Canyon meldet Umsatzrückgang im dritten Quartal: Marktumfeld belastet Bilanz

Gutes Timing! Heutiges Video von Richie und Tobi mit einer Gegenüberstellung von Rose, Canyon und Cube:
Das Video wollte ich auch gerade verlinken. 😂 Zu ROSE: Die haben bei ihrer Preisgestaltung inzwischen auch einen permanenten Höhenflug. Absolut unverschämt deren Preissteigerungen in den letzten zwei Jahren!
 
Genau, weil früher war doch alles besser billiger alle hatten Arbeit und man hatte seine Ruhe uswusf..

Hat man damals 1970 auch oft gehört, bei Adolf war alles besser. Mein Vater sagte aber damals, stimmt nicht weil früher hat man gesagt, bei Kaiser Wilhelm II war alles besser....usw usf.
Aber bald
 
Vergesst nicht Energie und Bürokratie. Rohstoffe sind auch teurer geworden. Dazu Transportkosten. Ein Container aus CN kostet jetzt eine Menge mehr.
Warum wandern Firmen aus D ab?
Den 5 Cent-Strom für die Industrie haben wir noch nicht. Und Bürokratieabbau dauert.
Ja, ich weiß auch, dass Firmen gerne irgendwelche höheren Kosten als Grund für Preiserhöhung angeben, um noch bissel mehr Umsatz zu machen. Aber es ist tatsächlich alles nicht mehr so günstig wie vor einigen Jahren.
 
Canyon kämpft seit Jahren an mehreren Enden und das ziemlich erfolglos (Service, Qualität). Und jetzt kommt halt noch die Wirtschaftskrise plus das Post-Corona-Loch dazu. Da kann man noch so erfolgreich Tour de France sponsorn etc... Das verkauft (inzwischen) einfach nicht mehr die Räder wie vor ein paar Jahren. Das kombiniert mit Premiumpreisen wie die teuren Marken beim Händler vor Ort? Das klappt halt einfach nicht mehr so gut.
 
Den 5 Cent-Strom für die Industrie haben wir noch nicht. Und Bürokratieabbau dauert.
Zumal der zuvor künstlich verteuerte Srrom, der dann für einzelne wieder vergünstigt wird, den Strom für andere noch teurer macht. Und wer für den vermeintlichen "Bürokratieabbau" nur noch mehr Gesetze beschließt.. nur der Staat wächst und wächst.
 
Ich verfolge dieses BWL/Marketingstrategie Online Tutorial hier interessiert 🤓
Ich auch, als studierter solcher und langjährig Berufstätiger in dieser Branche. Bin ausbildungstechnisch aber nicht nur BWLer. Tlw. schlage ich sogar die Hände vor dem Kopf zusammen, wenn ich mir die Fahrradbranche der letzten Jahre (ab dem E-Bike Boom beginnend etwa 2017) anschaue.
Für mich ist das ganze Marketing-Larifari, welches sich grob seit 2010 in der Fahrradbranche zu etablieren begann und ab etwa 2015 so richtig durchstartete im übrigen auch der Grund, weswegen ich in dieser Brache gar nicht mehr arbeiten möchte und wohl auch nicht mehr werde.
Aber, die ganze Szene wie sie heute agiert, bedient nun mal "perfekt" heute junge Menschen (Zielgruppe: 20-35 Altersklasse), die Aufmerksamkeitsgierig sind, laufend einen neuen Kick/Impuls benötigen (Stichwort: kurze Produktlebenszyklen - jedes Jahr wird das Rad neu erfunden ;)) und Bestätigung suchen, indem was sie tun/kaufen und ihr Tun der ganzen Welt via Videos etc. mitteilen.
Das Marketing ist besonders darauf aus, kognitive Dissonanzen zu vermeiden in einem Ausmaß, wie wir es noch nie erlebt haben. Die Ratio/das logisch-kritische Denken tritt immer mehr in den Hintergrund und ist zugleich der "Feind" jedes Marketers, denn man würde ja seine hochgezogene Bubble zum Einsturz bringen und die Kundschaft maßlos überteuerte Produkte nicht mehr kaufen.
Wie wäre es wenn Canyon vom Pon Konzern oder dem VAG Konglomerat kopieren würde und eine zweite Budget Marke etabliert um wieder Massen an die semisolvente Kundschaft zu verhämmern und mit der Hochpreis Marke (man hat da schon viel investiert) bei den Zahlungswilligen abschöpft. Dann noch so ein bisschen Synergie-Trallalla im Hintergrund und die Investoren und die Kunden sind wieder Happy.

