine fest angebrachte Metallbox. Check!

Dann rolle ich zunächst einige Kilometer Fernstraße. Es gibt einen im Aufbau begriffenen Iserradweg, der hier aber zur Umgehung der Straße nochmal weit in die Berge kurvt. Dann gelange ich nach Malá Skála · Kleinskal, wo ich zum einen die Fernstraße verlassen kann und gleich danach ein Informationscentrum mit Cafe finde. Zweites Frühstück:



Im Inneren findet sich eine Art Moped-Minimuseum:



Dann rolle ich in den Ort, mitsamt seinen bekannten Felsgebilden und Wassersportmöglichkeiten:



Man kann die Felsen auch aus der Perspektive betrachten.



Pivovar heißt soviel wie Kleinbrauerei, wo in aller Regel extrem leckeres Craftbier ausgeschenkt wird. Um 11.30 Uhr wird geöffnet, es ist 11.25 Uhr. Ich warte. Die Tür öffnet sich ... ich fange mal mit einem leichten Hellen Lagerbier an, ist ja schließlich warm heute. Dazu: frisch frittierte Chips, direkt aus der Kartoffel geschnitten. Wenn einmal sowas den Gaumen berührt hat, hat das Zeug aus der Tüte echt keine Chance mehr!



Ein etwas dunkleres Bier beschließt die Runde, bis ich mich zur Weiterfahrt motivieren kann. Es geht auf dem Iserradweg durch malerische Auen und kleine Dörfchen nach Turnov · Turnau.

Hier mein Beitrag zur Plussize / Fatbike Reifenbreitendiskussion:



... und schon wieder will der grausige Snakebiterus nach meinen Reifen schnappen! Verschon mich, nimm lieber 'ne eiserne Jungfrau ^^



Dann geht es per Bahn nach Liberec · Reichenberg. Beim Aussteigen bemerke ich, dass der Reifen fertig hat:



Mit passenden Getränken geht es dann zurück nach Dresden - und nun fahre ich hinten tubeless!

Fazit:

Das war eine Tour der Extraklasse für mich: das erste wirklich zu mir und meinem Fahrstil passende Rad unterm Hintern, Höhenmeter und Aussichten satt kombiniert mit derbsten Trails und am Ende gediegene Erholung in einer Gegend, die wahrlich nicht umsonst das Böhmische Paradies genannt wird!

An dieser Stelle einen riesen Dank an die Verkäufer @yetibikes4ever und @geci , die mir zu Hammerpreisen derartig geile Teile verscherbelt haben, dass ich nunmehr auf einem noch nie erreichten Niveau die Trails rocken kann! So geht Bikemarkt und Ihr habt es mir auch mit geringerem Budget ermöglicht, meinen Sport weiter auszuüben! Und deshalb gibt es auch weiterhin, entgegen meiner Ankündigung, Tourenberichte!
Motiviert wäre an der Stelle eine Beleidigung - ich bin besessen und ein dreiviertel Jahr ganz ohne MTB und dann bis vor kurzem zwei maximal unpassende haben mir vor Augen geführt, wie sehr Mountainbiken und das Draußensein weit mehr als nur Hobbies für mich geworden sind. Es ist ein Lebensinhalt geworden und ich hoffe, ich konnte Euch ein Stück in meine Bikewelt mitnehmen!

So, hör ja schon auf, bevor die Taschentuchbox alle ist :lol:

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tanztee
 
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tanztee

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Ähh, öhm, ich musste nochmal zu Vergleichszwecken am Wochenende ein paar ordentliche Trails rocken.
Spontaner Overnighter am Hohen Schneeberg (CZ),
Abfahrt von demselben mit rd. 500 Tiefenmetern:


Der MK III rutscht mir doch zu sehr über die Treppenstufenkanten. Das war teilweise eher ein "Twowheeldrift" o_O
Da wirds an der Front auf Dauer wohl doch der Baron werden 8-)
Ja, warum räume ich eigentlich das Biwakzeug immer wieder erst in den Schrank :confused: :lol:

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sehr schöner Bericht! Habe so was für 2020 auch in der Planung: Vogtland / Erzgebirge/Dresden, Elbsandstein/Zittauer Gebirge inkl Stoni miriquidi .

Wollte mir dafür ca. 10 Tage Zeit lassen. Melde mich für nähere infos an die locals.....


SG
 

tanztee

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@All:
Vielen Dank für die Blumen!

Dafür gibt auch noch Bonusvideos, die ich für die Berichte zu spät hochgeladen hatte.

Erster Test mit Treppen in Liberec:


Harrachov Trail mit Ausflug ins Grüne. Unglaubliche Laufruhe im rauhen Geläuf ...


