Gut Agenda 2010 war ja sehr gut für die deutsche Wirtschaft, aber gleichzeitig hat sich auch ein riesiger Niedriglohnsektor gebildet. Da hat dann die deutsche Wirtschaft massiv profitiert und wurde Exportweltmeister, bringt halt dem Großteil der Menschen wenig.
Ist halt blöd, dass China jetzt nicht mehr die teuren Autos abkauft, man das günstige russische Gas nicht mehr bekommt, man nicht mehr vom US Militär profitiert.
Und dann muss man halt selbst versuchen das stärkste konventionelle Militär Europas zu werden, um seine Interessen in Zukunft durchsetzen zu können.
Da könnte man sich dann evtl auch die Frage stellen, ob ein Wirtschaftssystem, das auf unendlichem Wachstum, Konkurrenz von Nationalstaaten und Ausbeutung von Mensch und Umwelt basiert noch das sinnvollste ist.
Da der Thread eh schon total abgedriftet ist gebe ich auch mal was politisches von mir:
Es mag sein das die Agenda 2010 deutsches Wirtschaftswachstum auf kosten unserer Nachbarländer gebracht hat. Aber mir ging es um die aktuelle Wirtschaft und Fiskal Politik und die ist eine absolute Katastrophe.
Daher wundert es mich nicht dass viele Deutsche unzufrieden sind. Sie wissen nur nicht was der Grund für die aller meisten Probleme ist.
Die Deutsche und die Europäischen Fiskalregeln Also z.b. die Schuldenbremse, basieren auf vollkommen veralteten annahmen wie z.b. der Angst vor einer Hyperinflation wenn der Staat Geld erzeugt.
Durch die Beobachtungen der letzten Jahre weiß man inzwischen das es nur zu einer gesteigerten Inflation kommt wenn man frisches Geld in eine bereits ausgelastete Wirtschaft pumpt. Solange die Wirtschaft aber Kapazität hat sorgt das Geld für Wirtschaftswachstum. (wie effizient das abhläuft hängt davon ab wie der staat das geld ausgibt)
Eine weitere Falschannahme ist die Zinslast die bei neuen "schulden" angeblich zwingender weise entstehen muss.
Das Zinsen Gezahlt werden müssen liegt an einer aus Angst vor hyperinflation selbst auferlegten regel die es der EZB verbietet selbst Staatsanleihen zu kaufen. Durch eine grauzone konnte man das aber auch umgehen zu Corona.
Unterm Strich bleibt also wenig übrig das für die Fiskalregeln spricht, Kommen wir deshalb zu den negativen Folgen der Schuldenbremse:
Hätte Deutschland zum ende der Coronakriese ein ähnliches Konjunkturprogramm wie die USA mit Bidens "Inflation Reduction Act" aufgelegt könnten wir heute etwa 6-7% mehr BIP haben. Das ganze hätte runter skaliert auf die Größe der Deutschen Wirtschaft bis zu 170 mrd€ (insgesamt nicht jährlich) gekostet.
Die zusätzlichen Steuereinnahmen die die stärkere Wirtschaft bringen würde wären bei rund 40 mrd jährlich.
Das Konjunktur Programm hätte sich sehr schnell bezahlt gemacht.
Mein Fazit:
Deutschland Spart sich Kaputt und es ist unbegreiflich das unsere Regierung an der vollkommen überholten Fiskalpolitik festhält.
Der Wirtschaftliche schaden ist imens. Deutschland hat sich und Europa im internationalen vergleich durch selbst auferlegte regeln in eine massiv nachteilige Position gebracht und obwohl das in den letzten Jahren extrem offensichtlich geworden ist fehlt der politische Wille die regeln grundsätzlich zu ändern. Das ist Pure Ideologie und hilft leider nur den Rechtsradikalen.
Achja noch ein kleines zusatzwort zur hyperinflation:
Die tatsächliche ursache in der vergangenheit ist nicht im grenzenlosen gelddrucken zu sehen sondern in einem Drastischen kollabs der Produktionskapazität.
Im aktuellen Geopolitischen umfeld gibt es tatsächlich ein realistisches Szeario das einen solchen schock in der westlichen wirtschaft auslösen könnte und das ist ein potentieller Taiwan konflikt.
Wenn die Mikrochip Lieferungen aus Taiwan ausbleiben könnte die deutsche wirtschaft innnerhalb von kurzer zeit komplett zum stillstand kommen. Von daher wäre eine Lokale Produktion vlt gar nicht so doof auch wenn sie unwirtschaftlich erscheint.