Halb OT : An die Bahnradfahrer

Registriert
22. Mai 2011
Reaktionspunkte
82
Ort
Berlin
Hey,

ich habe mir letztens mal ein paar Videos von verschiedenen Bahnrennen / Weltmeisterschaften angeschaut und verstehe eines nicht.
Die Regeln geben auch keine Antwort auf meine Frage:

http://de.wikipedia.org/wiki/Sprint_(Bahnradsport)

Beim Sprint beginnt dieses Katz- und Mausspiel. Ich verstehe, dass die erste halbe Runde vom Führenden übernommen wird, man versucht hinten zu bleiben und die letzten 200m gestoppt werden.
Frage: Bei 2-3 Runden...warum treten die nicht von Anfang an wie die Irren in die Pedalen (oder von mir aus nach einer halben Runde)? Warum das Belauern, warum das Positionstauschspiel. Wenn die gleich Gas geben, könnte es doch viel spannender sein, vielleicht durch zwei Überholmanöver oder so...dann hätten beide den Vorteil des Windschatten.
Erklärt mir bitte, warum die so lange warten, verstehe es echt nicht.

Liebe Grüße,

Thomas
 
Spontan würde ich Dir Taktik zurufen wollen, aber auf welche Disziplin(en) des Bahnradsport beziehst Du Dich denn?

Eben da ist das Problem...ich verstehe diese Taktik nicht.

[nomedia="http://www.youtube.com/watch?v=BkkTSVVrPYk"]1990 Match Sprint World Championships - YouTube[/nomedia]

[nomedia="http://www.youtube.com/watch?v=hGFgOLHSEH8"]Robert Foerstemann vs. Maximilian Levy-6Days Berlin 2011-Sprint - YouTube[/nomedia]

Warum geht der Hübner in Video 1 nicht nach einer halben Runde in den Spurt? Kann mir höchstens erklären, dass der vordere sich dann kaputt strampelt und der Verfolger sich im Windschatten ausruht. Zudem wird das Stehen mit dem Rad ziemlich auf die Beine gehen, also hier eine taktische Note? Ich vermute mal, dass die sich deswegen so lange zurückhalten, dass beide max. Energie für den kurzen Sprint haben und der "Windschattenvorteil" minimiert wird. Ist das so?
 
Ne, aber noch eine die immer wieder reinschaut, ob schon ne erschöpfende Auskunft gekommen ist ;)

Mich würd's auch interessieren. Es ist ja auch bei den Keirin-Rennen vom Prinzip her ähnlich...und über die 6-Days in den alten Zeiten, 30er Jahre des letzten Jahrhunderts habe ich ganz wilde Sachen gelesen, tagelanges beschleichen und hin und wieder mal ein Sprint - Zuschauer und Fahrer sind mit dem Kinn auf die Einrichtung geknallt beim einschlafen. Naja, die Fahrer haben auch Zeitung gelesen und Beine hochgelegt beim Rundenradeln.

Bin jetzt aber auch zu träge Google richtig zu bemühen, es müsste sich doch was finden lassen?

Gruß Silke
 
Alter... das erste video gesehen und schon verstanden was Sache ist:

Die beiden Fahrer dürfen das Fahrrad NUR vorwärts bewegen! Falls einer das Rad rückwärts bewegt fängt das Rennen von vorn an.
Die Zeit wird nur an den letzten 200 Metern gemessen, d.h. alles was sie davor machen ist egal, sie können sich soviel Zeit lassen, wie sie wollen.
Es wird vorher bestimmt welcher Fahrer vorne sein muss in der ersten Runde, d.h. er muss die gesamte erste Runde vorn bleiben.

Bei den letzten 200m hat der Fahrer der hinten liegt den Vorteil des Windschattens (er kann einen Geschwindigkeitsschub bekommen indem er aus dem Windschatten mit höherer Geschwindigkeit als der Vormann ausbricht und ihn dabei überholt.
Da er hinten liegt als angefangen wird die Zeit zu messen, muss er ihn nicht einmal überholen, es reicht wenn er die Distanz verringert und etwa zeitgleich mit dem anderen über die Ziellinie fährt.

Also versucht der Fahrer der am Anfang vorne ist den Hintermann dazu zu zwingen ihn zu überholen, der Hintermann versucht das zu verhindern, es dürfen aber immer noch beide NUR vorwärts fahren oder halt stehen, aber nicht rückwärts oder den Boden berühren (weiß nicht genau ob sie Boden berühren dürfen, jedenfalls kann ich mir das denken, es wäre sowieso unmöglich den anderen einzuholen wenn man auf so einem Fahrrad sich auf dem Boden abstützt. In der Zeit wo man wieder Anfährt ist der andere längst weg, siehe 65kmh).

Im Prinzip fängt ab der 2. Runde das Katz und Maus Spiel an, wo versucht wird Hinten zu bleiben, dieses Spiel endet spätestens 200m vor der Ziellinie weil dann gesprintet wird. Der Hintermann hat den Vorteil des Windschattens, kann aber den Sprint des Vormanns verpassen, zu viel Abstand gewinnen (wo der Windschatten nicht wirkt) und ihn nicht mehr einholen können.

War überhaupt nicht schwierig das zu verstehen, wenn man weiß was sie da machen ist es sogar recht spannend.