Durchs Riesengebirge auf offiziellen MTB-Routen (Route 1A und 13 bis zur Labská bouda · Elbbaude:



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Ich war auch mal wieder on Tour...undzwar zuerst bei der Veloheld Gravel Spartakiade in Dresden...und wenn man schonmal da ist bin ich danach von Dresden durch Brandenburg nach Berlin geradelt. Kurz und bündig...Wetter war top (bis auf ein starkes kurzes Gewitter)...die Route die Veloheld nach Tschechien und zurück nach Dresden gebaut hatte war mir alles in allem etwas zu sehr Straßenlastig..aber hatte dennoch auch ein paar ,,Gravel,, Highlights. Von Dresden dann nach Berlin hab ich auf gut Glück mit Komoot gebastelt...viele schöne Waldwege. Grade der Spreewald war ein absolutes Highlight. Hintenraus in Brandenburg wurde es aber teilweise bekanntermaßen zu sandig..

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Und dann ab nach Berlin:


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Im Juni 2019 ging es wieder auf Tour.
Eine kleine Rundreise Moers - Valkenburg (Niederlande) - Gooreind (Belgien) - Zeeland (Niederlande) - Moers.

Tag 1 Moers - Valkenburg



Mein Reisebike



Kurze Pause in Sint Odilienberg



Ortseingang Valkenburg







Kaffee und Kuchen in Valkenburg








Tag 2 Valkenburg - Gooreind



Das Highlight in Valkenburg - Der Cauberg













Im Hotel angekommen muss erstmal lecker gegessen werden.





Tag 3 Gooreind - Goes Zeeland



In Goes angekommen war das Hotelzimmer noch nicht frei und so nutze ich die Zeit um noch eine kleine Tour nach Yerseke zu machen.





Der Rest des Tages war für die Kalorienaufnahme reserviert 8-)









Tag 4 Goes



Erstmal lecker Frühstück.



Veere









Veerse Meer



Westkapelle



Goes



Tag 5 Goes - Ruhetag

Nur eine kurze gemütliche Tour



Tag 6 Goes



















Wind gab es reichlich.



Es gab aber auch wieder lecker Essen.





Tag 7 Goes - Tilburg (Rückreise)





Tag 8 Tilburg - Moers



Für heute war absolut schlechtes Wetter vorausgesagt, Regen und Orkanböen, und es wurde auch so richtig heftig.
Da ich keine Lust hatte, den Tag im Hotel vorübergehen so lassen, bin ich losgefahren. Zum Glück hat es nicht geregnet aber bei den Orkanböen war die Angst vom Rad gepustet zu werden allgegenwärtig. Ohne Pause hatte ich es doch irgendwie geschafft.

Am Ende waren es 8 schöne Tage.

 

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Kürzlich, in den Walliser Alpen...

Nach vielen Jahren ohne Besuch eines Gebiets, dass ich sowohl zum Biken als auch zum Winterbergsteigen immer wieder mal besuchte, war das Interesse gross nach zu schauen, ob zwei Gipfel um 3400 m mittlerweile Eisfrei zu befahren sind.

Ich steige Freitag abend aus dem Poschi aus - es ist bereits finster - und stosse, mehrheitlich weil mit dem Eingänger unterwegs, eine Forststrasse hinauf, später dann einen Wanderweg, bis ich einen guten Platz zum Biwakieren finde.

Am Samstagmorgen dann die Überraschung; Eis zwischen Biwaksack und Quilt. Überraschung, weil ich trotz dünner Schlafunterlage gut schlief.



Aufgrund des guten Schlafes starte ich etwas später als geplant in den herrlichen Tag. Der Anstieg lässt kaum Optionen offen zum Schieben, meist (es dürften über 90 % sein) trage ich das Bike.



Unterwegs treffe ich u.A. zwei Yaks mit humaner Begleitung an, ein paar Wanderer und geniesse die Gespräche nicht zuletzt wegen den Pausen. Nach ein paar Stunden wird's noch spannender... ich erreiche den Übergang zum Gletscher und sehe die Verhältnisse.



Also... keine eisfreie 'Fahrt'...

Der Übergang auf den Gletscher war etwas rutschig, was sich aber sehr bald änderte.





Ich gehe weiter zu zwei von drei infrage kommenden Gipfel, da der einwöchige Schnee und auch das alte Eis des Gletschers griffig ist und echt witzig zum Befahren.







In die erste Richtung (S) tun sich unweit vom mir teilweise gedeckte Spalten auf. So drehe ich gegen N und fahre über halb gefrorene Schmelzkanäle zum nächsten potentiellen Gipfel, wobei auch hier mich Spalten aufhalten. Ich bin breits über eine gesprungen, bin eine umgangen und traversierte die letzte über eine schmale Eisbrücke, als ich mir denke, dass ich nun genügend Blödsinn gemacht habe (ich habe gute 20 Jahre Erfahrung in Gletscherbegehungen und meine zu Wissen, was ich mache).
Zudem feiert mein Papa heute Geburtstag und ich halte mich an eine Umkehrzeit. Es ist noch ein langer Weg von ca. 3340 m nach 490 m runter und dann mit ÖV zurück in den Kanton Bern.



So verlasse ich das schwindende Eis nicht ganz ohne Schwierigkeiten um dann ich die wohl geilste Abfahrt abzutauchen.