Hab ich nicht richtig aufgepasst und nix gelernt, oder ist das sowieso alles Bullshit?

M.
Canyon hat sich aus meiner Sicht BWL-strategisch verhaspelt: wie soll eine Discountstrategie mit welcher sie groß geworden sind (Räder billig über das I-net zu verkaufen) mit einer Premium-Markenstrategie funktionieren, die auf hohe Preise abzielt? :oops: Es gab und gibt in der Fahrradbranche schon genug Ansätze Premium-Marken zu etablieren und zahlreiche Marken haben es in diesem Segment auch überlebt für Jahrzehnte; sowohl im MTB, als auch Rennrad. Aber, dieses Segement ist mMn mehr als gesättigt/übersättigt, mengenschwach und es läuft dort alles über die Psychologie/Marketing. Denn, die meisten Fahrer/leute, die auf Premiumrädern sitzen, haben weder die Figur noch Leistungsfähigkeit um Ansatzweise solch ein Material nüchtern/rational gesezen "zu brauchen". Da reicht SLX-Schaltgruppe vollends.
Teilweise. Je größer, umso mehr rückt die Chefetage von der Basis weg. Das kann zu Problemen führen. Man braucht wirklich gute Abteilungsleiter.
Ein Gründer führt den Laden oft anders, als jemand, der übernimmt.
Habe ich schon einige Male erlebt. Ein junger BWL'er, oder irgendwas mit Wirtschaft studiert, sieht darin einen Gelddrucker. Einige Kosten müssen einfach bleiben, damit das Geschäft gut funktioniert. Man kann nicht überall den Rotstift setzen, auch wenn die Zahlen danach besser aussehen.
Durfte ich in meiner Firma selbst erleben, die ich als damaliger BWL-Student in den 2000er als 20jähriger hochgezogen hatte; ich startete mit 50€ als Student damals im übrigen + einem PC. Viel Herzblut und viel Arbeit steckten da drinnen, aber ich war immer vorsichtig/demütig was ich wie gemacht habe. Hatte nie Größenfanatsien, sondern versuchte eben mit bescheidenen Mitteln etwas zusammen zu bringen. 9 Jahre lang wohlgemerkt schuldenfrei.
Als Gelddruckerei habe ich meine Unternehmung nie gesehen, wenngleich ich schon als BWLer den Anspruch habe, profitabel zu wirtschaften (also die runde 0 am Ende des Jahres zumindest zu schaffen, was keinesfalls so selbstverständlich ist) - ist man Eigentümer, lebt man nunmal vom Profit und bekommt kein klassisches Gehalt.
Mein GF-Nachfolger war dann genau so jemand, den du schilderst. Zwar nicht jünger, sondern 8 Jahre älter als ich, aber das Ergebnis: 80% Umsatzrückgang binnen 3,5 Jahren seiner Administration + SchuldenverVierfachung + Schließung des Betriebs nach 6 Jahren seiner Administration.
Versprochen/ventiliert hatte er zu seinem Antritt als GF eine jährliche Umsatzsteigerung von rund 80%, nur so am Rande erwähnt, denn ich mit meinen damaligen 5-10% Umsatzzugewinnen pro Jahr (realisiert, nicht ventiliert) würde ja nichts zusammenbringen. BWL hatte er übrigens nicht studiert, sondern bei Jus war irgendwo in der Hälfte Schluss. Aber medial gut verkaufen konnte er sich in unserer Region, verkaufte IT-/digital getriebene Hoffnung auf zukünftige Umsätze, ist aber seit 16 Jahren dauerdefizitär lt. Bilanzen, die man öffentlich einsehen kann.

