Welches Fett beim Klassiker...

Edelziege

levers are for flat tires
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Moin Moin,

da ich öfter mal gefragt werde, womit man was am Besten schmiert, hier mal meine Erfahrungen, die für Kugel- und Gleitlager und natürlich auch für neuere Fahrräder gelten:

Wichtig für den Einsatz beim Fahrrad ist, daß es im Grunde keine Lagerung oder einen sonstigen Einsatzort gibt, wo das Fett hohe Druckbelastungen, hohe Temperaturen oder hohe Drehzahlen ertragen muß. Das unterscheidet es von vielen Anwendungen in der Industrie oder im sonstigen Verkehr.

Beim Fahrrad und speziell beim Mountainbike liegen die Probleme woanders:
- Eindringende Feuchtigkeit läßt die Lagerbahnen und Kugeln rosten. Begünstigt wird dies durch oft lange Standzeiten und dadurch, daß Fahrradteile nie Temperaturen erreichen, die Wasser zügig verdunsten lassen. Übrigens sind auch Rostfreie Kugellager nicht wirklich rostfrei.
- Eindringender Schmutz läßt die Lagerbahnen und Kugeln verschleißen.
- Oft falsche Montage und Einstellung der Lagerungen. Fast jeder hält sich für fähig, das selbst zu tun, es ist ja nur ein Fahrrad.
- Schlecht gefertigte Lagersitze und sonstige Probleme, die von außerhalb des Lagers kommen. Das betrifft zum Beispiel die Ausfallenden des Rahmens: Wenn die nicht parallel stehen, verbiegen sie geringfügig die Nabenachse und belasten dadurch die Nabenlager sehr hoch. Auch alle Arten von Lagersitzen bei vollgefederten Rädern sind davon betroffen, da sie oft nicht wirklich akkurat hergestellt sind. Auch schlecht gemachte Naben können solche Probleme haben. Sehr häufig ist ein Defekt bei Innenlagern und Steuersätzen auf schlechte Vorbereitung des Rahmens zurückzuführen.
- Zum Schluß gibt es noch schlicht und einfach Konstruktionsfehler, das trifft hauptsächlich auf Lagerungen von vollgefederten Rahmen zu.

Nur an zwei der oben genannten Punkte kann Fett überhaupt etwas ändern: An der Korrosion und am Schmutz. Beides wird grundsätzlich am Besten dadurch verhindert, daß Lager satt geschmiert werden. Kugellager sollten ruhig voll mit Fett gefüllt sein. Die meisten käuflichen Kugellager sind nur mit einer geringen Fettmenge gefüllt, damit sie für hohe Drehzahlen und Temperaturen tauglich sind. Das ist ja bei Fahrrädern nicht nötig, aber die allermeisten Hersteller von Fahrradkomponenten oder -rahmen sind nicht in der Position, dem Lagerhersteller Typ und Menge der Fettbefüllung vorzuschreiben. Also muß man im Zweifelsfall die Lager selbst schmieren. Einfach geht das bei Konuslagern.

Aber welches Fett? Da beim Fahrrad hauptsächlich die Wasserbeständigkeit wichtig ist, empfehle ich für fast alle Einsatzzwecke Aluminiumkomlex-verseiftes Mehrzweckfett. Das ist so ziemlich das wasserbeständigste, was einfach erhältlich ist. Das gibt es zum Beispiel von Phil Wood, wenn man Wert auf einen absolut authentischen Klassiker legt.:-) Oder, mein persönlicher Tip, von BelRay bei vielen Motorradhändlern, dann heißt es einfach Waterproof Grease und ist nicht mal teuer.
Das Fett ist übrigens auch voll federgabeltauglich und stellt für Elastomere und Dichtungen kein Problem dar. Ich fette damit generell den Dichtungsbereich jeder Federgabel, die durch meine Hände geht.
Eine Ausnahme mache ich nur bei Drehgriffschaltern, da das Fett relativ zäh ist und das Schaltgefühl teigig werden läßt und alte SRAM SRT 800 es nicht vertragen. Dort sollte man dünn mit speziellem Fett für Drehgriffe oder mit einfacher Vaseline schmieren. Meist funktionieren auch die im Fahrradbereich gängigen Teflonfette recht gut.

Zusätzlich zu Lagerungen müssen am Fahrrad noch andere Stellen gefettet werden: Zum Beispiel die Sattelstütze dort, wo sie im Sitzrohr steckt. Dort dient das Fett als Schutz vor eindringendem Wasser und damit Korrosion. Auch dort sollte man die Wasserbeständigkeit des Fettes als wichtigste Eigenschaft ausschlaggebend für die Wahl des Fettes machen. Ähnliche Stellen sind die Verbindungen zwischen Tretlagerschalen und Rahmen, Steuersatzlagerschalen und Rahmen, Steuersatzkonus und Gabel, Steuersatz oben und Gabelschaft und verschiedene Schrauben wie Flaschenhalter- oder Pedalschrauben. An all diesen Stellen verwende ich dünn Fett, um vor Korrosion zu schützen.