Anhalten technisch rolle ich über unzählige Felsen ab und geniesse die geile Geometrie meines Moxies in bestem Spätsommerwetter. Voll geflasht (ich kann's nicht anders beschreiben) erreiche ich einen einfachen double track, dann etwas Strasse (übelst langsam mit diesem Bike) und fahre zum Schluss noch ein paar hundert hm auf einem nochmals tollen singletrack in steilem Gelände. Nach ca. 19 h Draussensein reise ich wieder mit dem ÖV zurück und darf die geniale Zeit in und mit der Natur bei einem Mexikanischen Abend mit der Familie am schönen Thunersee ausklingen lassen.
Im Grundegenommen war es eigentlich nur eine Trainingsrunde für eine Reise im November/Dezember ;)
 
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Das wär dann so öppe das Gegenteil zu meinen Rennvelorunden weiter oben :daumen:
In der Tat :lol:
Aber gerade Du lebst schön vor, wie vielseitig Radfahren über einen oder mehrere Tage sein kann. Mal eben mit dem Renner durch eine Gegend reisen oder ein Trailbike über die Höger (=Berge) schleipfen (=tragen, stossen).
Suchen wir am Ende nicht immer dasselbe? Oder zumindest was sehr ähnliches? Das Draussensein? Erinnerungen? Lebendigfühlen? Oder - in dem von mir oben beschriebenen weniger - ein Weg um von A nach B zu kommen? Egal was es sein mag, Bikepacking/Touring ist einfach genial :love:
 

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Und noch einmal.
Fast die selbe Situation wie ieine Woche zuvor.
Freitag nach der Arbeit mit dem ÖV in mitten in die Alpen rein, in der Nacht Aufstieg zu einem Biwakplatz. Am Morgen weiterer Aufstieg, bis zum Punkt, wo der Gletscher zu eisig war (erstaunlich... :rolleyes:), dann alles wieder runter in einem grossen Rausch um mit dem ÖV direkt zu einem Geburtstagsfest zu fahren

























 

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Warst Du auf'm Findelen-Gletscher?
Wenn's den überhaupt noch gibt - war da zuletzt vor knapp zwanzig Jahren auf Exkursion:oops:
Nein, ich war nicht auf dem Findelgletscher, aber die Region stimmt - dürfte dank dem Horu (Matterhorn wie's bei den Einheimischen heisst) nicht schwierig zum Erraten gewesen sein ;-)
Ich bin von Zermazz in der Nacht bei der Trifthütte vorbei, habe auf ca. 2600 m übernachtet und bin dann Richtung Mettelhorn. Das kurze, sonst völlig harmlose Stück über den Gletscher, war an einigen Stellen so glatt, dass ich kaum mehr Halt hatte und nicht herausfinden wollte ob ich diesen wieder finden würde im Falle eines Ausrutschers. Das Bike geht recht gut als Anker auf steilen Skipisten, aber mir war's dann zu brenzlig. Bin dann über den Chüeberg wieder runter gefahren.

Der Findelgletscher existiert noch und aufgrund seiner grossen Akkumulationszone in bis zu 3700 m, dürfte er auch noch eine Weile bestehen, aber Du würdest sicherlich erschrecken, wie weit er zurück gegangen ist. Schon heftig wie schnell sich die Landschaft dort verändert. Jedes Jahr sieht man die Unterschiede.
Auf meiner vorherigen Tour ging ich dann auch nach 7 Jahren wieder hin, im glauben einen eisfreien Übergang auf einen Gipfel zu finden. Dem war zum Glück (noch) nicht so.
 

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Hot pot hopping
Zwei doppelte Durchquerungen des Isländischen Hochlandes
1. Teil


Beide wir waren bereits mehrere Male auf der eigentlich recht kleinen Insel im Nordatlantik. Bevor sich einige wundern mögen warum ich "recht kleinen Insel" schreibe; Ich lief in 2.5 Wochen von Küste zu Küste durch's Hochland, oft weglos, mal über Gletscher, mal durch einen Krater voller Treibsand. Im gleichen Jahr war L. (meine Freundin) mit einer Freundin ebenfalls in Island (auf anderen Wanderungen) Später, gerade als Billigflulinien begannen nach Island zu fliegen, besuchte ich die Insel gemeinsam mit L. im Winter für mehr reguläre Touritrips. Vor drei Jahren wollte ich zwecks einer Rekognoszierung für eine O-W Winterdurchquerung (irgendwann mal, vielleicht) den östlichen Teil des Hochlandes auf einer der Hauptrouten durchqueren. Daraus wurde dann plötzlich viel mehr. Es war eine tolle Reise und wie bei allen Islandferien, erinnerte ich mich gerne zurück an ein Land, dass vieles bietet was ich am liebsten mag.
L. gings gleich und wir sprachen schon eine Weile davon, mal zusammen Fahrradferien dort zu machen. Als roter Faden dienten folgende Punkte:
Zwei Hochlanddurchquerungen, viele heisse Quellen besuchen und darin baden und, da L. eine begnadete (Hobby) Strickerin ist, das ganze mit Wolle umgarnen.

Zur Route:
Eine 1. Hochlanddurchquerung auf einer uns neuen Route, von Selfoss direkt nach Kerlingarfjöll (waren noch nie dort), dann Hveravellir (wäre das 2. Mal für mich) und weiter an die Ringstrasse, also grob durch die Region der Kjölur. Geplant waren aber nur wenige km auf der öden Kjölur, das meisten auf alten Reit-/Wanderpfaden, wie ich es zuvor gemacht hatte, jedoch zu Beginn Östlich des Gullfoss und nicht Westlich wie damals.

