Umbau Hardtailrahmen möglich / welche Rahmenbauer?

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Hallo,

ich frage hier mal nach Einschätzungen und/oder nach Rahmenbauern, die vielleicht folgende Idee verwirklichen können:
Umbau eines Alu-Hardtailrahmens auf einen längeren Hinterbau. Also den Hinterbau abschneiden und verlängern oder einen anderen Hinterbau anschweißen. Es geht um eine Verlängerung von 425mm auf 470mm Hinterbaulänge.

Bei Mi-Tech bekäme ich einen entsprechenden Maßrahmen für ca. 800€. Wenn obige Umbau-Idee Sinn machen würde und das vielleicht auf 400€ käme, könnte man es ja in Betracht ziehen.

Hintergrund: meine Freundin hat am Berg Probleme mit steigendem Vorderrad. Aufgrund der guten Erfahrungen mit meinem Rad (Mi-Tech-Pinion-Maßrahmen mit Hinterbaulänge 470mm) will sie nun auch einen Hardtail-Rahmen mit langem Hinterbau.

Die mir bekannten Serien-Rahmen mit langem Hinterbau sagen mir nicht 100% zu:
  • pacemaxx von maxx, Hinterbau 470mm, 600€:
    Kettenstreben hinten zu breit (bzgl. Fersenfreiheit), nicht ohne verstellbares Ausfallende erhältlich (braucht sie bei Kettenschaltung nicht), nur für interne Zugverlegung vorgesehen (mag ich nicht)
  • Patria Terra, Hinterbau ca. 460mm, ca. 650€:
    zu schwer (rund 2900g) und hat einen etwas zu flachen Sitzrohrwinkel

Ach ja, jetzt kommen bestimmt noch Tipps, daß man den langen Hinterbau gar nicht braucht und daß wir besser an unserer Fahrtechnik arbeiten sollen: Wollen wir aber nicht! :aetsch:
 
Gibt auch andere gute Alu-HT-Rahmen, die längere Kettenstreben haben.
Zwar nicht grade 470mm (was imho schon extrem ist), aber längere als 425mm ziemlich viele.
Um welche Laufradgröße gehts überhaupt?

Mein Big Wig hat als 29er "nur" 440mm, und das gilt als lang :D

Am günstigsten ist, dass deine Freundin am Berg mit dem Allerwertesten nach vorne rutscht. OK, das willst ja nicht hören... :D
Sonst, Vorbau umdrehen? Statt Rise-Lenker einen Flatbar? Also grundsätzlich das Cockpit nach unten bringen. Nach eigener Erfahrung kann ich sagen, dass da 1-2cm schon Welten bedeuten.
 
Um welche Laufradgröße gehts überhaupt?
26".

Ich bin ja selbst von 425 auf 470mm umgestiegen: Wo ich vorher (an sehr steilen Stücken) nur verkrampft auf dem Rad saß, kann ich jetzt entspannt hochgondeln. Die restliche Geometrie blieb dabei nahezu gleich, an der liegt es also nicht. Weil wir keinerlei Ambitionen auf schnelle Trails/Downhill/yx haben, sondern einfach nur entspannt steile Forstwegtouren machen wollen, sehe ich keinen Grund, sich bergauf unnötig in eine "komische Position" zu zwängen, nur um mit dem kurzen Hinterbau klarzukommen. Tiefer und längerer Lenker+Vorbau ist klar, aber nach dem Berg kommt ja auch mal wieder normales Gelände, wo es ihr dann zu gestreckt wäre.
 
Ich hatte damals beim "neuen" Rad für die erste Tesfahrt einen übrigen FSA Lenker mit 30mm Rise drauf und einen 60mm Vorbau mit 9°.
Da kam mir auch das Vorderrad hoch am Berg, in der ebenen ganz gute Sitzposition.
Hab dann einen Lenker mit 15mm Rise hin, der auch etwas breiter war, und einen 35mm Vorbau mit kaum Steigung.
Sitzpositzin in der Ebenen kaum merklich verändert, aber am Berg kommt jetzt kein Vorderrad mehr hoch.
Das meinte ich damit.
Könntest ihr ja mal den Vorbau umdrehen, wenn sie nicht hinschaut, und ihr erstmal nix sagen. Vielleicht hilfts schon :)
Um Placebo-Effekte auszuschließen.
 
Zuletzt bearbeitet:
und ihr erstmal nix sagen
nette Idee ;-)
Wenn sie es merkt, ist es der Beweis, daß sie nicht blöd ist.

Sitzpositzin in der Ebenen kaum merklich verändert
Wenn ich es recht verstehe, hast du damit aber nur die Arme ein Stück zu dir gedreht und den Oberkörper gleich gelassen. Damit wäre dein Körperschwerpunkt und damit die Neigung zum Aufsteigen des Vorderrads aber unverändert.
 
Bist du fündig geworden? 400 ist nicht viel für Umbauarbeiten. Vielleicht eine absenkbare Federgabel?