BWL lernst übrigens net an der Uni/FH, sondern im rauhen Wind der Privatwirtschaft; entweder bringt dir das jemand bei (Mentor) oder du bist als junger Mensch selbstkritisch/reflektiert und schaust, wie du selbst was zusammen bringst.
Ich saß zu meiner Masterzeit mit Kollegen in Kursen der Uni, die am Ende des Studiums BWL keinen blassen Schimmer davon hatten; im Doktorat ist es noch krasser - da ist die BWL in der Anwendung soweit entfernt von der Universitär gelehrten BWL wie der Papst vom Kinderkriegen. Gefährlich.
Meine Firma in jungen Jahren war übrigens eine Reaktion auf diesen Umstand, dass man im BWL-Studium 0 Praxis hat, es zugleich aber eine praktische Tätigkeit ist im anschließenden Berufsleben. Ich könnte sogar Hardcore formulieren: die BWLer bilden an der Uni am Markt vorbei aus. Besonders pikant und traurig.
Jeder Mediziner hat Famulaturen/Turnus, jeder Apotheker muss zumindest nach dem Studium ein Aspiranten Jahr machen oder auch die Juristen ihr Gerichtsjahr um eben mal in einem sehr geschützten Bereich Einblick in den Job zu erhalten, bevor er im Job "losgelassen" wird.
 
Aber, die ganze Szene wie sie heute agiert, bedient nun mal "perfekt" heute junge Menschen (Zielgruppe: 20-35 Altersklasse), die Aufmerksamkeitsgierig sind, laufend einen neuen Kick/Impuls benötigen (Stichwort: kurze Produktlebenszyklen - jedes Jahr wird das Rad neu erfunden ;)) und Bestätigung suchen, indem was sie tun/kaufen und ihr Tun der ganzen Welt via Videos etc. mitteilen.

Spannend. So gut wie alle mir bekannten Leute in dem Alter tauschen ihre Bikes oder Parts so gut wie nie aus. Eigentlich nur dann, wenn was kaputt geht.
Wenn ich mir dagegen die Threads hier im Forum so anschaue und bedenke, dass der Altersschnitt hier sicher eher 40+ ist (wenn's reicht...) würde ich diese Aussage also so gar nicht unterschreiben.
Auch, was ich im Bikepark so sehe. Junge Leute meistens so 0815 Stangenware. Die Chi-Chi Bikes mit den Boutique Parts oder Custom Builds haben fast ausnahmslos die älteren Semester.
 
Hör' mal, wenn der Papa ein 12k Yeti fährt, was fährt dann der Bub von dem? Wir haben zwar keine Statistik drüber, aber ich war dieses Jahr viel in den großen Bikeparks, und da fahren all Arten von Menschen - Jung und Alt - teure und billige Räder. Das ist ganz egal, wie alt du bist. Wahrscheinlich hängst du auch nur mit so gewisse Leute zusammen. Die kognitive Verzerrung ist doch überall drin!

Aber klar ist: Die MTB-Branche versucht immer noch, den MTB-Sport als "jung" zu verkaufen, obwohl das doch einer für alte Säcke von sechzig und mehr ist. Die paar Pänz auf dem Mountainbike machen das Kraut doch nicht fett. Die ZIV-Zahlen sind da eindeutig. Mountainbike ist so klein geworden, das brauchst du statistisch nicht aufdröseln.

Das schreiben die heute in der Zeitung:

"Auf deutliche Absatzverluste muss sich die Fahrradbranche einstellen. Nach einem Boom während der Coronapandemie klagen viele Händler mittlerweile über hohe Lagerstände. Bereits 2024 kauften die Deutschen im Vergleich zum Vorjahr 2,5 Prozent weniger Fahrräder und E-Bikes. Die Umsätze der Branche gingen um 10,3 Prozent zurück auf 6,3 Milliarden Euro.

Nicht nur die Händler, auch Leasinganbieter wie Jobrad spüren, dass die Situation auf dem Zweiradmarkt deutlich schwieriger geworden ist. Die nachlassende Nachfrage nach Diensträdern führt bei JobRad zu einem Arbeitsplatzabbau. Es sollen rund ein Fünftel der Stellen wegfallen, wie ein Sprecher des Unternehmens erst vor wenigen Tagen mitteilte.

Einige in die Krise gerutschte Händler hofften dagegen auf das Winter- und Weihnachtsgeschäft. In der Vergangenheit kauften Kunden das Rad während der kalten Jahreszeit – und rechneten mit guten Angeboten. Die Nachfrage nach Fahrrädern bei Google geht seit Juli jedoch deutlich zurück und Hase & Igel prognostiziert für November und Dezember im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang der Suchanfragen um etwa sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr."

"Von der Wirtschaftswoche".
 