Nach Ankunft an der Ringstrasse dann auf den Bus nach Akureyri und ein paar Tage dort verbringen.
Das wäre der erste Teil.

Für den zweiten Teil dann mit dem Bus wieder ein Stück Ringstrasse auslassen um nach Reykjahlíð zu gelangen. Von dort weiter radeln Richtung Askja und je nach Zeit und Lust auf dem Weg bei Myvatn und Laugarvellir baden gehen. Dann über die Nördliche Route von Askja zur Sprengisandur über den Vonarskarð, dann weiter auf der regulären Piste nach Landmannalaugar und dort baden und wandern. Dann nach Reykjavik zurück, wieder zwei Nächte dort und zurück nach Hause.

1 - 2. Tag.
Ankommen, Vorbereitungen und Wolle

Bikes nach dem frühen Flug bei schönem Wetter vor dem KEX Hostel zusammengebaut. Das dauert... alles muss perfekt sitzen.


Im Kex Hostel - hilfsbereit wie immer.

Wir erledigen diverse Einkäufe, beziehen unbenutzte Gaskartuschen aus dem Hostel und verschicken Verpflegung und Verbrauchsgegenstände postlagernd nach Akureyri.


Auf dem Weg zu Einkäufen ausserhalb der Innenstadt.

Nach erledigen der wichtisten Sachen besuchen eine Strick-Designerin, die ihre Arbeit in einem Wollladen vorstellt und radeln am nächsten Tag zu Àlafoss in Mosfellsbær (aus dem Àlafoss werden die meisten Isländerpullies gestrickt) am Meer entlang und beobachten Robben und Vögel, trinken teures carft beer und geniessen leckeres Essen, allem voran frischen und gut zubereiteten Fisch.

It's a wool thing you wouldn't understand.


Überall wird gebaut in Reykjavik. Ich erkenne das Gebiet beim Hafen kaum mehr. H & M und weitere generische Läden in nichts-sagenden Gebäuden nehmen der Stadt einen Teil des Charakters.


Robben auf dem Weg nach Mosfellbaer.


Stillleben? Strand auf dem Weg von Mosfellbaer zurück nach Reykjavik.


Island enttäuscht nie mit seiner progressiven Kunst. Auf dem Weg von Mosfellbaer zurück nach Reykjavik.

Die zwei Tage in Reykjavik waren völlig genug für uns. Wir waren doch schon einige Male dort für meist zwei Nächste und sind froh, dass wir bald weiterreisen.

3. Tag
Ein wunderschöner Empfang.

Ausserhalb der Stadt ist der Bushub von Strætó, von wo die Linienbusse in verschiedene Richtung fahren oder ankommen, leider nicht beim BSI, dem allgemein bekannten Bushub. Bei Strætó muss/kann man die Bikes nicht reservieren und sie reisen GRATIS mit.


Danke Straeto :daumen:

Nach der uns bereits bekannten Fahrt nach Selfoss geniessen wir dort ein paar Dinge, die wir für mindestens ein paar Tage nicht mehr antreffen werden, wie Stühle, Wasser aus dem Wasserhahn, geheizte Häuser etc. Die ersten km rollen wir bei prächtigem und spannendem Wetter mit einer Brise locker dahin. Hie und da überrollt uns jedoch eine Regenwolke uns so radeln wir einen Grossteil in Regenkleidung. Beim Kerið machen wir halt um den Krater zu besuchen, denn wir bereits im Winter 14 besuchten. Es bleibt jedoch beim Halt. Der "Eintritt" kostet eine Stange Geld und wir sind nicht bereit dies zu bezahlen. Also weiter.


Wenig ausserhalb Selfoss.


Auf der anderen Seite der Hvità (die den Gullfoss bildet).


Die wohl ersten Teerfreien km. Es sollten noch viele solche folgen.


Hier taucht plötzlich ein Speedboot voller Touris auf, die natürlich lauter schreien, sobald sie uns auf der Brücke sehen. Den Fluss werden ich flussabwärt NICHT mit dem Packraft besuchen...

Unsere Route führt uns bald weg vom Verkehr, weg von Häusern und weg vom Teer. Spätestens als wir den Abzweiger zum Östlichen Ufer der Gullfoss hinter uns lassen wird es richtig ruhig. Wir werden für mehrere Tage keine Autos/Jeeps/Leute mehr antreffen.



bedient Google translate "Zusammenbruch menschlicher Frettchen" ... ?
bedient Google translate zum 2. mit anderem Leerschlag "Kriminelle Frettchen" ach ja. Jetzt ist alles klar...


Wunderschönes Tal mit guter Piste - kein Waschbrett, nicht zu sandig. Einfach schön.


Wunderschöne Zweisamkeit.