Fahrtechnik willst du ja nix hören, aber vielleicht gibts ja einen anderen Sattel auf dem es leichter fällt etwas nach vorne zu rutschen wenns bergan geht? Mit sehr langem Radstand fährt es sich halt gleich nicht mehr so spritzig.
 
Bist du fündig geworden? 400 ist nicht viel für Umbauarbeiten.
Ich habe mir Ende April von MiTech einen Maßrahmen bestellt, der müßte diese oder nächste Woche geliefert werden.

Mit sehr langem Radstand fährt es sich halt gleich nicht mehr so spritzig.
Weder ich noch meine Freundin neigen zu spritziger Fahrweise, selbst wenn die Radgeometrie es könnte ;-) Von daher werden wir in diese Richtung nicht viel verlieren.

Ich berichte dann, wenn das Rad aufgebaut ist. Die Teile dafür müssten inzwischen zu 95% komplett sein.
 
Das neue Rad ist seit ein paar Wochen fertig. Die Bewährungsprobe war kürzlich am Anstieg zur Hallerangeralm im Karwendel. Meine Freundin konnte das Stück zwischen Kastenalm und Hallerangeralm zu 98% fahren. Natürlich mit ein paar Stops zum Verschnaufen. Bergab hat sie dann mehr geschoben, sicher ist sicher. Wer die Strecke kennt, weiß, daß das Stück nicht ohne ist. Sie ist jedenfalls sehr zufrieden mit dem Rad.

Trotz der bzgl. Schwerpunkt sehr ungünstigen Gepäckposition gab es fast kein Aufsteigen des Vorderrads.

Technik:
2x11 (vorne 20 und 36 Zähne, hinten 12-42 Zähne); im Alltag kann sie alles mit dem 36er Blatt fahren, an echten Bergen ist das 20er dann auch sehr beliebt.
Hinterbau 470mm
26"
Gabel 100mm Rockshox SID
Steuerrohr 72°, Sattelrohr 74°

Die Farbe sollte als passiver Diebstahlschutz dienen, aber ihr gefällt es jetzt doch und macht Lust auf Schoki.
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Es ist ebenso erstaunlich wie bedauerlich, daß es so wenige Hardtail-Rahmen mit langem Hinterbau gibt. Denn nicht nur mit steigendem Vorderrad, sondern auch bei Radreisen mit Packtaschen ist ein langer Hinterbau äußerst sinnvoll. Das Argument mit der Wendigkeit halte ich für weniger wichtig als das der Sicherheit. Selbst wenn ich über Hindernisse per Bunny Hop drüberkomme, tauche ich bei der Landung nur vorne ein, nicht vorne und hinten wie bei einem Fully. Jeder Zentimeter Federweg macht den Lenkwinkel ca. ein halbes Grad steiler. Wenn man den Federweg voll ausnutzt, ist man bei einem 72er Lenkwinkel (ausgefedert) also kurzzeitig bei 77 Grad, und das natürlich vor allem bei Strecken mit besonders unebenem Untergrund. Da ist das Mehr an Radstand und damit Laufruhe um so sinnvoller. Ich bin darum noch weiter gegangen und habe einen Hardtail-Rahmen mit einer AM-Geometrie gebaut. Also 120er Gabel, 68er Lenkwinkel, langes Oberrohr, 450er Hinterbau. Wendig ist anders, klar, aber es fährt sich tatsächlich so entspannt, wie es ansonsten nur Fullys tun. Und ist damit sowohl für engagiertes Fahren im Gelände als auch die Weltreise geeignet. Der lange Hinterbau ermöglichte es zudem, dem Reifen so viel Freiheit zu geben, daß auch neben einem echten 2,4er (62mm) noch reichlich Platz für den Matsch bleibt. Ich empfinde das Optimum bei 440 bis 450mm. Ist es mehr, bekomme ich im Schlamm oder Schnee in der Ebene nicht mehr genügend Gewicht=Traktion aufs Hinterrad. Und es wird deutlich schwieriger, das Bike in den Manual/Bunny Hop zu bekommen. Angenehmer Nebeneffekt ist noch, daß nicht der Schwanz mit dem Hund wedelt, sondern das Hinterrad sehr kontrollierbar ausbricht, wenn man es in Kurven oder quer zum Hang überbremst. Und natürlich, daß man durch die veränderte Gewichtsverteilung mehr Gewicht=Anpreßdruck=Grip auf dem Vorderreifen in Kurven hat.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich habe eine Kettenstrebenlänge von 475mm am Touren-MTB. Habe ich jetzt gewonnen?
Erklärt offenbar die bessere Stabilität im Geradeauslauf, und fehlende Wendigkeit?
Ich dachte es läge am Umstieg auf 27.5". :D
 
Unter Wendigkeit versteht vermutlich jeder etwas anderes, weil die Fahrprofile und Erwartungen wohl sehr unterschiedlich sind. Ist Wendigkeit, wenn man auf dem engen Radweg wenden kann? Oder agiles Lenkverhalten bei geringem Tempo? Oder fahrtechnisch ambitioniertere Dinge, wie sie tombrider beschreibt?