Ich habe mein Santa Cruz Heckler mit 700km gebraucht für 3400€ gekauft der NP 7000€ das hätte ich nie für ein BIke ausgegeben.
Ich kaufe auch nie wieder neu,da ich die Gier der Hersteller nicht unterstütze.
Die Hersteller haben den schiuss nicht mehr gehört.
Genau mein Gedankegang! Ich hab im Sommer mein 2020er SC Hightower V2 CC mit Topausstattung um 2400 Euro gebraucht gekauft und nochmals 600 Euro für Ersatzteile ausgegeben. Jetzt stehts wieder in sehr guten Zustand da. Das Teil hatte sicher einen Neupreis von 7.000-8000 Euro. Sowas kann ich mir beim besten Willen nicht leisten! :troll:
 
Eher: Die Zielgruppe ist nicht mehr so solvent!
Sowas sollte man als Hersteller/Verkäufer aber merken.
Wie es scheint, hat man aber gemeint, die Steigerungen während des Corona Booms halten die nächsten Jahre noch an und die wirtschaftliche Kriese kam auch "völlig unerwartet".
Aber vermutlich war der Wachstum vor dem Einbruch so groß, dass bei einigen (vor lauter Feiern) die Sicht auf die Realität etwas benebelt war.
Gier frisst Hirn.
... passt daher ganz gut
 
Ich auch, als studierter solcher und langjährig Berufstätiger in dieser Branche. Bin ausbildungstechnisch aber nicht nur BWLer. Tlw. schlage ich sogar die Hände vor dem Kopf zusammen, wenn ich mir die Fahrradbranche der letzten Jahre (ab dem E-Bike Boom beginnend etwa 2017) anschaue.
Für mich ist das ganze Marketing-Larifari, welches sich grob seit 2010 in der Fahrradbranche zu etablieren begann und ab etwa 2015 so richtig durchstartete im übrigen auch der Grund, weswegen ich in dieser Brache gar nicht mehr arbeiten möchte und wohl auch nicht mehr werde.
Aber, die ganze Szene wie sie heute agiert, bedient nun mal "perfekt" heute junge Menschen (Zielgruppe: 20-35 Altersklasse), die Aufmerksamkeitsgierig sind, laufend einen neuen Kick/Impuls benötigen (Stichwort: kurze Produktlebenszyklen - jedes Jahr wird das Rad neu erfunden ;)) und Bestätigung suchen, indem was sie tun/kaufen und ihr Tun der ganzen Welt via Videos etc. mitteilen.
Das Marketing ist besonders darauf aus, kognitive Dissonanzen zu vermeiden in einem Ausmaß, wie wir es noch nie erlebt haben. Die Ratio/das logisch-kritische Denken tritt immer mehr in den Hintergrund und ist zugleich der "Feind" jedes Marketers, denn man würde ja seine hochgezogene Bubble zum Einsturz bringen und die Kundschaft maßlos überteuerte Produkte nicht mehr kaufen.

Canyon hat sich aus meiner Sicht BWL-strategisch verhaspelt: wie soll eine Discountstrategie mit welcher sie groß geworden sind (Räder billig über das I-net zu verkaufen) mit einer Premium-Markenstrategie funktionieren, die auf hohe Preise abzielt? :oops: Es gab und gibt in der Fahrradbranche schon genug Ansätze Premium-Marken zu etablieren und zahlreiche Marken haben es in diesem Segment auch überlebt für Jahrzehnte; sowohl im MTB, als auch Rennrad. Aber, dieses Segement ist mMn mehr als gesättigt/übersättigt, mengenschwach und es läuft dort alles über die Psychologie/Marketing. Denn, die meisten Fahrer/leute, die auf Premiumrädern sitzen, haben weder die Figur noch Leistungsfähigkeit um Ansatzweise solch ein Material nüchtern/rational gesezen "zu brauchen". Da reicht SLX-Schaltgruppe vollends.

