Gibt es eigentlich irgendwo eine aktuelle Übersicht, wie die unterschiedlichen Gummimischungen und Karkassen der Hersteller zueinander einzuordnen sind?
Was meinst du mit Übersicht? Ein Excel Sheet oder so? Das Enduro-MTB Mag/Plattform hat viele aktuelle
Reifen getestet, allerdings eher Richtung Enduro. Paar leichtere sind jeweils auch dabei. Die Werte gibt es auch auf deren Webseite, musst dich aber durchklicken. Wenn du das machst, kannst du das als Service für hier ja mal in ne Tabelle kloppen.
Ansonsten was Gummi betrifft, ist wohl MaxxGrip und MaxxTerra (da speziell die neue Mischung) jeweils etwas weicher als SuperSoft/UltraSoft und Soft bei Conti/
Schwalbe, da der RoWi eben bei
Maxxis tendenziell immer etwas höher ist. Sollte dann im Grip in extremen Situationen auch etwas besser sein, ist aber sicher nicht so leicht zu verifizieren bzw. zuzuordnen, weil für Grip ja auch Profil und Kombi Karkasse-Luftdruck eine Rolle spielt (wie für RoWi natürlich auch). Du merkst halt den Unterschied weich/sehr weich und dazu dann wahrscheinlich mehr, ob du das passende Profil hast. Ansonsten scheint Specialized T9/T7 eher auf
Maxxis Level, der ganz weiche Gummi von Vee/E13 sowieso. Bei letzteren gibt es jetzt eine neue mittlere bzw. härtere Mischung, da hab ich noch nichts zu gelesen. Pirelli hab ich keine Ahnung, deren Einteilung ist iwie konfus, und bei
Michelin und Vittoria scheint es so zu sein, dass da derselbe Mischungsnahme bei unterschiedlichen
Reifen unterschiedliche Mischungen hat, dann ist es eh schwierig. Kenda scheint sowieso sinnlos, weil es da zurzeit anscheinend kaum
Reifen gibt, die man bekommt. Dazu gibt es dann noch die schnellen Mischungen, da weiß ich aber nicht, wie sich die so zueinander verhalten. Ach ja, und bei
Schwalbe heißt Speedgrip jetzt zukünftig Mid, bei
Maxxis gibt es MaaxSpeed, bei den etwas dickeren
Reifen dafür aber nur Dual und bei Conti ist’s bei den XC Tälern auch anders als bei den Runterwärts Tälern.
Hinsichtlich Karkassen ist es gerade kompliziert, weil da jetzt überall die Radialkarkassen kommen, die aber unterschiedlich „radial“ sind. Sind von den Messwerten her alle weniger stabil und mit mehr RoWi, weil verformbarer, man wird sie deshalb aber eher mit mehr Druck fahren als herkömmliche Karkassen, was dann den Vergleich von Messwerten, die alle mit demselben Luftdruck genommen werden, schwierig macht. Wichtig ist da imho vor allem, ob man einlagig oder zweilagig nimmt. Zweilagig ist deutlich stabiler und dämpft deutlich besser, ist aber natürlich auch deutlich schwerer. Ansonsten ist für die Stabilität der Flanken wichtig, ob es dort gesonderte Schutzeinlagen gibt - bei
Maxxis etwa Exo+ gegenüber Exo, bei
Schwalbe Supertrail gegenüber Superground (bisher, bei Radial gibt es nur noch Trail), bei Conti Enduro gegenüber Trail - was aber vor allem bei steinigem Terrain wichtig ist, auf Waldboden weniger. Durchstich ist eher Glücksache und auch mehr vom Profil beeinflusst, wie anfällig da ein
Reifen ist, aber
Schwalbe und Specialized scheinen da sehr gut zu sein (sind auch schwer, evtl. haben die etwas mehr Grundgummi). Bei einigen Herstellern gibt es halt eine zweilagige Karkasse und eine einlagige, oder das ist bei jedem
Reifen anders oder es gibt siebenundzwanzig Varianten wie bei Pirelli, wo die E-Varianten immer noch anders sind als normalen. Als Besonderheit kann man noch
Maxxis DD anführen, was wohl die leichteste zweilagige Karkasse am Markt ist, dafür aber auch die am wenigsten stabile. Wer gerne den Komfort einer zweilagigen Karkasse hat und sich sehr an hohem Gewicht stört, ist da wohl gut aufgehoben.
Imho ist bei der Reifenwahl der erste Schritt zu sehen, wo und was du fährst und dafür das passende Profil auszusuchen. Eher weich/lose, also klassisch Waldboden, oder hart/steinig, also viel Park oder alpin. Und ist es vor allem trocken oder auch mal nass. Hinten, wenn man selbst tritt, nie ganz weichen Gummi, vorne wenn man abfahrtsfokussiert ist eher schon, vor allem wenn es auch mal feucht sein kann. Wenn es eher zum Rumkommen ist, dann hinten hart und vorne mittel, wobei einem da die Wahl auch oft aufgrund der Karkassen- und Profilwahl abgenommen wird. Wenn es bergab-fokussiert ist, würde ich tendenziell immer zur zweilagigen Karkasse greifen, ganz einfach weil die besser dämpft und damit die Fahreigenschaften insgesamt verbessert. Außerdem hat man Ruhe hinsichtlich Durchschläge etc. Ansonsten eben einlagig und da ist der Untergrund dann mindestens so wichtig wie das Systemgewicht, wenn es steinig ist immer mit seitlichen Schutzlagen (Apex etc.). Gewicht regelt sich dagegen vor allem über Luftdruck.