Jedenfalls fühlt sich obiges Rad beim Lenken sehr agil an, was meiner Meinung nach am steilen Lenkwinkel liegt (72°). Das hilft auch beim Bergaufkriechen mit geschätzten 2 km/h, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren: Man muß da ja aktiv Schlangenlinien fahren, und mit einem steilen Lenkwinkel ergibt sich bei gleichem Lenkereinschlag eine stärkere Schlangenlinie. Korrekturen gehen also besser.

Für schnelleres Fahren und für die gefühlte Bergab-Brems-Sicherheit wäre ein flacherer Lenkwinkel sicher besser (Vorderrad weiter vorne) - da wir aber eh nur Forstwege fahren und langsam unterwegs sind, passt das so schon.
 
Das hilft auch beim Bergaufkriechen mit geschätzten 2 km/h, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren:
Ich komm ja nie weit raus. Erklär mal was das für Steigungen sind so in %! ;) Das mit dem steigenden Vorderrad habe ich zwar schon öfters gelesen, aber nie selbst erlebt. Bei mir ist halt bei 10-15% Steigung definitiv Schluss!
 
Also die Strecke zum Hallerangerhaus habe ich nicht gemessen. An der südlichen Auffahrt zur Neureuth (Tegernsee) hatte ich mal die Wasserwaage ans Oberrohr gelegt (vorher natürlich genullt) und max. 32% gemessen. So in etwa sind auch die Steilstücke der Hallerangerhaus-Auffahrt.

Aus Konditionsgründen fährt man auch im kleinsten Gang eher noch bewusst etwas langsamer. Meine Freundin hat jetzt ca. 1m Entfaltung, ich mit sehr kurz übersetzter Pinion 0,82m. Und wenn dann keine Last auf dem Vorderrad ist, hebt es bei kleinen Steinen die im Weg sind ab. Dann kein Lenken, sondern Umkippen. Dagegen hilft dann nach vorne Beugen und Sattelspitze in den Hintern. Da das aber irgendwann nur für Masos ist, ist ein längerer Hinterbau ganz angenehm. Aus Sicht der Wanderer waren wir aber trotzdem ziemlich maso, daß wir uns das antun ;-) Spaß machts trotzdem.
 
Ich komm ja nie weit raus. Erklär mal was das für Steigungen sind so in %! ;) Das mit dem steigenden Vorderrad habe ich zwar schon öfters gelesen, aber nie selbst erlebt. Bei mir ist halt bei 10-15% Steigung definitiv Schluss!

Die Grenze der Physik wird auf Waldboden bei ca. 40% Steigung erreicht. Mit griffigerem Reifen bzw. Untergrund geht auch noch mehr. Dann ergibt sich allerdings das Konditions- bzw. Gleichgewichtsproblem. Bei ca. 40 % Steigung ist mein Puls nach weniger als hundert Metern am Limit, und dann geht nichts mehr.
 
Bzgl. Puls: Ist ja auch verständlich. Mal angenommen, du willst die 40% mit 3 km/h hochfahren und wiegst inkl. Rad 90 kg.

40% = 21,8°

Steigleistung bei 3 km/h (auf der Schrägen):

P = 3 km/h / 3,6 * cos(21,8°) * 0,4 * 900N = 278W.

D.h. du musst schon 278W Aufstiegsleistung aufbringen. Plus die Verluste. Also ich schaffe das nicht dauerhaft. Also versucht man noch langsamer hochzufahren und dabei dann sein Gleichgewicht zu üben.
 
Das Problem ist im wahrsten Sinn des Wortes das Dreh-Moment. Wenn man mit vollem Schmackes und Zug am Lenker seine gut 100 kg ins Pedal drückt, sind da bei einer 175er Kurbel dann auch ca. 175 Nm Dremoment. Mehr als mein 1,6-Liter-Vierzylinder im Passat auf die Kurbelwelle stemmt. Das Ganze wird dann nochmal mit dem Faktor 0,6 übersetzt, macht 290 Nm an der Hinterachse, die den Fahrer um die Achse drehen wollen. Also ungefähr soviel wie ein Dreiliter-Sechszylinder mit 250 PS. Da hilft nur ein langer Hebel...
 
Da kann ich leider nicht mitspielen, sorry. Selbst zu meinen "fittesten" Zeiten habe ich laut Leistungstest nur 50% Leistung eines "Durchschnittsmenschen" erbracht. Ich bleibe lieber in der Ebene, nur gibts hier sowas nicht.

Bei 3 km/h falle ich übrigens um. Respekt, wenn man da noch das Gleichgewicht halten kann!
 
@ Müs Lee: Wenn du % in Grad umrechnen willst, ist der Tangens schon richtig. Es sind also 21,8°. Und dann kommen wir auch auf dasselbe Ergebnis.

Du rechnest mit der Hangabtriebskraft und der Geschwindigkeit auf der Schrägen. Ich rechne mit der projezierten Geschwindigkeit auf der Waagrechten (=cos(21,8°) * 3/3,6) und der Steiggeschwindigkeit (das eben mal 0,4).

Sind halt einfach zwei Wege nach Rom.
 
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