Durfte ich in meiner Firma selbst erleben, die ich als damaliger BWL-Student in den 2000er als 20jähriger hochgezogen hatte; ich startete mit 50€ als Student damals im übrigen + einem PC. Viel Herzblut und viel Arbeit steckten da drinnen, aber ich war immer vorsichtig/demütig was ich wie gemacht habe. Hatte nie Größenfanatsien, sondern versuchte eben mit bescheidenen Mitteln etwas zusammen zu bringen. 9 Jahre lang wohlgemerkt schuldenfrei.
Als Gelddruckerei habe ich meine Unternehmung nie gesehen, wenngleich ich schon als BWLer den Anspruch habe, profitabel zu wirtschaften (also die runde 0 am Ende des Jahres zumindest zu schaffen, was keinesfalls so selbstverständlich ist) - ist man Eigentümer, lebt man nunmal vom Profit und bekommt kein klassisches Gehalt.
Mein GF-Nachfolger war dann genau so jemand, den du schilderst. Zwar nicht jünger, sondern 8 Jahre älter als ich, aber das Ergebnis: 80% Umsatzrückgang binnen 3,5 Jahren seiner Administration + SchuldenverVierfachung + Schließung des Betriebs nach 6 Jahren seiner Administration.
Versprochen/ventiliert hatte er zu seinem Antritt als GF eine jährliche Umsatzsteigerung von rund 80%, nur so am Rande erwähnt, denn ich mit meinen damaligen 5-10% Umsatzzugewinnen pro Jahr (realisiert, nicht ventiliert) würde ja nichts zusammenbringen. BWL hatte er übrigens nicht studiert, sondern bei Jus war irgendwo in der Hälfte Schluss. Aber medial gut verkaufen konnte er sich in unserer Region, verkaufte IT-/digital getriebene Hoffnung auf zukünftige Umsätze, ist aber seit 16 Jahren dauerdefizitär lt. Bilanzen, die man öffentlich einsehen kann.

BWL lernst übrigens net an der Uni/FH, sondern im rauhen Wind der Privatwirtschaft; entweder bringt dir das jemand bei (Mentor) oder du bist als junger Mensch selbstkritisch/reflektiert und schaust, wie du selbst was zusammen bringst.
Ich saß zu meiner Masterzeit mit Kollegen in Kursen der Uni, die am Ende des Studiums BWL keinen blassen Schimmer davon hatten; im Doktorat ist es noch krasser - da ist die BWL in der Anwendung soweit entfernt von der Universitär gelehrten BWL wie der Papst vom Kinderkriegen. Gefährlich.
Meine Firma in jungen Jahren war übrigens eine Reaktion auf diesen Umstand, dass man im BWL-Studium 0 Praxis hat, es zugleich aber eine praktische Tätigkeit ist im anschließenden Berufsleben. Ich könnte sogar Hardcore formulieren: die BWLer bilden an der Uni am Markt vorbei aus. Besonders pikant und traurig.
Jeder Mediziner hat Famulaturen/Turnus, jeder Apotheker muss zumindest nach dem Studium ein Aspiranten Jahr machen oder auch die Juristen ihr Gerichtsjahr um eben mal in einem sehr geschützten Bereich Einblick in den Job zu erhalten, bevor er im Job "losgelassen" wird.

Man darf sich fragen aber, warum ein Eigentümer die Firma verkauft und dann, später, auf die neue Geschäftsführung mekkert. Hast du (allgemein) dein Geld bekommen? Geniesst es und tue was anderes. Oder eben verkauf die Kiste nicht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich auch, als studierter solcher und langjährig Berufstätiger in dieser Branche. Bin ausbildungstechnisch aber nicht nur BWLer. Tlw. schlage ich sogar die Hände vor dem Kopf zusammen, wenn ich mir die Fahrradbranche der letzten Jahre (ab dem E-Bike Boom beginnend etwa 2017) anschaue.
Für mich ist das ganze Marketing-Larifari, welches sich grob seit 2010 in der Fahrradbranche zu etablieren begann und ab etwa 2015 so richtig durchstartete im übrigen auch der Grund, weswegen ich in dieser Brache gar nicht mehr arbeiten möchte und wohl auch nicht mehr werde.
Aber, die ganze Szene wie sie heute agiert, bedient nun mal "perfekt" heute junge Menschen (Zielgruppe: 20-35 Altersklasse), die Aufmerksamkeitsgierig sind, laufend einen neuen Kick/Impuls benötigen (Stichwort: kurze Produktlebenszyklen - jedes Jahr wird das Rad neu erfunden ;)) und Bestätigung suchen, indem was sie tun/kaufen und ihr Tun der ganzen Welt via Videos etc. mitteilen.
Das Marketing ist besonders darauf aus, kognitive Dissonanzen zu vermeiden in einem Ausmaß, wie wir es noch nie erlebt haben. Die Ratio/das logisch-kritische Denken tritt immer mehr in den Hintergrund und ist zugleich der "Feind" jedes Marketers, denn man würde ja seine hochgezogene Bubble zum Einsturz bringen und die Kundschaft maßlos überteuerte Produkte nicht mehr kaufen.