Viele Grüße,
Georg
 
...ich hab mir letztens noch ein wenig von dem guten alten campa fett gegoennt ;)

http://cgi.ebay.com/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=290198077634

vaseline nehm ich immer fuer die elastomere. und fuer den rest hab ich besagtes waterproof fett. bei fett aus diesen toepfen besteht m.e. immer die gefahr dass man fueher oder spaeter mehr dreck im fett hat als in den lagern war. daher finde ich fett in tuben sinniger. oder bin ich nur schlampig?

hast du mal die innenlager lager vom klein neu befuellt? die dichtungen kann man ja raus pulen...

gruss, carsten
 
...ich hab mir letztens noch ein wenig von dem guten alten campa fett gegoennt ;)

http://cgi.ebay.com/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=290198077634

...

wooouw... was für den manche investieren in fett frett....:p

ich nehm (technische ) vaseline für so ziemlich alles. das ist das gleiche was es in weiss als lagerfett in den meisten bikewerkstätten/shops zu finden gibt. 1 liter dose 9 € irgendwas mein ich. mangelnde wasserresistenz kann man gut durch regelmäßiges nachfeten bekämpfen.

auch weil ich das bisher gesuchte blue grease ( ausm segelbereich) bisher nichtmal hier an der küste gefunden habe...

oh und zusätzlich habe ich hier ne fettspritze, - hinten die tülle aufgeschnitten, fett fett reingeschmiert, zugeklebt hält das meist ganz gut und der pott bleibt innen auch sauber.
 
hmmm

ich hab noch nicht mal reingeschaut wieviel fett in meiner büchse noch drin ist seit ich sie hab

meine büchse ist schonmal um einiges schöner als die von dem komischen ami

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s

und ich heisse nicht olli, ich verkauf nichts davon
 
phil wood mir maennerfettpresse

ganauuu - sowas :
[URL=http://fotos.mtb-news.de/photos/view/36112][/URL]

wie igesagt ich so:



die presse hab ich seit 96, der pott ist zwei jahre alt. für mich ist günstiges fett ein garant dafür dass ich nicht zu sparsam damit umgehe. die presse nehm ich nur für zeug wo ich mit meinen dicken fingern nicht hinkomme, ( industrielager, etc ) ode wo ich gezielt auftragenwill. fürs BB tuns auch die finger.

wobei mich gerade die pressen noch interessieren - zeigt mal eure wiederbefüllbaren pressen ! :daumen:
 
schöner beitrag georg! antwort auf frage, die man sich kaum mehr zu stellen traut, weil sie so basic ist.

:daumen:
:schnebelke
 
Huch,

solche Preise sind schon gewöhnungsbedürftig. Da muß man schon Perfektionist sein und eine gediegene Portokasse haben. :-)

Mit der Gefahr der Verschmutzung hast Du Recht, die ist da. In manchen Werkstätten kann man ja Dosen sehen, die einfach offen herumstehen. Das ist natürlich ein Unding. Die Dinger sollte man sofort nach Gebrauch wieder verschließen.
Das ist bei Tuben oder Fettpressen besser. Ich habe zwar auch Fettpressen, benutze aber meist entweder die Dose oder Einwegspritzen 20ml.

Rillenkugellager befülle ich vor dem Einbau beim Fahrrad eigentlich immer randvoll mit Fett. Man muß allerdings vorsichtig vorgehen, um die Dichtung nicht zu beschädigen. Bei eingebautem Lager geht das schlecht, da zum Losclipsen der Dichtscheibe die Achse im Weg ist. Ich benutze zum Losclipsen immer einen feinen, aber nicht zu scharfen Uhrmacherschraubenzieher. Wichtig ist, sowohl den Schraubenzieher leicht zu ölen als auch einen minimalen Tropfen Öl auf die entsprechende Stelle der Dichtscheibe zu geben. Das schützt vor Beschädigungen. Dann am Innenring vorsichtig unter die Dichtlippe einfädeln und unter die Blecharmierung schieben. Dann herausclipsen. Es reicht völlig, von einer Seite zu befüllen. Beim Einclipsen drückt sich dann das Fett schon unter der Dichtlippe der anderen Seite hervor.

