Mountainbike - Anhänger des Geländeradsports rund um Urach schließen sich zu Interessengemeinschaft zusammen
Natur und Sport im Clinch
VON MATTHIAS MOCKLER
BAD URACH. Sie machten es sich nicht leicht, die 17 Mountainbike-Begeisterten aus Urach und den umliegenden Gemeinden. Dreieinhalb Stunden diskutierten sie im Uracher Rathaus über Chancen und Probleme, die das neue Biosphärengebiet rund um den ehemaligen Truppenübungsplatz für ihren Sport mit sich bringt. Eingeladen hatten Hengens Mountainbike-Jugendtrainer Volker Schmid und Gemeinderat Walter Vatter (FDP). Auch Bürgermeister Markus Ewald war zum ersten Treffen der Interessengemeinschaft gekommen.
Mindestens zwei Meter breit
»Der Albtrauf ist ein Paradies für Mountainbiker«, darin sind sich die Anhänger des Geländeradsports einig. Komplizierte und anspruchsvolle Strecken lassen Sportlerherzen höher schlagen.
Doch trotz traumhafter Buckelpisten und kniffligen Waldwegen haben die Mountainbiker im Ländle ein großes Problem: Das Landeswaldgesetz verbietet ihnen die Nutzung von Wegen, die schmaler als zwei Meter sind. Aus Rücksicht auf die Natur, begründet der Gesetzgeber. Nachbarstaaten und angrenzende Bundesländer seien in diesem Punkt erheblich liberaler.
»Wenn man national und international bei Wettbewerben mithalten will, dann geht's nicht mit der Zwei-Meter-Regelung«, meinte ein Vereinsvertreter. Folge: Viele Mountainbiker fahren illegal die schmaleren Wege, sogenannte »Single Trails«. Wer den Sport legal betreiben möchte, der kann in Urach und der Umgebung auf einem zulässigen Wegnetz von rund 220 Kilometer trainieren.
Doch auch diese Wege sehen die Geländeradfahrer jetzt bedroht. Der Grund: Viele Strecken liegen in Kernzonen des geplanten Biosphärengebiets. Hier darf in Zukunft auch auf breiteren Wegstrecken aus Rücksicht auf die Natur nicht mehr trainiert werden. »Viele Talsteigen von Wittlingen runter werden beispielsweise zugemacht«, sagte Stefan Fritschle, Vorsitzender des Rad- und Sport- Clubs Hengen. Schon jetzt seien einige Strecken, die offiziell als befahrbar deklariert sind, dicht. Die Mountainbiker fühlen sich von dieser Entwicklung zunehmend bedroht, hieß es.
Testphase gefordert
Bürgermeister Markus Ewald sieht die »geringe Öffentlichkeit« des Geländeradsports als das größte Problem. Das Interesse für die Randsportart sei in den Entscheidungsgremien meist sehr gering. Gerade Bad Urach sei eine »geniale« Mountainbike Region, in der man viel für den Sport erreichen könne. Walter Vatter betonte den touristischen Faktor: »Eine Förderung des Mountainbikesports wäre eine ideale Ergänzung des Wellnesprogramms um einen Fitnessfaktor.«
Um Bad Urach allerdings auch für Mountainbiketouristen attraktiv zu machen, müssten anspruchsvolle Strecken angeboten werden: Die Zwei-Meter-Regelung müsste weg. »Mountainbiker freuen sich, wenn's steil und knifflig ist und nicht, wenn sie irgendwo auf einer Forstautobahn 30 Kilometer runterfahren können«, sagte der Zaininger Vertreter.
Es war der Neuhäuser Rainer Künstle, der schließlich den Vorschlag eines Pilotprojekts ins Spiel brachte. Eine räumlich und zeitlich begrenzte Testphase, in der Erfahrungen mit einer Lockerung der unbeliebten Zwei-Meter-Regel« gemacht werden sollen. Ewald räumte diesem Vorschlag gute Chancen ein: »Ein Pilotprojekt ist genau der richtige Ansatz, um die Gesetzeslage teilweise zu lockern.« Die Kurstadt sei das perfekte Pflaster für eine solche Testphase. Auch wegen der »hervorragenden Verbindungen zum Uracher Forst«.
Mit Rainer Künstle als Ansprechpartner möchten die Mountainbiker das Projekt nun forcieren. Bis zur Umsetzung müssen allerdings noch viele Gespräche geführt und Planungen angestellt werden. (GEA)