Welches Lot Fillet-Brazed Rahmen?

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Servus zusammen!
Ich will als Projekt einen eigenen Fahrradrahmen aus Stahl ohne Muffen bauen, also im Fillet-Brazed-Verfahren.
Ich bin mir aber nicht sicher, welches Lot ich benutzen sollte. Ich habe Verschiedenes gelesen bezüglich Silber-, Messing- und Neusilberloten. Wie ich das verstanden habe, haben Silberlote eine niedrigere Verarbeitungstemperatur, haben aber im Vergleich zu Neusilber- oder Messingloten eine geringere Festigkeit.
Hat jemand von euch Erfahrungen damit, was von der Festigkeit her am besten funktioniert?
Des Weiteren ist ja auch die Verarbeitung ein Faktor, wie flüssig das Lot wird (Kapillareffekt) und der Hitzeeintrag.
Welches Lot ist zu empfehlen, bzw. welche genaue Legierung des Lotes (da gibt es ja gefühlt auch unendlich viele)?

Vielen Dank!
Kilian
 
Hilfreichster Beitrag geschrieben von luniz

Hilfreich
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Servus zusammen!
Ich will als Projekt einen eigenen Fahrradrahmen aus Stahl ohne Muffen bauen, also im Fillet-Brazed-Verfahren.
Ich bin mir aber nicht sicher, welches Lot ich benutzen sollte. Ich habe Verschiedenes gelesen bezüglich Silber-, Messing- und Neusilberloten. Wie ich das verstanden habe, haben Silberlote eine niedrigere Verarbeitungstemperatur, haben aber im Vergleich zu Neusilber- oder Messingloten eine geringere Festigkeit.
Hat jemand von euch Erfahrungen damit, was von der Festigkeit her am besten funktioniert?
Des Weiteren ist ja auch die Verarbeitung ein Faktor, wie flüssig das Lot wird (Kapillareffekt) und der Hitzeeintrag.
Welches Lot ist zu empfehlen, bzw. welche genaue Legierung des Lotes (da gibt es ja gefühlt auch unendlich viele)?

Vielen Dank!
Kilian
Hi Kilian,

fillet brazing macht man üblicherweise mit Messing-Hartlot. Es gibt auch funktionierende Silberlote dafür, aber im Normalfall verwendet man die nur für nichtrostende Stähle für fillets, und sonst für Flaschenhalter und Zugführungen, denn es ist sehr teuer. Achtung, Edelstahl verbindet sich nicht mit Messing! Gilt auch für Edelstahl Schweißzusatz!

Von der Festigkeit her ist es beim Löten so, dass die Festigkeit des Lotes natürlich niedriger ist als die der Stahlrohre, du aber viel mehr Materialstärke aufträgst als das Rohr Wandstärke hat, dadurch "passt" das dann wieder. Bei einer korrekt ausgeführten Lötverbindung versagt das Rohr zuerst, egal welches Lot du verwendest...

Messing-Hartlote gibt es auch wieder verschiedene, ich verwende für Fillets Fontargen A210 (CuZn40). Es gibt noch ein anderes, welches flüssiger wird und daher gut geeignet ist, um nur eine Wurzelverbindung ohne Auftrag zu machen, das wäre Fontargen A210K (CuZn39Sn). Das verwende ich zB für die Naht Sitzrohr-BB die nachher vom Unterrohr verdeckt ist.
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1763050709048.png


Jetzt brauchst du noch ein zur Verarbeitungstemperatur passendes Flussmittel. Ich habe hier einige durchprobiert und bin bei "Gasflux Type B" paste gelandet, die gibt es leider nur in den USA. Fontargen F100 Flussmittelpaste funktioniert auch ganz OK, gibt es in D aber nur für gewerbliche Anwender (müsstest du über irgend eine Firma bestellen...).

Generell sind die Dämpfe aus den Flussmitteln nicht ganz gesund, daran solltest du denken. Entweder mit einer guten Schweißrauchentlüftung oder einer dafür geeigneten Maske arbeiten

Beziehen kannst du das Fontargen-Zeug über sonderlote.de

Zum generellen Vorgehen gibt es eine Menge Videos auf Youtube. Sehr zu Empfehlen sind die von Paul Brodie!

Hast du einen Acetylen- oder einen Propanbrenner?
 
Top, vielen Dank für die Antwort. Dann werde ich mal nach diesen Loten und Flussmitteln schauen.
Ich habe vor mit dem Acetylenbrenner zu arbeiten.
Ich habe noch eine Frage bezüglich der Mengen. Wie viele Lotstäbe benötigt man circa für einen Diamantrahmen, bzw. welche Stabdicke ist zu empfehlen? Ich habe nämlich gesehen, dass es 1,5er und 2er Stäbe gibt. Macht das überhaupt einen großen Unterschied?
 