Eine schöne schöne Schotterpiste führt uns gegen Norden, wo wir unsere Behälter komplett mit Wasser auffüllen (insgesamt 9.5 L), da es bald nur noch sporadisch Wasserquellen hat und es langsam Abend wird, also Zeit einen schönen Zeltplatz zu finden mit guter Aussicht (die meist nicht bei Wasserquellen zu finden ist).


1. Zeltplatz mit Blick auf Hofjökull.


Typisch für die Regionen, die wir gerne bereisen. Erika, Heidenkraut, Calluna vulgaris


Blick bei Sonnenuntergang zum Gullfoss (Gischt linke Mitte erkennbar).


4. Tag
Erfahrung rettet vor Dummheit.

Am Morgen erwaten uns windigere Verhältnisse. Am Abend soll ein Hurrikan-Ausläufer auf Island treffen und wir versuchen die ca. 80 km vorher hinter uns zu bringen. Geplant war eigentlich diese Etappe in zwei Tagen zu fahren, zumal wir nicht wissen um was für Gelände es sich handelt, wieviel gefahren werden kann, oder wie schwierig die Furten sind. Auch die Recherchen im WWW ergaben für diese Route nichts. Somit radeln wir in Ungewiss. In den zunehmenden Wind.



Tiefer hinein in's Ungewiss.


Weiter in die Weite hinein.

Die Piste ist einfach zu fahren. Fest, kein Waschbrett - weil zuwenig Verkehr und normal holprig. Die Anstiege sind selbst mit dem Eingänger alle fahrbar (bis jetzt), aber der Wind... Pausen können wir nicht im Wind verbringen. Es ist kalt und bisweilen so stark, dass alles was nicht schwer ist, davon fliegt.
Dann passiert noch das... dadurch verlieren wir weiter an Zeit, da ich immer wieder anhalten muss um es zu richten.
Es ist noch nicht Abend, aber der prognoszierte Sturm scheint sich fleissig aufzubauen.


Hier murkse ich in starkem diagonalen Wind hinauf. Beim Warten fällt mir auf, dass das Prasseln an der Kapuze nicht immer Graupel oder Regen ist, sondern 1 - 3 mm grosse, schwarze Sandkörner. L. ist eine ausdauer- und technisch starke Bikerin, der Wind aber bereits zu dieser Zeit zu stark für sie, so dass Stossen effizienter wird.

Für eine kurze Zeit schwenkt die Piste ab und geht durch einen sandigen Abschnitt. Aus der Distanz sah's nicht so schön aus, weil Fahren im Sandsturm wirklich eklig ist, aber schlussendlich war es dann sogar super. Der kurzweilig starke Rückenwind blies uns zügig über die Ebenen, so dass wir im Flachen bremsen mussten, dabei blies es den zusätzlich durch uns aufgewirbelten Sand umher und machte das ganze surreal.
Kaum dreht die Piste wieder gegen Norden ist Fahren kaum mehr möglich.


Schöner Sandkasten. Die Piste veräuft kurz gegen West, was uns Rückenwind beschert und wir in einer Sandwolke daherbrausen können. Ein tolles Erlebnis, nicht lange bevor die Lage sich zuspitzt.

Uns fehlen noch ca. 20 km und auf dem zurückliegenden Weg liegen bereits mehrere Stunden stossen wegen dem starken Wind, der immer noch stärker wird. Wir gehen an einer potentiellen Stelle zum Übernachten vorbei - ein Flussbett mit Quellwasser, dass weniger Windexponiert ist. Leider entscheiden wir uns dafür weiter zu gehen und zu versuchen Kerlingarfjöll noch heute zu erreichen. Dies würde ein voller Ruhetag zum Baden und Wandern, sowie den Schutz von Hütten inkl. einem Café und Duschen bedeuten.
Aber...
Je näher wir den Bergen von Kerlingarfjöll kommen, desto mehr wütet es. Der Wind ist nun so stark geworden, dass unsere beladenen Bikes fliegen wollen. L. kann ohne meinen Windschutz nicht mehr stehen, geschweige denn ihr Bike halten, mehrmals wird es vom Wind hochgehoben und kracht dann in sie rein. Ihre Beine bluten von den Pins. Wir werden schwarz paniert vom Sand und werden heiser, weil wir uns seit Stunden nur noch durch schreie verständigen können.
Einmal blickt L. zu mir rüber um was zu sagen und ihr Gesicht flattert im Wind. Ihre Müdigkeit und der leere Blick jagen mir Angst ein. Ihr geht langsam die Kraft aus. Das Bike an den Boden zu drücken, gegen den Wind anzukämpfen fordert uns am gesamten Körper. Ich schlage vor, dass sie ihr Bike liegen lässt, wir eine Stelle für's Übernachten suchen und ich dann ihr Bike alleine holen gehe. Sie bleibt hartnäckig und geht in die Reserven. Das hügelige Gelände zaubert eine kleine Mulde zwischen Lawablöcken, wie ein kleiner Canyon am Fuss eines Vulkans, wo wir aus dem übelsten Wind draussen sind und die Bikes nicht konstant runterdrücken müssen und umher geworfen werden. Trotz noch starkem Wind und dank unserer Übung steht das Zelt bald. L. habe ich aufgefordert meine (mit dem Zelt) ausgepackten Kleider anzuziehen, damit sie nicht weitere Körperwärme verliert, bis ihre Kleider und unsere Quilts ausgepackt sind. Wären sie im Schutz des Zeltes was warmes anzieht, sammle ich vom Zelt Regenwasser, dass natürlich voller Sand ist. Suppe, Abendessen, Tee, Schokolade und noch was anderes... Damit verbringen wir trotz dem gefährlich schlechten Wetter an einer sonst wasserfreien Stelle eine erholsame Nacht.