Viele Grüße,
Georg

...ich hab mir letztens noch ein wenig von dem guten alten campa fett gegoennt ;)

http://cgi.ebay.com/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=290198077634

vaseline nehm ich immer fuer die elastomere. und fuer den rest hab ich besagtes waterproof fett. bei fett aus diesen toepfen besteht m.e. immer die gefahr dass man fueher oder spaeter mehr dreck im fett hat als in den lagern war. daher finde ich fett in tuben sinniger. oder bin ich nur schlampig?

hast du mal die innenlager lager vom klein neu befuellt? die dichtungen kann man ja raus pulen...

gruss, carsten
 
Zum Thema Fett und Fetten eine Frage, die hier vielleicht ganz gut hinpasst:

Immer wieder liest man davon, die Sattelstütze und auch Befestigungsschrauben bzw. allg. Gewinde soll man fetten, um vor eindringendem Wasser zu schützen. Da solche Verbindungen physikalisch aber(auch) auf Reibung basieren, ist das doch nicht unproblematisch. Schließlich hat ein Fett - mal allgemein gesprochen - auch eine schmierende (also reibungsmindernde) Wirkung.

Konkret bspw.: Sollte man die Gewinde des Tretlagers/Tretlagergehäuses vor dem Einbau schmieren?

mfG & nochmal "Hallo ans Forum", Kloyd
 
Moin,

Tretlagerschalen und Bolzen, welche nur etwas halten sollen (Cantibolzen etc.) "schmiere" ich mit Kupferpaste, gibt es z.B. von Nigrin im Baumarkt, eine Tube hält eine Ewigkeit.

Ansonsten ist Montagepaste, z.B. von Dynamic für Sattelstützen nicht schlecht, erhöht die Reibung etwas. Für Carbonzeugs ist nur solche Paste zu empfehlen, Fett ist hier fehl am Platz.

ich hoffe, es hilft, have fun,

Hörni
 
An Sattelstützen, Gewinde usw. gehört kein Fett sondern Montage-
paste (z.B. von Shimano) ;) Die Gründe die gegen Fett sprechen hast
du ja schon selber aufgezählt, Kloyd.

Die Campadose von singlestoph bringt glaube ich auch leer auf
ebay noch Geld :love:
 
Jau, danke. Wie gesagt, oft liest man nur "fetten" und das ist dann etwas missverständlich - siehe auch letzter Absatz des threaderstellers (dessen KnowHows ich mir allerdings bewusst bin).
 
Moin Moin,

um den thread mal etwas zu erweitern und Stellung zum Einfetten von Sattelstützen usw. zu nehmen:

Ich habe oben tatsächlich gemeint, die Sattelstütze einzufetten. Wenn die Passung zum Sitzrohr halbwegs stimmt, ist bei Stahl- und Alurahmen mehr schlicht nicht nötig.

Aber natürlich gibt es auch Montagepasten, und bei denen deutliche Unterschiede.

Die erste Gruppe sind Montagepasten als Anti Seize, zum Beispiel von Shimano oder die blaue Paste von SRP. Die sollen in erste Linie Fressen bei der Montage, späteres Knacken und Korrosion verhindern. Zum Beispiel bei Titanteilen kann es ratsam sein, echtes Anti Seize anstelle von Fett zu verwenden, das erhöht die Sicherheit gegen Fressen. Diese Pasten würde ich zum Beispiel für Sattelstützen, Innenlagerschalen und eben gefährdete Schrauben (Titan, rostfreier Stahl) empfehlen. Ein gutes Fett tut es aber in der Regel genausogut.

Dann gibt es die reibungserhöhenden Pasten, am bekanntesten wohl die rote von Dynamics. Die sind vor allem dazu da, reibungsbasierte Klemmstellen sicherer zu machen bzw. das nötige Anzugsmoment zu verringern. Absolut sinnvoll und oft einfach notwendig ist das bei Carbonteilen oder- Rahmen. Sattelstützen, Umwerfer, Lenker, Gabeln sind da die wichtigsten Anwendungen. Im Falle von Lenker und Umwerferschellen ist die Anwendung auch interessant, wenn weder Rahmen noch Lenker aus Carbon bestehen: Es macht die Klemmung einfach besser. Bestehen weder Sattelstütze noch Rahmen aus Carbon, würde ich es dort nur nehmen, wenn es Probleme mit Verrutschen gibt.
Reibungserhöhende Paste würde ich niemals auf Gewinden einsetzen, die ja beim Anziehen stark auf Reibung beansprucht werden. Das erhöht massiv das nötige Anzugsmoment, was wiederum die Schrauben nicht aushalten. Gewinde lieber mit Anti Seize oder Fett einsetzen und eventuell das Moment etwas reduzieren, wobei das meist für eine geschmierte Verbindung angegeben ist.

Ich habe übrigens fast alle Fette und Pasten in Einwegspritzen 20ml mit Verschlußkappe auf der Werkbank. Da wird nichts dreckig, die sind flott befüllt und günstig und man sieht an der Farbe, was es ist.

Viele Grüße,
Georg
 
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