Klar geht das, das ist ja das oben schon beschriebene L-CuZn40Sn. Es kommt halt darauf an, was Du damit machen willst... Wenn fillets, ist das in Ordnung.

Wobei fillets nicht ganz einfach sind und die Rohre durch sehr viel Wärme belasten. Für den Anfang würde ich immer zu Neusilber, zB Fontargen AF 102, raten. Da reichen minimale fillets, eine kleine Kehle, weil das Lot selbst eine recht hohe Festigkeit hat. Damit ist eine fahrbare Verbindung deutlich einfacher zu erstellen...
 
Klar geht das, das ist ja das oben schon beschriebene L-CuZn40Sn. Es kommt halt darauf an, was Du damit machen willst... Wenn fillets, ist das in Ordnung.

Wobei fillets nicht ganz einfach sind und die Rohre durch sehr viel Wärme belasten. Für den Anfang würde ich immer zu Neusilber, zB Fontargen AF 102, raten. Da reichen minimale fillets, eine kleine Kehle, weil das Lot selbst eine recht hohe Festigkeit hat. Damit ist eine fahrbare Verbindung deutlich einfacher zu erstellen...
Aber wo bleibt denn da das Lehrjahre-sind-keine-Herrenjahre-Gefühl, wenn man den Rotz stunden-/tagelang zurechtfeilt? 😅
 
Top, vielen Dank für die Antwort. Dann werde ich mal nach diesen Loten und Flussmitteln schauen.
Ich habe vor mit dem Acetylenbrenner zu arbeiten.
Ich habe noch eine Frage bezüglich der Mengen. Wie viele Lotstäbe benötigt man circa für einen Diamantrahmen, bzw. welche Stabdicke ist zu empfehlen? Ich habe nämlich gesehen, dass es 1,5er und 2er Stäbe gibt. Macht das überhaupt einen großen Unterschied?

Hmm ja, es macht schon einen Unterschied in der Handhabung, ich würde mich aber nicht dazu versteigen zu sagen, das eine ist besser als das andere. Es ist einfach Übungs-/Gewöhnungssache.

Grundsätzlich ist Löten so ein Übungs-Ding, je mehr Meter du machst, desto besser geht es. Ich würde dir auch dazu raten, zuerst einfach gerade Lot-Raupen auf Blech zu ziehen, dann Kehlnähte und dann eine gute Menge Rohrverbindungen zu üben, bevor du dich an den Rahmen wagst. Dazu kannst du ja einfachen Baustahl nehmen, das ist nicht so teuer.
Am Besten übst du dann auch noch, unterschiedlich dicke Teile aneinander zu löten, da wird's dann spannend. Aber eins nach dem Anderen!! Wenn du gleich mit Tertlager-an-0,8mm-Rohr anfängst, wirst du nur frustriert sein.
Der ganze Trick beim Löten ist dieser Tanz auf der Solidus-Linie des Lotes, und dafür braucht man etwas Gefühl. Auch, welche Düse man für welche Anwendung nimmt, oder wie weit man die Flamme aufdreht, weil die Dinge immer unterschiedlich viel Wärme ableiten, je nachdem wo du gerade herum fihrwerkst mit dem Brenner...

Für einen ganzen Rahmen würde ich mal so 8 Stangen veranschlagen, mehr brauchst du sicher nicht. Aber du brauchst eh mindestens ein Kilo zum üben, also gleich mehr kaufen ;-)

Es ist für mich auch sehr informativ hier den Faden zu verfolgen. Eine Frage von mir: ist ein Messinglot aus Cu670 für die Anwendung im Fahrradbereich ungeeignet? Es geht um dieses von cfh

Das Lot geht grundsätzlich, ich würde aber auf jeden Fall eins ohne Flussmittelumhüllung nehmen und das Flussmittel extra aufpinseln
 
Wie ist denn die Meinung zu CuSi3 "Löten" mit dem Wig-Schweißgerät? Optisch finde ich das auch sehr ansprechend.
 
Wie ist denn die Meinung zu CuSi3 "Löten" mit dem Wig-Schweißgerät? Optisch finde ich das auch sehr ansprechend.
Heute geliefert worden. Mal schauen ob ich über die Feiertage zum Testen komme.
 

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Wie ist denn die Meinung zu CuSi3 "Löten" mit dem Wig-Schweißgerät? Optisch finde ich das auch sehr ansprechend.
Moin!
Ich verwende CuSi mittlerweile hauptsächlich dann, wenn ich eine schnelle Verbindung ohne (viel) Verzug will z.B. bei Schweißlehren die ich, trotz besseren Wissens, gerne als Schweißkonstruktion ausführe.
Mit CuSi bringst du viel weniger Hitze ein gegenüber einer Heftung/Schweißnaht mit z.B. ER309
Gruß, Thom
 
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