Dank gemeinsam fast 40 Jahren Erfahrung in Wildnisreisen in der Tundra und Gebirge konnten wir nach unserer Fehleinschätzung weiter gehen und doch noch einen sicheren Hafen erreichen. Wir stellen uns vor, wie es weniger erfahrenen Leuten ergangen wäre...
Das andere... was uns eine erholsame Nacht beschert, sind Ohropax. Egal wie stramm ein Zelt im Wind steht, irgendwann knallt der stark gespannte Stoff so laut, dass an schlafen ohne Ohrenstöpsel kaum zu denken ist.

5. Tag
Auf zum 1. Bad.

Es sind nur noch 12 km bis Kerlingarfjöll. Die hätten wir gestern Abend garantiert nicht mehr erreicht, da wir nur mit Mühe 2 - 3 km /h schafften. Das Gelände hätte auch kaum weiteren Schutz geboten. Trotz unserer gestrigen Dummheit weiter in den Sturm zu gehen um gut durchgeschüttelt zu werden, starten wir mit neuen Kräften in den nächsten Tag. Der Wind hat einiges nachgelassen, bläst jedoch noch immer mit Sturmstärke, wir kommen jedoch erstaunlich gut vorwärts und müssen auch kaum mehr stossen.


Fast als wäre nichts gewesen. L. fährt einfach weiter, der Sturm wütet noch immer.


Stimmungen


Schuhe putzen. Der gestrige Tag mit dem Sand und dem Wind hat alles was im Lee war zugekleistert. Alles auf der linken Seite war voller schwarzem Sand, vorallem Reifen und Schuhe. Die paar kleinen Furten waren willkommen.

Wir nähern uns der Zufahrt zu den Hütten der Station Kerlingarfjöll. Bald sind wir auf einer bekannteren Pisten, haben keine Furten mehr und wenn was wäre, könnten wir in den Bus steigen, der ca. 3 x in der Woche (nach Norden) durchfährt.

Kurz bevor wir die Piste erreichen, führt unsere Route um einen Hang um diese Aussicht frei zu geben:


Mit feuchten Augen. So stelle ich mir das vor. Mit meiner Freundin eine solche Natur zu erleben. Roh, gewaltig, rücksichtslos, pur. Und wir ganz klein, mitten drin. Exponiert und ausgeliefert.


Zusammen schaffen wir alles.



Es ist so wunderschön, dass ich feuchte Augen kriege. Solche Momente mit L. zu erleben und in gemeinsamer Erinnerung zu halten, das wünsche ich mir auf meinen Solotouren so oft und nun, wieder einmal, wird der Wunsch erfüllt.

Ein weiterer, kurzer Effort steht an. In den Bergen hält sich der Wind besser und wir schieben den Anstieg zu den Hütten hinauf.
Mit verwunderten Blicken der wenigen Leute in der Haupthütte bei Kerlingarfjöll ab unseren nassen Socken auf dem Fussboden geniessen wir die Wärme, den Windschutz, das wir normal miteinander Sprechen können und natürlich die heissen Getränke. Hier erfahren wir, dass der gestrige Sturm Alarm im ganzen Land ausgelöst hatte und in den viel besuchten Regionen ganze Gebiete gesperrt wurden.

Kurz kommt die Sonne raus uns so stellen wir, wieder im Wind, das Zelt auf und geniessen ein paar ruhige Stunden, bevor wir uns auf einen Spaziergang zu dem hot pot machen.


Spaziergang zum hot pot.

Während ca. 2 h weichen wir uns ein, Massieren und gegenseitig im 36 - 38 °C warmen, eisenhaltigen Wasser.


Hot pot Kerlingarfjöll

Während dem Aufheizen an der wärmsten Stelle warten wir auf eine Regenfreie Minute, hüpfen raus, trocknen uns schnell ab und gehen in den Regenkleidern zurück zum Zelt. Was für eine Wohltat. Lange noch hält diese an.

6. Tag
Rückenwind? Bitte?

Heute steht eine einfache Strecke an. Lediglich von den Bergen runter an die Kjölur, dann nach Hveravellir, wo uns wieder ein heisses Bad erwartet. Die alternative Schönwettervariante wäre ein Stück gegen Süden zurück gegangen auf der Kjölur und dann bei Hvitárnes auf den Kjalvgur zu gehen, einen langen single track der gegenwärtig als Wander- und Reitweg genutzt wird. Bei dem Wetter und unserem Vorankommen fällt diese Variante aber definitiv aus.