EDIT:

Weiterer Vorteil des Hintermanns: er verpasst nicht so einfach den Sprintstart des anderen. Auch versuchen die beiden den Sprint oben anzufangen (außen an der Bahn) um die Gravitation zum beschleunigen auszunutzen.

EDIT2:

Und hier nochmal die Wahrheit :D
http://de.wikipedia.org/wiki/Sprint_(Bahnradsport)
 
Zuletzt bearbeitet:
Auf die Idee, Wikipedia zu nutzen, kam ich auch alleine, von daher war mir das soweit bekannt ... Alter.

Also würdest auch du sagen, dass der einzige Grund ist, warum die nach einer Runde nicht sofort Gas geben, was das Zeug hält der ist, dass

a) mehr "Saft" in den Beinen ist für den Sprint der gemessen wird (200m)

und

b) der Windschattenvorteil minimiert wird (weniger Zeit dort zum Ausruhen).

Es bleibt für mich ein komischer Sport, bei dem man nicht von Anfang an alles geben kann / darf. Warum muss (!) der vordere für eine bestimmte Zeit vorne bleiben? Warum muss man eine halbe Runde mind. Schritttempo fahren, darf dann aber 2x30sec. stehen? Dann doch lieber ein schönes Zeitfahren bei der Tour de France. :lol:
 
Es ist auch ein komischer Sport wenn sich 2 ausgewachsene Männer 12 Runden lang versuchen gegenseitig die Fresse zu polieren... jeder macht halt was er mag :P
 
Da ich mehrere Jahre lang den von dir angebrachten Sport betrieben habe, käme er mir nur dann komisch vor, wenn ich in der ersten Runde nur kassieren, aber nicht decken dürfte, man 2 Runden lang gar nichts tut und nur die letzten zwei Runden von den Ringrichtern bewertet würden :D

Jedem das Seine, damit habe ich kein Problem. Ich will bestimmte Sachen halt einfach nur verstehen. Dass das taktische Geplänkel zu fast allen Sportarten gehört, akzeptiere ich ja auch. Aber ein Sport, der sich Sprint nennt und im Endeffekt (und ich meine hier nur die reine Durchschnittsgeschwindigkeit!) so langsam ist, verwirrt mich eben ein bissl.
 
ich bin in meiner frühen jugend selbst bahn gefahren.es macht einfach auch tierisch spass dieses katz und maus spiel.
 
Soweit hast Du es ja schon komplett richtig verstanden.

Das Belauern ist die Taktik, weil der größte Nachteil in einem solchen Rennen - generell - darin besteht, dass man als Fahrer vorne ist und dem Hintermann Windschatten bietet.
Den Vorteil merkt man ja schon bei 25 km/h auf der Straße, bei bis zu 75 km/h ist das im Profisport nun einmal sehr ausschlaggebend.
Oftmals sieht man in den Rennen ja auch, dass der hinten liegende Fahrer bis zur letzten Kurve wartet, um dann im Schlusspurt noch gerade so vorbeizukommen. (@Kooru: Ist natürlich Quatsch, dass der hinten liegende Fahrer den Abstand nur verkürzen muss. Er würde so ja nicht die volle Renndistanz von z.B. 1000m fahren. Ende des Rennens ist die Start-Ziel-Linie)
Die Zeit an sich ist somit eigentlich nicht relevant, außer dass so der Turnierbaum aufgestellt werden kann.

Es muss niemand stehenbleiben oder vorne fahren, jedoch sind das die Spielchen, die gespielt werden mit der Hoffnung, dass der Hintermann nicht aufpasst und vorbeifährt und dann den Windschatten gibt. Die 2x30sec ist einfach eine Begrenzung, sonst würden sie da Stunden abwarten und das will niemand sehen.

Wenn man dicke Beine hat, dann kann man den Sprint auch früh anziehen, jedoch sind das Hochleistungssprinter, die auf 200 schnelle Meter trainieren. Verboten ist es trotzdem nicht.

Erik Zabel war ja auch Sprinter und nie der Schnellste auf der Tour oder ist ab dem Start losgerast. :)
 
Es ist auch ein komischer Sport wenn sich 2 ausgewachsene Männer 12 Runden lang versuchen gegenseitig die Fresse zu polieren... jeder macht halt was er mag :P
Blödsinn, Boxen gab es als Sportart bereits ehe das Rad überhaupt erfunden war. Diesen ehrlichen Wettkampf als komisch zu bezeichnen grenzt an Ignoranz!
 
Die Steher sind lustig zum zusehen ;)

Das auch:
Igl schrieb:
Igl gab für gewöhnlich Gas, bis er Königshofer durch die nach hinten offenen Kopfhörer am Helm ein langgezogenes "O" schreien hörte. Dann musste er eben abdrehen, um seinen Mann nicht zu überfordern, "aber einmal habe ich nicht abgedreht, er hat geschrien und geschrien und ich habe mir gedacht, dass er auch noch treten kann, wenn er so schreien kann".
:D
http://derstandard.at/1353207975684/Das-wurde-aus-Karl-Igl
 
Ich find jeden Zweikampfsport an dem Taktik klebt völlig Ok, weil dann kann auch mal der Klügere statt der Bessere gewinnen:D

Ausser Schach, da schlaf ich ein;)
 
Zurück