Canyon hat sich aus meiner Sicht BWL-strategisch verhaspelt: wie soll eine Discountstrategie mit welcher sie groß geworden sind (Räder billig über das I-net zu verkaufen) mit einer Premium-Markenstrategie funktionieren, die auf hohe Preise abzielt? :oops: Es gab und gibt in der Fahrradbranche schon genug Ansätze Premium-Marken zu etablieren und zahlreiche Marken haben es in diesem Segment auch überlebt für Jahrzehnte; sowohl im MTB, als auch Rennrad. Aber, dieses Segement ist mMn mehr als gesättigt/übersättigt, mengenschwach und es läuft dort alles über die Psychologie/Marketing. Denn, die meisten Fahrer/leute, die auf Premiumrädern sitzen, haben weder die Figur noch Leistungsfähigkeit um Ansatzweise solch ein Material nüchtern/rational gesezen "zu brauchen". Da reicht SLX-Schaltgruppe vollends.

Durfte ich in meiner Firma selbst erleben, die ich als damaliger BWL-Student in den 2000er als 20jähriger hochgezogen hatte; ich startete mit 50€ als Student damals im übrigen + einem PC. Viel Herzblut und viel Arbeit steckten da drinnen, aber ich war immer vorsichtig/demütig was ich wie gemacht habe. Hatte nie Größenfanatsien, sondern versuchte eben mit bescheidenen Mitteln etwas zusammen zu bringen. 9 Jahre lang wohlgemerkt schuldenfrei.
Als Gelddruckerei habe ich meine Unternehmung nie gesehen, wenngleich ich schon als BWLer den Anspruch habe, profitabel zu wirtschaften (also die runde 0 am Ende des Jahres zumindest zu schaffen, was keinesfalls so selbstverständlich ist) - ist man Eigentümer, lebt man nunmal vom Profit und bekommt kein klassisches Gehalt.
Mein GF-Nachfolger war dann genau so jemand, den du schilderst. Zwar nicht jünger, sondern 8 Jahre älter als ich, aber das Ergebnis: 80% Umsatzrückgang binnen 3,5 Jahren seiner Administration + SchuldenverVierfachung + Schließung des Betriebs nach 6 Jahren seiner Administration.
Versprochen/ventiliert hatte er zu seinem Antritt als GF eine jährliche Umsatzsteigerung von rund 80%, nur so am Rande erwähnt, denn ich mit meinen damaligen 5-10% Umsatzzugewinnen pro Jahr (realisiert, nicht ventiliert) würde ja nichts zusammenbringen. BWL hatte er übrigens nicht studiert, sondern bei Jus war irgendwo in der Hälfte Schluss. Aber medial gut verkaufen konnte er sich in unserer Region, verkaufte IT-/digital getriebene Hoffnung auf zukünftige Umsätze, ist aber seit 16 Jahren dauerdefizitär lt. Bilanzen, die man öffentlich einsehen kann.

BWL lernst übrigens net an der Uni/FH, sondern im rauhen Wind der Privatwirtschaft; entweder bringt dir das jemand bei (Mentor) oder du bist als junger Mensch selbstkritisch/reflektiert und schaust, wie du selbst was zusammen bringst.
Ich saß zu meiner Masterzeit mit Kollegen in Kursen der Uni, die am Ende des Studiums BWL keinen blassen Schimmer davon hatten; im Doktorat ist es noch krasser - da ist die BWL in der Anwendung soweit entfernt von der Universitär gelehrten BWL wie der Papst vom Kinderkriegen. Gefährlich.
Meine Firma in jungen Jahren war übrigens eine Reaktion auf diesen Umstand, dass man im BWL-Studium 0 Praxis hat, es zugleich aber eine praktische Tätigkeit ist im anschließenden Berufsleben. Ich könnte sogar Hardcore formulieren: die BWLer bilden an der Uni am Markt vorbei aus. Besonders pikant und traurig.
Jeder Mediziner hat Famulaturen/Turnus, jeder Apotheker muss zumindest nach dem Studium ein Aspiranten Jahr machen oder auch die Juristen ihr Gerichtsjahr um eben mal in einem sehr geschützten Bereich Einblick in den Job zu erhalten, bevor er im Job "losgelassen" wird.

Nach dem Satz "Jedes Jahr wird das Rad neu erfunden" (was nicht korrekt ist), habe ich aufgehört zu lesen.
 
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