Zuerst aber Frühstück:


Frühstück. Eine kleine Überraschung. Auch das Strickzeug (ca. C5 Briefumschlaggrösse und keine 200 g). L. wollte es im Hostel zurück lassen, wegen des vielen Gepäcks. Die Freude umso grösser als ich es ausgepacke und sie nach Lust und Laune im Zelt strickt, mit oder ohne Pfannkuchen und Ahornsirup im Magen.

Der Wind... er bleibt bestehen, jedoch deutlich schwächer als die letzten Tage.
Zu Beginn des heutigen Tages sogar von hinten. Die rasante Fahrt endet leider bald und wieder kommt der Wind mal von der Seite, mal von vorne.


Endlich können wir wieder fahren. Der Wind hat genügend nachgelassen. Das Wetter aber richtig hässlich.


Auf der öden Kjölur. Im öden Wetter.

Ich bin vorher kaum ein Stück auf der Kjölur gefahren, aber fand die wenigen km doof. Eine breite, langweilige Schotterpiste, oft voller Waschbrett auf der gesamten breite. Wenn man dann noch kaum Sicht hat, ist es doch echt öde und so zieht sich unsere vermeintlich kurze Fahrt von ca. 40 km.



Hveravellir. Die eher kurze Fahrt schien nicht enden zu wollen.

Wieder in die Hütte mit dem Café, ein warmes Getränk, dass Zelt aufstellen und für, diesmal eher 3 h, in's heisse Bad. Der hot pot bei Hveravellir hat drei Zuleitungen, die man nach Lust und Laune verschieben kann. Zwei führen kaltes Quellwasser und eines heisses (80 - 100 °C) Wasser in's künstliche Becken. was für einen Luxus!

Die Erschütterungen hinterlassen nicht nur an uns (müde Gelenke) ihre Spuren. L. zweifelt daran, ob sie sich noch motivieren kann, aus eigener Kraft auf der Kjölur ca. 90 km bis zur Bushaltestelle an der Ringstrasse zu fahren. Der Bus, der uns dann nach Akureyri bringen würde hält auch in Hvervellir. Wir könnten also einfach liegen bleiben, nochmals den hot pot und das Café besuchen und dann am späteren Nachmittag auf den Bus hüpfen und so das Hochland verlassen. Der Bus fährt nicht jeden Tag. Wenn wir also entscheiden selber zur Fahren, müssen wir es zeitlich bis zu Bushaltestelle schaffen. Meist halten sie auch unterwegs an, aber ich habe auch schon von Fällen gelesen und gehört, wo sie vorbeigefahren sind. Das wollen wir keinesfalls, denn es würde unseren roten Faden möglicherweise zerreissen. Wir wollen am nächsten Tag auf diesen Bus. Entweder hier, in Hveravellir, oder im Tal im Norden - an der Ringstrasse.


Gratis Gaskartusche - ein Überbleibsel im Hostel von anderen Touris. Die Kartusche war neu. So sieht sie nach ein paar Tagen auf unserer Route in einer Rahmentasche aus.


Meine wertvollen M & M's


Die einzigen Defekte? (Hier mehr dazu). Wer weiss, uns steht noch ein langer Weg bevor.



7. Tag
90 km Sprint im Gegenwind.

Dank dem schlechten Wetter und der dürftigen Prognose ist bis heute Morgen nicht klar, ob wir selber die langweilige Kjölur abstrampeln, oder mit dem Bus weiter gehen.

Ich habe das Hochland aus eigener Kraft schon oft durchquert, für L. ist wäre es jedoch das 1. Mal. Dies ist Motivation genug dem Wetter den Stinkefinger hinzuhalten und aus eigener Kraft weiter zu gehen.

Bei wechselhaftem Wetter starten wir früh, lassen und aber einen Besuch des Geothermiegebietes nicht nehmen.

Zuerst im Nebel, dann mit Aussichten fahren wir gegen den Wind, nun auf normal Isländische Verhältnisse geschrumpft, Nordwärts.

Öde Piste, schöne Aussichten - wenn mal ohne Nebel (habe natürlich fast nur Fotos gemacht, wenn's etwas zu sehen gab...)


Fast flach.


bedient Google translate "östliches Hühnerwasser brutzelt" oder "Osthennenwassersystem ... ? Austur verstehe ich, Wasser auch... aber... ?
Hreppur heisst so was wie Distrikt.


Eine interessante Stelle. Wer hier durch will, muss gut wissen, was er/sie macht. Sonst wird's schnell sehr gefährlich, dank wirklich, wirklich schwieriger Furten. Ich nur mit Packraft in meinen Träumen. Also bald ;-)


Manchmal, wenn ich meine L. ist weit hinter mir, anstatt in meinem Windschatten, sage ich gedanklich zu ihr "komm' schon! Häng Dich ran!" Manchmal sage ich es laut. Und in einem Fall kommt von hinten zurück, "was hast Du gesagt, ich bin ja dran." Das Washbrett nervt gewaltig. Zum Glück haben wir super angepasste Federgabeln verbaut.


Harðfiskur - Trockenfisch. Echt lecker, man glaubt es kaum.


Es hört nicht auf und wird langsam langweilig. Die Kjölur klettert immer über die exponierten Hügel, um dann richtig bescheuert wieder runter zu führen. Die. Ganze. Zeit. Wenigstens gibt's dafür kurzen Abfahrtsspass. L. macht sich aerodynamisch und brettert runter.


Bald fallen wir ab der Kante.

Dem Tal näher kommend gibt's kein Halten mehr. Wir brausen vom Hochland herab und es fehlen uns nur noch ein paar km bis zu Bushaltestelle an der Ringstrasse. Dabei sind wir ca. 1 h vor unserem Zeitplan. Perfekt!


Da brettert sie wieder an mir vorbei. Wieder Teer. Jedoch nur für ein paar Kurven mit Gefälle.


Nicht mehr weit und wir haben unser Tagesziel erreicht.

Wir erreichen einen Schotterplatz neben der Ringstrasse, lachen und freuen uns über das Geleistete. L. erste Hochlanddurchquerung! Meine 4. Hochlanddurchquerung!
Wir haben einen Fehler gemacht am Nachmittag des 2. Tages, aber sind super erfreut darüber, wie wir die doch recht kritische Situation gemeistert haben. Die Motivation, aufeinanderfolgende Tage in Regenklamotten auf dem Rad und dann nicht bei der 1. und auch nicht bei der 2. Gelegenheit auf den Hochlandbus zu steigen, sprüht wie ein Geysir aus uns raus. Wir telefonieren mit dem Bus-Büro in Akureyri und reservieren uns Plätze und geben an, wo wir warten, was angeblich der richtige Ort ist. Und wieder - perfekt!

Mit nur wenig Verspätung kommt der Bus, der auf der Kjölur von Reykjavik nach Akureyri fährt. Wir laden unsere Bikes diesmal in's riesige, hintere Gepäckfach und noch während der Fahrt durch Regionen, die ich bereits mit einem Eingänger im Regen befahren durfte, reservieren wir uns ein Zimmer für 2 Nächte in einem Zentral gelegenen Guesthouse.

Wir erreichen am Abend die Stadt im Norden und nach einer leider nur kurzen Dusche, gehen wir spät auswärts essen und feiern unsere erste, gemeinsame Durchquerung.
 
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So..zurück aus Spanien mit einem kleinen Reisebericht meiner ;,Montanas Vacias,, Tour. Hatte mich auf bikepacking.com direkt in die Route verliebt...auch die Arbeit die Ernesto darein gesteckt hat mit Homepage und vielen vielen Infos war mir direkt sehr sympathisch. Also Flüge gebucht, mein 3. Flug überhaupt und der erste mit Fahrrad. Jetzt Ende September war es dann soweit. Von Frankfurt gings nach Valencia, da nach einer Nacht mit dem Bus ( Zugverbindung gibt es bis mitte Oktober leider nicht) nach Teruel. Als Fahrrad sollte mein Ritchey mit starrer Gabel dienen, eine sehr gute Entscheidung wie sich im Verlauf zeigte! Flug usw lief alles eigentlich Problemlos, aber alles sehr aufwändig mit einem großen Karton..werde ich so schnell auch aus umwelttechnischen Gründen nicht wieder machen.
Zur Route selbst gibts ja genug Infos hier : https://bikepacking.com/routes/montanas-vacias/
Was soll ich sagen..es war wirklich der Wahnsinn! Landschaftlich , die Natur und die Einsamkeit hatte bis dato noch nicht erlebt. Das Wetter war super...aber Nachts wirklich ein Temperatursturz auf 4-5 Grad von über 30! Ich hab so ein Mix aus Zelten, den Refugios auf der Strecke und Hotels gemacht ( die waren unfassbar billig für den Standart).
Man muss sich wirklich im klaren sein, es gibt kein Handy Netz außer in Ortschaften und noch weniger Supermärkte, geschweige einen Radladen. Die Route selbst ist hart, hatte am ende 685km und knapp 140000hm auf der Uhr stehen. Teilweise gut geschottet, oft aber auch ausgewaschen und großes Geröll. Das bringt auch die Frage nach dem richtigen Bike auf...ich würde immer wieder zum 29er Hardtail greifen und NICHT zum Gravelbike (außer mit Reifen 45mm+). Vieles ist mit dem Gravelbike gut zu fahren..aber vieles auch definitiv nicht! Und man will dort weder einen Defekt noch einen Sturz riskieren! Man muss gut Planen und sein Können und seine Kondition gut einschätzen, dafür wird man dann aber auch mehr als belohnt!

Von mir gibts eine absolute Empfehlung...leute die den Tuscany Trail oder Torino-Nice lieben werden das hier auch lieben..

Part 1 der Fotos:

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Da ist eine Null zu viel, oder?


ja natürlich...sorry! Part 2 der Bilder, wie man sieht hatte ich einen Mitfahrer gewonnen...ein Spanier..seines Zeichen Vollzeit Rennradprofi und mit einem alten Cannondale mit Vbrakes auf der Route. Lustigerweise mit deutschem Vater, also war auch das Thema Sprache erledigt. Er sollte mir die nächsten Tage nochmal Gesellschaft leisten!

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Refugio:

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Javalambre :

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Grundnahrungsmittel Bocadillo:


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